Christoph von Schmid
   
 

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Christoph von Schmid 1786-1854



Die sieben Stäbe

Ein Vater hatte sieben Söhne,
die öfters miteinander uneins wurden.
über dem Zanken und Streiten
versäumten sie die Arbeit.
Ja, einige böse Menschen hatten im Sinne,
sich diese Uneinigkeit zunutze zu machen,
um die Söhne nach dem dem Tod des Vaters
um ihr Erbteil zu bringen.

Da ließ der ehrwürdige Greis eines Tages
alle sieben Söhne zusammenkommen,
legte ihnen sieben Stäbe vor,
die fest zusammengebunden waren,
und sagte: »Demjenigen von euch,
der dieses Bündel Stäbe entzwei bricht,
zahle ich hundert Taler bar.«
Einer nach dem anderen
strengte alle seine Kräfte an,
und jeder sagte nach langem
vergeblichem Bemühen:
»Es ist gar nicht möglich.«

»Und doch«, sagte der Vater,
»ist nichts leichter.«
Er löste das Bündel auf und
zerbrach einen Stab nach dem anderen
mit geringer Mühe.
»Ei«, riefen die Söhne,
»so ist es freilich leicht,
so könnte es ein kleiner Knabe!«

Der Vater aber sprach:
»Wie es mit diesen Stäben ist,
so ist es mit euch, meine Söhne.
Solange ihr fest zusammenhaltet,
werdet ihr bestehen, und niemand
wird euch überwältigen können.

Wird aber das Band der Eintracht
das euch verbinden soll, aufgelöst,
so geht es euch wie den Stäben,
die hier zerbrochen
auf dem Boden umherliegen.«