Edelstein LI-LXXV
   
 

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Edelstein LXXVI-C

Index
 
Von einem rosse und von einem esel
Von einem man und sinem sune und einem esel
Von einem beschinten esel
Von einer nachtegal und einem sperwer
Von einem wolfe und einem fuchse
Von einem hirz und einem jeger
Von einer frouwen und einem diebe
Von drien witwen roemerin
Von einem hunde und einem wolfe
Von dem magen, den henden und fuessen
Von einem juden und von einem morder
Von einem amptman und einem ritter
Von einer frouwen und einem wolfe
 
Von einem sneggen und einem arn
Von einem krebs und sinem sune
Von der sunnen und dem winde
Von einem esel und eines loewen hute
Von einem froes und einem fuchse
Von einem hunde der trůg ein schellen
Von einer katzen von muisen und von einer schallen
Von einem slangen der was gebunden
Von bevolnem gůte
Von zwein gesellen und einem bern
Von drin gesellen
Von einem kalwen rittere

 

LI
Von einem rosse und von einem esel
Von versmachunge der weite

Ein ros das was gezieret wol,
Aller Schoenheit was es vol.
Sin zoun und ouch der sattel sin
Gaben von golde liechten schin;
Sin deki was von zendal rot.
Das es hoch trůg, das tet im not.
Den weg es dur ein gassen nam
Eis mals, da im engegen kam
Ein swacher esel, was nicht klůg.
Ein grossen sak er uf im trůg.
Dem rosse der esel nicht entweich;
Des wart im manger herter streich;
Er mueste sin engelten.
Das ros geriet in schelten
Und sprach zůzim: "Du swaches tier,
Soldest du nicht entwichen mir?
Genuissist nicht der eren min,
Es můst din grimmer tot nu sin.
Du versmachte creatur!
Du saktregel! Du rechter slur!
Wie getorstes du das an gevachen,
Das du mir solt engegen gachen?"

Der esel sweig und hat sin gemach.
Dar nach es kuirzeklich geschach,
Das das ros enbůget wart.
Do wart nicht langer do gespart,
Es wart enbloest gnot unde gar
Aller gezierde. Nement war,
Wie b a l d sin schoeni was verkert,
Dar zů sin ungemach gemert!
Es wart gespannen in ein wagen,
Es meste ziechen unde tragen.
Ungemach und erebeit
Machten im sin leben leit.
Es wart mager unde flach;
Sin rippe man im scharren sach.
Sine fůs und sine bein
Stiessen sich an mangen stein;
Ouch wart es gellig unde las;
Der ruigge im vast zerbrochen was.
Haber -strou wart im gegeben
Ze spis; urdruissig was sin leben.
Als bald der esel do ersach
Das ros so krank und alse swach,
Vil bald er spotten began.

Mit glatten Worten vieng er an;
Er sprach: "Got grůs uich, herre min!
Wa ist nu uiwers sattels schin?
War hant ir uiwern zoun getan?
An deki sicht man uich nu gan;
Uiwer gezierde die ist klein.
Uich scharrent dur dui hut dui bein.
Ir hant kein silber noch kein golt;
Dar zů ist uich nu nieman holt
Geswecht ist uiwer hocher můt.
Wa ist nu er? Wa ist nu gůt?
Ze vil eren ist halb laster.
Heissent uich ein pflaster
Uf uiwern ruigge binden;
Dui hut begint uich schrinden.
Der lip ist und dui fůsse swach;
Wolveil ist uich ungemach,
Ir sullent lang in armůt leben.
Soelken lon kan hochvart geben.
Uibermůt wirt niemer gůt;
Uibermůt grossen schaden tůt.

Bi dirre bischaft merk ich dui welt,
Die nach gezierde git boes gelt.
Der weit gewalt, des libes kraft
Zergat, und alle meisterschaft.
Weltlich ere nicht gestat;
Weltlich froede ein ende hat.
Da von nieman versmachen sol
Den armen. Es geschieht vil wol,
Das dem richen missegat,
So der arme wol gestat.
Dem ist beschechen hie gelich:
Der riche wart arm, der arme rich.

LII
Von einem man und sinem sune und
einem esel

Von unschuldigem spotte

Eis tages ze margte für ein manj
Sinen sun er zuzim nan
Und sinen esel och, dur das
Das er mocht riten deste bas.
Uf den esel sas der man
Und reit; sin sun der muste gan
Mit im, er hat ze rilen nicht.
Nu fugt es sich so von geschieht,
Das inen hite bekamen,
Die gros wunder namen.
Si sprachen: "Sechent, wa der man
Ritet, und lat den knaben gan!
Lies er den knaben riten,
Und gieng bi siner siten,
Dar an tet er verre bas."
Und do der alte erhörte das,
Ab dem es'el sas er do.
Der sun sas. uf; des wart er fro,
Das er och rilen solde,
Der alte gerne wolde
Nebent bi dem esel gan.

Do bekamen in zwen ander man.
Der eine zu dem ändern sprach,
Do er den knaben riten sach.
"Warla, trut geselle min!
Der alt mag wol ein tore sin,
Das er riten lat den knaben.
Der solde lofen unde traben,
Und sokl der alte riten."
Vil kuni mocht er gebiten,
Das er uf den esel kan
Zu sincm sune, und reit Irin dari
Den esel riltens beide;

Das kam in schier e leide.
Do in du lüt bekamen;
"Niimer dumen amen
(Sprachen sie)! Nement alle war,
Wie der alte tore var,
Gesattelt uf dem eselin,
Er und och der knabe sin.
Si went den esel haben tot.
Zwar! das tut in keine not.
Der alle sold wol rüwe han
Rilende, und sold der junge gan."
Do dise red alsus geschach,
Der vatter zu dem sune sprach:
"Wol! ab wir sullen beide gan;
Der esel sol och ruwe han."
Sus giengens uf der strafse hinj
Der esel gieng och ler mit in:

Do bekamen in frouwen unde man.
Si sprachen alle: "Sechent an,
Wi gar lorecht si beide sint,
Der alle man und och sin kint,
Das i r inu't nicht ze rilen slat
Den esel, der doch lere gat."
Do sprach der vater: "Sun, wol har!
Vir sullen nemen beide war,
Üb wir den esel imigen tragen.
Las sechen, was du Jute sagen."
Si würfen bald den esel nider,
Ze samen bunden si sin lider,
Si hiengen an ein slangen gros;
Des rilens in vil ser verdros.
"O hui! Wol uf!" der vatter sprach.
Der sun vil jamerliche saeh,
Das er den esel musle tragen.
Dui liit gerieten alle sagen;

"Warta, warla! Sechent an,
Ein esel tragent zwene man;
Der sold si beide billich tragen.
Wcn mag es wol ze mere sagen.
Wen sieht wol, das si narren sint;
An witzen sint si beide blint."
Und do der alte das ersach,
Das nieman wol von inen sprach,
Vil ser er süfzen began.
Siien sun den sach er an,
Und sprach: "Hor was ich dir sage
Es si das mich der esel trage,
Oder dich, so sin wir torn;
Treit er uns beide, so ist er verlern;
Gat er ler, so sin wir narren;
Tragen wir in an einem sparren,
So ist nieman tober danne wir.
Da von so wil ich raten dir,
Das du tuest recht und wol;
Wer recht tut, der wirt selden vol."

An strafung mag kum ieman wesen.
Wer mag an hinderrede genesen?
Wer an den eren wil gestan,
Der sol dur kein red abe lan;
Er sol tun was im fuget wol.
Du welt ist schalkeit alse vol,
Wie vil ein mensche gutes tut,
Es dünkt du weit niclit halbes gut.
Geseclient ist vil liilen blinl,
Der herzen alse giftig sint,
Was si hurent oder sechcnt,
Das si dar zu das bosle jechent.
Der sich vor den gehüten kan
(Eu sin deti fröwen oder man),
Der mag wol gioslich loben got,
Kuiit er hin an der weite spot.
 
LII
Von einem Mann und seinem Sohn und einem Esel



Einst ging ein Mann
Mit seinem Sohn zum Markt.
Er nahm seinen Esel mit
Und ritt auf ihm;
Sein Sohn ging nebenher.

Da begegneten ihnen Leute,
Die verwundert sprachen:
"Wie kann der Alte reiten
Und das Kind laufen lassen?
Er sollte besser selber gehen
und das Kind aufsitzen lassen."

Der Alte richtete sich
Nach diesen Worten
Und ließ seinen Sohn reiten.

Sie begegneten zwei Männern,
Und der eine sagte zum andern:
"Der Alte ist ein Narr,
Dass er selbst läuft
Und den Knaben reiten lässt."
Nun setzte sich der Vater zu seinem
Sohn auf den Esel.

Als sie wieder Leute trafen,
Sagten die: "Um Gottes willen,
Die beiden reiten den
Esel zuschanden!"
Nun stiegen beide ab
Und liefen neben dem Esel her.
Da kamen Männer und Frauen
Und sagten: "Schaut diese
Torheit: Da läuft der alte Mann
Mit seinem Sohn,
Und den Esel
Lassen sie ledig gehen!"


Da sprach der Vater:
"Wir wollen nun
Beide den Esel tragen;
Ich möchte wissen,
Was die Leute dazu sagen."
Sie banden dem Esel
Die Beine zusammen
Und trugen ihn auf einer Stange.

Die Leute sagten: "Man sieht,
Dass beide Narren sind."
Da seufzte der Alte und
Sprach zu seinem Sohn:
"Wie wir es auch gemacht haben,
Keinem war es recht.
Darum rate ich dir,
Immer das Richtige zu tun;
Dann wirst du selig werden."

Wer in Ehren bestehen will,
Soll sich durch Gerede
Nicht irre machen lassen.
Was man auch Gutes tut,
Ger Welt ist es nicht gut genug.
 

LIII
Von einem beschinten esel
Von schuldigem spotte

Von einer frouwen seit man das,
Das si in hertem luimden was.
Ir ungewuirte das was gros.
*
Wiplicher ere was si blos;
Ir werk boes waren unde swach.
Von ir seit alles das si sach;
Es werin frouwen oder man,
Ungwuirt must si von allen han.
Uf einer hochen burg si sas
Bi einer stat, da ein margt was.
Wer ir gesindes ze margte kam,
Vil boeser meren er vernam,
Die man von siner frouwen seit.
Ir unglimpf was in allen leit.
Du frouwe ouch nicht abe lie,
Wenne ir knecht von margte gie,
Si sprach: "Was seit man in der stat?
Was sint dui mer, die man da hat?
Sag an, sag an, was mag es sin?
Gedenkt ieman ze gute min?"
Ir knecht der sprach: "Was sol ich sagen?
Ich hoer vil luiten ab uich klagen.
Alles, das uf und nider gat,
Nicht wan von uich ze reden hat.
Alle tag und alle zit.
Ir aller zunge selten gelit;
Was munt hat und ouch reden kan,
Die scheltent uich, wip unde man."
Dü frouwe sprach: "Das ist mir leit.
Es lidet menig mensch erbeit
An sache und ane schulde gar;
Des wirt ich selber wol gewar."

*Allenthalben sprach man schlecht von ihr.

Dar nach heimliche fůr si zů;
An dem tag des mergtes frů
Hies si ein esel schinden
(Das sold nieman bevinden),
Das er doch lebent beleip.
An den margt man in do treip,
Ein gassen uf, dui andren nider;
Nu fůrt man har, nu fůrt man wider.
Sin hut er selb ze margte trug
Uf in gebunden, die was klůg,
Als noch der esel huite sint.
Es werin wip, man oder kint,
Einer ze dem andern sprach,
Wer den beschinten esel sach:
"Mich wundert, was das meine."
Dui frouwe wist es alleine,
War umbe er beschunden wart.
Ir geschach ein gůte vart,
Ir wart vergessen genzeklich;
Es wer jung, alt, arm oder rich,
Von ir gebresten nieman seit.
Das was nicht ir gesinde leit.
Do ir knecht uf ze hove kan,
Si sprach: "Gedacht min hui ieman
An dem margte? Das wer mir leit." —
"Nein es, frouwe, uf minen eit!
Uiwer wart huit nicht gedacht.
Ein beschulter esel wart dar bracht,
Den schouwet alles das da was;
Uiwer menlich da vergas.
Si namen alle des esels war;
Nu fůrt man hin, mi fůrt man har.
Der esel uich ze trost ist komen;
Wir han huit nicht von uich vernomen."
Dui frouwe sprach: "Gesach mich got,
*
Gesach mich got Gott Lob! WoU mir!
Das gelegen ist der liten spot!
Ze trost ist mir der esel komen,
Vil red hat er mir abgenomen."

*Gesach mich got: Gott Lob! Wohl mir!

Rede nieman verbieten kan,
Es sin frouwen oder man.
Wer in der gemeinde munt
Mit arger hinderrede kunt,
Der sol das nicht abe lan,
Er suille ein beschinten esel han.
Er bedarf eis witen ermels wol,
Der menlichem verschieben sol
Den munt. Da von so rat ich das.
Das man sich huete deste bas,
Und ieklich mensche als ufrecht lebe,
Das er der rede kein ursach gebe;
Und tůt er das, so sorge nicht
Was ieman arger von im gicht.

LIV
Von einer nachtegal und einem sperwer
Von eim boesen ende

Ein nachtegal genistet hat
Eis mals an ein heimliche stat,
Da si gar sicher wolde wesen,
Das wol ir kint moechtin genesen;

Nu fůgt sich, das ein sperwer kan
Geflogen zů dem nest hin dan
Uf ein ris, da dui nachtegal
Stůnt, und sang ir suessen schal.
Do si den sperwer erst ersach,
Mit grossen vorchten si do sprach:
"Gnade, truter herre min!
Muig es an uiwern hulden sin,
So lassent mine kint genesen."
Der sperwer sprach: "Es mag nicht wesen.
Doch — macht du singen alse wol,
*
Das ich dich billich eren sol
Umb dine kint, nu dar, sing an!"
Dui nachtegal suifzen began.
Ir herze stůnt in bitterkeit;
Doch, als si wer an alles leit,
Muest si gebaren. Das tet not;
Si vorchte ser ir kinden tot.
Mit dem munde si do sang;
Ir herz in grossem jamer rang.
Des mocht si nicht geniessen wol.
Schalkeit was der sperwer vol,
Er tot dui kint an ir gesicht;
Das mochte si erwenden nicht.
Er zart in uf ir herzen;
Des leit si grossen smerzen.
Ir kinden tot der tet ir we;
Si schrei vil lut ach und owe,
Und klagt den unschuldigen tot
Ir kinden, und ir selbers not.

*Kannst du indess so schön singen, dass ...

Dar nach nicht lange wart gespart,
Der sperwer ouch gevangen wart
In einem netze. Do das ersach
Dui nachtegal, vil schier si sprach:
"Ein boes ende sol er haben,
Der in den suinden ist erlaben,
Und nicht erbarmen wolde sich
Uiber min kint noch uiber mich.
Wel wunder, uib der lidet not!
Er sol von schulden ligen tot."

Ein boes leben wer das hat,
Dar an ein bös end gerne stat.
Er hat gehik, wer alweg tut
Boslich, wirt sin ende gut.
Ein wolf sieht man vil selten tragen
Eis schafes sweif. Och hör ich sagen,
Wer alweg in den sünden strebt,
Und dar zu an erbermde lebt
Das der sol ah erbermde not
Liden, und dar zu den tot;
Als disem sperwer ist beschechen:
Das ist wol, des mus ich jechen.

LV
Von einem wolfe und einem fuchse
Von verratunge

Ein wolf eis mals, als man uns seit.
Hat sich mit spise hinder leit.
In einer flů hat er ein hol
Mit gůter spis gefuillet wol;
Da wold er lange růwe han.
Zůzim ein fuchs gegangen kan
Mit fuichselichem sinne,
Wan er was worden inne
Der spise. Er het gern betrogen
Den wolf, und us dem hol erlogen,
Er wold des wolfes spise han.
Da er hin zů dem wolfe kan,
Er sprach: "Got grues dich, brůder min!
Wie macht du so gar lange sin
An mich? Das ist mir swere gar.
Ich sage dir ouch das fuir war,
Das ich din nicht vergessen kan."
Do sach der wolf den lugner an,
Und sprach: "Her fuchs, ich weis das wol,
Du bist mir holt; und ist doch vol
Din arges herze trugenheit.
Das ich uit han, das ist dir leit.
Din suessen wort sint ungelich
Den werken. Balde von mir strich;
Dir wirt nicht der spise min."
Do sprach der fuchs: "So las ich sin."
Dannan schiet er mit bitterkeit.
Vil ser im wag dui smacheit,
Die im der wolf hatte gelan.
Einen hirten sach er stan
Uf einer wise. Zu dem er sprach:
"Ich wil dir schiken gůt gemach
*
Von dem wolfe. Volge mir!
Sin hus das wil ich zeigen dir.
An dinem vigende solt du dich
Nu rechen balde; das rat ich.
Wilt du in han, er wirt dir wol.
Er lit doert uis in einem hol,
Da er dur nuit dir mag engan."
Sin schaf lies do der hirte stan.
Ein spies nam er in sine hant;
Mit dem fuchse kam er zehant
Da er den wolf hatte gelan.
Er geriet in stechen, unde slan.
Und do der wolf ertoedet was,
Der fuchs des wolfes hus besas,
Dar zů sin spis im ouch beleip;
Das tet verratung, die er treip.
Doch wart es nicht vil lang gespart,
Wan das ouch er verraten wart.
Im wart gespannen fuir das hol
Ein netze, das was striken vol.
Do wart der fuchs gevangen,
Sin schalkeit was zegangen.

*Ich will dir dazu helfen, dass du in Zukunft vor dem Wolfe vollkommen ruhig sein kannst.

Wer unrechtekeit ist vol,
Der wirt vil kum geweschen wol.
Wer nicht kan wan triegen
Und ane schame liegen,
Es ist wol, wirt der betrogen,
Und wirt ouch billich angelogen.
Liegen, triegen sint zwei ding,
Die beide gar an ere sint.
Ein lugner vert wol dur das lant;
Wil er har wider, er wirt geschant.
Kein unfůge lange wert.
Wel mensch des andern schaden gert,
Der wirt geschadget: das ist war.
Kein unfůg weret drissig jar.
In dem strik gevangen wart
Der fuchs, den er gestriket hat
Dem wolfe. Das tet sin arger list,
Dank hab der an geverde ist!

LVI
Von einem hirz und einem jeger
Von schedlicher minne

Ein hirz eis mals duirsten began,
Zů einem brunnen er do kan,
Der was schoen, luter unde klar.
In dem wasser nam er war
Sin selbers, wie gestellet was
Sin stolzer lip. Und do er das
Gesach, sin gehuirne geviel im wol,
Sin houbet was gezierde vol.
In grossen uibermůt er kam;
Was er von keinem tier vernam
Gůtes, das was im nicht gelich.
Sin herze das was froeiden rich.
Dar nach sach er an sine bein;
Die waren mager unde klein.
Die ge vielen im ze masse wol;
Des was der hirz betruibde vol.
Sin fuesse waren im unwert
Und ouch sin bein. — 'Wer noch das swert
Versmacht, da mit er wol sin leben
Behueten mag, und das wil geben
Sinern vigende in dui hant;
Wel wunder, uib der wirt geschant.
Do sus der hirz sin fuesse hat
Versmachet, uf der selben stat

Mit sinen hunden kam ein jeger.
Den hirz treip er von sinem leger.
Der hirz der floch. Der jeger nach
Rande bald, wan im was gach
Uf in. Den hunden was ouch not;
Den hirz wolden si haben tot.
Do floch der hirz vil balde,
Und kerte hin zem walde.
Ze stalten kamen im sin bein;
Sinr hornen helfe die was klein.
Und do er wart alsus verjagt,
Und in den walt kam unverzagt,
Des im sin fůs und sine bein
Gehulfen hatten, die er klein
Geschetzet hat: schier er gehieng
An sinen hornen, da in vieng
Der jeger mit den hunden do.
Des wart der hirz vil gar unfro.
Sin fůs im hulfen usser not;
Sin gehuirne gap in den tot.

Wer minnet das im schaden tůt,
Und hasset das im were gůt,
Der tůt nicht recht; doch ist ir vil
Der luiten. Wer ouch spisen wil
Sinen vigent, das wirt im leit.
Mang mensch sin vigent bi im treit;
Wen er gewinnet oberhant,
Er setzt sich wider in zehant,
Und tůt im angest unde not;
Vil licht bringt er in in den tot.
Dem hirz gevielen wol sin horn,
Von den sin leben wart verlorn.
Das selb geschicht ouch manchem me,
Der minnet das, das im tůt we,
Und hasset das im were gůt.
Gros uippekeit gůt seiten tůt.

LVII
Von einer frouwen und einem diebe
Von frouwen untruiwe

Wen liset von zwein menschen, das
Ir herz mit minne verstriket was.

Das was ein man und ouch sin wip,
Die hat er liep als sinen lip.
Die starken minne schiet der tot;
Der man der starp. Da kam in not
Dui frouwe von ir minne gros.
Alles trostes wart si blos,
Da si verlor ir lieben man;
Si wold von nieman trost enpfan.
Si schrei und wend an underlas;
Ob im si stetekliche sas.
Do er wart in das grap geleit,
Do hůp sich jamer unde leit.
Si wold nicht von dem grabe komen,
Aller trost was ir benomen.
Si schrei vil lut ach und owe;
Weder regen noch der sne
Mocht si gescheiden von dem grabe.
Si lebt in grosser ungehabe
Beide dui nacht und ouch den tag,
Das si do anders nicht enpflag;
Ir růwe die was kleine.
Bi dem grabe sas si alleine,
Und wende bi dem fuire;
Kurzwil was da tuire.
*

*Alle Zerstreuung war verbannt.

Nu fůgt sich uf der selben vart,
Das einer da erhangen wart,
Hin von dem grab uiber ein velt;
Des hůt ein man, dem gap man gelt,
Das er nicht dannan solde komen;
Wuird von dem galgen ab genomen
Der diep, das wer dem richter zorn,
Und můst sin houbet han verlorn.
Do der das fuir sach, und das wip
Klagen hort ir mannes lip,
Vil ser in duirsten began.
Zů dem grab gieng er hin dan,
Und sach dui frouwen, die was stolz.
*
An das fuir bracht er ir holz,
Das si vor froste wurd behůt,
Und sprach: "Frouwe, hant gůten můt!
Sit tot ist-uiwer lieber man,
Ir solt uich zů den lebenden han.
Ein andre můter einen treit
Als gůten, der uich uiwer leit
Minret und uiwer ungemach".
So er dui frouwen me ansach,
So er ie me in minne bran.
Der man gar von im selber kan.
Er sprach: "Liebe frouwe min,
Můcht es an uiwern hulden sin,
Ich woeld ergetzen uich fuir war
Alles leides. Nement war!
Was lip und sei erzuigen mag
Dast uiwer huit uf disen tag."

*stolz: von schöner Gestalt.

Dui frouwe wuiste tougen
Dui trechen von den ougen.
Den man sach si vil lieplich an,
Und sprach: "Moecht ich an dir du han
Mit warheit das du hast geseit,
Ich woeld ab lan mis herzen leit,
Und woelde tůn den willen din."
Er sprach: "Min frouwe, das sol sin!"
Gar lieplich er si umbeving,
Vil liebes er mit ir begieng.
Das ich nicht nu wil sagen hie.
Dar nach do dise red ergie,
Und von der frouwen gieng der man,
Und wider zů dem galgen kan.
Do hat er nicht gehuetet wol;
Sorgen wart sin herze vol.
Ab dem galgen was der diep
Genomen; das was im nicht liep
Er vorchte ser des richters zorn;
Sin leben muest er han verlorn;
Er solde bas gehuetet han.

Zů dem grabe er wider kan,
Da er e du frouwe lie.
Vil lieplich si in do enpfie.
Er seit ir boese mere,
Wie im beschechen were;
Das ab dem galgen was genomen
Der diep; des můst er sicher komen
Um sinen lip; tot muest er wesen;
Er moecht dur keine sach genesen.
Dui frouwe sprach: "Nu volge mir,
Und hoer was ich nu sage dir.
Ein gůten rat wil ich dir geben.
Das du wol macht behan din leben.
Wir suillen minen man engraben,
Und muessen einen helsing haben,
Und ziechen an des galgen mat,
Und henken an des diebes stat.
Das rat ich, uf dui truiwe min.
Wol har! ich bin din helferin."
Der man tet was duI frouwe riet.
Von dem toten si sich schiet.

Das was ein jamerlicher rat.
Wol im, der nicht ze tůnde hat
Mit boesen wiben, der herze stat
Uf schalkeit und uf missetat.
Ein schalkhaft wip nie wol geriet,
Von wiben uibels vil beschiet,
Und ist geschechen manigvalt,
Des alles menschlich kuinne engalt.
Her Adam wart ertoeret,
Troje wart zerstoeret,
Her Sampson wart erblendet,
Her Salomon geschendet,
Der tot man wart erhenket.
Wer har an nicht gedenket,
Der ist ein sinneloser man;
Dis hat als wibes rat getan.

LVIII
Von drien witwen roemerin
Von frouwen truiwe

Es waren drie frouwen gůt;
Uf zucht, uf ere stůnt ir můt.
Si waren jung und wol getan,
Wiplich geberd sach man si han.
Si waren hoch an wirdekeit,
Ouch trůgen si der erein kleit.
Si waren edel unde rich;
An zucht in nieman was gelich.
Von rome waren si geborn.
Si hatten alle drie verlorn
Von todes kraft ir lieben man;
Witwen leben muesten si han.
Ir wort, werk,und ir sitten
Waren gůt. Si vermitten
Mit ganzem fliese alles das,
Das swach und wandelbere was.
Si wolden kuisch beliben.
*
Do geriet man si an triben,
Das si ze der e soeldin komen,
Und liden schaden unde fromen
In der e; das were gůt.
Do wart betruebt ir aller můt,
Do dise red alsus geschach.

*kuisch beliben: unverheiratet bleiben.

Dui erste antwurt unde sprach:
"Ich weis wol, das min nieman gert,
Wan um min gůt. Der des gewert
Wuirde, der liesse m i c h wol gan,
Wen er besesse das ich han;
Das het er lieber denne mich.
Das merk ich wol; da von wil ich
An alle man beliben.
Min gůt wil ich vertriben;
*
Nach minem willen wil ich leben;
Ich wil verzichen
* unde geben
Recht als es mich dunket gůt,
Und wil han minen frigen můt.
Da von verspriche ich alle man,
*
Und wil ein friges leben han."

*vertriben: verzehren.
*verzichen: verweigern, abschlagen.
*verspriche ich alle man: tue ich Verzicht auf das Heiraten.

Dar nach nicht lange wart gespart,
Dui ander an gesprochen wart,
Das si soeld nemen einen man.
Si moecht dur nuit also gestan;
Si wer jung, edel unde rich,
Dar zů wer si der weit gelich.
*
Si sprach: "Dur nuit so mag es sin.
So muest ich doch dui truiwe min
Brechen an minem lieben man,
Den ich ungern verloren han,
Den mir der tot genomen hat.
Doch er in ganzer mine stat
Mis herzen, lebent iemer me;
Da von ich mag nicht me zer e
Komen. Sit noch lebt min man,
Wie moecht ich den das an gevan,
Das ich noch einen neme
Zůzim? — Wer das verneme,
Ich muest von schamen werden rot.
Dur was kem ich den in die not?
Ich wil mit minem lieben man
An dem juingsten tag erstan."

*Gar nicht für die Abgeschiedenheit von der Welt gemacht.

Dui dritte sprach: "Es tůt mir not,
Das ich mis liebes mannes tot
Klage und weine die wil ich lebe.
Ein andern man mir nieman gebe.
Min man was so rechte gůt,
Das er mir weder herz noch můt
Betruebte nie bi minen tagen;
Da von sol ich in billich klagen.
Wuird mir nach im ein boeser man,
Leit und ser můst ich iemer han;
An man ist mir verre bas.
Nem ich ein s e n f t e n man; dur was
Sould ich in vorchten iemer sin,
Wen er kem ab den ougen min,
Das der tot beroubte mich
An ime? — Secht, da von wil ich
Beliben gar an alle man,
Und wil ein kuisches leben han."

Wel frouw verluir ir lieben man,
Mag si wol ane man bestan,
Belib also: das ist min rat.
Vil manger witwon missegat.
Wen si kunt zů der andern e,
Geschicht ir den ach unde we,
Wer mag ir des? — S i hats getain.
Wer si beliben ane man
Dur truiwe und dur stetekeit,
So het si froede ane leit.
Da von si nieman klagen sol,
Uib si untrostes wirdet vol;
Das da riset nebent abe,
Das ist nicht wol. — Ir schaden habe
Ir selber, wel frouw alse tůt,
Da von gepinet wirt ir můt.

LIX
Von einem hunde und einem wolfe
Von friheit und von eigenschaft

Es giengen zwen gesellen gůt,
Die hatten ungelichen můt,
Uf der strasse dur einen walt;
Ir koese das was manigvalt:
Es was ein wolf und ouch ein hunt.
Si kamen uf der selben stunt
Uf eine wise; das geschach
Vil schier der wolf zem hunde sprach:
"Sag an, trut geselle min,
Was meinet diner huite schin?
Du bist so stolz und bist so glat;
Du macht wol gůter spise sat
An sorge werden alle tage."
Der hunt sprach: "Hoer was ich dir sage!
Min lieber meister spiset mich
Von sinem tische, dur das ich
Behuet sin hof und ouch sin hus.
Wer uits uit tragen wil dar us,
Das kuind ich; dar um bin ich liep.
Ich las den rouber noch den diep
Nuits nuit us dem huse tragen;
Hie mit ich mine spis bejagen."
Do sprach der wolf: "Das ist vil gůt
So hast du dik růwigen můt,
So ich můs in den sorgen streben,
Wie ich gespis min armes leben.
Und wer es an dem willen din,
Din geselle wold ich gerne sin,
Das ich min spise mochte han
An sorge." — Der hunt sprach: "Nu wol dan,
Her wolf, in mines meisters hus
Mit mir! da tribt uich nieman us."
Der wolf der wart der rede fro;
Mit einander giengen si do.

Der wolf des hundes kelen sach;
Zůzim er do vil balde sprach:
"Sag an, trut geselle min,
Was meinet, das dui kele din
Ist beschaben und beschorn?
Dur was hast du das har verlorn?"
Der hunt sprach: "Das wil ich dir sagen.
Des tags můs ich ein kelben tragen,
Und můs an einem seile stan.
Gebunden; nienent mag ich gan,
Ich můs stetlich gevangen sin;
Das lide ich dur dui spise min."
Do dise red alsus geschach,
Der wolf do ze dem hunde sprach:
"Neina, trut geselle min,
Dur nuit wil ich gevangen sin.
Als leit ist mir noch nicht min leben,
Das ich dur spis uf welle geben
Min friheit: das geloebe mir.
Din gůten spis die hab du dir,
Und hab ouch mangen langen tag!
So wil ich essen, das ich mag
Haben, mit frigen můte.
Das kunt mir bas ze gůte.
Ich wil den frigen willen min
Nicht geben um du spise din."
Sus lief der wolf ze walde,
Der hunt ilt heim vil balde.

Richer ist ein armer man,
Der fri gemuete wol mag han,
Den der ist rich und dienen můs;
Dem wirt vil selten sorgen bůs.
Der eigen ist, wa ist des můt?
Er hat doch weder lip noch gůt.
Es ist nicht sin, das selb er hat,
Der ane frigen willen stat.
Friheit zieret alles leben,
Und kan wol gůt gemuete geben.
Friheit hoechet wip und man,
Den armen si rich machen kan.
Friheit ist der eren hort,
Si uiber kroenet werk und wort.
Mich dunkt, er hab ein armes leben,
Der frigen willen uf můs geben.
Friheit gat für alles gůt
Der welte. — Wer sin frigen můt
Uf git um silber und um golt,
Dem wirt ze teil des ruiwen solt.

LX
Von dem magen, den henden und fuessen
Von nide und von hasse

Eis mals hůp sich ein grosse klage
Under fruinden, als ich uich sage.

Du fuesse klagten kumber gros;
Dui hende erbeitens vordros;
Si klagten alle uf den buch,
Und sprachen, er wer ein rechter sluch,
Und wer ein muessigere;
Doch wuird er selten lere,
Er woeld sin alweg spise vol,
Und muessig sin, das tet im wol;
Was dui fues moechtin erloufen,
Und dui hende gekoufen,
Es wer den krumb oder slecht,
Das kem im alles sament recht.
Si sprachen zim: "Es mag nicht sin!
Du můst ouch mit uns liden pin,
Und můst ouch erbeite han
Als wir, wilt du mit uns gestan."

Was sol ich uich nu sagen me?
Dem buch was angest unde we.
Si wolden im nicht spise geben,
Das er behalten moecht das leben,
Noch hende noch dui fuesse
Das was im gar unsuesse.
Wie vil er doch mit flisse bat,
Das er von spise wuirde sat,
Des eret in noch fues noch hant.
Do wart der mage siech zehant,
Er verlor sin hitz und sin natur.
Das wart den henden gar ze sur.
Und ouch den fuessen (Das was wol!)
Der lip wart siechtages vol,
Von krankeit beslos sich der munt,
Dui hende brachen hin zestunt,
Dui fuesse mochten nicht me gan.
Enkeine spis mocht er enpfan;
Sus wurden hende und fuesse tot
Mit schulde von des magen not.
Und hettin si im spis gegeben,
Si hetten wol behebt ir leben.

Ein fruint bedarf sis fruindes wol;
Sin fruint nieman hassen sol.
Nit tůt niemanne herzeleit,
Den dem selben, der in treit.
Wer nicht dem andern wil vertragen,
Dur sinen nit, wem wil der klagen,
Uib er dar umbe kunt in not,
Und lit mit sinem fruinde tot,
Als hie den henden ist beschechen:
Das ist vil wol! des můs ich jechen.
 
LX
Von dem Magen, den Händen und
Füßen

Von Neid und Hass

Einstmals hob eine große Klage
Sich unter Freunden, wie ich euch sage.

Die Füße klagten Kummer groß,
Die Hände Arbeit sehr verdross;
Sie alle klagten übern Bauch,
Er wäre, hieß es, ein rechter Schlauch,
Der auch ein Müßiggänger wär';
Und dennoch würd' er selten leer,
Stets wollt' er sein der Speisen voll,
Und müßig leben tät' ihm wohl;
Was nur der Fuß sich könnt' erlaufen,
Was nur die Hand sich könnt' erkaufen -
Es müsste denn ganz unwert sein -
Das käm' zugute nur ihm allein.
Sie sagten ihm: »Das darf nicht sein!
Du musst mit uns auch leiden Pein,
Musst Arbeit haben so wie wir,
Willst du mit uns verbleiben hier.«

Was soll ich euch nun weiter sagen?
Den Bauch erfüllten Schmerz und Zagen;
Ihm wollten keine Speise geben,
Dass er erhalten blieb' am Leben,
Die Füß' und auch die Hände nicht.
Gar bitter schien ihm der Verzicht.
Wie viel und fleißig er auch bat,
Dass sie mit Speis' ihn machten satt,
Nichts ihm gewährten Fuß und Hand.
Siechtum dem Magen bald erstand,
Der seine Hitz' und Art verlor.
Den Händen kam das bitter vor
Und auch den Füßen – das war wohl!
Der Körper wurde Siechtums voll,
Von Krankheit sich der Mund verschloss,
Der Hände Kraft in nichts zerfloss,
Der Füße Macht war bald zergangen.
Keine Nahrung konnt' er mehr erlangen;
So schufen Hand und Fuß den Tod
Sich selber durch des Magens Not.
Geblieben wären sie am Leben,
Wenn seine Speise sie ihm gegeben.

Ein Freund bedarf des Freundes wohl;
Den Freund man niemals hassen soll.
Der Neid dem Herzeleid erregt
Allein, der ihn im Herzen trägt.
Wer nichts dem andern will vertragen,
Weil ihm es nützt, wem will der klagen,
Wenn er dadurch gerät in Not
Und liegt mit seinen Freunden tot,
Wie hier den Händen ist geschehen?
So ist es recht, ich muss gestehn.
 

LXI
Von einem juden und von einem morder
Von offenunge des mordes

Eis mals ein Jude wolde gan
Dur einen walt. Do muest er han
Geleite; wan der walt was vol
Morder; das wuste der jude wol.
Zů dem kuinge er do kan,
Und bat geleit. Das soeld er han,
Sprach der kuinig, und gebot
Sinem schenken uf den tot,
Das er in soeld geleiten wol.
"Das tůn ich, als ich billich sol,"
Sprach der schenke. Do zehant
Nam er den juden an sin hant
Und fůrt in uf dui strasse.
Der jude trůg unmasse
Vil goldes uf der selben vart,
Der schenke des wol inne wart.
In sinem můte er sere vacht
(Wan stunt und stat vil dieben macht),
Wie er dem juden tet den tot.
Er gedacht: "Du kunst us aller not,
Wirt dir das golt. Wer wil es sagen,
Oder wer mag uf dich denne klagen?
Du bist allein: hab gůten můt;
Umb dises mort dir nieman tut."
Und do der jude das ersach,
Vil tief er suifzet unde sprach:
"Ich zwivel nicht, und weis es wol,
Das dises mort got offenen sol.
E uib es wuird verswigen gar,
Dui vogel machtens offenbar,
Die hie fliegent, samir got."
Das duicht den schenken gar ein spot.
Do er das swert hat us gezogen,
Und in wold slan, do kam geflogen
Ein rephůn us den huirsten dar.
Do sprach der schenke: "Jude, nim war!
Den tot, den ich dir nu an tůn,
Den wirt offenende das rephůn."
Er slůg den juden, und nam das gůt,
Und gieng heim, und hat hochen můt.

Dar nach nicht lange wart gespart,
Das mang rephůn gesendet wart
Dem kuinge, und wurden schoen bereit.
Der schenk ein rephůn, als man seit
Trůg für sinen herren dort.
Do gedachte er an des juden wort.
Das er an sinem tode sprach,
Do er das rephůn fliegen sach.
Vil ser er lachen began,
Des mocht er sich nicht uiber han.
Und do der kuinig das ersach,
Vil senfteklich er zůzim sprach:
"Sag an, schenk, was meinest du,
Das du hast gelachet nu,
Do du an seche das rephůn?"
Er sprach: "Herre, das wil ich tun."
Und seit im, wie er hat getan
Dem juden, mit dem er solde gan,
Und geleiten dur den walt,
Da sin untruiwe was manigvalt.
Also wart offenbar das mort
Dem kuinge. Das tet sin selbers wort,
Der das mort ouch hat getan.
Des můst er an den galgen gan.
Het er das rephůn nicht gesechen,
Des mordes het er nicht verjechen.
Er wart erhangen, das was wol!
Dur gůt man nieman morden sol.

Wer unrecht tůt dur gitekeit,
Wirt der erhangen, wem ist das leit.
Von schulden der verderben sol,
Des herz verratenge ist vol.
Wer dur gůt wil uibel tůn,
Den sol melden das rephůn,
Als disem schenken ist beschechen:
Das was vil wol, des můs ich jechen.
Kein mort got ungerochen lat.
Wer boslich tůt, sin lon enpfat
Hie der mensche oder dort,
Als uns lert der heilgen wort.

LXII
Von einem amptman und einem ritter
Von offenunge des rechtes

Ein kuing in hocher ere sas,
Als ich an einem bůche las,
Der was gewaltig unde rich.
Zwen amptman hat er, ungelich
Der ein der ritter pfleger was.
Der ander schikte alle das,
Das man ze hove solde han,
Es werin frouwen oder man.
Das richt er us mit sitten.
Ungunst wart nicht vermitten,
Noch nit, noch has, der nie gelag,
Dem kum ieman entrinnen mag,
Den erzoegte der ritter do,
Und sprach zů dem kuing also:
"Herre, es ist nicht alles gůt,
Was uiwer alter amptman tůt.
Das er tůt als gar unrecht,
Das mueget herren unde knecht.
Uiwer gůt das gat da hin.
Er stilt und roubet uf den sin,
Das sin fruint herren muigin wesen.
Wil got, ich las in nicht genesen.
Ich bin ze kampf mit im bereit,
Das ich zerstoere sin bosheit,
Die er dike hat getan.
Ich wenne, er mues es abe lan!"

Der alte man der kam in not,
Er vorcht von ungeluik den tot.
Doch er vil gar unschuldig was;
Das tet im nit und boeser has,
Das er an gesprochen wart.
Do sucht er uf der selben vart
Einen kempfen an sine stat;
Wand er der kreften nicht enhat,
Das er ein kempfe mochte sin.
Do wart an sinen fruinden schin,
Das ir truwe waren klein;
Er sůchte helf, und vant enkein.
Den er doch dik sin dienst erbot,
Die liessen alle an der not.
Do kam ein akerknecht ouch dar;
Des kempfen nam er eben war,
Und gedachte: "Wil got helfen mir
Nach unschulden, so hab ich schier
Den ritter uiberwunden."
Und uf der selben stunden
Trat er froelich in den ring.
Das ist ein gemelliches
* ding
(Sprach der ritter freissan),
Das min ein gebur sus spotten kan;
Spottes gib ich im genůg.

*gemelliches: spaßhaftes

Mit zorne er do an in slůg.
Der gebure stůnt vil wol besint;
Der slag der wag im als ein wint.
Dem ritter tet er keine not;
Doch wold der ritter haben tot
Den geburen, und slůg aber dar.
Der gebur nam des vil eben war;
Grosser wisheit er enpflag.
Er gab dem ritter einen slag
Dur sinen arm; das tet im we.
Der ritter slůg enkeinen me;
Im was der arm verseret.
Sin ungluik wart gemeret;
Von nide hat er verlorn sin leben.
Der alt wart unschuldig gegeben.
Sus offenet got du rechtekeit;
Untruiwe wart da hin geleit.

Wer den andern verraten wil
Der sůchet ursache vil.
Wenne es gat an rechte not,
So sint dui fruinde alle tot.
Wer fruint ist, oder nicht enist,
Das beweret not in kurzer frist.
Getruiwer fruint git gůten můt;
Unschulde ouch das selbe tůt.
Das recht billich beschirmen sol
Den rechten; wer aber ist vol
Untruiwe, der sol nicht genesen.
Ouch hab ich selber wol gelesen,
Das dui lugi můs zergan,
So man dui warheit sicht gestan.
Das ist billich unde recht.
Den ritter slůg der akerknecht;
Und wand er was gederbe,
Wart er sis herren erbe,
Als der Ysopus hat geseit.
Got geb uns froed und niemer leit!
 

LXIII
Von einer frouwen und einem wolfe
Von wiben triegende

Ein wolf eis mals hungron began,
Als man liset in dem Avian.
Us dem wald kam er har us,
Gegangen fuir ein einig hus.
*
Da was ein frouwe, die hat ein kint,
Als noch vil mange frouwen sint.
Das kint das weinde unde schrei,
Dui frouwe bot dem kinde ein ei,
Und sprach: "Swig, min liebes kint!
Swigst du nicht, der wolf dich nint;
Dem wil ich dich schiere geben.
Swig, wilt du bebau din leben."

*ein einig hus: ein einzeln stehendes Haus.

Do dis droewen und dise wort
Vor der tuir der Wolf erhoert,
Er wand des kindes sicher wesen,
Und dacht, er moechte wol genesen,
Wuird im das im gelobet was.
Dui frouwe hat entkeinen has
Wider ir kint noch minr noch me.
Das kint weinde vast als e,
Unz das es in swigen kan.
Der wolf moechte noch da stan,
Nieman gap im der spise solt;
Dar zů so was im nieman holt.
Er stůnt unz uf den mitten tag,
Vil grosses hungers er enpflag.

Do er alsus betrogen wart,
Do kam er uf der selben vart
Da er sin kint vant und sin wip.
Blach und hungrig was sin lip.
Dui wuilpe sprach: "Wie kunst du so
Betruebt? Mich dunkt, du sist unfro,
Was dir joch huite si geschechen." —
"Das ist war, des můs ich jechen
(Sprach der wolf zur wuilpen do)
Wie mocht min herze wesen fro
Mit lerem buche? Das mag nicht sin;
Wan ane spis und ane win
Wirt selten ieman frouden vol.
S o  m a g  i s t  v o l, s o  s i n g  i c h  w o l.

Mich hat huit ein wip betrogen,
Und hat mir herlichen gelogen.
Si sprach, si wold mir geben ir kint.
Ir wort wan sneller den der wint;
Ir herz was unglich und ir munt.
Mang freis von boesen wiben kunt.
Unstet ist manger frouwen můt;
Under zwein ist, kum eine gůt.
Wiben schalkeit die ist gros;
Unstetekeit si nie verdros.
Gut geluibde erfroewet den gouch:
Wirt im nicht, so hat er ouch
Ze allem schaden gar den spot:
Als mir beschechen ist, samer Got!
Von einem wibe. Das ist war —
Ich sprich es gar an allen var —:
W e r  v o n  d e n  w i b e n  n i c h t  e n w i r t
B e t r o g e n, d e r  l o b  g ů t e n  w i r t.
Das wil ich, wolf, beweren wol;
Schalkeit sint si alle vol."

 
LXIII
Von einer Frau und einem Wolf
Von Frauen Trug

Ein Wolf kam aus dem Wald heraus
Gestrichen vor ein einzeln Haus.
Dort wohnt' ein Weib mit ihrem Kind,
Das schrie und weint', wie Kinder sind.
Die Mutter gab dem Kind ein Ei,
Damit es abbrach sein Geschrei,
Und sprach: "Mein liebes Kind, schweig still!
Der Wolf dich sonst wohl fressen will.
Dem werde ich dich bald auch geben,
Drum schweige, wenn dir lieb dein Leben!"

Das laute Drohn und das Geschrei
Den Wolf bald näher lockt' herbei.
Der freut' sich auf den Braten fein,
Ließ sich auf dies Versprechen ein.
Das Kind schrie schlimmer als bisher;
Des Wolfes Magen doch blieb leer.
Bis Mittag vor der Tür er lag
Und litt vom Hunger arge Plag.
Die Frau hatte schmählich ihn belogen,
So wurde er um die Beute betrogen.
Der Wolf schlich wütend von der Stell,
Mit leerem Bauch, gesträubt das Fell.

Im Nest erstaunt die Wölfin denkt:
Was hat den alten Schelm gekränkt?
Sie sprach: "Es zeigt mir dein Gesicht,
Dass du bist guter Laune nicht.
Was ist dir unterwegs geschehen?" —
"Hör zu, willst du mich recht verstehen,"
Der Wolf der Wölfin klagte so:
"Wie könnt ich wohl von Herzen froh,
Mit einem leeren Magen sein?
Denn ohne Speis und ohne Wein
Wird selten einer freudevoll,
Denn nur wer satt ist, der singt wohl.
Mich hat ein Weib voll Zorn gemacht
Und listig um den Fraß gebracht.
Versprochen hat sie mir ihr Kind,
Mit Worten, lust'ger als der Wind.
Gar leichthin sprach ihr falscher Mund,
Was sie im Ernst nicht halten kunnt.

Unstet ist vieler Frauen Mut,
Von zweien ist nicht eine gut.
Der Frauen Wankelmut ist groß,
Ihr Schalk schon manchen Mann verdross.
Ihr Zuspruch nur den Narren freut;
Kaum ist's gesagt, wird es bereut.
Zum Schaden hat man noch den Spott,
Wie mir geschah. Geklagt sei's Gott!
Wer über Frauen nicht muss klagen,
Der kann von großem Glücke sagen.
Das kann ich Wolf beweisen wohl,
Der Arglist sind die Frauen voll!"
 

LXIV
Von einem sneggen und einem arn
Von begirde uiber dui natur

Ein snegge sin natur verkos,
Sin tragkeit in vil ser verdros.
Das er nicht loufen mochte wol
Noch fliegen, secht, des vart er vol
Betruebde und widermůtes gar.
Do kam er zů dem adelar
Geslichen, und geriet im klagen
Sin not, und sprach: "Ich wil uich sagen,
Kurz ist min tageweide;
Das kunt mir dik ze leide.
Woelt ir mich leren fliegen,
Ich woeld uich ane liegen
Golt und edel gesteine geben,
Und dar zů die wil ich leben
Woeld ich uiwer diener sin."
Der adlar sprach: "Du velke min
Mugen dich getragen wol
Wie verre du wilt. Der lernen sol
Fliegen, der můs wagen sich.
Da von so wil ich tragen dich
Uf in den luft. Hab hochen můt!
Fluigst du den wol, das ist dir gůt.

Mit disen Worten und also
Der adlar nam den sneggen do
In sin klawen. Vil hoch er floug.
Ein trieger da den andern trog.
Und da er in den luft uf kan,
Der snegge suifzen began.
Des fliegens in vil ser verdros.
Wand ouch enkeiner sin genos
Gefliegen mochte; das ist war.
Do lies in vallen der adelar
Har nider, das sin hus zerbrach.
Vil kleglich do der snegge sprach:
"Mir ist beschechen also we,
Fliegens gelust mich niemer me.
Ich sich das wol, wer des begert,
Des sin natur in nicht gewert,
Der mag sin wol engelten.
Gros ere kuimet selten
An erbeit: sicher, das ist war.
Und sold ich leben tuseng jar,
Ich woeld des niemer me begern,
Des mich nieman mag gewern."

Wer stete růwe welle han,
Der sol an fliegen sich began.
Wer aber an fliegen nicht wil sin,
Der volge doch dem rate min,
Und beit unz er gevedre wol;
Ungeveder nieman fliegen sol.

LXV
Von einem krebs und sinem sune
Von unrechter bestrafunge

Was von natur ist angeborn
Der creatur, wirt das verlorn,
Das můs tůn gewonheit gros.
Ane gewonheit dui natur ist blos.
Dik verwandelt du gewonheit
Dui natur, als man uns seit.
Wo aber gewonheit und natur
Ze samen in der creatur
Koment, die mag man kum gelan;
Wen můs si stetekliche han,
Als hie an dirre bischaft geschach.

Ein alter krebs ein jungen sach;
Hinder sich vil balde gan.
Er sprach: "Lieber sun, la stan!
Wie gast du so vertane?
Sun, bist du in dem wane,
Das du fuir dich gangest recht,
So bist betrogen. Du gast nicht slecht.
Du solt fuir dich lernen gan,
Als ouch din vatter hat getan.
Das stat dir wol, und ist ouch gůt.
Wel sun tůt als sin vatter tůt,
Der wirt gelobt, und spricht man das:
Er ist gůt als sin vatter was."
Der sun sprach: "Vatter, du hast war.
Ich weis es wol: an allen var
Ein sun sim vatter volgen sol;
Das ist im gůt, und stat ouch wol,
Tůt er das, er wirt gelobt.
Ich wene, das er nicht enlobt,
Wer artet nach dem vatter sin.
Da von, lieber vatter min,
Gang fuir! Las sechen! Wie du gast,
Als gan ich. So du stille stast,
So stan ich ouch; und wie du dich
Richtes, also richt ich mich."
Do fuir der vatter solde gan,
Den weg er hinder sich do nam,
Und gieng uf den selben pfat,
Als sin sun vor gegangen hat.
Do sprach der sun: "Trut vatter min,
Du soll din strafen lassen sin.
Du hast den selben gang als ich.
Vil balde gast du hinder dich,
So du für dich soeldist gan;
Davon las din bestrafen stan!"

Wer den andern bestrafen sol,
Der sol tun als rechte wol,
Das er an strafung muige wesen.
Tůt er das, er mag genesen.
Wer wunden an der stirnen treit,
Bestraft mich der, das ist mir leit.
Wer wol lert, und uibel tůt,
Der ergert manges menschen můt.
Wise wort und tumbe werk
Tribent die von Gouchsperk.
Wer mich bestraft, das dunkt mich gůt,
Ist das er nicht das selbe tůt.
Zem erst sol er bestrafen sich;
Wil er den, so bestraf ouch mich.
Und het der krebs also getan,
Sin sun wer unbestraft gelan.

LXVI
Von der sunnen und dem winde
Von sitten und von unstuemekeit

Eis mals hup sich ein grofser strit
Mit Worten, der noch kum gelit,
Von hochvart und von Übermut;
Ietweders schiket selten gut.
Von widerhüssi das geschach,
Do der wint ze der sunnen sprach,
Er wer vil sterker denne si.
Si sprach: 'So wont mir tugent bi,
Da mit ich wol erzügen mag
Als das ich wil uf einen tag.
Das tust du nicht mit diner kraft.
Vil stolzer ist min meisterschaft
Denne din gros unstumekeit.'
Der wint der sprach: 'Das ist mir leit,
Das du dich will geliehen mir
An kraft. Des sulleu beide wir
Für einen rechten ricliter komen.'
Do wart her Jupiter genomen,"
Der sold ir beide richter sin.
Ietweders kraft wart daran schin.
Wer e het volbracht mit kraft
Sin werk, dem wart dü meisterschaft.
Wtr sis gewandes einen man
Berobte , der sold gewannen han,
Do dise red alsus geschach,
Der richter ze in beiden sprach:
'Wer ünder Üeh der sterker ist,
Das wirt wol schin in kurzer frist.'
Uf der strafse ein waller kan
Gegangen bald. Der wint vieng an
Vast weien unde herteklich;
Der waller vaste gurte sich.
Der wint was stark, der regen kalt.
Sin mantel macht er zwivalt,
Und strikt in vast umb sinen lip;
Im gewan nicht an des windes kip.
Nach dem winde das geschach,'
Dü sunne dur dü wolken brach;
Ir schin wart schon, ir hize gut.
Io do gewan der waller hochen mut,
Uf hieng er sinen mantel do
Und sinen rok. Der sunn.en fro
Wart er, und säst sich balde nider.
Wol kam er sines schaden wider.
Do sprach der richter Jupiter:
'Ich bin gezuig und bin üch wer,
Das du sunne mit senftekeit,
Hat an gesigt der hertekeit
Und der unfuge des windes gar.'

An dirre bischaft nement war,
Unfuge schiket selten gut;
Der frevel och das selbe tut.
Unfuge ist aller züchten fri
Unzucht wonet dem frevel bi.
Kein gutes ende unfuge hat;
Der frevel och nicht lang gestat.
Mit senftekeit und mit gedult
Mang man gesiget unverschult,
Wer gestan wil und genesen,
Der sol nicht ungefüge wesen.
Mit grofser fug du sunne gewan,
Das sin gewant us zoch der man,
Das er vil vaste ari sinen lip
Twangte dur des windes kip.

LXVII
Von einem esel und eines loewen hute
Von unerkantnisse.

Ein esel der hat erbeit gros,
Der sinen meister nicht verdros.
Er leit im uf vil manigen sak,
Da von sin rugge dik erschrak.
Ouch hort ich, von dem esel sagen,
Er můste ziechen unde tragen;
Erbeit must er grosse han.
Eis tages wart er us gelan,
Und kam hin uf du heide;
Da sůcht er sine weide.

Nu wart nicht langer do gespart,
Wan das er uf der selben vart
In dui huirste kam gerant,
Da er ein hut eis loewen vant.
Dui hut geviel im harte wol.
Sin herze das wart froeden vol;
Er wande des wol sicher, wesen,
Er wer von aller not genesen.
Des loewen hut die leit er an;
Gewalteklich gieng er hin dan.
Entlenter kraft uiber hůp er sich,
Und storte das gemeine vich
Ab siner weide. Das geschach.
In floch alles das in sach
In des loewen hute gan.
Vor im getorst kein tier gestan;
Das tet als des loewen schin.

Sin meister der hat grossen pin;
Er wand den esel han verlorn:
Das was im nicht ein kleiner zorn.
Den esel er suchen began;
Er vant sin nicht da er solde gan,
Und sůchen sine weide.
Er gieng us uf dui heide,
Er sucht in verre unde nach;
Nach sinem esel was im gach.
Ze jungest do er den esel vant,
Er wart im bi den oren erkant;
Die waren lang, und wart wol schin,
Das es was der esel sin.
Des loewen hut zoch er im abe,
Und slůg in vast mit einem stabe,
Und sprach: "Du můst min esel sin;
Dich hilfet nicht des loewen schin.
Ich wil dir nu dui warheit sagen:
Du můst aber seke tragen;
Von starken slegen wir t dir we,
Du tragest denne sek als e."

Geribne varwe nicht lange wert;
Und koufte liebi, wer der gert,
Der dunkt mich nicht ein wiser man.
Wer mit fremdem lobe kan
Sin lop gemeren, das gat abe;
Wer aber von nature habe
Gůt lop, das bekleidet wol.
Uf fremd lop nieman. stellen sol.
Entlentes lop gat dike wider;
*
Erdachte hochvart vallet nider.
Wer sich mit hochvart uiber treit
Dur sins gewandes klůgkeit,
Der mag zeim esel werden wol;
Bi den orn man in erkennen sol.

*gat dike wider: geht oft zurück.

LXVIII
Von einem froes und einem fuchse
Von valschem růme

Ein froes eis mals gegangen kan
Uf eine wise. Da vant er stan
Vil manig wol gemůtes tier.
Er sprach: "Wolt ir gelouben mier,
Ich wil uich artzenie geben,
Das ir behaltent uiwer leben.
Mit miner grossen meisterschaft
Kan ich dem siechen sine kraft
Wider geben, und gesunt
Kan ich in machen uf der stunt.
Mir mag in allen richen
Nieman sich gelichen
An wisheit und an hocher kunst.
Des hab ich alr der welte gunst.
Kein meister kuinsten ist so vol
Als ich. Das sich beweret wol,
Wen ich ze werken bring min wort."

Und do dis red ein fuchs erhort,
Er sprach: "Her froes, wie mag das sin?
Es bewert nicht uiwer varwe schin,
Das ir artznie kuinnint geben.
Von erst so artznent uiwer leben
Und uiwern siechtag. Tůnt ir das,
Wen geloubt uich hie nach deste bas.
Uiwer varwe ist nicht gelich,
Das ir sint grosser kuinsten rich.
Macht uich selben e gesunt,
Und denne mich; so wirt wol kunt.
Das ir ein grosser artzat sint.
Tůt ir des nicht, so sint ir blint."
Der froes der wart von schamen rot.
Das was vil wol, so helf mir got;
Wand er sich an der dingen nam,
Das sin geslechte nie gezam.

Wenne der blinde fueren wil
Den sechenden, da wirt spottes vil.
Wer ein artzat welle sin,
Der tů im selber helfe schin.
Wie wil der geheilen mich,
Der nicht wol kan geheilen sich?
Wer sich ruemt des nicht enist,
Der wirt geschant in kurzer frist.
Růmser in selber schaden tůnt;
Valscher rům nie lang gesůnt.
Lop, das von eigem munde gat,
Das ist nicht lop. Lop wol gestat,
Das da wirt beweret wol
Mit gůten werken, als es sol.
Ein fremder munt sol loben mich;
Min munt sol ouch nicht schelten dich.
Den gůten menlich loben sol;
Der boese vint sich selber wol.
Wol im, der lobes nicht engert,
Und doch wol lobes wirt gewert!
Ich wenne das er sere tobt,
Wer unverschult sich selber lobt.
So beite, der nicht wolle toben,
Unz das in andre luite loben.

LXIX
Von einem hunde der trůg ein schellen
Von schalkhafter froede

Von einem hunde list man das
Das er gar boes und schalkhaft was.
Sin geberde waren nicht gelich
Den werken; wände er senfteklich
Gebarte, und was doch schalkeit vol.
Des wart gewar vil manger wol,
Den er beis in sinen waden,
Der hat den spot und ouch den schaden.
Dis treib er lang und mangen tag,
Das er kein unseld nie verlag.
Heimlich gieng er den luiten nach;
Wenne er gebeis, so wart im gach
Ze flucht. Dis wart vil dik geseit
Dem meister sin. Es was im leit.

Ein schallen er im ane hieng
An sinen hals, war er do gieng,
Das man in horte, wa er was,
Und man sich hůte deste bas
Vor siner grossen schalkeit.
Des was der boese hunt gemeit,
Und froewt sich sere, das sin leben
Verdienet hat, das man im geben
Sold ein schallen an sinen lip.
Dui hochvart in in grossen kip
Bracht wider sin geslechte do.
Der schallen was der hunt vil fro.
Ein alter hunt gegangen kan;
Dem was wol kunt, war umb der man
Dem hund dui schallen hat gegeben,
Nicht wan dar sin schalkhaft leben.
Zůzim sprach er: "Wes, froewest dich?
Das du tor versmachest mich
Und din geslecht, das wirt dir leit,
Vil besser ist der nicht entreit
Ein schallon, die dir ist gegeben,
Das man erkenne din schalkhaft leben,
Die du dur ere wennest tragen.
Din bosheit soeldist lieber klagen.
Dui schalle die bezuiget wol,
Das da bist aller schalkeit vol."

Wer um sin schalkeit růmes gert,
Das ruemen das ist scheltens wert.
Wer sich von hochvart uiber treit,
Wirt der ze spot, wem ist das leit?
Wer sich froewt so er uibel tůt,
Der hat ein tuivellichen můt.
Wel mensch alleine gůt wil wesen,
Der lat sin geliehen kum genesen.
Als hat ouch dirre hunt getan,
Des můst er mit der schallon gan
Die im dur schalkeit was gegeben.
Dui schalle erzoegt sin boeses leben.
Soeldin dui boesen schallen han,
Mit schallen sech man mangen gan;
Der nu vil kosper wennet sin,
Des bosheit wuird der welte schin.

LXX
Von einer katzen von muisen und von einer schallen
Von dem hus-vigende

Ein urlig gros hat lang gewert,
Und wert ouch noch. Wer das begert
Ze wissen, detn tůn ich es kunt
Mit waren worten uf der stunt.
Es ist dui katz und ouch dui mus.
Die waren beide in e i n e m hus;
Doch was da kleine truiwe bi,
Wie gůt gestalt dui katze si.
Wer kan sich wol gehůten da
Sin vigent ist so rechte na?

Dui muise můsten in sorgen streben,
Und in grosser vorchte leben.
Gewalt der katzen der was gros;
Dui muise des vil ser verdros.
Niemant kunt si beschirmen wol;
Untrostes warens alle vol.
Da wart nicht langer da gespart,
Der muisen rat gesamnet wart.
Si rieten alle uf einen sin,
Wie si wol moechtin komen hin,
Und vor der katzen zorn genesen.
Si můsten all in sorgen wesen;
Gros was der katzen gewalt.
Der muisen rat was manigvalt.

Ze jungest kamens uiber ein
Mit gemeinem rate, das ir ein
Sold der katzen henken an
Ein schallen, die si soelde han
Und tragen, einzeklich dur das,
Das si sich moechtin deste bas
Gehueten vor der katzen list.
Do antwuirt in der selben frist,
Ein alte muis, und sprach also:
"Des rates sin wir alle fro.
Der rat mag uns wol troestlich wesen;
Wil got, wir mugen al genesen.
Ratent, und koment uiber ein,
Wel under uns die si allein,
Die das getuirre wol bestan,
Das si der katzen henken an
Welle dui schallen (das dunkt mich gůt);
So wirt gefriget unser můt,
Und mugen ane sorge leben.
Enkein mus wold sich selben geben
An den tot. An ende stat
Und ane nutz der muisen rat."

Wer in urlig gesigen sol,
Der bedarf gůtes rates wol.
Wisheit und rates meisterschaft
Gesigent dik an überkraft.
Das kraft an wisheit nicht enschaft,
Das tůt wol wisheit ane kraft.
Wer mit gůtem rate tůt
Sin werk, das wirt im dike gůt.
Fuirsichtekeit und gůter rat
Naruiwen ir enweders hat.
Wa aber der hus-vigende ist,
Vil kum wirt man vor dem gefrist.
Werin du boesen schallen vol,
So mocht man sich gehůten wol,
Trueg dui katz ein schellen hel,
Dui muise werin wol so snel,
Das si vor ir werin behůt;
Der heimlich vigent schaden tůt.

LXXI
Von einem slangen der was gebunden
Von boesem widergelte

Wen list ein bischaft, das ein man
Dur einen walt gegangen kan.
Da vant er einen slangen,
Den hat ein hirt gevangen,
Und gebunden vast, ze fromen,
Das er nicht dannan mochte komen,
An einen pfal, der was vil gros.
Do stunt der slange sigelos,
Mit einem seil zerlennet wol;
Alles smerzen was er vol.
Und do der man den slangen sach,
Vil milteklich er zůzim sprach:
"Ich wil dir helfen usser not,
Das du nicht hie geligest tot."
Der slange nach verdorben was,
Der man entbant in, und genas.
Er spist in wol, und half im wider.
Des lonet im der slange sider.
Da er gesunt wart unde snel,
Er strikt sich um des mannes kel;
In liden bracht er in und in leit.
Der man sprach: "Was ist das geseit?
Du hast betruebet mir den můt;
Du giltest mir mit uibel gůt."
Der slange sprach: ''Ich tůn dir recht;
Ich tůn als ander min geslecht.
Miri gift mag ich nicht abe lan,
Slanglich geberde můs ich han."
Der man sprach: "Ich wil gerne komen,
Sit ich din rede han vernomen,
Für einen richter der gemein."

Si des kamen uiber ein.
Der fuchs ir beider richtet wart,
Und sprach nach fuichselicher art:
"Ich kan dis sach gerichten nicht,
Nach uiwer rede, wan nach gesicht;
Ir sult mich beide lassen sechen,
Wie der sache si beschechen."
Der man sprach: "Das gevelt mir wol
Den slangen man vaste binden sol
Wider an die selben stat,
Da in der hirt gebunden hat,
So macht du richten von gesicht,
Was uns in dirre sach beschicht."
Vil schiere uf der selben vart
Der slang wider gebunden wart.
Der fuchs do ze dem slangen sprach,
Do er in als gebunden sach:
"Entbint dich selben; nicht enbit,
Und scheide von hinnan; es ist zit. —
Geselle (sprach er ze dem man),
Du macht wol lidig hinnan gan.
Wilt aber du den vigent din
Loesen, das wirt din ungewin."
Sus kam der man us grosser not;
Der slange muest geligen tot.
Das was billich unde recht;
Das krumb ist, das will kume slecht.

Wen spricht ein wort, das mag war sin,
Als es im hie ist worden schin:
W e r  a b  d e m  g a l g e n  l o e s t  d e n  d i e p,
D a r  n a c h  h a t  e r  i n  n i e m e r  l i e p.
Was giftig ist, wol niemer tůt,
Es giltet uibel umbe gůt;
Sinr art mag es nicht wider stan,
Noch mag sin schalkeit abe lan.
Es stat dik uf von miltekeit
Dem menschen not und erebeit,
Als disem man hie was geschechen.
Ich můs es in der warheit jechen,
Wa fuir bricht grosse schalkeit,
Da bedarf man grosse kuindekeit.
Wer fuchs mit fuchse vachen sol,
Der bedarf gůter listen wol.
Wer der fuchs richter nicht gewesen,
Der man můcht kume sin genesen.


LXXII
Von bevolnem gůte
Von gůtem rate

Wen sol mit listen under stan,
Was mit schalkeit wirt getan.

Eis mals zwen koufman fůren us;
Dur gewin. Die kamen in ein hus;
Do wurden si enpfangen wol,
Als man noch geste enpfachen sol,
Von der frouwen, die da enpflag
Der herbrig. Uf den selben tag
Bevalen si ir grosses gůt.
(Vil wol was das bi ir behůt),
Und taten mit gedinge das,
Das si das gůt an allen has
Gehalten sold unz uf die stunt,
Das der gesellen beider munt
Wider vordrete das gůt;
Dar uf so stůnt ir beider můt,
Das si in sold es geben gar
Wenne si beide kemen dar,
Und anders nicht. Si fueren hin
In koufmanschaft uf ir gewin.
Das gůt behielt dui frouwe wol
Mit gůten truiwen, als man sol
Behalten das bevolen ist.

Dar nach do kam in kurzer frist
Der zweiger eine, unde sprach:
"Min herze hat gros ungemach.
Gebent mir das gůt. Es tut mir not,
Wan min geselle der ist tot.
In grossem gelt bin ich gelan,
*
Das ich allein můs under stan.
Das sag ich uich an allen var."
Dui frouwe wand, es were war,
Und gap im uf der stat das gůt;
Des wart der schalk vil hoch gemůt.
Mit dem gůte zogt er hin
In fremdes lant uf sin gewin.

*Es sind viele Schulden zu bezahlen.

Sin geselle wiste hie von nicht.
Dar nach fůgt es sich von geschicht,
Das der ander geselle kan,
Und ouch das gůt vordren began.
Dui frouw erschrak, das tet ir not.
Ir vollen unschulde si bot,
Und sprach: "Ich hab dem selben man
Das gůt gegeben ane wan
Der mirs beval. Er wer in not,
Sprach er, und wer sin geselle tot."
Do sprach der man: "Min red ist slecht.
G e d i n g e  b r e c h e n t  l a n t-r e c h t.
Das gůt sold nieman han genomen,
Wir werin denne beide komen,
Ich und der geselle min.
Dir rede wil ich were sin."

DuI frouwe kam in erebeit;
Eim wisen man klagt si ir leit,
Und bat, das er ir gebe rat,
Wie si du grossen missetat
Moecht under stan. Der wise sprach:
"Frouwe, habent kein ungemach!
Als ich dui sache hab vernomen,
Ir sult ze keinem schaden komen.
Uiwer fuirsprech wil ich wesen;
Ich getruiwe ir suillent wol genesen."
Ze dem koufman er do sprach,
Do er sin schalkeit an gesach,
Und sine wort gehoret hat:
"Dui frouwe, die hie zegegen stat,
Die lougnet nicht, ir wurde gůt
Bevoln (das hat si wol behůt)
Von dim gesellen und von dir;
Wenne ir beide kement zůzir,
Si sold uich geben uiwer gůt.
Was man mit gedingen tůt,
Dar an sol man stete sin.
Gang hin, bring den gesellen din,
Si git uich uf der selben frist
Alles, das si uich schuldig ist."
Sin gesellen sůcht er do;
Er vant in nienent, und also
Dui frouwe von der sorge kan.
Das hat getan der wise man;
Und wer des rat nicht gůt gewesen,
Dui frouw mocht kume sin genesen.

Wem bevoln wirt in truiwen gůt,
Der achte, das es si behůt,
Und wen er wider geben sol,
Das er nicht spottes werde vol,
Und ouch nicht schaden muesse han.
Vil kum sich ieman hueten kan,
Vor dem, der uritruiwen ist vol.
Da von bedarf der tumbe wol,
Das er tů das der wise rat.
Tůt er das, im missegat
Selten, das geloube mir;
Sin werk gestat nach siner gir.
Het dise frouw nicht rat genomen,
Von grosser not wer si nicht komen.


LXXIII
Von zwein gesellen und einem bern
Von valschen fruinden

Es giengen zwen gesellen gůt
(Doch warens ungelich gemůt)
Mit einander dur einen walt.
Ir rede die was manigvalt.
Si sprachen beide uf iren eit,
Si weldin truiwe und warheit
Ze samen han unz uf den tot.
Der ein was brun, der ander rot.
Do si in dirre rede wan,
Vil schier ein ber gegangen kam
Uf der strasse gegen in.
Si wisten nicht wol, wa si hin
Souldin fliechen. Do das ersach
Der rote, er vil balde brach
Sine truiw und sinen eit.
Sin můt der stůnt uf triegenheit.
Bald er von sim gesellen floch
Uf einen boum hoch, da er doch.
Sin gesellen mochte sechen
(Da mag man gros untruiwe sprechen!)
Sin geselle was in grosser not,
Und gebaret als er were tot,
Und ruert sich weder hin noch her.
Vil schier gegangen kam der ber
Zůzim, do er so stille lag.
Er wand, es wer ein fules pflag,
Und warf in umbe und smakt in an.
Das sach der ungetruiwe man,
Der lies sin gesellen an der not,
Als noch tůt der geselle rot.
Der ber gieng fuir, und lies den man
Ligen. Und do er dannan kan,
Der rot geselle das ersach.

Er gieng her ab bald, unde sprach:
"Sag an mir, trut geselle min,
Was moechte das gerune sin,
Das dir gerunet hat der ber?
Ich sach wol uf dem boum, das er
An din ore hat sinen munt.
Lert er dich uit, das tů mir kunt."
Er sprach: "Was sol ich sagen dir?
Der ber hat vil gerunet mir,
Und lert mich sunderliche das,
Und sprach: du solt dich hie nach bas
Vor dem, der uf dem boume stat,
Hueten; sich, das ist min rat!
Wan wenne es gat an rechte not,
So lat er dich, wan er ist rot."

Es suillen frouwen unde man
Den roten gesellen lassen gan.
Des gůten gesellen, wirt man gesunt,
Des argen man in erbeit kaut.
Mit dem gůten wirt man gůt;
Der boese niemer wol getůt.
Manger ist geselle wol,
Des tisches; da man kiesen sol
Ganze truiwe in grosser not,
Da ist dui fruintschaft alle tot.
Getruiwem fruinde ist nicht gelich;
Vor boesen sol man hueten sich.
Der rot geselle sin truiwe brach,
Als bald do er den bern ersach.
Des můs er unselig iemer wesen
Swer truiwe hat, der sol genesen!

LXXIV
Von drin gesellen
Von kuindiger einvaltekeit

Dri gesellen kamen überein,
Das es sold alles sin gemein,
Ir zerung und ir spise gůt;
Dar uf so stunt ir drier můt
Si waren uiber ein des komen;
Das si schaden unde fromen
Soeldin mit einander han.
Wallende wolden si do gan,
Mit einander in ein lant.
Der weg was in nicht wol erkant.
Zwen waren an den sinnen klug,
Und da bi schalkhaft ouch genůg;
Der dritte was ein einvalt man.

Si gerieten an der spise han
Gebresten; da von si in leit
Kamen und in erebeit.
Si kamen hin in einen walt,
Do was dui herbrige kalt;
Vil schiere machten si ein fuir.
Alle wirtschaft was da tuir;
Von hunger litten si grosse not.
Us melwe machten si ein brot,
Das wart bald in das fuir geleit
Ein schalk do ze dem andern seil:
"Belibe uns zwein allein das brot,
So kemen wir von hungers not
Der gebuire esse wol allen tag;
Vil kum man in gesatten mag."
Der schalk wolde den tumben man;
Von dem brote verstossen han.

Do sprach sin geselle also:
"Diner rede bin ich fro.
Ich kan das an gelegen wol,
Wie uns der kůche werden sol.
Die wil unz er gebachen si,
Sullen wir uns legen alle dri
Ze slafende under disen boum,
Und sol den ieklicher sinen troum
Sagen, so wir erwachen,
Und das brot ist gebachen;
Und weis trom wunderlicher si,
Der hab das brot." — "Das si! das si!"
Sprachen si alle gemeine.
Die zwen sliefen; der eine
Slief nicht; das tet im hungers not.

Als bald gebachen wart das brot,
Da fuer er zů, und as allein.
Das im wart uiber, das was klein.
Ich geloub, im wer nicht worden we,
Und het er den noch gessen me,
Er leit sich nider unde slief.
Vil schier der schalken einer rief
Sim gesellen, und sprach also:
"Ich bin von herzen worden fro!
Mir ist getroumet alse wol,
Das es uns beide froewen sol.
Mir was, wie mich ein engel schon
Fůrte hin vor gottes tron,
Da er sitzet ze himelrich.

Der troum dunkt mich gar wunderlich."
Do sprach der ander: "Das ist war!
Ouch sag ich dir an allen var
Minen troum, trut geselle.
Mir was, wie mich zer helle
Ein tuivel, der was ungestalt,
Fůrte, da ich manigvalt
Der armen seien pine sach."
Vil froelich do der ander sprach:
"Uns mag beliben wol das brot.
Uib dir gebure lidet not
Von hunger, wem wil er das klagen?
Wek uf! Sin troum sol er uns sagen."
Dis red hort als der gůte man,
Der ein im růfen do began.
Er sprach: "Was mag das růfen sin?" —
"Das sin wir, die gesellen din." —
"Ir werent enweg, hat ich vernomen;
Wie sint ir denne her wider komen?" —
"War waren wir? Du macht wol toben.
Wie ist din hirni so bestoben!" —
"Ich tobe nicht. Ich sag uich wol
Min troum, als ich von rechte sol.
Mir ist getroumet wunderlich
Ein troum, der vast betruebte mich,
Das ich uich beide hat verlorn.
Einr was ze himelrich erkern
Da fůrt in hin ein engel gůt.
Der ander in der helle glůt
Wart gefueret, da er sach
Der armen selen ungemach.
Nu hat man selten me vernomen,
Das ieman si har wider komen
Von helle oder von himelrich
Der dar was komen. Da von nam ich.
Us dem fuire bald das brot,
Und as es als, von hungers not."
Sus wurden da die zwen betrogen
Von einem, dem si hatten gelogen
Und můsten hungrig dannan gan;
Vil recht der tumbe hat getan.

Es ist noch billich unde recht,
Wer einvalt ist und da bi slecht,
Das der des wol geniessen sol.
Die zwene wurden spottes vol,
Wande si dem einvalten man
Gros schalkeit wolden han getan.
Dui schalkeit in ze sure brach.
Der gůte man sich selben rach,
Und as das brot alleine,
Das solde si gemeine
Han gespiset alle dri.
Wer nu an geverde si
Und alt si uiber siben jar,
Der hab dank! Ouch ist es war,
Das dui triegenheit zergat,
So wol dui rechtekeit gestat.

LXXV
Von einem kalwen rittere
Von stourunge spottes

Wen liset von einem rilter das,
Das er kal von nature was
Und ane har; das was im leit.
Na hat er ein gewonheit,
Das er uf bant ein huben gůt
Mit hare. Da von er gemůt
Nicht vil in sinem herzen wart.

Eis mals kam er hin uf dui vart
An ein runtavel; das beschach.
Da man vil gůter ritter sach,
Dar kam der ritter wol gemeit
Vil stolzlich uiber hof er reit.
Gar kůnlich er sin sper zerbrach;
Vil liep was im, das man es sach,
Nu fůr er hin, nu fůr er har
Swer im begegent, der wart gewar,
Das er ein kuener ritter was.
Nu fůgt sich von geschichte das,
Das im abgestossen wart
Der helm; und uf derselben vart
Verlor er ouch dui huben sin.
Von kalwi gap sin houbet schin;
Sin houbt was blos, an alles har.
Vil manger mensche nam sin war;
Da hůp sich ein vil grosser grus.
Er sprach: "Was not macht ir dar us,
Das mich gelasset das har
Und ouch du hube? Nement war,
Mich hat doch e gelassen das,
Das an dem houbt gewachsen was.
Da von kein wunder sol es sin,
Uib mich nu lat dui hube min.
Batstuben-varwe die zergat,
So dui natuirliche gestat.
Wa mit hanf gezuinet ist,
Der zun zergat in kurzer frist.
Da von alrecht ist mir geschechen
Mit der huben; des můs ich jechen."

Der red namen dui luite war;
Des spottes wart geswigen gar.

Er dunket mich ein wiser man,
Der also spot zerstoeren kan
Mit schalle. Das ist besser vil,
Den der mit worten drouwen wil.
Huit ist er arm, der e was rich;
Das geluike-rat louft ungelich.
Wer stat, mag er, der valle nicht nider;
Veit er, vil kume kunt er wider.
An dir weit ist kein stetekeit,
Was huit ist liep, das ist morne leit.
Er ist huite siech, der gester was
Gesunt. Da von so spricht man das,
Das er nicht wise muige sin,
Der sich lat uf der welte schin.
Der herre verlor der huben kleit,
Das ist der welte unstekekeit.