Der von Krenberg
   
 

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Minnesnger


Der von Krenberg
Mitte des 12. Jahrhunderts



Der Krenberger oder Der von Krenberg, der lteste der namentlich bekannten Dichter der
"donaulndischen Liebeslyrik", lebte um die Mitte des 12. Jahrhunderts. Der Dichter ist persnlich schwer zu bestimmen, wahrscheinlich ein sterreicher ritterlichen Geschlechts aus der Gegend westlich von Linz
a. d. Donau. Die Lieder sind um 1150 oder bald danach mglich.


Seine Gedichte gelten als die ltesten uns bekannten Minnelieder.
 

 

1.
"Leit machet sorge, vil liebe wnne.
eines hbschen ritters gewan ich knde: daz
mir den benomen hnt die merker und ir nt,
des mohte mir mn herze nie vr werden st."

2.
"Ich stuont mir nehtint spte an einer zinne,
d hrt ich einen rter vil wol singen in
Krenberges wse al z der menign. er muoz
mir diu lant rmen, alder ich geniete mich sn."


3.
J stuont ich nehtint spte vor dnem bette,
d getorste ich dich, vrouwe, niwet wecken.
"des gehazze got den dnen lp! j enwas
ich niht ein eber wilde",s sprach daz wp.

4.
"Swenne ich stn aleine in mnem hemede unde
ich gedenke an dich, ritter edele, s erblet sich
mn varwe, als der rse an dem dorne tuot, und
gewinnet daz herze vil manigen trrigen muot."

5.
"Ez ht mir an dem herzen vil dicke w getn, daz
mich des geluste, des ich niht mohte hn noch
niemer mac gewinnen. daz ist schedelch. jne
mein ich golt noch silber: ez ist den liuten gelch."


6.
"Ich zch mir einen valken mre danne ein jr.
d ich in gezamete, als ich in wolte hn
und ich im sn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich f vil hhe und vlouc in anderiu lant.


7.
St sach ich den valken schne vliegen.
er vuorte an snem vuoze sdne riemen,
und was im sn gevidere alrt guldn. got sende
si zesamene, die geleb wellen gerne sn!"

8.
"Es gtmir vonme herzen, daz ich geweine: ich
und mn geselle mezen uns scheiden. daz
machent lgenaere. got der gebe in leit! der uns
zwei versuonde, vil wol des waere ich gemeint."

9.
Wp vil schoene, n var d sam mir.
lieb unde leide daz teile ich sant dir. die wle
unz ich daz leben hn, s bist du mir vil liep.
wan minnest einen boesen, des engan ich dir niet.

10.
Nu brinc mir her vil balde mn ros, mn sengewant,
wan ich muoz einer vrouwen rmen diu lant,
diu wil mich des betwingen, daz ich ihr holt s.
si muoz der mner minne iemer darbende sn


11.
Der tunkel sterne, der birget sich, als tuo d,
vrouwe schoene, s du sehest mich, s l du
dniu ougen gn an einen andern man. sn weiz
doch ltzel ieman, wiez under uns zwein ist getn.


12.
Aller wbe wunne diu gt noch megetn.
als ich an s gesende den lieben boten mn,
j wurbe ichz gerne selbe, waer ez ir schade niet.
in weiz, wiez ir gevalle: mir wart nie wp als liep.


13.
Wp unde vederspil diu werdent lhte zam. swer
s ze rehte lucket, s suochent s den man. als
warb ein schoene ritter umbe eine vrouwen guot.
als ich dar an gedenke, s stt wol hhe mn muot.

 

1.
"Leid bringt Sorge, groe Liebe aber Freude. Ich habe
einen hfischen Ritter kennen gelernt: Die Aufpasser
und ihre Missgunst haben ihn mir weggenommen,
und deswegen kann mein Herz nie mehr froh werden."

2.
"Ich stand gestern abend spt allein auf der Zinne.
Da hrte ich, wie ein Ritter im Ton des Krenbergers
schn sang, mitten aus der Menge. Der muss meine
Lande verlassen, wenn ich ihn nicht zum Liebhaber
gewinne."

3.
Wahrhaftig, ich stand gestern abend spt an deinem
Bett. Doch ich wagte nicht, Herrin, dich zu wecken.
"Gott soll dich dafr immer hassen! Wahrhaftig,
ich war doch kein wilder Eber", sagte die Frau.

4.
"Immer wenn ich in meinem Hemd einsam dastehe
und wenn ich an dich denke, edler Ritter, dann erblht
die Farbe meiner Wangen so, wie es die Rose im
Dornengebsch tut, und mein Herz wird sehr traurig."

5.
"Es hat mir sehr oft im Herzen weh getan, dass mich
danach verlangte, was ich nicht haben konnte und
auch nie bekommen kann. Das bereitet Schmerzen!
Jedoch meine ich damit nicht Gold oder Silber:
es handelt sich vielmehr um einen Menschen!"

6.
Ich erzog mir einen Falken lnger als ein Jahr.
Nachdem ich ihn gezhmt hatte, so wie ich ihn haben
wollte, und ihm dann sein Gefieder mit Gold schn
geschmckt hatte, da schwang er sich auf und flog
weg.

7.
Anschlieend sah ich den Falken prachtvoll fliegen.
Er trug an seinem Fu seidene Bnder, und sein
Gefieder war ihm ganz rotgolden. Gott bringe
diejenigen zusammen, die sich gerne lieben wollen."

8.
"Es kommt mir aus dem Herzen, dass ich weinen muss:
ich und mein Geliebter sollen uns trennen.
Das verursachen Lgner: Gott sende ihnen Leid!
Wer uns zwei vershnte, der macht mich sehr froh."

9.
Schnste Frau, bleibe bei mir,
Liebe und Leid teile ich mit dir. Solange ich lebe,
so lange will ich dich sehr lieben. Aber wenn du
einen Unwrdigen liebst, dann erlaube ich es dir nicht.

10.
Jetzt bring mir ganz schnell mein Pferd und meine
Rstung her, denn wegen einer Dame muss ich diese
Lande verlassen. Die will mich dazu zwingen, dass ich
ihr zu Willen sei. Aber sie muss auf meine Liebe fr
immer verzichten.

11.
So wie der verdmmernde Stern sich verbirgt, so
mache es auch du, schne Herrin: wenn du mich
triffst, dann richte deine Augen auf einen anderen
Mann. Denn dann wei doch niemand, wie es zwischen uns beiden steht.

12.
Die schnste aller Frauen, die ist noch ein junges
Mdchen. Ich sende meinen lieben Boten zu ihr, aber
ich wrde gerne selbst um sie werben, wenn ihr das
nicht schaden wrde. Ich wei nicht, wie es ihr recht
ist: ich habe noch nie eine Frau so geliebt.

13.
Frauen und Jagdvgel, die werden auf einfache Weise
zahm: Wenn jemand sie richtig lockt, dann fliegen sie
auf den Mann. So warb ein schner Ritter um eine
edle Dame. Wenn ich daran denke, dann werde ich
hochgemut.
 

 


Bild: Sir Edwin Landseer "Falcon" 1837






 

Ich zch mir einen valken mre danne ein jr.
D ich ihn gezamete, als ich in wollte hn
und ich im sn gevidere mit golde wol bewant,
er huop sich f vil hhe und vluoc in anderiu lant.


St sah ich den valken schne vliegen,
Er vuorte an snem vuoze sdne riemen,
und was im sn gevidere alrt guldn. Got sende
si zesamene, die gerne gelieb wellen gerne sn!"
 
Ich erzog mir einen Falken lnger als ein Jahr.
Nachdem ich ihn gezhmt hatte, so wie ich ihn haben
wollte, und ich ihm sein Gefieder mit Gold schn
geschmckt hatte, da schwang er sich auf und flog
weg.

Anschlieend sah ich den Falken prachtvoll fliegen.
Er trug an seinem Fu seidene Bnder, und sein
Gefieder war im ganz rotgoldenen Gott bringe
diejenigen zusammen, die sich gerne lieben wollen!"
 

Minnesnger