Edelstein I-XXV
   
 

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Edelstein XXVI-L

Index
 
Von einem hanen und einem edeln steine
Von einem affen und von einer nus
Von einem jeger und einem tiger tier
Von einem buom uf einem berge
Von einem wolfe und einem schafe
Von einem froes und einer muse
Von einem hunde und einem schafe
Von vier tieren die waren gesellen
Von einem hunde der troug ein stuike
Von einem diebe der kam zu der E
Von einem wolfe und einem storche
Von einem hunde und einer brekin
Von einem slangen in dem huse gespiset
 
Von einem esel und einem loewen
Von einer veltmus und einer statmus
Von einem fuchse und einem arn
Von einem aren und einem sneggen
Von einem fuchs und einem rappen
Von einem alten loewen
Von einem hund und einem esel
Von einem loewen und einer muse
Von eitlem wigen der was siech
Von einem swalmen und von hanfe
Von luiten die baten umb ein kuinig
Von froeschen die wolden han einen kuinig

 

Ein kurzer Auszug aus der Vorrede des Buches:

Dis buchlin mag der edelstein
Wol heissen; wan es in im treit
Bischaft manger klugheit,
Und gebirt ouch sinne gůt,
Alsam der dorn du rose tůt.
Wer nicht erkennet wol den stein
Und sine kraft, des nutz ist klein.
Wer oben hin du bischaft sicht,
Und innewendig erkennet nicht,
Vil kleinen nutz er da von hat:
Als wol hie nach geschrieben stat.
Das merkent frouwen unde man!
Alsus vachet das buchlein an.
 


 

I
Von einem hanen und einem edeln steine
Von unerkentnisse

Von geschicht es also han
Eines tages, das ein han
Floug uf sines meisters mist. —
Das selb dik me beschechen ist;
Er sůchte sine spise,
Sam tůt ouch noch der wise. —
Er vant (das in nicht vil beschos)
Ein stein edel unde gros
Ligen unwirdigliche.
Er sprach: "Got, herre riche,
Wie han ich rninen funt verlorn!
Mich nuitzte bas ein gersten-korn
Den du. Du bist nicht nuitze mir.
Was nuitzest mich? Was soll ich dir?
Wisse, das mich nicht fuir treit
Din schoenui noch din edelkeit.
Het dich meister Ypocras,
*
Der koende tun geniessen bas
Den ich; du bist mir unerkant."
Der han warf hin den stein zehant,
Wan er was im gar unwert
Ein gersten-korn hat er begert.

Geislich
* dis bischaft ist geseit. —
Dem toren, der siu kolben treit,
Dem ist er lieber den ein rich.
Dem toren sint al die gelich,
Die wisheit, kunst, ere unde gůt
Versmachent durch ir tumben můt;
Die nuitzet nicht der edel stein.
Eim hunde lieber ist ein bein,
Den ein pfunt; das geloube mir,
Als stat ouch der toren gir,
Ir sit und ir geberde
Uf uippekeit der erde,

Si erkennent nicht des steines kraft,
Noch minner was in der bischaft
Verborgen gůter sinne ist,
Dar zu vil manger hocher list,
Die den narren fremde sint.
Gesechent sint dui narren blint.
Der tore der sol fuir sich gan,
Und dise bischaft lassen stan.
Im mag der fruichte werden nicht,
Recht als dem hanen im beschicht.

*Meister Hippokrates. Die Edelsteine standen
bekanntlich wegen ihrer Arzneikräfte in
großem Rufe.
*Geislich in Beziehung auf Übung und
Anwendung der Vernunft und des Verstandes.

 
I
Von einem Hahn und einem Edelstein
Von Unkenntnis

Von ungefähr hat sich's getan
Eines Tages, dass ein Hahn
Flog auf seines Herren Mist,
Wie das schon oft geschehen ist.
Er suchte sich dort Speise
Nach des Klugen Weise
Und fand — nicht konnt's im nütze sein —
Dort einen großen Edelstein
Unwürdig liegen in dem Kot.
Da sprach er so: "Allmächt'ger Gott,
Umsonst hab' ich den Fund getan!
Ein Gerstenkorn mehr mir nützen kann
Als du. Nichts bist du nütze mir.
Was soll ich, unnütz Ding, mit dir?
Vernimm's, mir kann nicht nütze sein
Die Herrlichkeit und Schönheit dein.
Wenn Meister Hippokras dich fänd',
Der besser dich gebrauchen könnt'
Als ich, da ich nicht kenne dich."
So warf der Hahn den Stein von sich,
Da er gar wertlos ihm erschien;
Ein Haferkorn bedünkte ihm viel mehr.

Dies Beispiel sei erzählt
Dem Toren, der den Kolben wählt,
Der mehr ihm als ein Königreich.
Dem Toren sind die alle gleich,
Die Weisheit, Kunst und Ehr' und Gut
Verschmähn in ihrem Torenmut;
Für die frommt nichts der edle Stein.
Dem Hund ist mehr ein Knochenbein
Als ein Pfund Gold, das glaube mir.
Also drängt hin der Toren Gier
In Sitten und Gebärde
Auf Üppigkeit der Erde.

Sie merken nicht des Steines Wert
Und sehn nicht, was dies Beispiel lehrt,
Und wie darin verborgen ist
Viel guter Sinn und weise List,
Die unbekannt dem Narren sind.
Die Narren! Sehend sind sie blind.
Der Tor soll ruhig weiter gehn
Und hier dies Beispiel lassen stehn,
Denn keine Frücht' er daraus zieht,
Recht wie dem Hahnen ihm geschieht.







 
II
Von einem affen und von einer nus
Von geislichem leben


Ers mals ein affe kam gerant
Da er vil gůter nüsse vant.
Die het er gessen gerne;
Im was geseit, der kerne
Were sůslich unde gut
Besweret wart sin tumber můt,
Do er du bitterkeit bevant
Der bretschen, und dar nach zehant
Begreif der schalen hertekeit
"Von nůssen ist mir vil geseit,"
Sprach er; "das ist mir nicht worden kunt;
Si hant verhonet
* mir den munt."
Hin warf er uf der selben vart
Du nus; der kern im nicht enwart,

Dem selben affen sint gelich
(Si sigent jung, alt, arm ald rich)
Die dur kurze bitterkeit
Versmachent lange sůssekeit. —
Wen man das für ehzünden wil,
So wirt des röches dike vil;
Der tut in den ögen we.
Wer den da zů blaset me,
Unz es enzündet werde wol,
Und hitze geb recht als es sol:
Das für vil genzeklichen wirt,
Das es liecht noch hitz enbirt.
Also ist es um geislich leben.
Welich mensch sich got wil geben,
Der můs han gros liden;
Vil ding můs er vermiden;
Der röch vil manger hertekeit
Im an dem anvang ist bereit,
E das das für der minne
Enzünde sine sinne,
Und im trostlich müge wesen
Beide sterben und genesen.
Hier an mag gedenken wol
Der meister, der got dienen sol:
Der sol dur kein red abe lan;
Er sol an stetem dienst bestan.

*Sie haben mir meinen Mund verderbt.
II
Der Affe und die Nuss


Der Affe einen Korb einst fand,
Gefüllt mit Nüssen bis zum Rand.
Er hätte draus die Kerne gefressen gar zu gerne,
Die sollten schmecken köstlich gut!
Doch zornig ward ihm bald zumut:
Er leckte - puhl - wie bitter!
Er biss drauf – huh! - ein Splitter
Der Schale riss den Mund ihm auf.
"Nun hört mir bloß mit Nüssen auf!" rief er,
"Das ist ja Lug und Trug!
Mein blutiger Mund lehrt mich genug!"
Weg warf das Ding er mit Verdruss,
Den süßen Kern auch mit der Nuss.

            
Viel Leute, und gar allerhand
Im weiten Menschenreich ich fand,
Die, weil's bedachte Mühe macht,
Sich selbst um süße Frucht gebracht.
Beim Feuerzünden sieht man's auch,
Da gibt's zuerst den bösen Rauch,
Der in die Augen beißet sehr
Doch bläst du tapfer fort und mehr,
Wird's eine Flamme, rein und hell,
So recht des Wohlbehagens Quell.
Ein Feuerlein, das heg' man gut,
Dann gibt's als Feuer Licht und Glut!





 

III
Von einem jeger und einem tiger tier
Von hinderrede

Der luiten red ist manigvalt,
Die hinder snidet jung und alt.
An hinderred und ane nit
Vil luiten zung vil kum gelit.
Nit unde has mag nicht gelan
Hinderred. Noch wip noch man
Mag sicher sin. Was ieman tůt,
Das dunket kum den vierden gůt.
Heimlich dui stral der zungen kunt
Geschossen dur des argen munt,
Und wundet frouwen unde man.
Kum ieman sich gehůten kan
Vor der zungen giftekeit,
Als uns hier nach dui bischaft seit.

Ein jeger uf dui heide gieng
Eis mals, do er vil tieren vieng.
Ein arbrost trůg er in der hant.
Was im der tieren wart bekannt
Und im begegnet uf der vart,
Der tieren vil geschossen wart;
Wan er sich barg vor ir gesicht,
Si konden sich gehůten nicht.
Sus kamen si in vorchte gros;
Des schützen si vil ser verdros.
Do kam ein tiger-tier gerant,
Dem was der schütze nicht bekant.
*
Das trost dui kleinen tierlin,
Und sprach: "Lant uiwer vorchte sin!
Ich sich weder man noch hunt,
Der uns icht schad." — Uf dirre stunt
Der jeger schos das tiger-tier
Durch sin bein; do was es schier
Erlemt, das es kum moechte gan;
Das e snel was, das mueste stan.
Ein fuchs do zu dem tiere sprach,
Do er sine wunden offen sach:
"Sag an, wer hat geschossen dich?
Das solt du lassen wissen mich."

*Das sah den Schützen nicht.

Er tet gelich als im were leit
Des tieres wunde; doch man seit,
Das manger klagt des andern not,
Der woeld, das er erlegi tot.
Das tier do suifzen began
(Die red mocht es kum han),
*
Und sprach: "Ich wande sicher sin,
Van ich nicht sach den vigent min.
Ich weis wol, das ich schaden han
Empfangen; wer das hab getan,
Das weis ich nicht, so helf mir got.
Doch sag ich das an allen spot,
Das sich huite wip und man
Vor dem, der heimlich schiessen kan."

Der mit der zungen schaden tůt,
Vor dem ist kum ieman behůt!
Du valsche zunge stiftet mort.
Noch sneller ist des argen wort,
Denne von dem arbrost si
Der pfil. — Wer mag den wesen fri,
Das er hin muig, an rede, komen
Der argen? Das ist nicht vernomen.
Mag ich an red hin komen nicht,
Wel wunder, uib mir das geschicht!
Das vil mangem fromen man
Beschicht, dem mag i c h nicht engan.
Wem min geticht nicht wol gevalt
(Es si wip, man, jung oder alt),
Der las mit zuichten ab sin lesen.
Wil er, so las ouch mich genesen;
*
Und wo dis bůch gebresten hab
Uf keinen sin,
* den nem er ab:
Das ist min begirde gůt.
E r  s o l  w o l  v i n d e n,  d e r  w o l t u t.

*Die red mocht es kum han: Nur mit großer Mühe vermochte es zu sprechen.
*Wil er, so las ouch mich genesen: Will er gern in Ruhe bleiben, so lasse er auch mich in
  Ruhe.
*Uf keinen sin: In irgend einer Hinsicht.

IV
Von einem boum uf einem berge
Von geislicher erbeit
*

Uf einem hochen berge stat
Ein boum, der michel wunder hat,
Er ist hoch, lange unde breit,
Mit schonen esten wol bekleit;
Mit loub ist er gezieret wol;
Der besten fruichte ist er vol,
So ie uf erde funden wart.
Der selbe boum der hat die art,
Wel mensch siner frucht begert,
Das der niemer wirt gewert
Siner früchte sůssekeit,
Er bekor den e du bitterkeit
Der wurzen; — die ist bitter gar,
Hert unde sur, an allen var.
Wen den erzoegt
* dü bitterkeit
Der wurzen, als ich han geseit,
Und nicht wil haben steten můt,
Dem nuitzent nicht dui früchte gůt,
Er můs ir darben sicherlich.

*Von geislicher erbeit: Von Anstrengung des Kopfes.
*Wen den erzoegt: Wenn alsdann die Bitterkeit der Wurzel abzieht, abschreckt, und wer....

Bi disem boum so merke ich
Das hoch uf gezogen leben,
Das nieman haben mag vergeben.
Er můs sich ueben uf dum plan
Der tugent, und můs erbeit han,
E das er uf den hochen grat
Muig kumen, da der boum uf stat.
Wen er der fruichte sůssekeit
Bevindet, so wirt gar sin leit
Zerstoert, und wirt sin froeide gros;
Wan er stat aller sorgen blos.

Dis bischaft si zů den geseit,
Die da went an erebeit
Wollust, lop und ere
Besitzen iemer mere.
Das mag in nicht wol zů gan,
Als ver ich mich des verstan.
Der boum ist edler fruichte vol.
Wer kunst und wisheit haben sol,
Sicher, der můs erbeit han.
An erbeit nieman uf mag gan
Den berg, und kumen uf den boum.
G e w u n n e n  k u n s t  i s t  n i c h t  e i n  t r o u m.
Wer aber slaft in siner jugent,
Nicht eren gert, noch kunst noch tugent
Von tragkeit nicht erwirbet,
Wel not, uib der verdirbet
An kunst und an wisheit gar?
Wer ane flis sin jungen jar
Vertriben wil in uippekeit,
So der wirt alt, es wirt im leit,
Und mag im wol geschechen das,
Das dik sin ougen werdent nas
Von ruiwen; und ist das vil wol,
Das man sin den spotten sol.

V
Von einem wolfe und einem schafe
Von unrechtem gewalte

Ein wolf von durste dar zu kam,
Das er den weg zum wasser nam;
Das selb ouch von eim schaf geschach.
Si giengen bede in einen bach.
Der wolf ver ob dem schafe trank.
Zůzim sprach er: "Hab du undank,
Das du mich trinken nicht enlast,
Dar zů den bach betruebet hast;
Das mag dir wol schaden wesen!"

Das schaf sprach: "Wolf, la mich genesen!
Ich hab dir schaden nicht getan.
Das ist war an allen wan,
Das der bach her flüst zu mir,
Und fluist nicht wider uf zů dir;
Da von hast du das wasser mir
Betruebet gar, und ich nicht dir."

Der wolf das schaf zornlich an sach;
Vil grimmeklich er zůzim sprach:
"Sag an, was sol der widerkip,
Das du mir droewest an den lip?
*
Sol ichs nicht besser von dir han?
Din vatter hat mirs ouch getan;
Vor siben jaren das beschach,
Do ich dich bi dinem vatter sach."

*Das du mir drowest an den lip?: Dass ich vor dir meines Lebens nicht sicher sein soll.

Do sprach das tumbe schefelin:
"Her wolf, din wort nicht gewere sin,
Du hast mir min jar unrecht gezalt;
Ich bin nicht siben monat alt.
Dar zů sprichst du, ich droewe dir:
Das ist nicht war; du droewest mir."
Der wolf sprach in der selben stunt:
"Wie getarst du dinen munt
Uf tůn, und reden wider mich
Mit glicher hochvart? Das wil ich
An dir nu rechen; es ist zit!"
Er tot das schaf an alles bit.

Dis bischaft horet wol die an,
Die mit hochvart manigen man
Verderbent dur ir uibermůt.
Wen der schuldig schaden tůt
Dem, der gar unschuldig ist,
Das reche got! — Den argen list
Noch vil maniger herre hat
Ze burg, ze dorf und ze der stat.
Der an recht, lip unde gůt
Verderbet, dur sin swachen můt,
Du armen, die unschuldig sint,
Das weisen werdent ihre kint,
Der můs verwassen iemer sin,
Das gottes rechte werde schin!
*

*gottes rechte: Gottes Gerechtigkeit

VI
Von einem froes und einer muse
Von untruiwe und von truigende

Ein froes zů einer muse sprach
Aller erst do er si an sach:
"Got grues dich, trut geselle min!
Stet sol unser fruintschaft sin!
Du mus den weg nicht mochte han;
Das hat ein grosser bach getan. —
Ich wil dir helfen, samir got!"
(Sprach der froes) an allen spot,
Das du wol komest in din hus.
An sinen fůs bant er dui mus
Mit einer snůr. Das beschach.
Der froes zer muse sprach:
"Ich wil dich leren swimmen wol
(Untruiwen was sin herze vol),
So komest du wol in din hus." —
"Wol hin!" sprach dui tumbe mus.
Der froes bald in das wasser floch;
An dem fůs er nach im zoch
Dui mus; er wold sich senken,
Und sinen fruint ertrenken.
Dui mus strebt uf, der froes zog nider!
Das er gelobt, des tet er wider;
S
in truiwe er an der muse brach.
Ein hungerig wige das ersach,
Und schied den argen krieg also,
Das er si bede macht unfro.
Die mus er in die klawen vieng;
Der froes vast an der snůre hieng,
Da er sich hat verstriket in.
Ir beder leben was da hin.
Er lies si vallen uf das gras;
Vil bald er si bede geas.

Im selber grůbet dik ein man,
Und went dem andern grůbet han.
An untruiw, wa die fuir gat,
Ein gůtes ende selten stat.
Wa wort und werk sint ungelich,
Der mensch wirt kum an eren rich.
Wa dui zung mit truigenheit
Verbirgt des herzen valscheit,
Vil kum sich weder wip noch man
Vor den valschen gehueten kan.
Het der froes do nicht betrogen
Dui mus, und also herlich gelogen,
So moecht er vil wol sin genesen.
G e s c h e n t  a l  v a l s c h e  m u e s s e n t  w e s e n!

VII
Von einem hunde und einem schafe
Von valschen gezügen

Es hůp sich eine grossui klag
Von einem hund, als ich uich sag.
Er klagte grossui swere,
Was im geschechen were
Von einem schaf. Das sprach er an,
Es het gewalt an im getan;
Er het von siner schuld verlorn
Dui spis; das was dem hunde zorn.
Das schaf das antwurtet do
Vor dem gericht, und sprach also:
"Ich sprich das gar an allen var,
Ich bin der sach unschuldig gar,
Dar umb der hunt mich sprichet an."
Do das der hunt hort und vernam,
Er sprach: "Ich wils bezügen wol
(Als ichs von recht bezuigen sol),
Ich hab in dirre sache war."*
Valsche zuigen stalt er dar,
Die des schafes vigent wan,
(Wie sold da das recht für gan!)
Ein wolf, ein giren, ein wigen.
Die dri gerieten schrigen:
"Das schaf sol sterben! das ist recht!"
Si machten gar ein gros gebrecht,
Si stalten uf des schafes lip;
Das beschach dur valschen kip.
Das schaf das mueste unrecht han,
Das hatten valsche zuigen getan.
Das schaf vil bald ertoedet wart.
Do kamen si uf der selben vart
Der wolf, der wig, der gire, dar,
Die es schůfen umb ir libes nar.*

*Dass ich eine grechte Sache habe.
*Die es schůfen: Die es so angeordnet hatten, um etwas zu fressen zu haben.

Das selb noch dik me beschicht,
Das ein valscher boesewicht
Uf dui rechten luiget,
Und valscheklich bezuiget
Das dik der recht engelten můs.
Die valscheit die hat ihren fůs
Also gesetzet in dui welt,
Und uf geslagen ir gezelt,
Das sich kume wip oder man
Vor aller valscheit hueten kan.
Dui valscheit die ist nu so wert,
Das man ir zallen koufen gert.
Dui valschen zungen hant das recht;
Si machent krumb das e was slecht.

VIII
Von vier tieren die waren gesellen
Von böser geselleschaft

Vier gesellen kamen uiber ein,
Das alles solde sin gemein,
Was si bejagten uf der vart;
Das selb mit eid gevestnet wart.
Das was ein loewe freissam,
Ein geis, ein ochse der was zam;
Ein schaf der vierd geselle was,
Als ich an einem bůche las.
Ein hirz begegnet inen do,
Des wurden si alle fro.
Do der von in gevangen wart,
Do wart da fuir nicht lang gespart,
*
Er wart zerhouwen schier,
Und wart geteilt in vier.
Do sprach der loewe freissan:
"Den ersten teil den, wil ich han,
Der sol mir dur min edelkeit
Vor uich allen sin bereit.
Den andern teil git mir min kraft
Und mine grosse meisterschaft.
Der dritte sol mir nicht engan,
Wan ich alrmeist gevochten han.
Mir belib ouch den der vierde teil,
Dui fruintschaft lan ich an ein heil,
*
Die wir zesamen han gesworn."
Si vorchten al des loewen zorn;
Ir teil den muesten si da lan,
Und musten hungrig dannan gan.

*Do wart da für nicht lang gespart: Da wurde nicht lange gesäumt.
*So mag aus der Freundschaft, die wir geschworen haben, werden was da will.

Es beschicht noch (und ist ouch recht),
So sich gelichen wil der knecht
Dem herren, dur sin tumben můt,
Der schadgot sich; und ist nicht gůt
Mit herren kriesin essen.
Si hant sich des vermessen,
Der sich da nicht hůten wil,
Sie werfen im der kriesin stil
In dü ougen; das gelob mir,
Dar uf so stat ir aller gir.
Er sprichet, wen man teilen sol:
"Ich gan dir dines rechten wol.
Hab dir das kalp, la mir dui ků!
Will du des nicht, so var ich zů,
Und nim dü ků zesamt dem kalp."
Sus Wirt der arm bedenthalp*
Geschelkt.
Das mag nicht anders wesen;
V o r  g e w a l t  m a g  k u m  i e m a n  g e n e s e n.

*bedenthalp: auf beiden Seiten, in einem Falle so wohl als im andern.


IX
Von einem hunde der truog ein stuike
Von uiberiger gitekeit
*

Man liset von eim hunde,
Der trůg in sinem munde
Ein stuk fleisches das was gros,
Des sin geslechte nie verdros.
An einen bach trůg in sin weg,
Do vant er weder brug noch steg;
Do was weder schif noch man;
Ze fůs so můst er über gan.
Do er kam verren in den bach,
Den schatten er des fleisches sach,
Das er in sinem munde trůg.
Er sprach: "Ich hette wol genůg,
Moechte ich d a s stuk zů disem han."

Vil schir er ginnen do began,
Und wold das stuk begrifen:
Do můst in das entslifen,
Das er vor in dem munde hat,
Do stůnt er ledig unde mat.
Das er sin stuk hat verlorn
Dur gitekeit, das was im zorn.
Der schatten in betrogen hat.

Das noch beschicht an manger stat,
Das vil dik ein tumber wan,
Betruiget frouwen unde man.
Der sicher, dur unsicherheit,
*
Lat, das wirt im dike leit.
Wer nimet das nicht sin enist,
Vil licht des sinen im gebrist.
Gilekeit wirt niemer gůt;

*Von übermäßiger Habsucht.
*Wer das Gewisse aufgibt für das Ungewisse.

Si trůbet manges mannes můt.
Gitekeit die schiket das,
Das fruint fruinde wirt gehas.
Gitekeit die stiftet zorn;
Von ir wirt manig sel verlorn.
Gitekeit gemeinder hat
In burg, ze dorf, und in der stat.
Der vogt, der schultheis, und der rat,
Und was er weibel und boten hat,
Der meier, und der richter,
Der fuirsprech, und der heimlicher,
Der brugger, und der torwart,
Der hirte, und der banwart,
Pfaffen, leien, jung und alt,
Muinch und nunnen manigvalt,
Der bischof, und der cappelan,
Der abt, der probst, und der dechan,
Was man singet oder seit,
Si lebent al in gitekeit.

X
Von einem diebe der kam zu der E
Von unrechter froide

Ein wip nam zu der e ein man,
Der was ein diep. War er kan,
Do stal er alles das er vant;
Diepstal was im wol erkant.
Sin nachgeburen waren fro;
Ein hochzit machten si im do.*
Si lobten al die werden e;
Do wart getanzet michels me.
Ein wiser man ein bischaft sprach,
Do er die tumbe froeide sach:

*Sie gaben ihm ein Fest.

Den sunnen einekeit verdros.
Das er sold werden erbelos
Und ane kint, das was im zorn.
Er nam ein wip, das nicht verlorn
Wurde sin geslecht.
Do wart ein gros gebrecht
Von der erd, als ich uich sage.
Zů got hůp sich ein grosse klage.
Due erde sprach: "Got, herre min!
Iemer můs ich verdorben sin.
Ein sun hat mich so verbrant,
Gewint er kint, ich bin geschant
Und verdorben iemer me.
Er tut mir einig alse we;
Gewint er erben unde kint,
Die für in verre heisser sint,
O we, wie sol ich dan gestan!"
Also ist es um den diep getan,
Der einig grossen schaden tůt;
Gewint er kint, das ist nicht gůt.

Wan man sicht dike, das du kint
Vil boeser den dui vetter sint.
Da von sich nieman froewen sol
Mit den, die schalkeit wesent vol.
Wen das unkrut uiber gat
Das gůt; und wen der boese hat
Gesellen: des můs schaden han
Bede frouwen unde man.

XI
Von einem wolfe und einem storche
Von boeser undankberi

Ein wolf kam nach siner art
Hungrig uf des roubes vart.
Vil schiere wart er do gewert
Des roubes, des sin herz begert.

In der geschicht wart im ein geis.
Vil freislich er do in si beis,
Da von er grossen schaden do
Enpfieng; des wart er gar unfro,
Ein bein im in der kelen sin
Beleib, das es nicht us noch in
Dur kein suche mochte körnen.
Het er so fraslich nicht genomen;
Dui spis, es wer im nicht geschechen
Ich můs bi der warheit jechen,
Ich woeld, das frouwen unde man,
Die sich frasheit nemet an,
Bescheche als dem wolf beschach,
So schruiwe manger we und ach
Es sigent frouwen oder man.
Si muessten mangen artzat han.
Der wolf der was in grosser not,
Er wand er müste ligen tot.
Ein artzat müst er suchen gan
Das hat sin frasheit im getan.
Er kam da er den storchen vant.
Er sprach, er woelde im dui pfant
Loesen um dri hundert pfunt,
Wie er in machete gesunt;
Er woled im lichen unde geben,
Wie er im huilfe umb sin leben.
Er sprach: "Her wolf, tůnt uf den munt!
Ich wil uich machen schier gesunt."
Er sties das houbt in sinen kragen;
Das bein geriet sich vaste wagen;
Us siner kelen zoch er do
Das bein; des wart der wolf vil fro.
Do sprach er: "Her, ir sunt mir geben,
Sit ir nu von mir hant das leben,
Das mir gelobt hat uiwer munt,
Sit ir nu worden sint gesunt."
Es wer noch billich unde recht,
Das burger, ritter unde knecht
Hielten stets, das si gelobent.
Ich wenne, das si vaste tobent,
Die ir werk velschent und ir wort;
W a r h e i t  i s t  a l l e r  e r e n  h o r t!


Der wolf sprach: "Was sol ich dir geben?
Von mir so hast du doch din leben.
Das stunt ein wil zemal an mir;
Ich het wol ab gebissen
Din houbt. Din leben das sol sin
Dur dinen dienst dui gabe min,
Die du von mir solt hinnan tragen."
Den spot muest er dur truiwen haben.
Das must im billich wesen zorn.

Man spricht: es si nicht halbs verlorn,
*
Wan alles, das man ze dienste tůt
Dem boesen; wan sin swacher můt
Alle zit uf bosheit stat.
Da von ist miner lere rat,
Wer sin dienst wil bewenden wol,
Das der dem gůten dienen sol;
So wirt im um sin erebeit
Lon sines dienstes wol bereit

*Man sagt im Sprichwort: Nicht halb, sondern ganz ist verloren, was man dem Bösen zu
Dienste tut.

XII
Von einem hunde und einer brekin
Von untruiwe

Ein brekin zů eim hunde sprach:
Ich liden ser vil ungemach
Ich gan vol junger hunden,
Und warten miner stunden;
Ich weis nicht, war ich keren sol,
Wer mich in sinem huse dol,
Unz ich für bringen mine frucht.
Woldst du es tůn, dur dine zucht,
Und liessest des geniessen mich,
Das ich ze ganzem fruinde dich
Hab us erwelt fuir al dui welt:
Ich můs mich heben uf das velt,
Ich můs verderben ane trost.
Wurd ich von miner burdi erlost
In dinem hus; ich loben dir,
Das ich wil us gan, wen du mir
Es tůst mit dinen Worten kunt."

Des antwurt ir der ander hunt
Und sprach: "Du soll geniessen wol,
Das du bist junger hunden vol.
Dar zů bist du min geslecht;
Es dunkt mich billich unde recht,
Das ich dich nicht las sterben,
Und ane gemach verderben.
Min hus das sol dir offen sin.
Gang, leg dich an das bette min."
Der hunt entweich der brekin do
Us sim gemach;
* des wart si fro.
Des hat er von ir keinen dank;

Si tet ein ungetruiwen dank.
Do si von irer burdi kam,
Und das der usser hunt vernam;
Da ilt er bald hin wider hein.
Da vant er weder fleisch noch bein;
Sin hus was junger hunden vol.
Er sprach: "Dir ist geschechen wol;
Du solt us minem huse gan,
Und solt mich wider dar in lan.''
Si beslos ir oren und das hus,
Gewalteklich treip si in us.
Ir zukersuisse wort si brach
An im; des leit er ungemach,
Wan si wold in nicht inne lan.
Vor dem huse můst er stan,
Da er si in gelassen hat,
Do si was alles trosles mat.

*Us sim gemach: aus seiner Ruhe und Bequemlichkeit.


Wer zukersuisses wort kan geben,
Und da bi kan valschlich leben,
Der dem gelöbt, der wirt betrogen.
Was nicht ist war, das ist erlogen.
Vor den honigsuisseri worten
Huet der sich an allen orten,
Der unbetrogen welle sin:
Das rat ich uf du truiwe min.
Wan von der worten suessekeit
Geschicht vil manig herzeleit:
Si triegent fröwen unde man.
S e l i g  i s t  d e r  s i c h  h u e t e n  k a n!

XIII
Von einem slangen in dem huse gespiset
Von bösem widergelte

Ieglichs zit sich richtet
Als es got hat getichtet
In siner hochen wisheit.
Der sumer schoene fruichte treit,
Der herbest nach dem sumer gat,
Dar an ein kalter winter stat;
Der ist hert und sure,
Er twingt manig creature.
Si můs suchen, wa si sich
Generen muige: als öch ich
Von einem slangen hab gelesen.
Der gedacht, wie er moecht genesen
Vor des winters hertekeit,
Der tet im ungemach und leit.
Er kam geslichen in ein hus
Heimlich. Do treip in nieman us;
Im wart gestatgot gůt gemach.
Als bald do in der wirt ersach,
Er spist in dur sin hochen můt;
Von froste was er wol behůt.
Doch mocht der slang nicht abe lan,
Er můste sin nature han;
Er gos sin gift in das hus.
Der wirt sprach: "Gang hin wider us!
Du solt nicht me hie růwe han."
Der giftig,slang sprang in do an,
Und woeld in toeten umb das güt,
Das er in von dem tot behuet
Hat, dur sine miltekeit.

Manig mensch ein giftig herze treit,
Der mit übel giltet gut,
Das man im durch truiwe tut;
Der mit der gallen bitterkeit
Gilt des honges suissekeit;
Der sin gift nicht verbergen kan:
Der im wol tut, den grift er an,
Als der slange hat getan.
Bede fröwen unde man
Huetent sich (das rat ich wol)
Vor den, der herz ist giftes vol!
Ir fruintschaft und ir heimlicheit
Gat alle tag uf truigenheit.

XIV
Von einem esel und einem loewen
Von narrechtem spotte

Ein tor bewert sin torheit wol
Wen der, der narrekeit ist vol,
Mit dem wisen schimpfen
* wil,
Wen das den wisen dunkt ze vil,
So spricht er: tor, hab din gemach!
*

Ein esel zu eim loewen sprach:
"Got grues dich, bruder reke!
Du macht wol sin ein meke!"
Vil spottes er an im begie.
Des antwurt im der loewe nie;
Er versmacht des esels grůs.

Uf dui erd slůg er den fůs;
Der spot der was dem loewen zorn.
"Din leben hettest
du verlorn
(Der loewe zů dem esel sprach):
Nu bist du boes und dar zů swach;
*
Da von dir nu min edelkeit,
Dir narren, dinen spot vertreit.
Ich bin ze edel und ze gůt,
An dir verhoen. Das sol nicht sin!
Du bist ein tor; des ist wol schin!
Mit dinem glichen tribe spot,
Das rat ich dir, so helf mir got!"

*schimpfen: Spaß treiben.
*tor, hab din gemach!: Tor, sei ruhig!
*Nun bist du ein schlechtes, und gemeines Tier.

Der herren nieman spotten sol;
Wan, so si went, si rechent wol
Den spot, und was man inen tůt;
Si hant es dik nicht wol vergůt.
Ze spot dui toren sint, bereit;
Der wis der toren spot vertreit.
E das der tor were ane spot,
Er spottete e sin selbs, bi got!
Der tor gevalt im selber wol;
Des ist du weit der toren vol.
Der wise si, der huete sich
Von toren spot das rate ich;
Wan wer mit toren spotten wil,
Der můs öch dulden narren-spil.

XV
Von einer veltmus und einer statmus
Von frier armůt

Ein veltmus eines zites sprach
Vil froleich, do si erst ersach
Ein statmus, ir gesiechte, komen,
Si sprach: "Es můs mich iemer fromen,
Das du bist komen in min hus."
Mit grosser begird lůt si dui mus.
D wirtin bat froelichen můt;
Dui spise ziert der wille gůt.
Ein froelich antlitz si ir bot,
Urtd sprach: "Wir sullen ane not
Essen was wir gůles hain.
Wa dui Wirtschaft ist ze klain,
Die machet gross der wille gůt."

Du statmus do mit flisse lůt
Ir trut gespielin, dui veltmus,
Und fůrt si mit ir in ir hus
In einen keller beraten wol:
Der was guter spise vol;
Da lag visch und fleisches vil.
Si sprach: "Nu is, min trut gespil,
Der besten spisen, so hie si,
Und leb an alle sorge fri;
Brot, ziger unde kese gůt.
Is vast; wir sint wol behůt
Vor hunden und vor katzen."

Si horten schiere ratzen
An der tuire slos den koch.
Die heimsche mus vil balde floch;
Ir trut gespielen lies si stan.
Si enwiste, war si solde gan;
Nu floch si hin, nu floch si har,
Der koch nam ir vil eben war;
Er wold si gern ertretten han,
Do můst er us dem keller gan;
Den keller er wider zů slos.
Dui fremde mus vil ser verdros.
Si het der Wirtschaft wol enborn;
Das leben hat si nach verlorn.
Dar nach schier da kam her us
Geslichen öch dui kunde mus.
Si sprach: "Trut gespiele min,
Frow dich, und las din truren sin!
Is, und trink, und lebe wol!
Dirre keller ist sůsser spise vol."
Do antwurt ir du fremde mus;
Si sprach: "Und kom ich nu hin us,
Ich wold ein bonen lieber nagen,
Den ich die vorchte wolde tragen,
Dur diner spise suessekeit,
Die mit der gallen bitterkeit
Vermischet ist. Die hab du dir!
Si fueget dir, und ganz nicht mir.
Da von solt du si alleine han;
Ich wil us uf den acker gan,
Und wil in armut froelich leben;
Du solt in grosser vorchte streben.
Armut ist ane sorge gar;
Der rich nimt manger sorgen war.
So der arme ruwet wol,
So ist der riche sorgen vol.
Der arm ist sicher ze aller stunt;
Der rich us vorchten niemer kunt.
Der arme slaft in Sicherheit;
Der riche wacht in erebeit.
Wie mag du wollust werden gůt,
Do vorcht und sorg betrůbt den můt?
An vorcht ein lützel besser ist
Den vil mit vorchte, wisse crist!"

Mit disen worten und also
Schieden si von einander do.

XVI
Von einem fuchse und einem arn
Von listen und von kündekeit

Ein fuchs eis mala klagt sine not.
Er sprach, im werin uf den tot
Sine kint gevangen.
Do kam er an gegangen
Mit grosser bette zů dem arn.
Er bat in, das er liesse varn
Sinen gewalt und sinen zorn,
Und sine kint nicht lies verlorn
Werden. Wan si hat der ar
In sin nest getragen dar
Uf einen bom, der was vil hoch,
Dar uf er sine jungen zoch;
Die wold er gerne spisen.
Si liessen nicht entrisen,
Was in echt werden mocht.
Der fuchs vil sere vorcht
Der kinden sin. Es tet im not;
Si wan gevangen uf den tot.

An erbermde was der ar,
Noch minr sin kint. Nu nemet war,
Wie der mug iemer werden fro,
Der in des argen hant also
Kunt, da kein erbermde ist?
Der fuchs erzoegte sinen list,
Do im der ar kein miltekeit
Erzoegen wold. Den bom er kleit
Mit strowe, da das nest uf was.
D e r  i e  g e n a n t e  d e r  g e n a s.
Ein vakel nam er in den munt,
Die was mit fuire wol enzunt.

Mit der vakel sties er an
Das stro, das es vil vast enbran.
Der roch dur den bom uf drang,
Da mit der fuchs den aren twang,
Das er im wider gap sin kint,
Die noch huite fuichsin
* sint.

*fuichsin: fuchsartig, echte Füchse.

Wisheit ist besser den gewalt.
Der lange lebet, der wirt alt.
Wa gewalt ist ane wisheit,
Da von kunt dik gros erebeit.
Gewalt m i t wisheit der ist gůt;
Er vindet wol, der gern wol tut.
Gewalt an wisheit wert nicht me,
Den vor der sunnen hitz der ane.
Der minr dem meren dike schat;
Ein vent dem kuinge sprichet mat.
Der ane recht mit gewalt tůt
Unrecht, das wirt niemer gůt.
Mit listen wirt gewalt zerstoert,
Recht als das für das is enpfroert.

XVII
Von einem aren und einem sneggen
Von bösem rate

Ein böse zunge stiftet mort.
Böser ist nicht den böse wort
Und valscher můt, das müs ich jechen:

Als einem sneggen ist geschechen.
Der hat sich in sin hus gezogen;
Do kam ein starker ar geflogen;
Er begreif in mit sin klawen da,
Und fůrt in hin. Do sprach ein kra:
"Kondest du es geniessen wol,
Dui schal ist gůter spise vol;

Die mag dir nütze niemer sin,
Da volgest den der lere min.
Flug uf, und swinge din gevider,
Und las den sneggen vallen nider,
Zerbrich du schalen, gelobe mir,
So wirt dir spis nach diner gir."
Sus lert du kra den aren do;
Des wart der snegge gar unfro.
Er lies in vallen; das geschach;
Der sneg viel uf; du schal zerbrach;
Zu für du kra, und was vil fro
Der spis, den sneggen as si do.

An diser bischaft merk ich wol,
Das du zung ist schalkeit vol.
Das boest gelit, das ieman treit,
Das ist dui zung, als man uns seit.
Dui zung stiftet mangen zorn,
Das lip und sele wirt verlorn.
Dui zung mangen schendet,
Si stuimlet unde blendet.
Dui zung zerstöret manig lant,
Si stiftet mort, rop unde brant.
Dui zung truiwe scheidet,
Das liep gen liep sich leidet.
Vor schanden wart nie besser list,
Den der der zungen meister ist.
Du böse zungen wol scheiden kan
Liebes wip von liebem man.
Der snegge wer vil licht genesen,
Wer dui bös zunge nicht gewesen
Der kra, die in wold haben tot.
Des koment niemer usser not
Dui valschen zungen, wa si sin!
Du gůten můssin selig sin!

XVIII
Von einem fuchs und einem rappen
Von torechter uippekeit

Ein fuchs eis mals hungern began,
Under einen hochen böm er kan,
Uf den ein rappe kam geflogen
Mit einem kes, den er gezogen
Von einem spicher hatte do.
Des was der fuchs unmassen fro.
Do in der fuchs von erst ersach,
Mit glatten worten er do sprach:
"Got grůs uich, lieber herre min!

Uiwer diener wil ich sin,
Und iemer wesen uiwer knecht.
Das dunkt mich billich unde recht;
Ir sint so edel und so rich.
Kein vogel mag sin uiwer glich
In allen kuinigrichen.
Ich wen, uich můs entwichen
Der sperwer und das velkelin,
Der habk und och des pfawen schin.
Sues ist uiwer kelen schal.
Uiwer stim hort man überal
In dem wald erklingen,
Wen ir geratent singen;
Des hab ich wol genomen war."
Der rappe sprach: "Du sagest war." —
"Nu singent, lieber herre min!"
Do sprach der rappe: "Das sol sin!"
Er lies sin stim us, unde sang,
Das es durch den wald erklang.
In dem gesang enpfiel im do
Der kes; des wart der fuchs vil fro.
Des must der rappe schamrot stan,
Dar zů must er den schaden han.

Es ist noch billich, samir got,
Das der hab schaden unde spot,
Wer dem glichsner globet bas
Dan im selben. Wissent das,
Das uibermessig uippekeit
Und zů vil eren laster treit
Und gebirt dem selben man,
Der sich des lobes nimet an,
Des er, noch sin geslechte nie
Wirdig wart: als es nu hie
In dirre bischaft ist worden schin.
Du glichsner iemer mussent sin
Verwassen, und och der da bi
Der ein valscher verrater si.

XIX
Von einem alten loewen
Von dem alten vigende

Es ist ein ding, des menlich begert,
So mans gewint, so ist es unwert.
Das alter machet ungesunt,
Wan es mit vil gebresten kunt.
Alt wirt gern der junge man;
Der alt nicht jung werden kan.
Wen der alt kunt an die tag,
Das er nicht für sich selber mag,
Hat er den fruint, das ist im gut;
Sin vigent im kein ere tůt.

Als einem loewen, der was alt
An tugenden, und an kreften kalt,
Von sinen vigenden das geschach.
Do in ein eher an gesach,
Er dacht an sinen alten schaden,
Und beis den loewen in dui waden.
Ein ochs kam och dar zu gerant
Da er den alten loewen vant;
Sinen schaden er do rach,
Mit beiden hornen er in stach.
Der esel lief ouch bald hinzu;
An sine stirnen slůg er dů
Den loewen, der im in der jugent
Erloeget hatte vil untugent.
Der loewe suifzen do began.
Er sprach: "Nu han ich mangem man
In miner jugent leit getan;
Das, můs ich alles abe lan.
Min kraft, min er, min gůter můt
Die sint da hin. Wer unrecht tůt,
Der vindet sinen loner wol,
Wer junger tůt das er nicht sol.
Si wellent mir nu nicht vertragen,
Den ich vertrůg: das můs ich klagen;
Da von betrůbet ist min můt.
Frunit.gewinnen, das ist gut;
Noch besser, der si behalten kan.
Es sigent frouwen oder man,
Der übel tut, der vindet wol
Gelt, als er von rechte sol.

XX
Von einem hund und einem esel
Von unbedachter narrekeit

Ers zites ein kleines hündelin,
Das gar liep was dem herren sin,
Das was also ze ler geleit,
Das es kund manig klůgkeit.
Nu sprang es uf, nu sprang es nider,
Nu lief es hin, und bald her wider,
Nu sprang es dem herren uf dui schos.
Siner klůgkeit es genos;
An sin kelen und an sin munt
Kust es in zů aller stunt.
Mit im begie es mangen schimpf;
Dar zů gap im gůt gelimpf
Bedi frouwen unde man.
Al zit es sine spise nan
Von sines herren tische,
Es were fleisch ald vische.

Des herren esel das ersach,
Das der hunt so gros gemach
Hette dur sin klůgkeit,
Und im ane erebeit
Bereit was manig spise.
Er sprach: "In dirre wise
Kan ich ouch wol min spise bejagen.
Ein andrer můs dui seke tragen!
Min lip ist stolz, min varw ist gůt,
Min rug ist stark, hoch ist min můt,
War umb sold ich den boeser sin
An klůgkeit den das hündelin?
Ich kan wol schimpfen unde spilen,
Bas den ziechen in dem silen."
*
Mit disen worten und also
Drang er hin dur dui diete do.
Do sprach alles, das da was:
"Warta, warta! was ist das?
Was wil der esel vachen an?"
Er gieng hin für den herren stan;
Ein fůs leit er im uf das knie,
Mit dem andern er in umbe vie;
Er begond in sere truiten.
*
Das misseviel den luiten,
Die des herren diener wan.
Den esel si gerieten slan
Mit steken und mit stangen.
Der spis in wol gelangen
Mocht, die im solde sin bereit
Umb sin stolzen klůgkeit.
An im wart slachen nicht gespart;
Schamlich er us gelriben wart.

*Besser noch kann ich das, als im Geschirre ziehn.
*truiten: liebkosen.

Wel rechter tore des begert,
Des sin nature in nicht gewert,
Der mag des wol engelten.
Dar zů sol man in schelten,
Der sich des dinges nimet an,
Das sin gesiechte nie gewan.
Was dui nature hat gegeben,
Dem mag der mensch kum wider streben.
Dem hündlin stat sin klůgkeit wol;
Der esel seke tragen sol.

XXI
Von einem loewen und einer muse
Von widerdienste

Ers mals ein loewee sich ergieng
In einem walde, da er vieng
Ein mus; die wold er ertoedet han.
Si sprach: "Her loewe, lant mich gan!
Es zimt nicht uiwer biderbkeit
Noch uiwer edelmuetekeit,
Noch lop noch ere lit daran,
Uib ir mich tödent. Lant mich gan!
Was eren mag ein kuinig bejagen,
Uib von im wirt ein knecht erslagen,
Des er gewalt hat wen er wil?
Ist im des eren, der ist nicht vil.
Was grosser signust mag das sin,
Uib ein loew ein muiselin
Ertödet? — Der hat eren nie,
Der geschaden mag, und nicht tůt we.
Lasset ir mich, her, genesen,
Ich mag uich vil wol nülze wesen,
Und mag uich keinen schaden tůn,
Noch minner den dem arn ein hůn."
Der loewe lies sin zuirnen sin,
Und lies fri gan das muiselin.
Des wart es inneklichen fro.
"Ich wil es uich danken," sprach es do."

Nu wart es ouch nicht lang gespart,
Wan das der loew gevangen wart
In einem netze, das was stark.
Er hette geben tusent mark,
Das er dar us wer gewesen.
Er wand sicher, nicht genesen.
Da er alsus gevangen lag,
Do kam dui mus, e das der tag
Uf gieug, und kam zum loewen hin.
Si sprach: "Got grues uich, herre min!
Was klaget ir? was ist uiwer not?" —
"Ich bin gevangen uf den tot"
Sprach der loewe zu der mus.
Si sprach: "Ir komet wol her us!
Ich hilf uich umb uiwer leben,
Wan ir das ouch mir hant geben."
Die mus geriet das netz genagen
Und mit den zenen bissen,
Und wold es gern zerrissen
Enzwei. Do wart ein grosses loch.
Vil bald der loewe dannan floch.
Der muse danken er began.
Si sprach: "Ich han es gern getan."

Gedenk! wie der gewaltig si,
Dem miltikeit nicht wonet bi.
Gewalt erbermde haben sol;
Gewalt sol tugenden wesen vol.
Der mer dem minren sol vertragen;
Nutz mag der sin, der nicht mag schaden.
Der loew dui kleinen mus lies gan,
Die er wol moecht erloedet han.
Si mocht im schade nicht enwesen;
Doch muest er von ir helfe genesen,
Si gedacht was er ir het getan,
Und half im, das er dannan kan.

XXII
Von eitlem wigen der was siech
Von spetem ruiwen

Man sprichet: D o  d e r  s i e c h  g e n a s,
D o  w a s  e r  d e r  e r  o u c h  e  w a s.
Wer bettet vil, und uibel tůt,
Der ist selig, wirt sin ende gůt.
Umb gut geding und übel leben
Wirt vil swacher lon gegeben.


Eines zites das geschach,
Ein wige ze siner můter sprach,
Und klagte ir bitterlichui not,
Wan er was siech unz uf den tot.
Er sprach: "Vil liehui můter min,
Mich dunkt, es mueg nicht anders sin
Wan das ich můs sterben.
Sol ich ouch den verderben
An der sel, das ist mir leit.
Sich an min grossen erebeit,
Und bit dui gotte, das si sich
Wellent erbarmen uiber mich."
Dui můter sprach: "Min liebes kint,
Dui goette vast erzürnet sint.
Du hast erwekt der goetten zorn;
Ich fuircht, du muessist sin verloirn.
Vil kum dui goette vergessent
Des si sich vermessent
Ze tůnde umb dine missetat.
Us vorchte nu din ruiwe gat.
Din ruiwe ist nu ze spate komen;
Er mag dich nu gar klein gefromen.
Naruiw der ist selten gůt.
Mich dunkt, er hab ein tumben můt,
Der nach der rossen diepstal
Alrerst besliessen wil den stal.
Der ruiwe der sele ist nicht gesunt,
Der von des todes vorchte kunt.
E i n  W o l f  w a s  s i e c h;  d o  e r  g e n a s,
E r  w a s  e i n  w o l f  a l s  e r  e  w a s.
Hettist du nicht erzürnet got,
Noch uiber gangen sin gebot,
Und hettist weder wip noch man
Betruebt, und hettist ab gelan
Din boesui werk in diner jugent,
Und hettist dich gesetzt uf tugent:
So moecht din gebet got dankber wesen,
Und mochtest an der sel genesen.

Wer werden wil von got erhoert,
Der achte, das dui suind zerstört
Werde, und sin leben gůt.
Wa bittent wort, werk unde můt,
Die gebet sol got erhoeren wol,
Gant si von herzen, als es sol.
Wer got bittet umb die ding,
Die der sele nuitze sint,
Der wirt an zwivel des gewert,
Des er nach nutz der sei begert.
Wer bittet das im schaden tůt;
Wirt der erhoert, das ist nicht gůt.
Got wil erhoeren din gebet
Nach nutz, als er sant Paulus tet;
Und nicht nach dein willen din,
Mag es der selen schedlich sin.
Ist das du, dar umb bittest got,
Mit werken hast verdienot,
Und du us dinem herzen last
Ungunst und des nides blast;
So wirst du vetterlich gewert
Von gotte wes din herz begert.


XXIII
Von einem swalmen und von hanfe
Von fuirsichtikeit

In einem zite das geschach,
Das ein swalme seien sach
Hanf-samen uf ein aker breit.
Hanf nach vil mange burde treit
Er gedachte was es morchte sin,
Und warnt dui andern vogellin
Al gemein vor irem schaden.
"Wir sint mit vigenden überladen.
Mir ist swer in minem můt.
Uns wer durft wol gůter hůt
Wirt der hanf gespunnen,
So sint wir unentrunnen,
So wir nach unser spise varn;
Wan us dem werke so wirt garn,
Dar us macht man striken vil,
Da mit man uns vacheh wil.
Went ir mir nu gevoelgig sin,
Und glouben wol den Worten min;
Ein gůten rat wil ich uich geben,
Das ir behuetent uiwer leben.
Ir sult dem anvang wider stan,
Und sullent uf den aker gan,
Und essen uf dui hanf-sat
Genot und gar; das ist min rat.
So wirt dui sache hin genomen,
Da wir in erbeit moechtin komen."

Es ducht dui vogel gar ein spot
Des swalmen rat und sin gebot.
Der hanf wuchs uf nach siner art
Vil schier, das er gespunnen wart;
Do macht man strik und vogel-garn.
Do si nach ir spise wolden varn
Uf den aker dui vogellin,
Und gar sicher wolden sin,
Do wart ir gevangen vil.

Der gůtem rat nicht volgen wil,
Wer mag, uib es im missegat?
In allen dingen gůter rat
Ist gůt, der dem volgen kan,
Es sigint, frouwen oder man.
Wer mit gůtem rate tůt
Das er tůn sol, das wirt im gůt.
Die gar ze sicher wellent wesen,
Die muigen etwen kum genesen.
Als ist den vogellin geschechien,
Das si wol moechtin han versechen.

XXIV
Von luiten die baten umb ein kuinig
Von eigenschaft
*

In Asia do was ein lant,
Das was Attica genant.
Von dem lant hat man geseit,
Das es hat grosse friheit.
Dar zů seit man ouch wol das,
Das weder kuinig noch her da was.
Dui luite lebten ane twang;
Ir friheit was breit unde lang.
Kein her betruebte iren můt;
Si teten das si dunkte gůt;
Ir lip, ir gůt gefriget was.
Eim andern gunden si do bas
Des gewaltes und der eren gros;
Keiner wold vergůt han sin genos.
*
Uiber sich satzten si do
Ein kuinig: des wurden si unfro;
Dem mochten si nicht wider stan,
Kein wandel mochten si sin han,
Gevangen was ir frier můt. —
Es ist noch wol, und ist ouch gůt:
Wel mensch im selber nicht vertreit
Noch eren gan, uib der in leit
Komet, wer sol dem gestan?
Sinen schaden sol er han. —
Do der kuinig kam an sin gewalt,
Und in sin ere manigvalt,
Do erzoegt er schier der herren můt.
Es wer klein, gros, boes oder gůt,
Alles des sin herz begert,
Vil bald es in des gewert,
Das volk. Si muesten eigen wesen;
Si weren bas an künig gewesen.
Ir keiner mocht sin willen han,
Si muesten al sin undertan;
Es wer sun, tochter oder knecht,
Dem kuinig kam es alles recht;
Es wer urlig oder fride,
Si musten dienen bi der wide,
Und muesten iemer eigen sin.

*Von Leibeigenschaft.
*Keiner wold vergůt han: Keiner stimmte für einen aus ihrer Mitte.

S e l b  t e t,  s e l b  h a b  d e n  s c h a d e n  d i n!
Es ist noch wol (so helf mir got!),
Das der lide schaden unde spot,
Der im selber nicht engan
Der eren, die er wol moecht han,
Und nicht erkent, so im ist wol:
Der wirdet dike sorgen vol,
Und lidet not und erebeit.
Wem sol das den wesen leit?
Er mag wol sprechen, ane wan:
Dis not han ich mir selber tan;
Ich was her, nu bin ich knecht;
Mir ist geschechen itel recht.


XXV
Von froeschen die wolden han einen kuinig
Von friheit und betwungnisse

Es was ein wiger froeschen vol,
Den was nach ir natuire wol.
Si hatten wasser unde velt,
Und des genůg an alles gelt.
Si waren unbetwungen gar,
Si namen keines herren war.
In friheit stůnt ir aller můt,
Ir lip, ir leben und ir gůt.

Dui friheit mochtens nicht vertragen;
Si gerieten alle tage klagen:
Si moechten ane kuinig nicht leben,
Got Jupiter sold inen geben
Ein kuinig, der ir gewaltig wer.
Des lachete got Jupiter,
Und sweig. Do viengen si aber an
Ir bet gegen gote han
Umb einen kuinig. Ein tremel gros
Jupiter in den wiger schos,
Der sold ir aller kuinig wesen.
Vor vorchten wandens nicht genesen,
Ze fliechend warens alle snel,
Geswigen was ir aller kel,
Do fuir kam der erste slag.
Der boum balde stille lag,
Er růrte sich nicht umb ein har.
Dui froschen wurden des gewar;
Si kunden nicht gemassen,
Uf den kuinig si do sassen,
Si schruiwen aber lut als e:
Iemer nůst in wesen we,
In wurde den ein kuinig gegeben,
Der wol richten moecht ihr leben.

Do Jupiter das geschrei vernam,
Einen stork sant er hin dan,
Der ir kuinig solde wesen.
Der kuinig ir keinen lies genesen;
Sin munt stůnt offen, sin mag was wan,
Er sland alles das im bekan.
Der froeschen klag was sere gros,
Des kuiniges sie vil schier verdros.
Si sprachen: "Her, us diser not
Hilf uns, wan wir sind alle tot;
Er lat unser keinen genesen.
An kuinig went wir gerne wesen."
Jupiter sprach: "Es mag nicht sin!
Ir hant erfuilt dui oren min
Mit bet; nu han ich uich gegeben
Ein kuinig, der richtet uiwer leben,
Dem muessent ir undertenig wesen.
Wil er, er lat enkeinen genesen;
Und zwar, uich geschieht vil recht."

Wer her mag sin, der si nicht knecht!
Wer hat des in begnuegen sol,
Der hab genůg! so vert er wol.
Wer sin selbes muige wesen,
Der volge mir, wil er genesen:
Wil er růw und ere behan,
So eigne er sich an keinen man.
Und habe sinen frien můt;
So im wol si, so hab vergůt,
Und begere nicht der dingen,
Da mit im mag misselingen,
Als du froeschen hant getan;
Des muessent si noch in sorgen stan.