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Fabelverzeichnis


Index
 
Als die Frösche einen König haben wollten
Der Adler, die Dohle und der Hirte
Der alte Mann und der Tod
Der Astrologe
Der Fischer und der Thunfisch
Der Fuchs ohne Schwanz
Der Fuchs und die Weintrauben
Der Hirsch an der Quelle
Der Kater als Arzt und die Hühner
Der Mann in den mittleren Jahren und seine beiden Freundinnen
 
Der Rabe und der Fuchs
Der Seher

Der verliebte Löwe
Der Wind und die Sonne
Der Wolf im Schafspelz
Der Wolf und das Lamm
Der Wolf und der Kranich
Die Eiche und das Schilfrohr
Die Frau und ihre Dienerinnen
Die Hündin mit dem Fleisch

 



Als die Frösche einen König haben wollten
Als die Frösche einen König haben wollten

Die Frösche litten darunter, dass sie keinen Herrscher hatten. Also schickten sie Boten zu Zeus und baten ihn darum, ihnen einen König zu geben. Zeus durchschaute aber ihre Dummheit und liess ein Stück Holz in den Sumpf werfen. Die Frösche bekamen zunaechst einen gewaltigen Schrecken bei dem Geraeusch und tauchten in die Tiefe des Sumpfes. Weil das Stück Holz sich aber nicht weiter bewegte, tauchten sie spaeter wieder auf und hielten es für so ungefaehrlich, dass sie sogar darauf stiegen und sich dort niederliessen. Aber weil sie es für unwürdig hielten, einen solchen König zu haben, begaben sie sich ein zweites Mal zu Zeus und verlangten von ihm, ihnen einen anderen König zu geben. Der erste sei naemlich ein allzugrosser Nichtsnutz. Zeus aergerte sich über sie und schickte ihnen eine Schlange, von der sie verschlungen und aufgefressen wurden.

Die Geschichte zeigt, dass es besser ist, solche Herren zu haben, die sich um nichts kümmern und nichts Böses tun, als solche, die alles durcheinander bringen und Schandtaten begehen.

Der Adler, die Dohle und der Hirte
Der Adler, die Dohle und der Hirte

Ein Adler stiess von einem hohen Felsen hinab und raubte ein Lamm. Eine Dohle sah ihm dabei zu und wollte es ihm gleichtun. Daraufhin flog sie mit rauschenden Flügeln auf den Rücken eines Widders. Aber ihre Krallen verfingen sich in seinem dichten Fell. Sie kam nicht mehr los und flatterte so lange, bis der Hirte, der sah, was geschah, eilig herkam und die Dohle fing. Dann stutzte er ihr die Flügel, und als der Abend kam, brachte er sie seinen Kindern. Als sie fragten, was das für ein Vogel sei, erwiderte er:»Wie ich mit Sicherheit weiss, ist es eine Dohle, wie sie es sich aber wünscht, ein Adler.«

So bringt der Wettstreit mit Ueberlegenen ausser der Erfolglosigkeit und dem Schaden auch noch Spott ein.

Der alte Mann und der Tod
Der alte Mann und der Tod

Ein alter Mann schlug einmal Holz, nahm es auf den Rücken und machte sich auf einen langen Weg. Weil ihn der Weg müde machte, legte er seine Last ab und rief nach dem Tod. Als der Tod erschien und wissen wollte, weshalb er ihn rufe, sagte der Mann: »Damit du meine Last auf deinen Rücken nimmst.«

Die Geschichte zeigt, dass jeder Mensch an seinem Leben haengt, auch wenn es ihm sehr schlecht geht.

Der Astrologe
Der Astrologe

Ein Astrologe ging jeden Abend ins Freie, um die Sterne zu beobachten. Und als er sich einmal in die Gegend vor der Stadt begab und ganz damit beschaeftigt war, zum Himmel hinauf zu schauen, fiel er aus Versehen in einen Brunnen. Als er dann jammerte und um Hilfe rief, hörte ein Spaziergaenger sein Geschrei. Er ging hin und erfuhr, was passiert war. Darauf sagte er zu ihm: »Lieber Mann, versuchst du, die Erscheinungen am Himmel zu durchschauen und siehst die Dinge auf der Erde nicht?«

Diese Geschichte könnte man auf diejenigen Menschen anwenden, die sich besonders wichtig nehmen, aber nicht in der Lage sind, die alltaeglichen Aufgaben der Menschen zu erledigen.

Die
»Fabel« ist nicht nur hier überliefert: Vgl. auch Platon, Theaitetos 174a; Diogenes Laertios 1,34; Antipatros, Anthologia Palatina 7, 172.
Die »Fabel« ist nicht nur hier überliefert: Vgl. auch Platon, Theaitetos 174a; Diogenes Laertios 1,34; Antipatros, Anthologia Palatina 7, 172.

Der Fischer und der Thunfisch
Der Fischer und der Thunfisch

Fischer, die hinausgefahren waren, um etwas zu fangen, und, obwohl sie sich lange Zeit abgemüht hatten, nichts fangen konnten, saßen sie mutlos in ihrem Boot. Da sprang ein Thunfisch, der verfolgt und mit gewaltigem Zischen aus dem Wasser geschleudert wurde, aus Versehen in den Kahn. Die Fischer packten ihn und gingen in die Stadt, um ihn zu verkaufen.

So schenkt oft das Glück, was die Kunst nicht schafft.


Der Fuchs ohne Schwanz
Der Fuchs ohne Schwanz

Ein Fuchs hatte in einer Falle seinen Schwanz verloren. Weil er dies für eine Schande hielt, glaubte er, sein Leben sei so nicht mehr lebenswert. Er hielt es deshalb für nötig, auch die anderen Füchse in dieselbe Lage zu bringen, um seinen eigenen Verlust zu verbergen, wenn alle gemeinsam ihn erlitten. Er rief sie also alle zusammen und forderte sie auf, ihre Schwaenze abzuschneiden. Er sagte, der Schwanz sei nicht nur unpassend, sondern haenge auch als ein überflüssiges Gewicht an ihnen. Aber einer der Anwesenden rief: »Was soll das? Wenn dir dies nicht selbst passiert waere, dann haettest du es uns nicht empfohlen.«

Diese Geschichte passt zu solchen Leuten, die ihren Mitmenschen nicht mit guter Absicht,sondern zu ihrem eigenen Vorteil Ratschlaege geben.

Der Fuchs und die Weintrauben
Der Fuchs und die Weintrauben

Ein Fuchs hatte Hunger. Als er an einem Weinstock Trauben haengen sah, wollte er sie haben und konnte es nicht. Er gab auf und sagte zu sich selbst: »Sie sind noch nicht reif.«

So ist es auch bei manchen Menschen: Wenn sie aus Unfaehigkeit etwas nicht erreichen können, machen sie die aeusseren Umstaende dafür verantwortlich.

Der Hirsch an der Quelle
Der Hirsch an der Quelle

Ein Hirsch hatte Durst und kam zu einer Quelle. Waehrend er trank und sein eigenes Spiegelbild im Wasser sah, gefiel ihm sein Geweih besonders gut. Er blickte bewundernd auf seine Grösse und Vielfalt. Ueber seine Beine aber aergerte er sich, weil sie ihm dünn und schwach vorkamen. Als er noch darüber nachdachte, tauchte ein Löwe auf und griff ihn an. Der Hirsch wandte sich zur Flucht und gewann einen grossen Vorsprung. Solange es sich umeine baumlose Ebene handelte, konnte der Hirsch laufen und in Sicherheit bleiben. Als eraber in waldiges Gelaende kam, da passierte es, dass er nicht mehr weiter laufen konnte und vom Löwen gepackt wurde, weil sich sein Geweih in den Zweigen verfing. Kurz vor seinemTode sagte er zu sich selbst: »Ich bin wirklich zu bedauern! Denn ich konnte mich mit dem retten, wodurch ich mich verraten fühlte. Umgekommen bin ich aber durch das, worauf ichbesonders vertraute.«

So sind oft schon Freunde, denen man nicht besonders vertraut, zu Rettern geworden, waehrend sich diejenigen, denen man mehr vertraute, als Verraeter erwiesen.

Der Kater als Arzt und die Hühner
Der Kater als Arzt und die Hühner

Ein Kater hörte, dass auf einem Bauernhof die Hühner krank seien. Er verkleidete sich als Arzt, nahm die entsprechenden Instrumente mit, kam zum Hof, stellte sich hin und fragte sie, wie es ihnen denn gehe. Die aber antworteten: »Gut, wenn du von hier wieder verschwindest! «

So erkennen auch bei den Menschen die Klugen die Bösen, selbst wenn die ihnen noch so sehr Güte vorspielen.

Der Mann in den mittleren Jahren und seine beiden Freundinnen
Der Mann in den mittleren Jahren und seine beiden Freundinnen

Ein Mann in den mittleren Jahren hatte zwei Geliebte: eine junge und eine alte. Die Aeltere schaemte sich, mit einem jüngeren Mann zusammen zu sein, und wenn er sie besuchte, schnitt sie ihm immer wieder seine schwarzen Haare ab. Die Jüngere aber litt darunter, einen so alten Liebhaber zu haben, und zupfte ihm allmaehlich seine grauen Haare aus. So kam es, dass er von beiden auf ihre Weise seine Haare ausgerupft bekam und schließlich kahl wurde

So ist Ungleichheit überall von Nachteil.


Der Rabe und der Fuchs
Der Rabe und der Fuchs

Nachdem ein Rabe ein Stück Fleisch gestohlen hatte, liess er sich auf einem Baum nieder. Ein Fuchs sah ihn und wollte das Fleisch haben. Er stellte sich unter den Baum und rühmte den Raben wegen seiner Grösse und Schönheit. Er fügte noch hinzu, dass ihm vor allen anderen die Herrschaft über die Vögel zustehe. Und dies könne auf jeden Fall Wirklichkeit werden, wenn er auch eine schöne Stimme habe. Als der Rabe dem Fuchs zeigen wollte, dass er auch eine schöne Stimme habe, liess er das Fleisch fallen und begann, laut zu kraechzen. Der Fuchs stürzte sich auf das Fleisch und rief: »Ach, Rabe, wenn du auch noch Vernunft besaessest, haette deiner Herrschaft über alle nichts im Wege gestanden.«

Die Geschichte passt gut auf einen Mann ohne jede Vernunft.

Der Seher
Der Seher

Ein Seher sab auf einem Markt und sammelte Geld. Als jemand unerwartet zu ihm kam und ihm berichtete, dass die Türen seines Hauses offen stünden und alles drinnen ausgeplündert sei, sprang er erschrocken auf und rannte jammernd los, um zu sehen, was geschehen war. Als einer der Vorbeikommenden ihn so sah, sagte er: »Lieber Freund, du prahlst damit, die Ereignisse, die andere Menschen betreffen, vorauszusehen, wo du doch nicht einmal das, was bei dir passiert, vorhersagen kannst!«

Diese Geschichte könnte man auf jene Menschen übertragen, die ihr eigenes Leben schlecht im Griff haben und versuchen, für die Dinge, die sie eigentlich gar nichts angehen, Vorsorge zu treffen.

Der verliebte Löwe
Der verliebte Löwe

Ein Löwe hatte sich in die Tochter eines Bauern verliebt. Er freite um sie. Der Bauer wollte seine Tochter dem wilden Tier nicht geben, aber aus Angst konnte er ihm seinen Wunsch nicht verweigern. Deshalb fasste er folgenden Plan: Als der Löwe ihn staendig bedraengte, sagte er, er meine zwar, dass er ein seiner Tochter würdiger Braeutigam sei. Aber er könne sie ihm nur dann geben, wenn er seine Zaehne ziehe und seine Krallen abschneide. Denn das junge Maedchen fürchte diese. Als der verliebte Löwe ohne weiteres beiden Wünschen entgegenkam, hatte der Bauer keine Angst mehr vor ihm, und als der Löwe zu ihm kam, verprügelte und verjagte er ihn.

Die Geschichte zeigt, dass alle allzu vertrauensseligen Menschen sich jenen ausliefern, denen sie vorher Angst einflössten, wenn sie selber auf die Mittel verzichten, auf denen ihre Ueberlegenheit beruhte.


Der Wind und die Sonne
Der Wind und die Sonne

Der Wind und die Sonne stritten darum, wer die grössere Macht habe. Sie vereinbarten nun, dass derjenige der Sieger sei, der es schaffe, einen Wanderer auszuziehen. Der Wind machte den Anfang und blies heftig. Als sich der Mensch aber mit seiner Kleidung zu schützen versuchte, blies er noch heftiger. Der Mensch litt dann noch mehr unter der Kaelte und zog sich waermer an, bis der Wind es aufgab und der Sonne das Feld überliess. Von der Sonne ging zuerst eine ganz massvolle Waerme aus. Als der Mensch daraufhin seine überflüssigen Kleider ablegte, wurde die Sonne staerker, bis er es nicht mehr aushalten konnte, sich ganz auszog und zu seinem Schutz in einen Fluss sprang, um sich abzukühlen.

Die Geschichte zeigt, dass es oft wirksamer ist zu überzeugen als Gewalt anzuwenden.


Der Wolf im Schafspelz
Der Wolf im Schafspelz

Ein Wolf beschloss einmal, sich zu verkleiden, um im Ueberfluss leben zu können. Er legte sich ein Schafsfell um und weidete zusammen mit der Herde, nachdem er den Hirt durch seine List getaeuscht hatte. Am Abend wurde er vom Hirten zusammen mit der Herde eingeschlossen, der Eingang wurde verrammelt und die ganze Einfriedung gesichert. Als aber der Hirt hungrig wurde, schlachtete er den Wolf.

So hat schon manch einer, der in fremden Kleidern auftrat, seine Habe eingebüsst.


Der Wolf und das Lamm
Der Wolf und das Lamm

Ein Wolf sah, wie ein Lamm aus irgendeinem Fluss trank. Er suchte einen vernünftigen Anlass, um es zu fressen. Deshalb stellte er sich weiter oben an das Ufer und warf dem Lamm vor, dass es das Wasser trübe mache und ihn nicht trinken lasse. Als das Lamm entgegnete, dass es am Ufer stehe und trinke und es auch nicht möglich sei, dass jemand, der weiter unten stehe, das Wasser oberhalb dieser Stelle durcheinander bringe, liess der Wolf von dieser Begründung ab und sagte: »Aber du hast im vorigen Jahr meinen Vater beleidigt.« Als das Lamm entgegnete, es sei noch nicht einmal ein Jahr alt, sagte der Wolf zu ihm: »Auch wenn du in der Lage bist, dich geschickt zu rechtfertigen, werde ich dich deshalb etwa nicht fressen?«

Die Geschichte veranschaulicht, dass bei denjenigen, die die Absicht haben, eine Untat zu begehen, auch eine gelungene Rechtfertigung keinen Eindruck macht.

Der Wolf und der Kranich
Der Wolf und der Kranich

Ein Wolf hatte ein Schaf erbeutet und verschlang es so gierig, dass ihm ein Knochen im Rachen steckenblieb.
In seiner Not setzte er demjenigen eine große Belohnung aus, der ihn von dieser Beschwerde befreien würde.
Der Kranich kam als Helfer herbei; glücklich gelang ihm die Kur, und er forderte nun die wohlverdiente Belohnung.
»Wie?« höhnte der Wolf, »du Unverschaemter! Ist es dir nicht Belohnung genug, dass du deinen Kopf aus dem Rachen eines Wolfes wieder herausbrachtest? Gehe heim, und verdanke es meiner Milde, dass du noch lebest!«

Hilf gern in der Not, erwarte aber keinen Dank von einem Bösewichte, sondern sei zufrieden, wenn er dich nicht beschaedigt.

Die Eiche und das Schilfrohr
Die Eiche und das Schilfrohr

Eine Eiche und ein Schilfrohr stritten über ihre Staerke. Als aber ein heftiger Wind aufkam, bog sich das Schilfrohr, neigte sich vor dem Wehen des Windes und blieb fest im Boden. Die Eiche aber, die sich dem Wind mit ganzer Kraft entgegenstemmte, wurde entwurzelt

Die Geschichte zeigt, dass es keinen Zweck hat, mit den Maechtigeren zu streiten oder ihnen Widerstand zu leisten.

Die Frau und ihre Dienerinnen
Die Frau und ihre Dienerinnen

Eine fleissige Witwe hatte mehrere Dienerinnen. Sie war es gewohnt, sie in der Nacht beim ersten Hahnenschrei zur Arbeit zu wecken. Da sie sich ununterbrochen fast zu Tode abmühten, meinten sie dem Hahn den Hals umdrehen zu müssen. Denn sie glaubten, er sei die Wurzel des Uebels, weil er ihre Herrin in der Nacht wecke. Es kam aber dazu, dass ihr Leiden nach dieser Tat noch schlimmer wurde. Denn die Herrin wusste die Stunde der Haehne nicht mehr und weckte ihre Dienerinnen noch früher.

So ist es auch bei vielen Menschen: Die eigenen Absichten bringen einem selbst Leid und Not.


Die Hündin mit dem Fleisch
Die Hündin mit dem Fleisch

Eine Hündin überquerte mit einem Stück Fleisch einen Fluss. Als sie dann ihr eigenes Spiegelbild im Wasser sah, nahm sie an, dass dort eine andere Hündin mit einem noch grösseren Stück Fleisch sei. Deshalb liess sie das eigene Stück fallen, um jener ihr Stück wegzuschnappen. So kam es aber, dass ihr beide Stücke verloren gingen; denn an das eine kam sie nicht heran, da es gar nicht da war, das andere ging ihr verloren, weil es von der Strömung fortgetragen wurde.

Die Geschichte trifft auf einen Menschen zu, der immer mehr haben will.