François Villon
   
 

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François Villon
*1431 in Paris; † nach 1463;




Darstellung aus
Grand Testament de Maistre







Sein eigentlicher Name war vermutlich François de Montcorbier oder François des Loges.

Er gilt als bedeutendster Dichter des französischen Spätmittelalters.



 

Nur Brot und Wasser

Nur Brot und Wasser gab's zu schmausen,
Vor Hitz und Hunger starb ich schier,
Selbst reich, wusst er an mir zu knausen.
Sei Gott mit ihm, wie er mit mir!

O meine Jugend

O meine Jugend schöne Zeiten,
so überschäumend freudennah!
Ich merkte nicht, dass sie entgleiten,
und plötzlich war das Alter da.
Sie ist zu Rosse nicht geritten,
zu Fuß gegangen nicht von hier,
die Jugend ist im Flug entglitten
und hinterließ nichts Gutes mir.

Lebt nur solang ihr immer mögt

Lebt nur solang ihr immer mögt
und lauft zu Fest und Stelldichein,
das Ende wird doch immer sein,
dass man euch blauer Schädel schlägt.

Die Ballade von den allgemeinen Redensarten

Ein Fisch, der oben schwimmt, riecht nicht mehr frisch,
und ist das Weib im Bett kein Marmelstein,
(von Kuckuckseiern weiß kein Nest sich rein)
wird auch der Mann zufrieden sein am Tisch.
Die gute Zeit vergisst man in der schlechten,
ein Baum, der Gummi schwitzt, ist wurzelkrank,
in jedem Haufen gibt es nicht "Die drei Gerechten",
und auch die Spötter sitzen oft nicht auf der gleichen Bank.
Ich kenne alles, bis auf Punkt und Strich,
ich kenn nur einen nicht, und der bin ich

An einer Hose seh ich, wo ihr Träger war,
und in die Kutte passt ein Pfaffe nur hinein,
ob sie noch Jungfrau ist, wird erst nachdem uns offenbar,
und wie der Diener, also muss der Herr beschaffen sein.
Nicht hinter jedem Schleier waltet Frömmigkeit,
und wer vom Henker schwätzt, fühlt auch das Eisen schon.
Oft kommen Hurensöhne ganz legal zu einem Thron,
und wer die Mutter freit, dem klagt die Tochter bald ihr Leid.
Ich kenne alles, bis auf Punkt und Strich,
ich kenn nur einen nicht, und der bin ich.

Nicht Dornen immer, auch die Rosen stechen,
viereckig kann der Wagen sein, doch nie ein Rad,
der Schleicher wird mit Gott noch leiser sprechen,
die Flügel hat der Wind und nicht das Blatt.
Ich kenn' den Geizhals schon am Gang,
er macht nur kleine, vorsichtige Schritte,
Verschwender leben überall im Überschwang,
und wer betrunken ist, kennt keine Mitte.
Ich kenne alles, bis auf Punkt und Strich,
ich kenn nur einen nicht, und der bin ich.

Die Ballade vom kleinen Florestan

Wenn heute nacht im Apfelbaum
die Nachtigall ihr Silber spinnt,
dann wirst du von dem langen Wintertraum
genesen sein, mein Kind.

Dann werden sie dir einen Helm
einen goldenen setzen auf das Haupt,
den hab ich einem frechen Schelm
mitsamt der Frau geraubt.

Wir haben uns nur leise angesehn,
das kleine weiße Tier und ich,
und niemand sah uns in den Garten gehn,
sie dachten wohl noch nicht an dich.

Ich aber habe manche Nacht von dir
geträumt in meinem Aschenkrug
und war nicht dort und war nicht hier,
wenn jemand nach mir frug.

Ich sollte aber einen schönen Reim
erfinden, für den Tag, wenn du erscheinst.
Ich ging nicht ein auf diesen Leim,
damit du nicht gleich Blut und Wasser weinst.

Ich sing dir lieber dieses Winterstück
und schick es deiner Mutter hin,
vielleicht denkt sie an unser Glück zurück
und weiß, von wem ich Vater bin.

Und zeigt dir auch das Muttermal,
die Spur von meinem letzten Biss,
und wenns den König fuchst, ist's auch egal,
schickt er mich in die letzte Finsternis.

Wenn dir nur bloß das rote Haar
und auch mein tolles Lachen bleibt.
Was sonst an mir noch gut und böse war,
stirbt wie das Blatt, das welk im Wasser treibt.

Die Ballade von den Mädchen, die keinen Mann mehr finden.

Sie haben alle einen Abend lang
und hautnackt blank
im grünen Gras gelegen
und haben da in solcher Nacht
den Mann um seinen Schlaf gebracht,
sie wussten wohl weswegen.
Das war im Sommerjahr ihr schönster Traum,
denn winters grünt im Wald kein Pflaumenbaum.

Im Pflaumenbaum da sang die Nachtigall
noch manches Mal das Lied vom Sündenfall.
Und oben bei den Schafen
da stand ein fetter Mond und ließ
den Knaben, der so schön auf seiner Flöte blies,
die ganze Nacht nicht schlafen.
Er hat an das, was nachher kommt, gedacht
und in der Früh sich aus dem Staub gemacht.

Da banden sich die Mädchen einen Kranz ins Haar
und klopften an bei Jesu Engelschar,
dass er sie von den Bösewichtern
erlöse für und für.
Doch Petrus stand mit seinem Sarraß vor der Tür
und zeigte auf den See, da irrten sie herum, die Lichter,
die Angedenken aus der Pflaumenzeit
in einem dicken Würmerkleid.

So manche Frau trägt immer noch die Jungfernhaut,
obwohl ihr Haar schon dünn ist und ergraut.
Die ganze Nacht brennt in der Kammer Licht
und aus dem Spiegel grinst ein hässliches Gesicht.
Da möchten sie das Bild zerschmeißen.
Doch Glück und Glas, das reimt sich nie
auf Pflaumenbaum und Zitterknie.

Eine kleine Liebesballade
gedichtet für Jeanne C. de Quée

Im Sommer war das Gras so tief,
dass jeder Wind daran vorüberlief.
Ich habe da dein Blut gespürt
und wie es heiß zu mir herüberrann.
Du hast nur meine Stirn berührt,
da schmolz er auch schon hin, der harte Mann,
weil's solche Liebe nicht tagtäglich gibt ...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Im Feld den ganzen Sommer war
der rote Mond so rot nicht wie dein Haar.
Jetzt wird es abgemäht, das Gras,
die bunten Blumen welken auch dahin.
Und wenn der rote Mond so blass
geworden ist, dann hat es keinen Sinn,
dass es noch weiße Wolken gibt ...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

Du sagst, dass es bald Kinder gibt,
wenn man sich in dein rotes Haar verliebt,
so rot wie Mohn, so weiß wie Schnee.
Im Herbst, mein Lieb, da kehren viele Kinder ein,
warum soll's auch bei uns nicht sein?
Du bleibst im Winter auch mein rotes Reh
und wenn es hundert schönere gibt ...
Ich habe mich in dein rotes Haar verliebt.

Eine neue Ballade
gedichtet für Mira l'Ydolle

Die Bäume standen alle grau und krank
im Wald herum, weil in dem Wiesengrund der Tag ertrank.
Du aber warfst die Kleider fort vom Leib
und hast ein weißes Licht
mir angezündet, du, mein Abendweib,
mit Wurzelhaar und Tiergesicht.
Und immer werden meine Augen hell und weit,
wenn in dem Wald der weiße Mond erscheint.

Die Bäume wuchsen in den Mai hinein
und wollten nicht mehr grau und einsam sein.
Ich aber weiß nicht, wo du weilen magst,
ich weiß nur, wie du hautnacktheiß
an meinem Munde lagst.
Und über uns der Mond zog seinen Kreis
die lange Nacht
und hat mich still und hat mich krank gemacht.

Ich bin nach deinem Mutter-Mal so krank,
das sich an meinem Blut betrank.
Das werd ich manche Nacht im Wald
noch wissen ... du, noch einmal kehr
zurück, im weißen Kleid. Bald bin ich alt
und wie die Bäume krank und leer ...
Doch heute in dem milden Licht,
wie quält es mich nach Wurzelhaar und Tiergesicht.

Eine verliebte Ballade
für ein Mädchen namens Yssabeau

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein süßer Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal.
Dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mir wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund ...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hat's auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart,
für mich so tief im Haar verwahrt...
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal, im Aschengrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Ich habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
... ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!


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