Alexander Puschkin
   
 

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Alexander Sergejewitsch Puschkin
26. Mai/6. Juni 1799 in Moskau; † 29. Januar/10. Februar 1837, Sankt Petersburg) gilt als der bedeutendste russische Dichter und der Begründer der modernen russischen Literatur.


Winterreise

Durch bewegte Nebelwände
Mühsam nur der Mondschein bricht,
Und auf traurige Gelände
Gießt er traurig aus sein Licht.

Auf dem öden Winterwege
Rast das Dreigespann dahin,
Macht sein Glöckchen müd und träge
Mit dem ewigen din, din, din.

Heimatlich vertraute Klänge
In des Fuhrmanns langem Sang:
Bald schlägt's über alle Stränge,
Und bald sehnt sich das Herz sich bang.

Nirgends eine Menschenseele,
Rings nur Schnee … Es kommen mir
Die gestreiften Meilenpfähle
Ganz allein entgegen hier.

Trübsinn, Trauer … Nina, morgen,
Wenn ich wieder bei dir bin,
Da vergess ich alle Sorgen
Traumverloren am Kamin.

Klangvoll lässt die Uhr sich hören,
Wenn der Stundenkreis vollbracht,
Und vertreibend die uns stören
Trennt uns nicht die Mitternacht.

Nina, trüb stimmt mich die Reise,
Auch der Fuhrmann ist verstummt,
Monoton des Glöckchens Weise,
Nebel hat den Mond vermummt.

Der Abschied

Zum letzten Male will ich's wagen -
Ich küss' im Geist dein liebes Bild,
Und spür den Traum im Herzen schlagen
Und will dir scheu und traurig sagen,
Wie deine Liebe mich erfüllt.

Die Jahre wandeln sich und scheiden
Und wandeln alles, mich und dich:
Ich seh ein Grabtuch dich umkleiden,
Und du mein Lieb, musst es erleiden,
Dass schon dein Freund für dich erblich.

Nimm, ferne Freundin, was dein eigen,
Des Herzens letzten Abschiedsgruß,
Dich wird der Schmerz der Witwe beugen,
Der Schmerz des Freundes, der mit Schweigen
Den Freund umarmt, der fliehen muss.

Du und Sie

Sie sagt zu mir, wohl aus Versehen,
Statt Sie ein freundlich-liebes Du,
Und meine seligen Träume wehen
Ihr aus verliebter Seele zu.

Gedankenvoll zur Erde blickend
Steh ich vor ihr und schäme mich;
Und sage ihr: Sie sind entzückend!
Und denke: Ach, wie lieb ich dich!

Die Rose

Wo ist unsre Rose,
meine Freunde?
Verwelkt ist die Rose,
des Morgenrots Kind.
Sag nicht:
So welkt die Jugend!
Sag nicht:
So geht’s mit der Freude am Leben!
Sage zur Blüte:
Leb wohl, es tut mir leid!
und verweise uns
auf die Lilie.

Das Vöglein

Heilig ist mir in der Fremde
der vertraute Brauch aus alter Zeit:
Beim lichten Fest des Frühlings
entlasse ich ein Vöglein in die Freiheit.

Ich bin empfänglich geworden für diesen Trost;
weswegen sollte ich gegen Gott murren,
da ich doch immerhin einer seiner Kreaturen
die Freiheit schenken konnte.

Wunsch

Langsam schleppen sich meine Tage dahin,
und jeder Augenblick vermehrt im verzagten Herzen
all den Kummer der unglücklichen Liebe
und stört alle Träume der Unvernunft auf.
Doch ich schweige; mein Murren wird nicht laut;
ich vergieße Tränen; Tränen sind mir ein Trost;
meine Seele, in Trauer gefangen,
findet in ihr einen bitteren Genuss.
O Traum des Lebens! Fliehe dahin, es tut mir nicht leid um dich,
entschwinde im Dunkeln wie eine leere Erscheinung;
teuer ist mir die Qual meiner Liebe –
mag ich auch sterben, so möchte ich doch liebend sterben!

Der Wagen des Lebens

Wie schwer bisweilen die Last in ihm auch sei,
bei der Fahrt ist der Wagen leicht;
der kühne Kutscher – die graue Zeit –
lenkt, ohne vom Bock herabzusteigen.

Gleich morgen setzen wir uns in den Wagen;
gern brechen wir uns das Genick,
und Trägheit und Behagen verachtend,
rufen wir: los!….

Doch gegen Mittag ist der Mut nicht mehr der gleiche;
wir sind durchgeschüttelt worden; schrecklicher erscheinen uns
Hänge und Schluchten;
wir rufen: sanfter, du Dummkopf!

Der Wagen läuft wie bisher;
gegen Abend haben wir uns an ihn gewöhnt,
und im Halbschlaf fahren wir zu unserem Nachtquartier –
die Zeit aber treibt die Pferde an.

Die Nachtigall und die Rose

Im Schweigen der Gärten, im Frühling, im Dunkel der Nacht
singt die morgenländische Nachtigall über die Rose.
Doch die holde Rose fühlt nichts, vernimmt nichts,
und bei dem verliebten Lobgesang schaukelt sie und schlummert.
Singst nicht so auch du für die kalte Schönheit?
Besinne dich, Dichter, wonach trachtest du?
Sie hört nicht, sie fühlt nicht den Dichter;
du blickst zu ihr hin – sie blüht; du rufst sie an – keine Antwort.

Das Echo

Ob ein Tier im tiefen Walde brüllt,
ob ein Horn erklingt, der Donner dröhnt,
ein Mädchen hinter dem Hügel singt –
auf jeden Klang
bringst du sogleich
in der leeren Luft seinen Widerhall hervor.

Du lauscht dem Rollen des Donners,
der Stimme des Sturms und der Wellen,
dem Ruf der ländlichen Hirten –
und schickst die Antwort;
du selbst bleibst ohne Widerhall … So
auch du, Poet!