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Fabelverzeichnis


Ivan Andrejewitsch Krylow
Aleksandr N. Afanas'ev
Leo Tolstoi



Vom Fuchs und dem Karpfen


Einmal vor langer Zeit lief der Fuchs an einem Fluss entlang und gewahrte nahe beim Ufer eine Karpfen, der im Schlamm lag und sich nicht rührte.
Der Fuchs sagte: "Stimmt es, Karpfen, dass du nicht laufen kannst?" —
"Aber keine Rede, Fuchs, ich kann genauso schnell laufen wie du," erwiderte der Karpfen.
Der Fuchs schüttelte ungläubig seinen Kopf: "Das glaube ich dir nie und nimmer!" —"Auch gut," meinte der Karpfen, "dann können wir ja wetten."
Der Fuchs war gleich einverstanden und wettete mit dem Karpfen, wer schneller bis zur Mündung des Flusses laufen würde. Der Fuchs wollte natürlich den Weg am Ufer nehmen, der Karpfen im Wasser. Aber der Karpfen war viel zu faul, mit dem Fuchs um die Wette zu laufen, und erzählte dem Karpfen, der neben ihm im Schlamm lag, von seiner Wette. Der berichtete die
Geschichte dem nächsten, der seinem Nachbarn und so ging es weiter, bis schließlich alle Karpfen im ganzen Fluss die Wette mit dem Fuchs kannten.

Der Fuchs lief so schnell er konnte am Fluss entlang und rief nach einiger Zeit: "Karpfen, bist du da?" Darauf antwortete der nächste Karpfen im Fluss: "Jawohl, hier bin ich!"
Der Fuchs lief noch schneller und rief nach einer Weile wieder: "Karpfen, bist du da?"
Und wieder entgegnete der nächste Karpfen: "Jawohl, hier bin ich!"
Der Fuchs rannte jetzt, was hast du, was kannst du, den Weg entlang, aber jedes Mal, wenn er atemlos rief: "Karpfen, bist du da?" bekam er zur Antwort: "Jawohl, hier bin ich!" Endlich erreichte der Fuchs vollkommen erschöpft die Mündung des Flusses und rief zum letzten Mal: "Karpfen, bist du da?" Worauf der letzte Karpfen, der faul im Schlamm lag, brummte: "Jawohl, hier bin ich Fuchs, hast du aber lange gebraucht!"

Seit dieser Zeit spricht kein Fuchs mehr mit den Fischen.