Albrecht von Johansdorf
   
 

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Minnesnger

Albrecht von Johansdorf



Niederbayer, Ministeriale des Passauer Bischofs, urkundlich zuerst um 1180/1185, zuletzt zum Jahre
1209 bezeugt. Mglicherweise die Teilnahme am Kreuzzug von 1197? Kann man aber nicht schlssig
beweisen, da es keine Aufzeichnungen darber gibt. Todesdatum unbekannt.
 

 

Kreuzlied I
 
1.
Mn rste liebe, der ich ie began,
diu selbe muoz an mir diu liebeste sn.
an friden ich des dicke schaden hn,
iedoch s rtet mir daz herze mn.
sold ich minnen mre danne eine,
daz enwer mr niht guot,
sne minnet ich deheine.
seht, wie maneger ez doch tuot!

2.
Ich wil ir rten b der sle mn,
durch deheine liebe niht wan durch daz reht:
waz moht ir an ir tugenden bezzer sn,
danne be si ir mberede lieze sleht,
taet an mir einvalteclche,
als ich ir einvaltec bin.
an friden werde ich niemer rche,
ez enwaere ir der beste sin.

3.
Ich wnde, daz mn kme waere erbiten.
dar f ht ich gedingen manege zt.
nu ht mich gar ir friundes gruoz vermiten.
mn bester trst der waene d nider gelt.
ich muoz alse wlen flhen
und noch harter, hulf ez iht.
herre, wan ist daz mn lhen,
daz mir niemer leit geschiht?

4.
Ich hn dur got daz crce an mich genomen
und var d hin durch mne missett.
nu helfe er mir, ob ich her wider kome,
ein wp diu grzen kumber von mir ht
daz ich si vinde an ir ren:
s wert er mich der bete gar.
sl aber si ir leben verkren,
s gebe got daz ich vervar.

 
1.
Meine erste Liebe, die ich jemals einging,
dieselbe soll mir auch die liebste bleiben.
An Glck geht mir dadurch oftmals viel verloren,
aber dennoch gibt mein Herz mir diesen Ratschlag.
Sollte ich mehr als eine lieben,
das wre nicht gut fr mich,
denn dann liebte ich keine.
Ach, wie viele tun dies trotzdem!

2.
Ich will ihr bei meiner Seele raten,
aber nicht der Liebe, nur des Rechtes wegen.
Was knnte ihr bei ihrer Vollkommenheit mehr
geziemen, als ihre falsche Nachrede zu unterlassen
und aufrichtig an mir zu handeln,
so wie ich zu ihr aufrichtig bin.
An Freuden werde ich niemals reich,
wenn sie dies nicht fr die beste Lsung anshe.

3.
Ich hatte geglaubt, dass mein Schmerz ausgelitten sei.
Darauf hatte ich lange Zeit meine Hoffnung gesetzt.
Bis jetzt hat mich ihr Freundesgru vllig auer acht
gelassen. Meine grte Hoffnung, so glaube ich,
liegt am Boden. Ich muss so wie einst wieder flehen
und sogar noch mehr, wenn es nur etwas hlfe.
Herr, warum ist mein Leben nicht so,
dass mir kein Leid mehr widerfhrt?

4.
Ich habe mir fr Gott das Kreuz angeheftet
und ziehe aus wegen meiner Snden.
Nun mge er mir helfen, wenn ich zurckkehre,
dass ich die Frau, die groen Schmerz durch mich
erleidet, wieder in ihrem alten Ansehen vorfinde.
Dann erfllt er mir meine Bitte ganz.
Sollte sie jedoch ihr Leben zum Falschen wenden,
dann gebe Gott, dass ich nicht zurckkehre.

 

Kreuzlied II
 

1.
Mich mac der tt von ir minnen wol scheiden,
anders nieman, des hn ich gesworn.
ern ist mn friunt niht, der mir si wil leiden,
wand ch ze einer fride s hn erkorn.
swenne ich von schulden erarn iren zorn,
s bin ich verfluochet vor gote alse ein heiden.
si ist wol gemuot und ist vil wol geborn.
heiliger got, wis gnaedic uns beiden!

2.
D diu wolgetne gesach daz crze an mnem
kleide, d sprach diu guote, d ich von ir gie:
"wie wiltu n gelesten diu beide,
varn ber mer und iedoch wesen hie?"
S sprach, wie ich wolde gebrn umbe sie
<...........................................................
...........................................................>
was mir w, d geschach mir nie s leide.


3.
Nu mn herzefrouwe, nu entrre niht s sre.
daz wil ich iemer zeinem liebe haben:
wir suln varn dur des rchen gotes re
gern ze helfe dem viel heiligen grabe.
swer d bestrchet, der mac vil wol besnaben,
dne niemen ze sre gevalle.
daz meine ich s: die slen werden fr,
s si ze himele kren mit schallen.
 
1.
Mich vermag der Tod von ihrer Liebe zu trennen,
sonst niemand, das habe ich geschworen.
Der ist mein Freund nicht, der sie bei mir
schlechtmachen will, denn ich habe sie mir zu
meiner Freude gewhlt. Wenn ich mit Grund ihre
Emprung errege, dann bin ich vor Gott wie ein
Heide verflucht. Sie ist hochgemut und edel
geboren. Heiliger Gott, sei uns beiden gndig!

2.
Als die Schne das Kreuz auf meinem Kleide
erblickte, da sagte die Edle, bevor ich von ihr
aufbrach: "Wie willst du nun beides erfllen, bers
Meer ziehen und dennoch hier bleiben?" Sie fragte,
wie ich mich ihr gegenber verhalten wollte
<...........................................................

<.........................................................
>
Frher war mir schon schmerzlich zumute, aber da
erlitt ich nie ein solches Leid.

3.
Nun, meine Geliebte, nun sei nicht so traurig.
Das will ich immer als meine Freude ansehen:
wir sollen zu des mchtigen Gottes Ehre dahinziehen,
freudig, dem heiligen Grabe zu Hilfe.
Wer dort strauchelt, der kann ruhig fallen,
wo niemand wirklich strzen kann.
Das meine ich so: die Seelen werden froh,
wenn sie unter Jubel in den Himmel zurckkehren.

 
Kreuzlied III
 
1.
Die hinnen varnt, die sagent dur got, daz
Ierusalem der reinen stat und ouch dem
lande helfe noch nie noeter wart.
diu klage wirt der tumben spot. die sprechent
alle: "waer ez unserm herren ande,
er raeche ez n ir aller vart." nu mugent
si denken, daz er leit den grimmen tt!
der grzen marter was im ouch vil gar unnt,
wan daz in erbarmet unser val. swen n
sn criuze und sn grap niht wil erbarmen,
daz sint von ime die saelden armen.

2.
Nu waz gelouben wil der hn, und wer sol
im ze helfe komen an snem ende,
der gote wol hulfe und tuot es niht?
als ich mich versinnen kan, ez ens vil
gar ein haft nt, diu in des wende,
ich waene, er ez bel bersiht. nu lt daz
grap und ouch daz criuze geruowet ligen!
die heiden wellent einer rede an uns
gesigen, daz gotes muoter niht s ein
maget. swem disiu rede niht nhe an sn
herze vellet, ow, war ht sich der gesellet?

3.
Mich habent die sorge f daz brht,
daz ich vil gerne kranken muot von mir
vertrbe. des was mn herze her niht fr.
ich gedenke als vil manige naht:
"waz sol ich wider got nu tuon, ob ich
belbe, daz er mir genaedic s?" s weiz ich
niht vil grze schulde; die ich habe,
niuwan in der kume ich niemer abe.
alle snde liez ich wol wan die: ich
minne ein wp vor al der welte in mnem
muote. got herre, daz vervch ze guote!
 

1.
Die von hinnen ziehen, behaupten bei Gott, dass der
heiligen Stadt und dem Reich Jerusalem Hilfe nie
dringlicher war. Diese Klage schlagen die Toren in den
Wind. Die sagen alle: "Wre es fr unseren Herrgott
eine Krnkung, dann wrde er es auch ohne ihre
Kreuzfahrt rchen." Nun sollen sie doch daran denken,
dass er den bitteren Tod erlitt. Diese groe Qual
brauchte er nicht auf sich zu nehmen, aber er erbarmte
sich ber unsere Verlorenheit. Wer nun mit seinem
Kreuz und seinem Grab kein Erbarmen haben will,
dem schenkt er auch nicht das himmlische Glck.

2.
Was fr einen Glauben kann der haben und wer wird dem
an seinem Lebensende zu Hilfe kommen, der Gott helfen
knnte und es nicht tut? Es sei denn eine zwingende
rechtliche Verpflichtung hlt ihn ab, so halte ich es,
wenn ich mich recht darauf verstehe, fr verwerflich,
solche Aufgabe zu bersehen. Doch schweigen wir vom
Grab und auch vom Kreuz. Die Heiden wollen uns
auch noch mit der anderen Behauptung erledigen,
dass die Gottesmutter keine Jungfrau gewesen sei.
Wem dieser Anwurf nicht tief zu Herzen  geht,
ach, in wessen Gesellschaft hat sich der begeben?

3.
Mich haben diese Bedrohungen dahin gebracht,
dass es mich drngt, meine Schwche zu berwinden.
Davor war mein Herz bisher nicht frei.
Gar manche Nacht denke ich: "Was kann ich, falls ich
falle, vor Gott jetzt tun, damit er mir gndig sei?"
Dann komme ich aber nicht auf viele Snden, die mich
belasten, auer einer, von der ich jedoch niemals
loskommen werde. Alle Snden knnte ich bequem
unterlassen bis auf diese eine: ber alles andere in der
Welt liebe ich von Herzen eine Frau.
Gott, mein Herr, rechne mir das zum Guten an!
 

1.
Wie sich minne hebt, daz weiz ich wol;
wie si ende nimt des weiz ich niht.
ist daz ich es inne werden sol,
wie dem herzen herzeliep geschiht,
s bewar mich vor dem scheiden got,
daz waen bitter ist.
disen kumber vrhte ich ne spot.

2.
Sw zwei herzeliep gevriundent sich,
und ir beider minne ein triuwe wirt,
die sol niemen scheiden, dunket mich,
al die wle unz s der tt verbirt.
waer diu rede mn, ich taete als:
verliure ich mnen friunt,
seht, s wurde ich niemer mre vr.

3.
D gehoeret manic stunde zuo,
daz sich gesamne ir zweier muot.
d daz ende unsanfte tuo,
ich waene wol, daz s niht guot.
Lange s ez mir unbekant.
und werde ich iemen liep,
der s sner triuwe an mir gemant.

4.
"Der ich diene und iemer dienen wil,
diu sol mne rede vil wol verstn.
spraeche ich mre, des wurde alze vil.
ich wil ez allez an ir gete ln.
Ir genden der bedarf ich wol.
und wil si, ich bin vr;
und wil si, so ist mn herzeleides vol."
 

1.
Wie Liebe beginnt, dass wei ich gut,
aber wie sie aufhrt, wei ich nicht.
Sollte ich es erfahren,
wie dem Herzen wahre Liebe zuteil wird,
dann bewahre Gott mich vor der Trennung,
die sicher bitter ist.
Diesen Schmerz frchte ich ernstlich.

2.
Wo immer zwei sich befreunden, die einander
herzlich lieben, und wo ihrer beider Liebe zu
einer Treue wird, soll sie niemand, meine ich,
trennen, solange sie der Tod verschont.
Wenn ich in solch einer Lage wre,
handelte ich so: Wenn ich den Freund verlre,
glaubt mir, ich wrde nie mehr froh.

3.
Es braucht so manche Zeit,
bis ihr beider Sinn sich einig wird.
Da das Ende schmerzlich sein soll,
glaube ich wohl, dass es nicht gut ist.
Lange bleibe es mir unbekannt!
Und wenn mich jemand lieb gewinnt,
den mahne ich, mir treu zu sein.

4.
"Die, der ich diene und immer dienen will,
soll meine Worte richtig verstehen.
Sagte ich mehr, dann wre es schon zuviel.
Ich will alles ihrem lieben Wesen berlassen.
Auf ihr Entgegenkommen bin ich angewiesen.
Und wenn sie will, dann bin ich froh,
und wenn sie will, dann ist mein Herz voller Leid."
 

1.
Ich vant si ne huote
die vil minneclche eine stn.
j, d sprach diu guote:
"waz welt ir s eine her gegn?"
"Vrowe, ez ist als geschehen."
"sagent, war umbe sint ir her?
des sult ir mir verjehen."

2.
"Minen senden kumber
klage ich, liebe vrowe mn."
"w, waz sagent ir tumber?
ir mugent iuwer klage wol lzen sn."
"Vrowe, ich enmac ir niht enbern."
"s wil ich in tsent
jren niemer iuch gewern,"

3.
"Nein, kniginne!
daz mn dienst s iht s verlorrn!"
"ir sint ne sinne,
daz ir bringent mich in selhen zorn."
"Vrowe, iuwer haz tuot mir den tt."
"wer ht iuch, vil lieber man,
betwungen f die nt?"

4.
"Daz ht iuwer schoene,
die ir hnt, vil minneclchez wp."
"iuwer sezen doene
wolten krenken mnen staeten lp."
"Vrowe, niene welle goz."
"wert ich iuch, des hetet ir re;
s waer mn der spot."

5.
"S lnt mich noch geniezen,
daz ich iu von herzen ie was holt."
"iuch mac wol verdriezen,
daz ir iuwer wortel gegen mir bolt."
"Dunket iuch mn rede niht guot?"
"j si ht beswaeret dicke mnen
staeten muot."

6.
"Ich bin ouch vil staete,
ob ir ruochent mir der wrheit jehen."
"volgent mner raete,
lnt die bete, diu niemer mac beschehen."
"Sol ich als sn gewert?"
"got der wer iuch andersw,
des ir an mich d gert."

7.
"Sol mich dan mn singen
und mn dienst gegen iu niht vervn?"
"iu sol wol gelingen,
ne ln s sult ir niht bestn."
"Wie meinent ir daz, vrowe guot?"
"daz ir dest werdet sint
unde d b hchgemuot."
 

1.
Ich fand sie ohne Aufsicht,
die Se, ganz allein.
Ja wirklich, da sagte die Liebe:
"Was fhrt Euch so allein hierher?"
"Herrin, es ist halt so gekommen."
"Sagt, warum seid Ihr hier?
Gesteht es mir."

2.
"Meinen Liebeskummer
will ich klagen, meine liebe Herrin."
"Weh, was sagt Ihr da, Ihr Narr?
Ihr solltet Euer Klagen besser lassen."
"Herrin, ich kann es aber nicht."
"Dann will ich Euch auch in tausend
Jahren nicht erhren."

3.
"Nein doch, Knigin!
Dass mein Dienst so vergeblich sein soll!"
"Ihr habt den Verstand verloren,
dass Ihr mich so erzrnt."
"Herrin, wenn Ihr mich nicht mgt, das ist mein Tod."
"Wer hat Euch, liebster Mann,
in diese Bedrngnis gebracht?"

4.
"Eure Schnheit, allerliebste Frau."
"Eure Schmeicheleien sollten mich wohl in
meiner Tugend erschttern."
"Herrin, das verhte Gott!"
"Wenn ich Euch erhrte,
httet Ihr die Ehre,
ich aber die Schande."

5.
"So lasst es mir trotzdem zugute kommen,
dass ich Euch stets von Herzen ergeben war."
"Es wird Euch eher Verdruss bringen,
dass Ihr mich mit so ausgesuchten Worten
bekriegt." "Findet Ihr meine Rede nicht gut?"
"Sie hat mich ja in meiner Standhaftigkeit
oft bedrngt."

6.
"Auch ich bin sehr treu,
wenn Ihr mir die Wahrheit gndigst zugesteht."
"Wenn Ihr meinem Rat folgen wollt, dann lasst
diese Bitte, die niemals erfllt werden kann."
"Soll das etwa mein Lohn sein?"
"Gott gewhre Euch anderswo,
was Ihr von mir begehrt."

7.
"Soll mir denn mein Singen
und mein Dienst bei Euch nichts ntzen?"
"Es wird Euch schon etwas einbringen,
ohne Lohn werdet Ihr nicht bleiben."
"Wie meint Ihr das, liebe Herrin?"
"Dass Ihr um so mehr an Wert gewinnt
und dabei frohgestimmt seid."
 

1.
Swaz ich n gesinge,
daz ist allez umbe niht; mir weiz sn niemen
dang. ez wiget allez ringe,
dar ich hn gedienet, d ist mn ln vil kranc.
Ez ist hiure an gnden unnaeher danne vert
und wirt ber ein jr vil lhte kleines lnes wert.

2.
Wie der einez taete, des vrge ich,
ob ez mit vuoge muge geschehen, waer ez
niht unstaete, der zwein wben
wollte sich vr eigen geben, beidiu tougenlche?
sprechent, herre, wurre ez iht? "wan solz
den man erlouben unde den vrouwen niht."
 

1.
Was ich jetzt auch singe,
das ist alles fr nichts: niemand wei mir Dank dafr.
Es wiegt alles gering, denn wo ich gedient habe,
da ist mein Lohn sehr klein. Es gibt in diesem Jahr
weniger Gnade als im letzten Jahr und wird in einem
Jahr vielleicht nur noch ganz kleinen Lohn wert sein.

2.
Danach frage ich: Wie der sich verhielte,
der, sofern es mit Anstand geschehen knnte und
sofern es nicht Unbestndigkeit zeigte, zwei Frauen
sich zu eigen geben wrde, und zwar beiden heimlich?
Sagt, Herr, wre das sehr schlimm? "Man soll es den
Mnnern erlauben, aber nicht den Frauen."
 

1.
Guote liute, holt die gbe,
die got unsere herre, selbe gt,
der aller dinge ht gewalt.
verdienent snen solt, der den
sldehaften dort behalten lt mit
friden iemer manecvalt.
ldent eine wle willeclche nt vr den
iemermre wernden tt. got ht iu
beide sle und lp gegeben. gebt im des lbes
tt, daz wirt der sle dort ein iemer leben.

2.
Minne, l mich fr!
du solt mich eine wle sunder liebe ln.
du hst mir gar den sin benomen.
kumst du wider b, swenne ich
die reinen gotes vart volendet hn,
s wis mir aber willekomen. wilt aber
d z mnem herzen scheiden niht,
- daz vil lhte unwendic doch beschiht -,
vere ich dich danne mit mir in gotes lant. s
s er der guoten dort umb halben ln gemant.

3.
"Ow", sprach ein wp,
"waz mir doch von liebe leides ist beschert!
waz mir diu liebe leides tuot!
fridelser lp, wie wilt du n gebren,
swenne er hinnen vert, dur den du wre ie
hchgemuot? wie sol ich der werlte
und mner klage geleben? d bedorfte ich
rtes zuo gegeben. kunt ich mich
beidenthalben n bewarn, des wart mir
nie s nt. ez nhet,er wil hinnen varn."

4.
Wol si, slic wp,
die mir ir wbes gete daz gemachen kan,
daz man si veret ber s.
ir vil guoten lp
den sol er loben, swer ie herzeliep gewan,
want ir heime tuot als w,
swenne s gedenket an sne nt.
"lebt mn herzeliep od ist er tt"
sprichet s, "s meze sn pflegen, dur den
sn sezer lp sich dirre werlte ht bewegen."
 

1.
Liebe Leute, erwerbt die Gabe,
die Gott, unser Herr, selbst vergibt,
der ber alles herrscht.
Verdient euch seinen Lohn, der den
Glckhaften dort bereit liegt mit so vielen Freuden.
Erleidet eine Zeitlang bereitwillig Beschwernisse
zur Abwendung des ewig whrenden Todes.
Gott hat euch beides, Seele und Leib gegeben.
Riskiert den irdischen Tod; das wird der Seele ein
ewiges Leben bescheren.

2.
Minne, lass mich frei!
Du sollst mich eine Zeitlang ohne Freude sein lassen.
Du hast mir vollkommen den Verstand geraubt.
Kommst du wieder zu mir zurck, wenn ich die
herrliche Kreuzfahrt abgeschlossen habe, so sei mir
dann herzlich willkommen.
Willst du aber nicht aus meinem Herzen gehen,
- was wahrscheinlich doch geschieht -, nhme ich dich
dann mit mir ins Heilige Land, so sei der halbe Lohn
Gottes fr die Kreuzfahrt der Geliebten zugerechnet.

3.
"Ach und Weh", sprach eine Frau,
"was mir doch die Liebe Leid beschert!
Was mir die Liebe Schmerzen zufgt!
Freudloses Ich, wie willst du dich nun verhalten,
wenn er fort fhrt, der dich immer in so
freudige Stimmung versetzt hat? Wie soll ich mit
der Gesellschaft und mit meiner Klage leben?
Dazu bedrfte ich eines guten Ratschlags. Knnte ich
doch mich von beidem fernhalten. Nie war mein Kummer
so gro. Es naht der Tag, er geht auf Kreuzfahrt."

4.
Wohl ihr, der herrlichen Frau,
die mit ihrer weiblichen Gte bewirken kann,
dass man sie mit ber See fhrt.
Ihr auerordentliches Wesen soll loben,
wer immer eine Geliebte gewann, denn zu Hause
tut es ihr so weh, wenn sie an seine fernen
Beschwernisse denkt. "Lebt mein Herzallerliebster,
oder wenn er tot ist", spricht sie,
"muss der ihm anbefohlen sein, um dessentwillen
sein wunderbarer Leib auf diese Welt verzichtet hat."
 

1.
Ich unde ein wp, wir haben gestriten
nu vil mange zt.
ich hn vil leides von ir zorne
erliten.
noch heldet si den strt.
nu waenet si dur daz ich var
daz ich si lze fr.
got vor der helle niemer mich bewar,
ob daz mn wille s.
swie vil daz mer und ouch die starken
nde toben,
ichn will si niemer tac verloben.
der donreslege mhte ab lhte sn
d si mich dur lieze.
nu sprechet wes si wider mich genieze.
si kumt mir niemer tac z den
gedanken mn.

2.
Ob ich si iemer mre gesehe,
desn weiz ich niht fr wr.
d b geloube mir, swes ich ir jehe,
ez gt von herzen gar.
ich minne si vr alliu wp
und swer ir des b gote.
alle mne sinne und ouch der lp
daz stt in ir gebote.
in erwache niemer ez ens mn
rste segen
daz got ir ren meze pflegen
und lze ir lp mit lobe hie gestn.
dar nch weclche
du gip ir, herre, vride in dme rche,
daz ir geschehe als,
als meze ouch mir ergn.
 

1.
Ich und eine Frau, wir haben
nun lange Zeit gestritten.
Ich habe viel an Leid durch ihren Zorn
erfahren;
noch fhrt den Streit sie fort.
Nun hofft sie, wegen meiner Fahrt,
dass ich sie freilasse.
Gott soll mich von der Hlle nicht erretten,
wenn das mein Wille ist.
Wie sehr das Meer und seine starken
Fluten toben,
ich will sie keinen einzigen Tag aufgeben.
Doch drften da leicht Donnerschlge sein,
durch die sie mich verliee.
Nun sagt, was sie damit an mir erreicht?
Sie kommt mir keinen Tag aus meinen
Gedanken.

2.
Ob ich sie jemals wiedersehe,
das wei ich wahrlich nicht.
Darum glaube sie mir: was immer ich gestehe,
es kommt ganz von Herzen.
Ich liebe sie vor allen Frauen
und schwre ihr es zu bei Gott.
Mein ganzer Sinn und mein Leben
steht in ihrem Gebot.
Ich wache niemals auf, dass nicht mein
erster Segenswunsch sei,
Gott mge fr ihr Lob sorgen
und lasse sie in Ehren hier bestehn.
Darauf in Ewigkeit
gib ihr du, Herr, Freude, in deinem Reich,
dass ihr so geschehe,
wie es auch mir ergehen mge.
 

1.
Diu Saelde ht gekroenet mich
gegen der vil sezen minne,
des muoz ich iemer ren dich
vil werde kniginne.
swenne ich die vil schnen hn,
sne mac mir niemer missegn.
si ist aller gete ein gimme.


2.
Geprevet ht ir rter munt,
daz ich muoz iemer mre
mit friden leben zaller stunt,
swar ich des landes kre.
als ht si gelnet mir,
gescheiden ht mich niht von ir
frou Zuht mit sezer lre.

 

1.
Das Glck hat mich auserwhlt
fr die so se Minne,
dafr muss ich dich immer ehren,
hochwrdige Knigin.
Wenn ich die so Schne besitze,
kann mir nie mehr etwas missglcken.
Sie ist aller Gte Juwel.

2.
Bewirkt hat ihr roter Mund,
dass ich kann immerfort
in Freuden leben alle Zeit,
wohin im Lande ich mich auch wende.
So hat sie mir gelohnt,
geschieden hat mich nicht von ihr
Frau Zucht mit milder Nachsicht.
 

1.
Der al der werlde fride gt,
der troeste mn gemete.
mn fride an der vil schnen lt,
nch der mn herze wete.
scheide, frouwe, diesen strt,
der in mnem herzen lt,
mit reines wbes gete.

2.
Du nime daz, frouwe, in dnen muot
und tuo genaedeclche.
gegen dir unsanfte mir daz tuot
und sol ich von dir wchen.
du l gegen mir den dnen haz,
sne mac mir niemer werden baz,
wan in dem himelrche.

3.
Und sold ich iemer daz geleben,
daz ich si umbe vienge,
s mese mn herze in friden sweben,
swenne daz als ergienge,
s wurde ich von sorgen fr,
ir gende stnt d b,
ob si mir des verhienge.
 

1.
Er, der der ganzen Welt Freude gibt,
der trste mein Gemt.
Meine Freude liegt bei der so Schnen,
nach der mein Herz sich verzehrt.
Beende, Herrin, diesen Kampf,
der in meinem Herzen herrscht,
mit der Gte einer reinen Frau.

2.
Nimm du das, Herrin, dir zu Herzen
und handle gndig.
Bei dir fllt es mir schwer,
wenn ich von dir scheiden muss.
Lasse du deine Feindschaft gegen mich,
dann kann es mir nimmer wohler werden,
auer im Himmelreich.

3.
Und sollte ich jemals erleben,
dass ich sie umfinge,
dann msste mein Herz in Freuden
schweben, wenn das so geschhe,
dann wrde ich von Sorgen frei,
ihre Gnade wrde da beistehen,
wenn sie mir das verstattete.
 

1.
Ich wil gesehen, die ich von kinde
her geminnet hn fr elliu wp.
und ist, daz ich gende finde,
s gesach ich nie s guoten lp.
obe aber ich ir wre
vil gar unmre,
s ist si doch, diu tugende nie verlie.
fride und sumer ist noch allez hie!

2.
Ich hn als her gerungen,
daz vil trreclche stuont mn leben.
dicke hn ich "w" gesungen,
dem will ich vil schiere ein ende geben.
"wol mich", singe ich gerne,
swenne ichz gelerne.
des ist zt, wan ich gesanc s nie.
fride unde sumer ist noch allez hie!
 
1.
Ich will die sehen, die ich von Kindheit an
geliebt habe vor allen anderen Frauen.
Und geschieht es, dass ich erhrt werde,
wre ich nie einer so liebenswrdigen Frau begegnet.
Wenn ich ihr aber
vllig gleichgltig wre,
bleibt sie doch die stndig Tugendhafte.
Freude und Sommer sind noch immer da!

2.
Ich habe bisher mich so abgeqult,
dass mein Leben ungemein traurig verlief.
Oft habe ich "Weh mir" gesungen,
das soll nun schnellstens vorbei sein.
"Wohl mir", will ich mit Freuden singen,
wann immer ich es noch lerne.
Zeit dazu ist es, denn ich habe es bisher versumt!
Freude und Sommer sind noch immer da!
 

Minnesnger