Friedrich von Hausen
   
 

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Minnesnger


Friedrich von Hausen

ca. 1150 1190



Freiherr aus einem rheinfrnkischen Geschlecht des Nahegebietes. Vater: der staufische Freiherr Walther von Hausen. Stammsitz derer von Hausen ist Rheinhausen bei Mannheim.

Friedrich zum ersten Mal 1171 urkundlich bezeugt.
1175 urkundet Friedrich in zwei in Pavia ausgestellten Urkunden des Erzbischofs von Mainz.
1186 und 1187 erscheint sein Name in in Nord- und Mittelitalien ausgestellten Urkunden des Kaisersohns Heinrich VI. Weitere Lebensdaten aus dem Chronicon Hanoniense des Gislebert von Mons (um 1200):
Von 1187 bis zu seinem Tod als Vertrauter Barbarossas belegt.
Etwa vierzigjhrig am 6. Mai 1190 auf dem Kreuzzug Barbarossas in Kleinasien - Philomelium (heute:
Akschehir/Trkei?) gefallen. Durch einen Sturz vom Pferd bei der Verfolgung feindlicher Trken wenige Wochen vor dem Tod Barbarossas?

Mit romanischem Minnesang vertraut, gewinnt er in dieser Frhzeit der deutschen Liedkunst eine hochritterliche Formensprache.
Aus seinen Liedern geht hervor, dass er ein uerst glubiger Mensch war. Die vermutlich nicht erwiderte Liebe zu einer Frau, trieb ihn letztendlich dazu, dass er an dem Kreuzzug teilnahm.
Siehe das Lied: "Si darf mich des zhen niet"
Dichterisches Schaffen: um 1170-1190.
 

 

Gelebte ich noch die lieben zt
 
Erlebte ich noch die liebe Zeit
 
1.
Gelebte ich noch die lieben zt
daz ich daz lant solt aber schouwen,
dar inne al mn frude lt
nu lange an einer schoenen frouwen,
s gesaehe mnen lp
niemer weder man noch wp
getrren noch gewinnen rouwen.
mich dhte nu vil manigez guot,
d von swaere was mn muot.

2.
Ich wnde ir vil verre sn
d ich nu vil nhe wre.
alrrste ht das herze mn
von der frmde grze swre.
ez tuot wol sne triuwe schn.
waere ich iender umb den Rn,
s friesche ich lhte ein ander mre,
des ich doch leider nie vernam
 
1.
Erlebte ich noch die liebe Zeit,
die Lande wiederum zu schauen,
wo mich erfllte mit Seligkeit
die schnste aller schnen Frauen,
so she weder Weib noch Mann
jemals meinem Antlitz an,
dass Sorgen mir im Herzen brauen.
Mich dnkte dann gar manches gut,
das sonst mir machte schweren Mut.

2.
Ich whnte oft ihr fern zu sein,
da ich ihr doch so nah gestanden.
Jetzt erst fhle ich mit schwerer Pein
die Ferne in den fremden Landen.
O Gram der Treue ungemein!
Wre ich dort unten an dem Rhein, wo gute Kunden
zu mir fanden, davon ich leider nichts vernahm,
seitdem ich ber die Alpen kam!
 
Wfen, wie hat mich minne gelzen
 
Zu Hilfe, wie hat mich die Liebe behandelt
 
1.
Wfen, wie hat mich minne gelzen!
du mich betwnc,daz ich lie mn gemete
an solhen wn, der mich wol mac verwzen,
ez ens daz ich meze genieze ir gete,
von der ich bn als dcke ne sin.
mich dhte ein gewin, und wolte diu guote
wizzen die nt, diu wont in mnem muote.

2.
Wfen,waz habe ich getn s ze unren,
daz mir diu guote ir gruozes niht engunde?
sus kan si mr wol daz herze verkren. daz
ich in der werlte bezzer wp iender vunde,
seht, dst mn wn. d vr s wil ichz hn,
und wil dienen mit triuwen der guoten,
diu mich d bliuwet vil sre ne ruoten.

3.
Waz mac daz sn, daz diu werlt heizet minne,
und ez mir tuot s w ze aller stunde
und ez mir nimet s vil mner sinne? ich
wnde niht, daz ez iemen enpfunde. getorste
ich ez jehen, daz ich ez hte gesehen
d von mir ist geschehen als vl herzesre,
s wolt ich dar an gelouben iemer mre.

4.
Minne, got meze mich an dir rechen! wie vil
d mnem herzen der vruden wendest!
und mhte ich dir dn krumbez ouge z
gestechen, des het ich reht, wan du vil ltzel
endest an mir slhe nt, s mir dn lp gebt.
und waerest du tt, s dhte ich mich rche.
sus muoz ich von dir leben betwungenlche.
 
1.
Zu Hilfe, wie hat mich die Liebe behandelt! Sie, die mich
gezwungen hat, dass ich mein ganzes Denken auf einen
solchen Wahn richtete, der mich ohne weiteres
verderben kann, auer ich erfreue mich der Gunst von
derjenigen, durch die ich so oft ohne Verstand bin.
Mir kme es als Gewinn vor, wenn die Gute das
Leid zur Kenntnis nhme, das in meinem Herzen wohnt.

2.
Zu Hilfe, was habe ich so Ehrloses getan, dass mir
die Gute ihren Gru verweigert?
Damit kann sie mir durchaus das Herz brechen.
Dass ich in der Welt nirgendwo eine bessere Frau
finden werde - seht, darin besteht mein Wahn.
Dafr will ich sie halten, und ich will der Guten in
Treue dienen, ihr, die mich ohne Ruten so stark schlgt.

3.
Was kann das sein, das die Welt >Liebe< nennt
und das mir allezeit so weh tut und das mir so sehr
meinen Verstand raubt? Ich habe bisher nicht geglaubt,
dass da jemand ebenso fhlen kann.
Knnte ich sagen, dass ich dasjenige gesehen htte,
von dem mir so viel Herzeleid zugefgt wurde,
dann erst wrde ich fr immer daran glauben.

4.
Liebe, Gott soll mich an dir rchen! Wie viele
Freuden nimmst du meinem Herzen weg! Knnte ich
dir dein bswilliges Auge ausstechen, so wre ich
im Recht damit, denn du bringst bei mir kaum dieses
Leid zu Ende, das du mir auferlegt hast. Wrst du
aber tot, dann kme ich mir reich vor. So aber
muss ich, deiner Gewalt unterworfen weiterleben.
 

Mn herze und mn lp diu wellent scheiden
 

Mein Herz und mein Krper, die wollen sich trennen
 
1.
Mn herze und mn lp die wellent scheiden,
die mit ein ander wren n manige zt.
der lp wil gerne vehten an die heiden,
iedoch dem herzen ein wp s nahen lt
vor al der werlt. daz met mich iemer st,
daz si ein ander niht volgent beide.
mir habent diu ougen vil getn ze leide.
got eine meze scheiden noch den strt.

2.
St ich dich, herze, niht wol mac erwenden,
dune wellest mich vil trreclchen ln,
s bite ich got, daz er dich geruoche senden
an eine stat, d man dich wol welle enpfn.
w, wie sol ez armen dir ergn,
wie getorstest eine an solhe nt ernenden?
wer sol dir dne sorge helfen wenden
mit triuwen, als ich hn getn?

3.
Ich wnde ledic sn von solher swaere,
d ich daz kriuze in gotes re nan.
ez waer ouch reht, daz ez als waere,
wan daz mn staetekeit mir sn verban.
ich solte sn ze rehte ein lebendic man,
ob ez den tumben willen sn verbaere.
n sihe ich wol, daz im ist gar unmaere,
wie ez mir sle an dem ende ergn.

4.
Niemen darf mir wenden daz zunstaete,
ob ich die hazze, die ich d minnet .
swie vil ich si geflhtr oder gebaete,
s tuot si rehte als ob siz niht verst.
mich dunket rehte wie ir wort gelche g,
rehte als ez der sumer von Triere taete.
ich waer ein gouch, ob ich ir tumpheit haete
fr guot. ez engeschiht mir niemer m.
 
1.
Mein Herz und mein Krper, die wollen sich trennen,
die so lange Zeit beisammen waren.
Der Krper will gern gegen die Unglubigen kmpfen,
mein Herz aber hat sich eine Frau erwhlt mehr
als alles in der Welt. Es qult mich seither immer,
dass sie einander nicht mehr folgen.
Mir haben die Augen viel Leid zugefgt
Gott allein wre noch imstande, den Zwist zu beenden.

2.
Da ich dich, Herz, sicherlich nicht davon abbringen
kann, dass du mich in groer Trauer allein lsst,
so bitte ich Gott, dass er dich dorthin senden mge,
wo man dich gut aufnehmen wird.
Aber ach, wie wird es dir Armen ergehen?
Wie getraust du dich, allein solche Not auf dich zu
nehmen? Wer soll dir helfen, deine Sorge mit solcher
Treue abzuwenden, wie ich es getan habe?

3.
Ich glaubte, dass ich keine solche Beschwernis htte,
als ich das Kreuz zu Gottes Ehre nahm.
Es wre auch ganz zu Recht, dass es so wre,
wenn mir nicht meine Bestndigkeit dies missgnnte.
Ich wrde, wie es richtig ist, ein vollstndiger Mann
sein, wenn das Herz seine trichte Absicht aufgbe.
Doch ich sehe jetzt, dass es ihm ganz gleichgltig ist,
wie es mir am Ende ergehen wird.

4.
Niemand soll mir das zur Unbestndigkeit verdrehen,
wenn ich diejenige hasse, die ich einst geliebt habe.
Wie viel ich sie auch anflehte und bat,
sie tut genau so, als ob sie es nicht verstnde.
Mir kommt es vor, als ob sich ihr Wort so verhielte,
genau wie es der Sommer in Trier tut.
Ich wre ein Trottel, wenn ich ihr dummes Benehmen
fr etwas Gutes anshe. Damit ist es bei mir vorbei!
 
Ich sihe wol, daz got wunder
 
Ich sehe wohl, dass Gott Wunder
 
1.
Ich sihe wol, daz got wunder kan
von schoene wrken z wbe.
daz ist an ir wol schn getn,
wan er vergaz niht an ir lbe,
den kumber, den ich lde,
den wil ich gerne hn,
ze diu daz ich mit ir belbe,
und al mn wille sl ergn.
mn vrouwe sehe, waz si des tuo!
d stt dehein scheiden zuo.

2.
Si gedenke niht, daz ich s der man,
der s ze kurze wlen minne.
ich hn von kinde an s verln
daz herze mn und al die sinne.
Ich wart an ir nie valsches inne,
st ich s s liep gewan.
mn herze ist ir ingesinde
und wil ouch staete an ir bestn.
mn vrowe
 
1.
Ich sehe wohl, dass Gott Wunder
an Schnheit bei einer Frau bewirken kann.
Das ist an ihr sichtbar geworden,
denn er verga nichts bei ihrem Aussehen.
Den Schmerz, den ich erleide,
den will ich gerne ertragen,
dafr, dass ich bei ihr bleiben kann
und alle meine Wnsche sich erfllen.
Meine Herrin soll darauf achten, wie sie das ermgliche!
Da gibt es keine Ausflucht.

2.
Sie soll nicht denken, dass ich ein solcher  Mann bin,
der sie nur zur Kurzweil liebt.
Ich habe seit meinen jungen Jahren mein Herz
und alle Sinne ihr berlassen.
Ich habe an ihr nie einen Fehler entdeckt,
seitdem ich mich so in sie verliebt habe.
Mein Herz ist ihre Dienerin
und will unverbrchlich bei ihr bleiben.
Meine Herrin
 
Si darf mich des zhen niet
 
Sie darf mir nicht vorwerfen
 
1.
Si darf mich des zhen niet,
ichn hte si von herzen liep.
des mohte si die wrheit an mir sn,
und will sis jn.
ich quam sn dicke in solhe nt,
daz ich den liuten guoten morgen bt
engegen der naht.
ich was s verre an sie verdt
daz ich mich underwlent niht versan,
und swer mich gruozte daz ichsniht
vernam.

2.
Mn herze unsanfte snen strt
lt, den ez nu mange zt
halder wider daz aller beste wp,
der ie mn lp
muoz dienen swar ich iemer var.
ich bin ir holt: swenn ich vor gote getar,
so gedenke ich ir.
daz ruoche ouch er vergeben mir:
ob ich des grze snde solde hn,
zwiu schuof er si s rehte wol getn?

3.
Mit grzen sorgen ht mn lp
gerungen alle sne zt.
ich hte liep daz mir vil nhe gie:
dazn liez mich nie
an wsheit kren mnen muot.
daz was diu minne, diu noch mangen tuot
daz selbe klagen.
nu will ich mich an got gehaben:
der kann den liuten helfen zer nt.
nieman weiz wie nhe im ist der tt.

4.
Einer frouwen was ich undertn,
diu ne ln mn dienest nam.
von der enspriche ich niht wan allez guot,
wan daz ir muot
zunmiltewider mich ist gewesen.
vor aller nt s wnde ich sn genesen,
d sich verlie
mn herze f gende an sie,
der ich d leider funden niene hn.
nu will ich dienen dem der lnen kann.

5.
Ich quam von minne in kumber grz,
des ich doch selten ie genz.
swaz schaden ich d von gewunnen hn,
s friesch nie man
daz ich ir spraeche iht wan guot,
noch mn munt von frouwen niemer
tuot.
doch klage ich daz
daz ich s lange gotes vergaz:
den will ich iemer vor in allen haben,
und in d nch ein holdez herze
tragen.
 
1.
Sie darf mir nicht vorwerfen,
ich habe sie nicht von Herzen geliebt.
Davon konnte sie an mir die Wahrheit sehen,
wenn sie es zugeben will.
Ich kam oft dadurch in so groe Not,
dass ich den Leuten guten Morgen wnschte
vor der Nacht.
Ich war so tief in Gedanken an sie versunken,
dass ich bisweilen mich nicht besann
und nichts vernahm, wenn man mich
grte.

2.
Mein Herz lsst nur schwer von dem Streit,
den es nun lange Zeit
fhrt gegen die allerbeste Frau,
welcher ich immer
dienen muss, wohin ich je ziehe.
Ich liebe sie: wenn immer ich vor Gott es
wage, denk ich an sie.
Das wolle auch er mir vergeben:
wenn ich deswegen groer Snde schuldig
wre was schuf er sie so recht vollkommen?

3.
Mit groen Sorgen hab ich
gerungen alle meine Zeit.
Ich hatte ein Glck, das mir sehr nahe ging:
das lie mich nie
zur Weisheit wenden meinen Sinn.
Das war die Minne, die noch manchen
lsst das selbe klagen.
Nun will ich mich an Gott halten:
der kann den Leuten helfen aus der Not.
Niemand wei, wie nah der Tod ihm ist.

4.
Einer Herrin war ich untertan,
die meinen Dienst unbelohnt entgegennahm.
Ich spreche von ihr nichts als lauter Gutes,
nur dass ihr Sinn
zu hart gegen mich gewesen ist.
Von aller Not glaubte ich mich gerettet,
als sich mein Herz
ganz aufgegeben hatte in ihre Gnade,
von der ich leider da nichts gefunden habe.
Nun will ich dienen dem, der es zu lohnen wei.

5.
Die Minne brachte mich in groen Kummer,
von dem mir doch nie etwas zugute kam.
Was immer ich an Schaden da erworben,
hat doch niemand je gehrt,
dass ich von ihr anderes als nur Gutes sagte,
noch dass dies mein Mund berhaupt
je von Frauen tut.
Doch das beklage ich,
dass ich so lange Gott vergessen:
den will ich knftig vor sie alle stellen
und ihnen dann erst ein holdes Herz
entgegenbringen.
 
 
In mnem troume ich sach
 
In meinem Traum sah ich
 
In mnem troume ich sach
ein harte schoene wp
die naht unz an den tac.
d erwachete mn lp.
d wart si leider mir benomen,
daz ich enweiz, w si s,
von der mir fride solte komen.
daz tten mir diu ougen mn,
der wolte ich ne sn.
 
In meinem Traum sah ich
eine hinreiend schne Frau
die Nacht hindurch bis zum Morgen.
Da erwachte ich.
Da zerfloss mir leider das schne Bild,
so dass ich nicht wei, wo sie sein mag,
die mich erfreuen sollte.
Das taten mir meine Augen an,
die ich gerne los wre.
 
 
D ich von der guoten schiet
 
Dass ich von der Lieben fortging
 
1.
"D ich von der guoten schiet
und ich ir niht ensprach,
als mir waere liep,
des lde ich ungemach.
Daz liez ich durch die valschen diet,
von der mir nie geschach
deheiner slahte liep,
wan der die helle brach,
der vege in ungemach."

2.
Sie waenent heten mn,
diu s doch niht bestt,
und tuon ir nden schn;
daz wnic s vervt.
Si mhten den Rn
bekren in den Pft,
ich mich iemer sn
getrste, swie ez ergt,
der mir gedienet ht.
 
1.
"Dass ich von der Lieben fortging
und nicht mit ihr redete,
wie es mir lieb gewesen wre,
das bedrckt mich.
Ich lie es wegen dieses falschen Volks,
das mir noch niemals
wohlgesonnen war.
Aber der, welcher die Hlle sprengte,
soll ihnen Schlimmes zufgen!"

2.
Sie glauben, dass sie auf mich aufpassen,
die sich ihnen doch nicht entgegenstellt,
und sie zeigen ihren Neid,
was ihnen wenig ntzt.
Sie knnten eher den Rhein
nach Italien umleiten,
als dass ich jemals auf ihn
verzichtete, was immer daraus werden mag,
der mir gedient hat.
 
Min herze den gelouben hat
 
Mein Herz hat den Glauben
 
1.
Min herze den gelouben hat,
solt ich od ieman bliben sin,
durch liebe od durch der Minnen rat,
so waere ich noch alumbe den Rin;
wan mir daz scheiden nahe gat,
deich tete von lieben friunden min.
swie ez doch dar umbe ergat,
got herre, uf die genade din
so wil ich dir bevelhen die
die ich durch dinen willen lie.

2.
Ich gunde es guoten frowen niet
daz iemer mere koeme der tac
daz si deheinen heten liep:
wan ez waere ir eren slac.
wie kunde in der gedienen iet,
der gotes verte also erschrac?
dar zuo send ich in disiu liet
und warnes als ich beste mac.
saen si min ougen niemer me,
mir taete iedoch ir laster we.
 
1.
Mein Herz hat den Glauben,
wenn ich oder ein anderer durch Freude
oder durch den Rat der Minne zurckgeblieben
wre, so wre ich noch am Rhein;
wenn mir die Trennung nahe ginge,
dann die von meinen lieben Freunden.
Wenn es jedoch darum geht,
Gott, dem Herrn, auf Gnade zu dienen,
so will ich dir diejenigen anvertrauen,
die ich durch deinen Willen verlie.

2.
Ich gnne es den guten Frauen nicht,
dass niemals mehr der Tag kme,
an dem sie keine Minnefreude mehr htten:
auer es wre ihr Ehrenschlag.
Wie konnte sich so etwas ereignen,
das Gottes Gefhrten so erschreckte?
Dazu schicke ich dieses Lied
und warne so gut ich kann.
Shen meine Augen sie niemals mehr,
so tte mir doch ihr Laster weh.
 
Si waenent sich dem tode verzin
 
Diejenigen glauben sich vor dem Tode bewahrt
 
Si waenent sich dem tode verzin,
die gote erliegent sine vart.
deswar est der geloube min
daz si sich bel hant bewart.
swerz kriuze nam und wider warp,
dem wirt ze jungest schin,
swann im diu porte ist vor verspart,
die er tuot uf den liuten sin.
 
Diejenigen glauben sich vor dem Tode bewahrt
zu haben, die sich der Fahrt Gottes entziehen.
Es ist mein fester Glaube,
dass sie sich sehr schlecht beschtzt haben.
Wer das Kreuz nahm und sich drckte,
dem wird doch Gott am jngsten Tage erscheinen.
Dann ist ihm das Tor versperrt,
das er seinen. Getreuen auf tut.
 
Diu sezen wort, diu habent mir getn
 
Die sen Worte, die haben bei mir bewirkt

 
1.
Diu sezen wort, diu habent mir getn,
diu ir die besten al gemeine
sprechent, daz ich niene kan
gedenken wan an si alterseine.
ander mn angest, der ist kleine,
wan der den ich von ir hn.
got weiz wol, daz ich nie gewan
in al der werlte s liebe enkeine,
des sol si mich geniezen ln.

2.
Swes got an gete und an gett
noch ie dekeiner frouwen gunde,
des gihe ich ime, daz er daz ht
an ir geworht als er wol kunde.
was danne, und arnez under stunde,
mn herze es dicke hhe stt.
noch mhte es alles werden rt,
wolden si die grzen wunde
erbarmen, die si an mir begt.

3.
Swaz got an frouwen lt ertagen,
des enkan mir an ir nieman gemren,
wan als ich ir muoz mn angest sagen,
daz kan si leider wol verkren.
ein herte herze kan siz lren,
daz als lhte mac vertragen
s grzez wefen unde klagen,
daz ich lde umb ir hulde mit sren,
daz ich niemer mac getragen.
 
1.
Die sen Worte, die haben bei mir bewirkt, -
welche ber sie die Besten allgemein
sagen, - dass ich an nichts kann
denken als an sie ganz allein.
Meine sonstige Bedrngnis, die ist gering,
auer der, die ich ihretwegen habe.
Gott wei wohl, dass ich noch nie gewann
auf der ganzen Welt eine solche Liebe, -
das soll sie mich genieen lassen.

2.
Was Gott an Tugenden und an Gestalt
noch nie einer Frau gnnte,
das gestehe ich ihm zu, dass er das hat
in ihr geschaffen, wie nur er es konnte.
Was dann, wenn es unterweilen dies ben
mag, - mein Herz schlgt dessentwegen oftmals
hoch. Noch konnte dies alles gut werden,
wollten sie die groen Wunden
erbarmen, die sie mir zufgt.

3.
Was immer Gott an Frauen erstrahlen lsst,
das kann mir an ihr niemand mehren,
aber ebenso muss ich ihr meine Befrchtung
sagen: das kann sie leider wohl ins Gegenteil
verkehren. Ein hartes Herz kann sie dies
lehren, das so leicht erdulden kann so groes
Jammern und Klagen, das ich um ihrer Huld
willen mit Schmerzen erleide, -
das ich nicht mehr ertragen kann.
 
Waz mac daz sn
 
Was kann das sein
 
1.
Waz mac daz sn, daz diu welt heizet minne,
und ez mir tuot s w ze aller stunde
und ez mir nimet s vil mner sinne?
ich wnde niht, daz ez iemen enpfunde.
Getorste ich ez jehen,
daz ich ez hte gesehen,
d von mir ist geschehen lso vil herzesre,
s wolt ich dar an gelouben iemer mre.

2.
Minne, got meze mich an dir rechen!
wie vil d mnem herzen der vrden
wendest!
und mhte ich dir dn krumbez ouge z
gestechen,
des het ich reht, wan du vil ltzel endest
An mir slhe nt, s mir dn lp gebt.
und waerest du tt, s dhte ich mich rche.
sus muoz ich von dir leben betwungenlche.
 
1.
Was kann das sein, das die Welt >Liebe < nennt
und das mir allezeit so weh tut und das mir so
sehr meinen Verstand raubt?
Ich habe bisher nicht geglaubt, dass das jemand
ebenso fhlen kann. Knnte ich sagen, dass ich
dasjenige gesehen htte,
von dem mir so viel Herzeleid zugefgt wurde,
dann erst wrde ich fr immer daran glauben.

2.
Liebe, Gott soll mich an dir rchen!
Wie viele Freuden nimmst du meinem Herzen
weg! Knnte ich dir dein bswilliges Auge
ausstechen, so wre ich im Recht damit,
denn du bringst bei mir kaum dieses Leid zu
Ende, das du mir auferlegt hast.
Wrst du aber tot, dann kme ich mir reich vor.
So aber muss ich, deiner Gewalt unterworfen
weiterleben.
 

Minnesnger