Heinrich von Morungen
   
 

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Minnesnger



Heinrich von Morungen



Morungen ist seiner Herkunft nach Thringer; er leitet seinen Namen von der Burg Morungen her,
die Stammburg seines Geschlechtes liegt bei Sangerhausen.

Seit 1157 war sie in den Besitz Barbarossas bergegangen; Morungen stand also in Dienstbeziehungen zu den Staufern. Seinen Gnner fand er im Landgraf Hermanns [ Landgraf Hermann von Thringen]
Schwiegersohn Dietrich von Meien, - den auch Walther von der Vogelweide in seiner Spruchdichtung rhmlich erwhnt.
Fr nicht nher definierter Verdienste setzte ihm Dietrich von Meien eine Pension aus. Diese gab er 1217 an Dietrich zurck mit der ausdrcklichen Bitte, sie dem Thomaskloster in Leipzig zu berschreiben.
Nicht besttigt werden durch die Quellen des 13. Jahrhunderts Morungens Eintritt ins Thomakloster und sein Sterbedatum. Auch bleibt unsicher welchem Stand er angehrte.

Die Lyrik des Heinrich von Morungen ist um Grade leuchtender, leidenschaftlicher und ungestmer, als man es sonst im Minnesang gewhnt ist. Er ist auch der erste deutsche Minnesnger, der es wagt die gepriesene Frau direkt anzureden! In seiner Lyrik sprt man, wie die Persnlichkeit der Geliebten ihn verzaubert; dabei ist er ebenso von ihrer krperlichen Schnheit beeindruckt wie von ihren sittlichen Vorzgen.
Auch das ist neu im deutschen Minnesang! Die weibliche Schnheit detailiert zu sehen und zu beschreiben ist bis dahin die Eigentmlichkeit der provenzialischen und mittellateinischen Lyrik.
Die deutsche Lyrik hingegen schildert die inneren Vorzge.
 

 

Lied 1
 
1.
Si ist ze allen ren ein wp wol erkant,
schoener gebaerde, mit zhten gemeit,
s daz ir lop in dem rche umbe gt.
alse der mn wol verre ber lant
liuhtet des nahtes wol lieht unde breit,
s daz sn schn al die welt umbevt,
Als ist mit gete umbevangen diu schne.
des man ir jt,
si ist aller wbe ein krne.

2.
Diz lop beginnet vil vrouwen versmn,
daz ich die mne vr alle andriu wp
hn zeiner krne gesetzet s h,
unde ich der deheine z genomen hn.
des ist vil lter vor valsche ir der lp,
smal wol ze mze, vil fier unde vr.
Des muoz ich in ir genden belben,
gebiutet si s,
mn liebest vor allen wben.

3.
Got lze s mir vil lange gesunt,
die ich an wplcher staete noch ie vant,
st si mn lp ze einer vrowen erks.
wol ir vil sezer - vil rt ist ir der munt,
ir zene wze ebene - verre bekant,
durch die ich gar alle unstaete verks,
D man si lobte als reine unde wse,
senfte unde ls;
dar umbe ich si noch prse.

4.
Ir tugent reine ist der sunnen gelch,
diu trebiu wolken tuot liehte gevar,
swenne in dem meien ir schn ist s klr.
des wirde ich staeter vride vil rch,
daz berliuhtet ir lop als gar
wp unde vrowen die besten vr wr,
Die man benennet in tiuschem lande.
verre unde nr
s ist si ez, diu baz erkande.
 
1.
Sie ist eine Frau, von der bekannt ist, dass sie
sich in jeder Beziehung auszeichnet, voll Anmut
in ihren Gebrden, heiter und dabei zugleich
zurckhaltend, so dass ihr Preis im ganzen
Reich erschallt. Wie der Mond in der Nacht weit
ber das Land leuchtet, so hell und so voll, dass
sein Glanz die ganze Welt umfngt, ebenso ist die
Schne von Vollkommenheit umstrahlt. Deshalb
sagt man von ihr: Sie ist die Krone aller Frauen.

2.
Ebendieser Preis, in dem ich meiner Herrin die
Krone zugesprochen und sie, ohne eine Ausnahme
zu machen, hoch ber alle anderen Frauen gestellt
habe, erregt bei vielen Frauen rgernis. Aber wirklich:
Sie ist so gnzlich frei von jedem Makel,
schlank, wie eine Frau sein soll, sehr stolz und
heiter. Darum muss ich in ihrem Dienste bleiben,
wenn sie, die mir die liebste von allen
Frauen ist, es so befiehlt.

3.
Gott mge sie mir recht lange gesund erhalten:
Seit ich sie zu meiner Herrin erwhlte, verhielt
sie sich noch stets, wie es sich fr Frauen geziemt.
Ihr gebhrt der Preis! Sie ist bezaubernd - leuchtend
rot ist ihr Mund, ihre Zhne gleichmig und
strahlend ihr Ruf ist weithin gedrungen.
Ihretwegen gab ich alle meine Unbestndigkeit auf,
als man sie rhmte, sie sei makellos, klug, freundlich
und voller Anmut. Darum besinge ich sie noch heute.

4.
Ihre vollkommene Lauterkeit gleicht der Sonne,
die dunklen Wolken hellen Glanz verleiht,
wenn im Frhling ihr Licht klar erstrahlt.
Darum wird mir bestndige Freude
in reichem Mae zuteil:
Ihr Ruhm berstrahlt selbst die besten
ob Frau, ob Herrin -,
die man in deutschen Landen nennt.
Fern und nah, sie ist die Berhmteste!
 
Lied 2
 
1.
Mn liebeste und ouch mn rste
vreude was ein wp,
der ich mnen lp
gap ze dienste iemer m,
daz hhste und ouch daz hrste
an dem herzen mn,
seht, daz muoz si sn,
der ich selten vr gestn.
Ir tuot leider w
beide mn sprechen und mn singen.
des muoz ich an vreuden mich nu twingen
unde trren, swar ich g.

2.
Waer ir mit mme sange
wol, s sunge ich dir.
sus verbt siz mir,
und ir taete mn swgen baz.
nu swge aber ich ze lange.
solde ich singen m,
daz taet ich als .
wie zimt mner vrouwen daz,
daz si mn vergaz
und verseite mir ir hulde?
w des, wie rehte unsanfte ich dulde
beide ir spot unde ouch ir haz!

3.
Nu rtent, liebe vrouwen,
waz ich singen muge,
s daz ez iuch tuge!
sanc ist ne vreude kranc.
ich enhn niht wan ein schouwen
von ir und den gruoz,
den si teilen muoz
al der welte sunder danc.
Diu zt ist ze lanc
ne vreude und ne wunne.
n l sehen, wer mich gelren kunne,
daz ich singe niuwen sanc!

4.
Vil wplch wp, nu wende
mne sende klage,
die ich tougen trage,
d weist wol, wie lange zt.
ein saelden rchez ende,
wirt mir daz von dir,
s siht man an mir
vride ne allen widerstrt,
st daz an dir lt
mnes herzen hchgemete.
maht du troesten mich dur wbes gete,
st dn trst mir vride gt?

5.
Ich sihe wol, daz mn vrouwe
mir ist vil gehaz.
doch versuoche ichz baz,
in verdiene ir werden gruoz.
des ich ir wol getrouwe,
daz ht s versworn.
ir ist leider zorn,
daz ichz der werlte knden muoz,
daz ich niemer vuoz
von ir dienste mich gescheide,
ez kom mir ze liebe alder ze leide.
lhte wirt mir swaere buoz.
 
1.
Meine liebste und auch meine erste
Freude war die Frau,
in deren Dienst ich mich
fr alle Zeit gestellt habe.
Das Hchste und Erhabenste
in meinem Herzen
muss sie sein, derentwegen ich selten froh bin.
Leider bereitet ihr mein Dichten
und mein Singen Schmerz.
Daher muss ich mich jetzt in meiner
Freude beschrnken und betrbt sein,
wohin ich auch gehe.

2.
Fnde sie an meinem Gesang Gefallen,
dann snge ich fr sie;
so aber hat sie es verboten und gesagt,
mein Schweigen sei fr sie besser.
Jetzt dauert ihr mein Schweigen aber zu lange.
Sollte ich weiterhin singen,
ich tte es wie vordem.
Wie steht es meiner Herrin an,
mich zu vergessen
und mir ihr Wohlwollen zu entziehen.
O weh, mit welchem Schmerz ertrage ich
neben ihrem Spott auch noch ihre Abneigung.

3.
Nun gebt mir einen Rat, liebenswerte Damen,
was ich singen kann,
so dass es euch gefllt.
Sang ohne Freude ist wertlos.
Sie hat fr mich nur Blicke
und den Gru, den sie ohnehin
jedermann zukommen lassen muss,
ob sie will oder nicht.
Die Zeit ohne Freude und ohne Glck
vergeht langsam. Nun lasst sehen,
wer es versteht, mich so zu belehren,
dass ich eine neue Art von Liedern anstimme.

4.
Du Inbegriff der Frau,
heile meinen Liebesschmerz,
den ich heimlich du weit schon,
wie lange trage.
Machst du mich am Ende noch glcklich,
dann sieht man mich
in ungetrbter Freude,
denn von dir allein hngt
die frohe Stimmung meines Herzen ab.
Kannst du mich trsten
durch deine Gte,
da nur dein Trost mir Frohsinn schenkt?

5.
Ich sehe deutlich, dass meine Herrin
eine groe Abneigung gegen mich hegt.
Dennoch werde ich es aufs neue versuchen,
ob ich nicht doch ihren teuren Gru verdiene.
Sie hat geschworen, das nicht zu tun,
was wie ich wei sie wohl knnte.
Leider erzrnt es sie, dass ich der
Welt mitteilen muss, niemals auch nur
einen Fu aus ihrem Dienst zu treten
- gleichgltig, ob es mir nun
Freude oder Leid bringen wird.
Vielleicht wird mir mein Schmerz noch vergolten.
 
Lied 3
 
1.
Het ich tugende niht s vil von ir vernomen
und ir schoene niht s vil gesehen,
wie waere s mir danne als ze herzen komen?
ich muoz iemer dem gelche spehen,
als der m'ne tuot, der snen schn
von des sunnen schn enpft,
als kumt mir dicke
ir wol liehten ougen blicke
in daz herze m'n, d si vor mir gt.

2.
Gnt ir wol liehten ougen in daz herze mn,
s kumt mir diu nt, daz ich muoz klagen.
solde aber ieman an im selben schuldic sn,
s het ich mich selben selbe erslagen,
d ichs in mn herze nam
und ich s vil gerne sach
- noch gerner danne ich solde -,
und ich des niht mden wolde,
in hhte ir lop, sw manz vor mir sprach.

3.
Mme kinde wil ich erben diese nt
und diu klagenden leit, diu ich hn von ir.
waenet si danne ledic sn, ob ich bin tt,
ich lze einen trst noch hinder mir,
daz noch schoene werde mn sun,
daz er wunder an ir beg,
als daz er mich reche
und ir herze gar zerbreche,
s' s'n s rehte schoenen s.
 
1.
Htte ich nicht so vieles von ihren Vorzgen
gehrt und so viel von ihrer Schnheit gesehen,
wie htte sie dann so sehr mein Herz bedrngen
knnen? Ich muss immer schauen
wie er, der Mond, welcher sein
Leuchten von der Sonne Licht empfngt,
genau so fllt der strahlende
Glanz ihrer Augen in mein Herz,
wo sie vor mir geht.

2.
Dringen ihre hell leuchtenden Augen in mein Herz,
dann ergreift mich die Qual, so dass ich Klage erheben
muss. Wre es mglich, dass sich ein Mensch an sich
selbst verginge, dann htte ich mich damals selbst
gettet, als ich sie in mein Herz lie und sie so gerne
anschaute viel lieber, als ich es htte tun sollen -
und ich nicht davon ablassen wollte, das Lob auf sie
noch zu steigern, wo immer man es in meiner
Gegenwart aussprach.

3.
Meinem Kinde werde ich diese Qual vererben,
dazu alle Klagen und alles Leid, das ich
ihretwegen habe. Glaubt sie nach meinem
Tode, sie sei frei, so hinterlasse ich doch
etwas, das mir Hoffnung und Trost schenkt:
Mein Sohn mge so schn werden, dass er das
Unglaubliche an ihr zustande bringt, nmlich, mich
zu rchen und ihr Herz ganz zu brechen,
wenn sie ihn in seiner vollen Schnheit erblickt.
 
Lied 4
 
1.
In s hher swebender wunne
s gestuont mn herze ane vriden nie.
ich var, als ich vliegen kunne,
mit gedanken iemer umbe sie,
st daz mich ir trst enpfie,
der mir durch die sle mn
mitten in daz herze gie.

2.
Swaz ich wunneclches schouwe,
daz spile gegen der wunne, die ich hn.
luft und erde, walt und ouwe
suln die zt der vride mn enpfn.
Mir ist komen ein hgender wn
und ein wunneclcher trst,
des mn muot sol hhe stn.

3.
Wol dem wunneclchem maere,
daz s suoze durch mn re erklanc,
und der sanfte tuonder swaere,
diu mit vriden in mn herze sanc,
d von mir ein wunne entspranc,
diu vor liebe alsam ein tou
mir z von den ougen dranc.

4.
Saelic s diu seze stunde,
saelic s diu zt, der werde tac,
d daz wort gie von ir munde,
daz dem herzen mn s nhen lac,
daz mn lp von vride erschrac,
un enweiz von liebe joch,
waz ich von ir sprechen mac.
 
1.
In einem so gewaltigen Glckstaumel
schwebte mein Herz noch nie,
niemals noch war es so voller Freude.
Ich kreise, gleich als ob ich fliegen knnte,
in Gedanken stets um sie, wie ein
ermutigendes Wort von ihr kam, welches
durch meine Seele mitten in das Herz drang.

2.
Alles, was ich an Behaglichkeit schaue,
spiegele sich wider in dem Lustgefhl,
das ich empfinde! Himmel, Wald und Aue
sollen den Frhling meiner Freude begren.
Zu mir ist eine freudige Hoffnung
und eine beseligende Zuversicht gedrungen.
Darum soll mein Herz empor sich schwingen.

3.
Gepriesen sei die freudespendende Nachricht,
die so lieblich in meinem Ohr klang,
gepriesen der so angenehm wirkende Schmerz,
der zugleich so freudevoll sich in mein
Herz senkte. Daraus entsprang
ein Entzcken, das mir wie der
Tau vor Freude aus den Augen perlte.

4.
Gepriesen sei die beglckende Stunde,
gepriesen der Frhling, der hohe Tag,
da das Wort von ihrem Munde kam,
das mir so sehr am Herzen lag,
dass ich vor Freude erschrak
und vor Entzcken nicht wei,
was ich von ihr sagen kann.
 
Lied 5
 
1.
Von den elben wirt entsehen vil manic man,
s bin ich von grzer liebe entsn
von der besten, die ie dehein man ze vriunt
gewan. wil aber s dar umbe mich vn
Und ze unstaten stn,
mac si danne rechen sich und tuo,
des ich si bite. s vreut si s sre mich,
daz mn lp vor wunnen muoz zergn.

2.
S gebiutet und ist in dem herzen mn
vrowe und hrer, danne ich selbe s.
hei wan muoste ich ir als gewaltic sn,
daz si mir mit triuwen waere b
Ganzer tage dr unde eteslche naht!
s verlr ich niht den lp und al die maht.
j ist sie leider vor mir alze vr.

3.
Mich enzndet ir vil liehter ougen schn,
same daz viur den durren zunder tuot,
und ir vremeden krenket mir daz herze mn
same daz wazzer die vil heize gluot.
Und ir hher muot
und ir schoene und ir werdecheit
und daz wunder, daz man von ir tugenden seit,
daz wirt mir vil bel - oder lhte guot?

4.
Swenne ir liehten ougen s verkrent sich,
daz si mir aldur mn herze sn,
swer d enzwischen danne gt und irret mich,
dem muoze al sn wunne gar zergn!
Ich muoz vor ir stn
unde warten der vriden mn
rehte als des tages diu kleinen vogelln.
wenne sol mir iemer liep geschn?
 
1.
So mancher Mann wird von Elben bezaubert, ebenso
bin ich bezaubert durch die berckende Anmut, die
einer Frau zu eigen ist, wie man keine vortrefflichere
je zur Geliebten gewonnen hat. Will sie mich aber
darum feindlich behandeln und ins Unglck strzen,
dann mag sie Rache nehmen, und zwar mge sie das
tun, worum ich sie bitte. Damit schenkt sie mir solche
Freude, dass ich vor Wonne sterben muss.

2.
Sie gebietet und ist Herrin in meinem Herzen,
mchtiger, als ich selbst es bin.
Ach, knnte ich doch einmal eine solche Macht
ber sie ausben, dass sie, mir ergeben, drei volle
Tage und manche Nacht bei mir weilte.
Dann verlre ich nicht das Leben und alle Kraft.
Ja, sie ist leider allzu unabhngig von mir.

3.
Der strahlende Glanz ihrer Augen
entflammt mich wie das Feuer den drren
Zunder, und ihre Zurckhaltung tut
meinem Herzen weh wie das Wasser
der so heien Glut. Ihr hoher Sinn, ihre Schnheit,
ihr Wert und was man sonst aus der Flle
ihrer Vorzge rhmt, bedeutet fr mich Unheil -
oder vielleicht auch mein Glck?

4.
Wenn sich einmal ihre strahlenden Augen
so auf mich richten, dass sie ganz durch
mein Herz dringen, wer immer dann
dazwischentritt und mich strt, dem mge
all seine Freude zerflieen! Ich muss vor ihr
stehen und auf meine Freude warten, ganz wie
die kleinen Vgel auf den Tag.
Wann wird mir je Freude widerfahren?
 
Lied 6
 
1.
West ich, ob ez verswget mhte sn,
ich lieze iuch sehen mne schoene vrouwen.
der enzwei braeche mir daz herze mn,
der mhte s schne drinne schouwen.
Si kam her dur diu ganzen ougen
sunder tr gegangen.
w, solde ich von ir sezen minne sn
als minneclch enpfangen!

2.
Der s lange reft in einen touben walt,
ez antwrt im dar z eteswenne.
nist diu klage vor ir dicke manicvalt
gegen mner nt, swie sis niht erkenne.
Doch klaget ir maniger mnen kumber
vil dicke mit gesange.
w, j ht s geslfen allez her
adler geswigen alze lange.

3.
Waerein sitich alder ein star, die mehten st
gelernet hn, daz si spraechen "minnen".
ich hn ir gedienet her vil lange zt.
mac s sich doch mner rede versinnen?
Nein s, niht, got enwelle ein wunder
vil verre an ir erzeigen.
j mht ich st einen boum mit mner bete
sunder wpen nider geneigen.
 
1.
Wsste ich, ob es verschwiegen bleiben knnte,
dann liee ich euch meine schne Herrin sehen.
Wer mir mein Herz in zwei Stcke brche,
der knnte sie darinnen in ihrer Schnheit erblicken.
Sie ist durch die Augen hierher gekommen,
ohne sie zu verletzen, ohne Tr.
Ach, wrde ich von ihrer gtigen Liebe
ebenso liebevoll empfangen!

2.
Wenn einer so lange in einen tauben Wald riefe,
so kme ihm daraus doch einmal eine Antwort.
Nun ist die Klage, vergleicht man sie mit meiner
Qual, in vielerlei Variationen vor ihr erklungen,
wiewohl sie nichts davon bemerkt.
So mancher klagte ihr auch recht oft
meine Not mit Gesang. Ach, sie hat frwahr
immer geschlafen oder allzu lange geschwiegen.

3.
Ein Sittich oder ein Star htten whrend dieser Zeit
lernen knnen, "minnen" zu sagen. Ich habe bisher
sehr lange Zeit in ihrem Dienst verbracht. Vermag
sie sich auch nur an meine Worte zu erinnern?
Nein, sie kann es nicht, wenn Gott nicht bald ein
Wunder an ihr will offenbar werden lassen. Frwahr,
ich htte in all der Zeit einen Baum allein durch
meine Bitte ohne Werkzeug niederbeugen knnen.
 
Lied 7
 
1.
Ez ist site der nahtegal
swanne si ir liep volendet, s geswget sie.
dur daz volge aber ich der swal,
diu durch liebe noch dur leide ir singen nie verlie.
St daz ich nu singen sol,
s mac ich von schulden sprechen wol:
"w,"
daz ich ie s vil gebat
und gevlhtean eine stat,
d ich genden nienen s."

2.
Swge ich unde singe niet,
s sprechent s, daz mir mn singen zaeme baz.
sprich aber ich und singe ein liet,
smuoz ich dulden beide ir spot und ouch ir haz.
Wie sol man den n geleben,
die dem man mit schoener rede vergeben?
w,
daz in ie s wol gelanc,
und ich lie dur si mnen sanc!
ich wil singen aber als .

3.
Ow mner besten zt
und ow mner liehten wunneclchen tage!
waz der an ir dienste lt!
nu jmert mich vil manger senelcher klage,
die si ht von mir vernomen
und ir nie ze herzen kunde komen.
w,
mniu gar verlornen jr!
diu riuwent mich vr wr.
in verklage si niemer m.

4.
Ir lachen und ir schoene ansehen
und ir guot gebaerde hnt betoeret lange mich.
in kann anders niht verjehen.
swer mich ruomes zhen wil, vr wr, der sndet
sich. Ich hn sorgen vil gepflegen
und den vrouwen selten b gelegen,
w,
wan daz ich si gerne an sach
und in ie daz beste sprach,
mir enwart ir nie niht m.

5.
Ez ist niht, daz tiure s,
wan habe ez deste werder, wan den getriuwen
man. der ist leider swaere b.
er ist verlorn, swer n niht wan mit triuwen kan.
Des wart ich vil wol gewar,
wand ich ir mit triuwen ie diente dar.
ow,
daz ich triuwen nie genz!
des stn ich vriden blz.
doch diene ich, swie ez erg.

6.
Ob ich si dhte hulden wert,
sn mhte mir zer werlte lieber niht geschn.
het ich an got st genden gert,
sin knden nch dem tde niemer mich vergn.
Herumbe ich niemer doch verzage.
ir lop, ir re unz an mn ende ich singe und sage.
waz,
ob si sich bedenket baz?
unde taete si liebe daz,
s verbaere ich alle klage.
 
1.
Es ist Art der Nachtigall zu verstummen,
wenn sich die Freuden der Liebe dem Ende
zuneigen. Darum folge ich aber dem Beispiel
der Schwalbe, die weder in Freude noch in Leid
ihr Singen lie. Da man nun von mir Lieder
verlangt, kann ich wohl mit vollem Recht sagen:
Wehe mir,
dass ich stets so instndig gebeten habe
und meine Wnsche dorthin richtete,
wo ich Erfllung nie sehen werde.

2.
Schweige ich und singe nicht,
dann sagen sie, mir stnde es besser an zu singen.
uere ich mich aber und singe, ein Lied dann
muss ich ihren Spott und ihren Hass ertragen. Wie
soll man sich nun denen gegenber verhalten, die
ihrem Mitmenschen mit schnen Worten Gift reichen?
Wehe,
dass sie einen so groen Erfolg hatten
und ich ihretwegen meinen Gesang aufgab.
Ich will wieder singen wie vordem.

3.
Ach, meine beste Zeit,
ach, meine hellen Tage voller Freude!
Wie viele habe ich in ihrem Dienst verbracht!
Jetzt ist es mir leid um so manches
klagende Lied, das zwar von mir bis an ihr
Ohr drang, aber ihr nie ans Herz greifen konnte.
Ach,
meine sinnlos vertanen Jahre,
die reuen mich frwahr!
Niemals werde ich aufhren, darber zu klagen.

4.
Ihr Lcheln, ihr freundlicher Anblick
und ihr vollkommenes Benehmen haben mich
lange Zeit betrt. Anders vermag ich nichts zu
berichten. Wer mir Prahlerei vorwerfen will, wahrlich,
der versndigt sich. Sorgen haben mich oft
bedrckt und mit den Frauen habe ich nie geschlafen.
O weh!
Gleichwohl ist es so, dass ich sie mit Freuden sah
und stets das beste von ihnen sagte.
Mehr wurde mir von ihnen nicht zuteil.

5.
Alles, was selten ist,
schtze ich sehr hoch ein,
nur nicht den treuen Mann. Der ist leider langweilig.
Wer heute treu sein kann, der ist verloren.
Das habe ich recht deutlich gemerkt, denn ich bin
ihr bis jetzt in treuem Dienste zugetan gewesen.
Ach,
dass ich nie den Lohn fr meine Treue genossen
habe! Darum stehe ich hier, ohne Freude. Und
dennoch: Ich diene ihr, was auch immer geschieht.

6.
Hielte sie mich ihres Wohlwollens fr wert, dann knnte
mir auf dieser Welt nichts Angenehmeres widerfahren.
Htte ich all die Zeit zu Gott um Gnade gefleht, nie und
nimmer knnte seine Gnade nach meinem Tod an mir
vorbeigehen. Deshalb bin ich auch immer so voller
Zuversicht. Ihren Ruhm, ihren Preis werde ich bis zu
meinem Ende im Lied verknden.
Was ist,
wenn sie sich eines Besseren besinnt? Tte meine
Geliebte das, dann liee ich all mein Klagen fahren.
 
Lied 8
 
1
Sach ieman die vrouwen,
die man mac schouwen
in dem venster stn?
diu vil wolgetne
diu tuot mich ne
sorgen, die ich hn.
Si liuhtet sam der sunne tuot
gegen dem liehten morgen.
was si verborgen.
d muost ich sorgen.
die wil ich nu ln.

2.
Ist aber ieman hinne,
der sne sinne
her behalten habe?
der g nach der schnen,
diu mit ir krnen
gie von hinnen abe;
Daz si mir ze trste kome,
daz ich verscheide.
diu liebe und diu leide
diu wellen mich beide
vrdern hin ze grabe.

3.
Wan sol schrben kleine
reht f dem steine,
der mn grap bevt,
wie liep s mir waere
und ich ir unmaere;
swer danne ber mich gt,
Daz der lese dise nt
und ir gewinne knde,
der vil grzen snde
die s an ir vrnde
her begangen ht.
 
1.
Hat jemand die edle Dame gesehen,
die man betrachten kann,
wie sie am Fenster steht?
Sie ist wunderschn
und befreit mich von den Sorgen,
die mich drcken.
Sie strahlt wie die Sonne
am klaren Morgen.
Vorher war sie unsichtbar.
Da musste ich mit Sorgen leben;
die will ich nun fahren lassen.

2.
Ist aber jemand hier drinnen
der seinen Kopf
behalten hat?
Der mge der Schnen nachgehen,
die mit ihrer Krone
von hier verschwand.
Dass sie mich doch
noch trste, ehe ich sterbe!
Die Freude und der Schmerz,
die werden mich noch
ins Grab bringen.

3.
Auf den Stein, der mein Grab
beschliet, soll man in zierlichen
Buchstaben schreiben,
wie lieb sie mir
gewesen ist und
wie gleichgltig ich ihr war,
Jeder, der dann ber mich
hinwegschreitet, lese von meiner Pein
und erlange so Kunde von den groen
Verfehlungen, die sie bis zuletzt
an ihrem Freund begangen hat.
 
Lied 9
 
1.
Sn hiez mir nie widersagen
unde warp iedoch
unde wirbet noch hiute f den schaden mn.
des enmac ich langer niht verdagen,
wan si wil ie noch
elliu lant behern und sn ein roubern.
Daz machent alle ir tugende und ir schoene, die
mengem man tuont w.
der s an siht,
der muoz ir gevangen sn
und in sorgen leben iemer m.

2.
In den dingen ich ir dienstman
und ir eigen was d,
d ich s dur triuwe und dur guot an sach,
d kam si mit ir minnen an
und vienc mich als, d si mich
wol gruozte und wider mich s sprach. Des bin
ich an vriden siech und an herzen sre wunt;
und ir ougen klr
diu hnt mich beroubet gar
und ir rsevarwer rter munt.
 
1.
Noch nie hat sie mir die Fehde ansagen lassen,
und doch
sann sie stets und sinnt noch heute darauf,
wie sie mir schaden kann. Dazu vermag ich nicht
lnger zu schweigen, denn sie hat noch immer
die Absicht, alle Lnder zu verheeren und eine
Ruberin zu sein. Das kommt von all ihren
Vorzgen und von ihrer Schnheit,
die manch einem Mann Leid zufgen.
Wenn einer sie anschaut, dann muss er ihr
Gefangener sein und immerfort in Kummer leben.

2.
Damals, als ich mich in ihrem Dienste befand, ja
ihr Leibeigener war, auf sie in treuer Ergebenheit
und ohne Arg schaute, da berfiel sie mich mit
ihrer Liebe und nahm mich gefangen, indem sie mir
einen schnen Gru entbot und mich freundlich
ansprach. Daher bin ich, was meine Freude betrifft,
krank und in meinem Herzen schwer verwundet.
Ihre hellen Augen
und ihr roter Mund
haben mich gnzlich ausgeraubt.
 
Lied 10
 
1.
Ich hn s vr alliu wp
mir ze vrowen und ze liebe erkorn.
minneclch ist ir der lp.
seht, durch daz s hab ich des gesworn,
Daz mir in der welt niht
niemen solde lieber sn.
swenne aber s mn ouge an siht,
seht, s tagt ez in dem herzen mn.

2.
"Ow des scheidens, daz er tet
von mir, d er mich vil senende lie.
wol aber mich der lieben bet
und des weinens, daz er d begie,
D er mich trren lzen bat
und hiez mich in vriden sn.
von snen trehenen wart ich nat
und erkuolte iedoch daz herze mn."

3.
Der dur sne unsaelicheit
iemer arges iht von ir gesage,
dem meze allez wesen leit,
swaz er minne und daz im wol behage.
Ich vluoche in, unde schadet in niht,
dur die ich ir muoz vrmde sn.
als aber s mn ouge an siht,
s taget ez in dem herzen mn.

4.
"Ow, waz wzent si einem man,
der nie vrowen leit noch arc gesprach
und in aller ren gan?
durch daz met mich sn ungemach,
Daz si in s schne grezent wal
und zuo ime redende gnt
und in doch als einen bal
mit boesen worten umbe slnt."
 
1.
Ich schtze sie mehr als alle
Frauen und habe sie mir
zur Herrin und zur Freude erwhlt.
Lieblich ist sie von Gestalt. Seht,
darum habe ich geschworen, dass mir
niemand auf der Welt teurer sein sollte.
Sobald mein Auge sie wieder anschaut,
seht. dann wird es Tag in meinem Herzen.

2.
"Ach, es schmerzte der Abschied, den er
von mir nahm, als er mich in Liebesqual zurcklie;
heilbringend dagegen war es fr mich,
dass er so freundlich seine Bitte vorbrachte
und dass ihn das Weinen berkam, als er mich bat,
von der Trauer abzulassen, und mir eindringlich
zuredete, frhlich zu sein. Seine Trnen
benetzten mich, jedoch mein Herz erquickte sich."

3.
Wenn einer unselig wie er - Bses von ihr sagt,
dann mge ihm alles vergllt werden,
was er liebt und was ihm so recht gefllt.
Ich verfluche diese Menschen,
um deretwillen ich sie meiden muss,
und doch schadet es ihnen nicht.
Sobald mein Auge sie wieder anschaut,
dann wird es Tag in meinem Herzen-

4.
"O weh, warum schmhen sie einen Mann,
der den Frauen niemals Krnkendes oder Bses
nachgesagt hat und ihnen jede Auszeichnung gnnt.
Mich betrbt sein Missgeschick darum,
weil sie ihn so huldvoll gren,
zu ihm treten und sich mit ihm unterhalten
und ihn dennoch mit verleumderischen
Worten herumtreiben wie einen Ball."
 
Lied 11
 
1.
Ich bin iemer ander und niht eine
der grzen liebe, der ich nie wart vr.
waeren n die huotaere alle gemeine
toup unde blint, swenne ich ir waere b,
S mohte ich mn leit
eteswenne mit sange ir wol knden.
mohte ich mich mit rede zuo ir gevrnden,
s wurde wunders vil von mir geseit.

2.
S ensol niht allen liuten lachen
als von herzen, same si lachet mir,
und ir ane sehen s minneclch niht machen.
waz ht aber ieman ze schouwen daz an ir,
Der ich leben sol
unde an der ist mn wunne behalten?
j enwil ich niemer des eralten,
swenne ich si sihe, mir s von herzen wol.

3.
St si herzeliebe heizent minne,
so enweiz ich, wie diu liebe heizen sol.
liebe won mir dicke in mnen sinnen.
liep haet ich gerne, leides enbaere ich wol.
Liebe diu gt mir
hhen muot, dar zuo vreude unde wunne.
s enweiz ich, waz diu leide kunne,
wan daz ich iemer trren muoz von ir.
 
1.
Stets bin ich zu zweit, denn ich bin nie
ohne die starke Liebe, die mich noch niemals
freilie. Wren doch die Wchter allesamt taub
und blind, wenn ich bei ihr weilte,
dann knnte ich meine Schmerzen in Liedern
offenbaren. Wre es mglich, sie durch Worte
mir zum Freunde zu machen,
dann wrde ich Wunderbares erzhlen.

2.
Sie soll nicht allen Leuten so herzlich
zulcheln wie mir, und sie soll
nicht so reizend schauen und die Blicke
auf sich ziehen. Was hat sonst einer an ihr
zu schauen, der ich mein Leben weihen muss
und die mein Glck in Hnden hlt?
Frwahr, ich will nicht so alt werden, dass ich nicht
von Herzen glcklich bin, wenn ich sie nur ansehe.

3.
Seit sie Herzensfreude Minne nennen, wei ich nicht,
wie man die Liebe benennen soll.
Liebe mge oft meine Gedanken erfllen!
Angenehmes htte ich gerne,
auf Widerwrtiges verzichte ich gewiss.
Liebe schenkt mir frohen Sinn, dazu Freude und Glck.
Dagegen wei ich nicht, was das Leid vermag,
auer, dass ich durch es stets traurig sein muss.
 
Lied 12
 
1.
Ist ir liep mn leit und mn ungemach,
wie kan ich danne iemer mre rehte werden vr?
s getrrte nie, swaz s mir geschach.
klaget ich ir mn jmer, s stuont ir daz herze h.
Sst noch hiute vor den ougen mn, alse s was d,
d si minneclche mir zuo sprach
und ich si ane sach.
w, solte ich iemer stn als.

2.
S ht liep ein kleine vogelln,
daz ir singet oder ein ltzel nch ir sprechen kan.
muost ich dem gelch ir heimlich sn, s swere
ich des wol, daz nie vrowe solhen vogel gewan.
Vr die nahtegal wolte ich hhe singen dan:
"w, liebe schoene vrowe mn,
n bin ich doch dn,
mahtu troesten mich vil senenden man!"

3.
Sst mit tugenden und mit werdecheit
s behuot vor aller slahte unvrowelcher tt,
wan des einen, daz si mir verseit
ir gnde unde mnen dienest s verderben lt.
Wol mich des, daz s mn herze s besezzen ht,
daz der stat d nieman wirt bereit
als ein hr s breit,
swenne ir rehtiu liebe mich bestt.
 
1.
Wenn ihr mein Schmerz und mein Unglck Freude
macht, wie kann ich dann noch jemals in Zukunft
so recht froh werden? Wie es mir auch ging, sie
war nie betrbt. Klagte ich ihr meine Not, dann war
sie heiteren Sinnes. Sie steht mir noch heute vor
den Augen wie sie damals war, als sie so freundlich
zu mir sprach und ich sie anschaute.
Ach, drfte ich doch immer so stehen!

2.
Sie hat ein kleines Vgelchen lieb, das fr sie singt
oder auch das kann es etwas nachspricht. Drfte
ich ihr nah und vertraut sein wie dieses, dann
leistete ich einen Eid darauf, dass keine Frau je
solchen Vogel ihr eigen nannte. Heller als die
Nachtigall wollte ich dann singen: "Ach, liebe schne
Herrin, nun bin ich doch ganz der deine.
Trste mich doch! Ich verzehre mich vor Liebe."

3.
Sie ist durch ihre Vorzge und ihr hohes Ansehen
vor allem Tun geschtzt, das einer Frau nicht ziemt;
doch gibt es eine Ausnahme: Sie versagt mir ihre
Huld und lsst zu, dass mein Dienst ganz ohne
Erfolg bleibt. Wohl mir, dass sie mein Herz so
vollstndig eingenommen hat, dass niemandem auch
nur ein Haarbreit Platz dort eingerumt wird,
wenn ihr Liebeszauber mich jh berkommt!
 
Lied 13
 
1.
Leitliche blicke unde grzliche riuwe
hnt mir daz herze und den lp nch verlorn.
mn alte nt die klagte ich vr niuwe,
wan daz ich vrhte der schimpfaere zorn.
Singe aber ich dur die, diu mich vrwet hie
bevorn, s velsche dur got nieman mne triuwe,
wan ich dur sanc bin ze der welte geborn.

2.
Maniger der sprichet "nu sehent, wie der singet!
waere ime iht leit, er taete anders dan s."
der mac niht wizzen, waz mich leides twinget.
nu tuon aber ich rehte, als ich tet ald.
D ich in leide stuont, d huop s mich gar unh.
diz ist ein nt, diu mich sanges betwinget.
sorge ist unwert, d die liute sint vr.

3.
Diu mnes herzen ein wunne und ein krn ist
vor allen vrowen, die ich noch hn gesehen,
schoene unde schoene, diu liebe aller schnist
ist s, mn vrowe; des hoere ich ir jehen.
Al diu welte si sol durch ir schoene gerne sehen.
noch waere zt, daz du mir,vrowe, lnist.
ich kan mit lobe anders trheit verjehen.

4.
Stn ich vor ir unde schouwe daz wunder,
daz got mit schoene an ir lp ht getn,
s ist des so vil, daz ich sihe d besunder,
daz ich vil gerne wolt iemer d stn.
w, s muoz ich vil trric scheiden dan,
s kumt ein wolken s trebez dar under,
daz ich des schnen von ir niht enhn.
 
1.
Blicke, die Leid bedeuten, und gewaltiger Schmerz
haben mir das Herz und den Leib fast zerstrt. Meine
alte qualvolle Lage besnge ich klagend aufs neue,
frchtete ich nicht den Hohn der Sptter. Sing ich
aber fr die, die mich frher froh gestimmt hat, dann
mge um Gottes willen niemand meine Aufrichtigkeit
in Frage stellen, denn zum Singen bin ich geboren.

2.
Mancher wird sagen: "Nun seht, wie der singt!
Drckte ihm ein Leid, er verhielte sich anders."
Der kann nicht ermessen, welches Leid mich bedrngt.
Jetzt mache ich es aber genauso wie damals. Als ich
in Schmerz verharrte, da habe ich ihr wenig bedeutet.
Das ist die Qual, die mich zum Singen zwingt. Kummer
hat dort keinen Wert, wo die Leute frhlich sind.

3.
Sie, meines Herzens Freude und eine Krone aller Frauen,
die ich jemals erblickte, - sie ist schn und nochmals
schn, am schnsten ist sie, die Liebenswerte, meine
Herrin; das so hrte ich gesteht man ihr zu. Die
ganze Welt soll sie mit Freuden betrachten, denn sie
ist schn. Noch wre es Zeit, Herrin, mich zu belohnen.
Sonst sage ich mit meinem Preis etwas trichtes.

4.
Wenn ich vor ihr stehe und die auergewhnliche
Schnheit betrachte, die Gott mit ihr geschaffen hat,
dann erblicke ich so viele Einzelheiten, dass ich
beraus gerne immer dort stehen wollte.
Ach, tieftraurig muss ich mich dann von ihr trennen:
Es schiebt sich eine dunkle Wolke dazwischen,
so dass ich nichts von ihrem Glanz mehr sehe.
 
Lied 14
 
Mn herze, ir schoene und diu minne
habent gesworn zuo ein ander,
des ich waene, f mner vruden tt.
zwiu habent diu driu mich einen dar zuo erkorn?
w, Minne, gebent ein teil der lieben mner nt.
Teilent si ir s mite, daz s gedanke ouch machen
rt. wnsche ich ir senens n?
daz waere bezzer verborn. lhte ist ez ir zorn,
st ir wort mir deheinen kumber gebt.
 
Mein Herz, ihre Schnheit und die Minne haben sich,
so scheint es mir, verschworen in der Absicht,
meine Freuden zu tten. Warum haben die drei mich
allein dazu ausgesucht? Ach Minne, gebt doch der
Geliebten einen Teil meiner Qual; teilt so,
dass auch sie Gedanken schon errten lassen.
Wnsch ich ihr Schmerz und Verlangen? Das unterlie
ich besser. Vielleicht erzrnt es sie, da es nicht ihr
Wort war, das mich in diese qualvolle Lage strzte.
 
Lied 15
 
1.
Ez tuot vil w, swer herzeclche minnet
an s hher stat, d sn dienst gar versmt.
sn tumber wn vil ltzel dar ane gewinnet,
swer s vil geklaget, daz ze herzen niht engt.
Er ist vil wse, swer sich s wol versinnet,
daz er dient, d man sn dienst wol enpft,
und sich dar lt, d man sn gende ht.

2.
Ich bedarf vil wol, daz ich gende vinde,
wan ich hab ein wp ob der sunnen mir erkorn.
dst ein nt, die ich niemer berwinde,
sn gesaehe mich ane, als si tet hie bevorn.
Si ist mir liep gewest d her von kinde, wan
ich wart dur s und durch anders niht geborn.
ist ir daz zorn, daz weiz got, s bin ich verlorn.


3.
W ist nu hin mn liehter morgensterne?
w, waz hilfet mich, daz mn sunne ist f
gegn? si ist mir ze hh und ouch ein teil ze
verne gegen mittem tage unde wil d lange
stn. Ich gelebte noch den lieben bent gerne,
daz si sich her nider mir ze trste wolte ln,
wand ich mich h n gar verkapfet f ir wn.
 
1.
Es schmerzt sehr, wenn einer von Herzen liebt,
jedoch an so hohem Ort, dass man seine
Dienstwilligkeit dort ganz verachtet. Mit seiner
trichten Hoffnung gewinnt der wenig, der immer ber
so vieles klagt, was zum Herzen nicht dringt. Sehr klug
ist der, welcher es sich recht berlegt, so dass er seinen
Dienst da antrgt, wo man ihm mit Huld begegnet.

2.
Ich habe es sehr ntig, Huld zu finden; ich habe mir
nmlich eine Frau auserwhlt, welche die Sonne an Glanz
berstrahlt. Dies ist eine qulende Lage, ber die ich
niemals hinwegkomme, es sei denn, sie sieht mich wieder an, wie sie es zuvor getan hat. Ich habe sie lieb seit meiner Kinderzeit, denn fr sie und nur fr sie bin ich geboren. Erregt das ihren Unwillen, dann bei Gott bin ich verloren.

3.
Wohin ist nun mein strahlender Morgenstern? Weh,
was hilft es mir, dass meine Sonne aufgegangen ist?
Sie steht gegen Mittag fr mich zu hoch und auch etwas
zu fern und wird dort noch lange weilen. Gerne erlebte
ich noch den angenehmen Abend, wenn sie sich
niederneigen wollte, um mich zu trsten, denn ich habe
mich in sie, ein Wunschbild zwar, ganz vergafft.
 
Lied 16
 
1.
W, wie lange sol ich ringen umbe
ein wp, der ich noch nie wort zuo gesprach?
wie sol mir an ir gelingen? seht,
des wundert mich, wan es niht geschach,
Daz ein man also tobt, als ich tuon zaller zt,
daz ich s s herzeclche minne
und es nie gewuoc und ir dient iemer st.

2.
Ich weiz vil wol, daz si lachet,
swenne ich vor ir stn und enweiz,
wer ich bin. sa zehant bin ich geswachet,
swenne ir schoene nimt mir s gar mnen sin.
Got weiz wol, daz si noch mniu wort nie
vernam, wan daz ich ir diende mit gesange,
s ich beste kunde, und als ir wol gezam.

3.
Ow des, waz rede ich tumme?
daz ich niht enrette als ein saeliger man!
s swge ich rehte als ein stumme,
der von sner nt niht gesprechen enkan,
Wan daz er mit der hant sniu wort tiuten
muoz. als erzeige ich ir mn wundez herze
unde valle vr s unde nge f ir vuoz.
 
1.
Ach, wie lange soll ich noch um diese Frau kmpfen, zu
der ich noch nie ein Wort gesprochen habe. Wie soll ich
bei ihr Erfolg haben? Seht, das setzt mich in Erstaunen,
denn noch nie ist es bisher vorgekommen, dass ein
Mann sich so unsinnig benimmt, wie ich es stndig tue,
weil ich sie von Herzen liebe, es ihr frher aber nie
gestand; gedient jedoch habe ich ihr seither immerzu.

2.
Ich wei recht gut, dass sie lacht,
wenn ich vor ihr stehe und nicht wei, wer ich bin.
Ich bin sofort benommen, ihre Schnheit verwirrt
mir allzusehr den Verstand.
Gott wei genau, dass sie noch kein Wort von mir
vernahm; nur mit meinen Liedern diente ich ihr,
so gut ich es vermochte und wie es ihr gebhrte.

3.
O weh, was rede ich so tricht?
Dass ich nicht geredet habe wie ein Mann,
dem das Glck hold ist. Ich hingegen schweige wie
ein Stummer, der von seiner Qual nicht sprechen und
das, was er sagen mchte, nur mit der Hand andeuten
kann. Genau so zeige ich ihr mein wundes Herz, falle
vor ihr nieder und neige mein Haupt ihr auf den Fu.
 
Lied 17
 
1.
Ow, war umbe volg ich tumben wne,
der mich s sre leitet in die nt?
ich schiet von ir gar aller vriden ne,
daz s mir trst noch helfe nie gebt.
Doch wart ir varwe liljen wz und rsen rt,
und saz vor mir diu liebe wolgetne,
geblet reht alsam ein voller mne: daz was
der ougen wunne und des herzen tt.

2.
Mn staeter muot gelchet niht dem winde.
ch bin noch, als s mich ht verln, vil
staete her von einem kleinen kinde, swie w
si mir nu lange ht getn, als swgende
iegente, und ein verholner wn. wie dicke
ich mich der trheit underwinde, swanne ich
 vor ir stn und sprche ein wunder vinde,
und muoz doch von ir ungesprochen gn?

3.
Ich hn s vil gesprochen und gesungen,
daz ich bin mede und heis von der klage. in
bin umbe niht wan umb den wint betwungen,
st s mir niht geloubet, daz ich sage. Wie ich
si minne, und wie ich ir holdez herze trage.
deswr, mirn ist nch werde niht gelungen.
hete ich nch gote ie halp s vil gerungen,
er naeme mich zuo zim. ach mner tage!
 
1.
Ach, warum hnge ich der trichten Hoffnung nach,
die mich doch so tief in diese Bedrngnis gefhrt
hat. Ich schied von ihr, ganz ohne Freuden, weil
sie mir weder Ermutigung noch Hilfe gewhrte.
Und dennoch: Ihr Antlitz frbte sich lilienwei und
rosenrot, und die Geliebte sa in ihrer Schnheit vor
mir, leuchtend wie der Vollmond: Fr die Augen war
es hchstes Glck, fr das Herz indessen der Tod.

2.
Mein treuer Sinn gleicht nicht dem Wind. Ich bin noch,
wie sie mich verlassen hat: ihr ergeben von frhester
Kindheit an, obwohl sie mir seit langem durch ihr
bestndiges Schweigen Qualen bereitet hat, sie und
eine geheime trichte Hoffnung. Wie oft verhalte ich
mich wie ein Tor? Immer, wenn ich vor ihr stehe und
mir die schnsten Worte einfallen und ich dennoch
von ihr gehen muss, ohne sie gesagt zu haben.

3.
Ich habe so viel geredet und gesungen, dass ich vom
Klagen mde und heiser bin. Nur um eine Nichtigkeit bin
ich in Kummer und Sorgen, da sie meinen Worten keinen
Glauben schenkt, wenn ich ihr versichere, wie ich sie liebe
und wie sehr ihr mein Herz zugetan ist. Frwahr, das
Ergebnis meiner Bemhungen ist meinem Verdienst nicht
angemessen. Wenn ich mich je halb soviel um Gott bemht
htte, nhme er mich zu sich. Weh ber mein Leben.
 
Lied 18
 
1.
Diu vil guote,
daz si saelic meze sn!
w der huote,
diu der welte s liehten schn an
ir ht benomen, daz man si niht wan selten
st, s diu sunne, diu des bendes under gt.

2.
Ich muoz sorgen,
wen diu lange naht zerg
gegen dem morgen, daz ichs
einest an ges, mn vil liebe sunnen,
diu mir s wunnenclchen taget, daz mn
ouge ein trebez wolken wol verklaget.

3.
Swer der vrouwen
hetet, dem knde ich den ban;
wan durch schouwen
s geschuof si got dem man, daz si waer
ein spiegel, al der werlde ein wunne gar. waz
sol golt begraben, des nieman wirt gewar?

4.
W der huote,
die man reinen wben tuot!
huote machet staete vrouwen wankelmuot.
Man sol vrouwen schouwen unde lzen ne twanc. ich sach,
daz ein sieche verboten wazzer tranc.

5.
Ascholoie
diu vil guote heizet wol.
erst von Troie
Paris, der si minnen sol. Obe er kiesen
solde under den schoenesten, die nuleben
s wurde ir der apfel, waer er unvergeben.
 
1.
Sie ist beraus gut,
mge ihr das Glck zuteil werden,
das sie verdient! Fluch ber die Aufpasser,
die der Welt mit ihr eine so strahlende Erscheinung
entzogen haben, so dass man sie nur selten sieht.
So tut's auch die Sonne, wenn sie abends untergeht.

2.
Ich muss die Zeit
in banger Sorge zubringen,
bis die lange Nacht gegen Morgen vergeht.
Erst dann kann ich sie, meine liebe Sonne, einmal
ansehen, die mir so freudevoll aufgeht, dass mein
Auge wohl aufhrt, ber eine dunkle Wolke zu klagen.

3.
Wer die Frau vor der Welt versteckt,
dem kndige ich die Strafe des Bannes an;
Gott hat sie ja gerade deshalb geschaffen, dass der
Mann sie anschaue, dass sie strahle wie ein Spiegel,
der ganzen Welt so recht eine Freude. Was soll
vergrabenes Gold, das keiner bemerkt?

4.
Fluch ber die Aufsicht, die man ber Frauen
verhngt, die ohne Tadel sind.
Aufsicht macht selbst bestndige Frauen wankelmtig.
Frauen soll man anschauen
und sie gleichwohl ohne Zwang lassen.
Ich sah, wie ein Kranker verbotenes Wasser trank.

5.
Ascholoi,
so heit die Gute gewiss.
Er ist Paris von Troja und soll sie lieben.
Msste er unter den schnsten Frauen
unserer Zeit whlen, dann bekme sie den Apfel,
wenn er nicht schon vergeben wre.
 
Lied 19
 
Vrowe, wilt du mich genern,
s sich mich ein vil ltzel an.
ich enmac mich langer niht erwern,
den lp muoz ich verlorn hn.
Ich bin siech, mn herze ist wunt.
vrowe, daz hnt mir getn
mn ougen und dn rter munt.
 
Herrin, wenn du mich retten willst,
dann sieh mich doch ein wenig an.
Ich vermag nicht lnger Widerstand zu leisten,
bald wird es um mein Leben geschehen sein.
Ich bin krank, mein Herz ist verwundet.
Herrin, das haben mir meine Augen angetan
und dein roter Mund.
 
Lied 20
 
Vrowe, mne swaere sich,
ich verliese mnen lp.
ein wort du spraeche wider mich:
verkre daz, du saelic wp!
Du sprichest iemer nein nein nein,
nein nein nein.
daz brichet mir mn herze enzwein.
maht du doch eteswenne sprechen j,
j j j j j j j?
daz lt mir an dem herzen n.
 
Herrin, schau auf meine Qual,
bevor mein Leben dahinschwindet.
Du sagtest einst ein Wort zu mir:
Nimm es zurck, gepriesene Frau,
die auch Glck zu schenken vermag.
Du sagst immer nein, nein, nein, nein, nein,
nein, das bricht mir das Herz.
Kannst du nicht doch zuweilen ja sagen,
ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja?
Das liegt mir so am Herzen.
 
Lied 21
 
1.
Ob ich dir vor allen wben guotes gan,
sol ich des engelten, vrouwe, wider dich,
st daz dner gete saeliclchen an,
s lz iemer in den ungenden mich.
Hab ich dar an missetn, die schulde rich,
daz ich lieber liep zer werlte nie gewan:
nch der liebe sent ie mn herze sich.

2.
Ob ich iemer ne hchgemete bin,
waz ist ieman in der werlte deste baz?
gnt mir mne tage mit ungemete hin,
die nch vriden ringent, den gewirret daz.
J, wirt daz ir ungewin, der valschen haz.
die verkrent underwlent mir den sin:
nieman solde nden, ern wiste waz!

3.
Vrowe, ob d mir niht die werlt erleiden wil,
s rt unde hilf, mir ist ze lange w,
st si jehent, ez s niht ein kinde spil,
dem ein wp s nhen an sn herze g.
Ich erkande mze vil der sorgen ,
disiu sorge gt mir vr der mze zil:
hiute baz und aber danne ber morgen w.

4.
Ich habe ir vil grzer dinge her verjehen,
herzeclcher minne und ganzer staetekeit.
des half mir diu rehte herzeliebe spehen.
wol mich, hab ich al der werlte wr geseit.
Habe ich dar an missesehen, dst mir leit.
mir mac elliu saelde noch von ir geschehen:
in weiz niht, waz schoener lp in herzen treit.
 
1.
Wenn ich dir mehr als allen Frauen Gutes gnne, mir aber
von dir dafr nur Nachteile einhandle, dann lass mich,
Herrin, falls eine solche Art Belohnung mit deiner Gte und
Freundlichkeit zu vereinbaren ist, lieber in Ungnade. Habe
ich unrecht daran getan, dass ich keine Frau auf Erden
kennen gelernt habe, die ich mehr liebe, dann rche diese
Schuld. Mein Herz sehnt sich immerfort nach der Freude.

2.
Wie? Hat irgendeiner in der Welt etwas davon, wenn ich
immer niedergeschlagen bin? Verstreichen mir lustlos
meine Tage, verdriet es die, die auf Freude aus sind.
Ja, ihnen bringt es nur Schaden; aber selbst der erweckt
bei den Missgnstigen noch Anfeindung. Die verdrehen mir
alsbald das Wort im Munde. Niemand sollte gehssig sein,
ohne den Grund dafr zu kennen.

3.
Herrin, wenn du mir nicht die Welt verleiden willst,
so gewhre mir Rat und Hilfe, zu lange whrt mein Leid;
man sagt ja, es sei kein Kinderspiel, wenn einem eine
Frau so nahe am Herzen steht. Ich kannte schon frher
ein gehriges Ma von Kummer, aber nun geht dieser
Kummer ber jedes Ma hinaus; Heute gut,
ber den anderen Tag gleichwohl wieder schlecht.

4.
Ich habe bisher groe Vorzge an ihr gerhmt: Liebe, die
vom Herzen kommt, und vollkommene Bestndigkeit. Echte
Herzensliebe half mir das zu erkennen. Wohl mir, wenn ich
der ganzen Welt die Wahrheit verkndet habe. Sollte ich
mich jedoch geirrt haben, tut es mir leid. Aber noch kann
mir von ihr alles Glck zuteil werden: Ich wei ja nicht,
welche Absichten eine schne Frau in ihrem Herzen trgt.
 
Lied 22
 
1.
Ich waene, nieman lebe, der mnen kumber
weine, den ich eine trage,
ez entuo diu guote, die ich mit triuwen meine,
vernimt si mne klage.
W, wie tuon ich s, daz ich s herzeclche
bin an s verdht, daz ich ein knicrche
vr ir minne niht ennemen wolde,
ob ich teilen unde weln solde?

2.
Swer mir des verban, obe ich si minne tougen,
seht, der sndet sich.
swen ich eine bin, si schnt mir vor den ougen.
s bedunket mich,
Wie si g dort her ze mir aldur die mren.
ir rede und ir trst enlzent mich niht trren.
swenne si wil, s veret s mich hinnen
zeinem venster hh al ber zinnen.

3.
Ich waene, si ist ein Vnus hre, die ich d
minne, wan si kan s vil.
s benimt mir beide vride und al die sinne.
swenne s si wil,
S gt s dort her zuo einem vensterlne
unde siht mich an reht als der sunnen schne.
swanne ich s danne gerne wolde schouwen,
ach, s gt si dort zuo andern vrouwen.

4.
D si mir alrrst ein hchgemete sande
in daz herze mn,
des was bote ir gete, die ich wol erkande,
und ir liehter schn
Sach mich getlch an mit ir spilnden ougen,
lachen s began z rtem munde tougen.
s zehant enzunte sich mn wunne,
daz mn muot stt hhe sam diu sunne.

5.
W, waz rede ich? j ist mn geloube boese
und ist wider got.
wan bite ich in des, daz er mich hinnen loese?
ez was mn spot.
Ich tuon sam der swan, der singet, swenne er
stirbet. waz ob mir mn sanc daz lhte noch
erwirbet, sw man mnen kumber sagt ze
maere, daz man mir erbunne mner swaere?
 
1.
Ich glaube, es gibt niemand, der meinen Kummer
beweint, den ich allein trage, es sei denn die
Gute, die ich treu liebe, falls sie meine Klage
vernimmt. O weh, warum verhalte ich mich nur
so? Ich bin mit all meinen Gedanken so sehr bei
ihr, dass ich selbst ein Knigreich nicht
gegen ihre Liebe eintauschen wollte - auch
wenn ich es mir zuteilen und auswhlen drfte.

2.
Wer es mir missgnnt, dass ich heimlich liebend
an sie denke, seht, der tut Unrecht. Wenn ich
einsam bin, leuchtet sie mir hell vor den Augen.
Dann scheint es mir, als trete sie dort mitten
durch die Mauer auf mich zu. Ihre aufmunternden
Worte lassen es nicht zu, dass ich traurig bin.
Wann immer sie will, fhrt sie mich von hier weg
hin zu einem Fenster hoch ber die Zinne.

3.
Ich glaube, die Frau, die ich liebe ist eine gewaltige
und erhabene Venus, denn sie vermag so viel. Sie
raubt mir meine Freude und dazu noch den Verstand
Wenn es ihr gefllt, dann tritt sie von dort hierher
an ein kleines Fenster und sieht mich strahlend an,
ganz wie die Sonne mit ihrem Schein. Sobald
ich sie aber dann schauend betrachten mchte,
ach, dann geht sie dort zu den anderen Damen.

4.
Damals, als sie zum ersten Mal Frohsinn in mein
Herz schickte, da war ihre Gte, die ich richtig
erkannte, der Bote.
Und sie sah mich in ihrer glnzenden
Erscheinung mit strahlenden Augen freundlich an,
ihr roter Mund begann verstohlen zu lcheln.
Sogleich flammte in mir ein Wonnegefhl auf,
dass ich mich nun bis zur Sonne erhoben fhle.

5.
Ach, was rede ich? Frwahr, mein Glaube ist schlecht
und wider Gott. Warum bitte ich ihn nicht, mich von
hier zu nehmen? Was ich eben gesagt habe, war nicht
im Ernst gesprochen. Ich folge dem Beispiel des
Schwans, der singt wenn er stirbt. Was wre, wenn
mein Singen vielleicht noch dies erreichte: Dass man
mich berall dort um meinen Schmerz beneidete,
wo man von meiner Liebesqual erzhlt?
 
Lied 23
 
1.
Ich hrte f der heide
lte stimme und sezen sanc.
d von wart ich beide
vriden rch und an trren kranc.
Nch der mn gedanc sre ranc unde swanc,
die vant ich ze tanze, d si sanc.
ne leide ich d spranc.

2.
Ich vant si verborgen
eine und ir wengel von trehen naz,
d si an dem morgen
mnes tdes sich vermaz.
Der vil lieben haz tuot mir baz danne daz,
d ich vor ir kniewete d si saz
und ir sorgen gar vergaz.

3.
Ich vant si an der zinne
eine, und ich was zuo zir gesant.
d mehte ichs ir minne
wol mir vuoge hn gepfant.
D wnde ich diu lant hn verbrant s
zehant, wan daz mich ir sezen minne bant
an den sinnen ht erblant.
 
1.
Ich hrte am Waldesrand helle Stimme
und lieblichen Gesang. Das erhhte meine
Freude, und vertrieb sogleich meinen
Kummer. Sie, um die meine Gedanken
immer und immer kreisten,
erblickte ich dort, singend beim Tanz.
Befreit tanzte ich da mit.

2.
Ich bemerkte sie an einem verborgenen Ort, allein,
und ihre Wangen waren nass von Trnen.
Es war dort, wo sie am Morgen prahlend mir das
Todesurteil gesprochen hatte. Die feindselige Haltung
der Geliebten ist wohltuender fr mich als das,
was damals geschah, als ich dort, wo sie sa, vor ihr
kniete, und sie ihre Frsorge ganz vergessen hatte.

3.
Ich fand sie auf der Zinne, allein;
man hatte mich nmlich zu ihr geschickt.
Dort htte wohl mit dem gehrigen Anstand ihre
Liebe rauben knnen. In diesem Augenblick glaubte
ich, alsbald das Land in Brand zu setzen:
dabei war es nur das reizende Band ihrer Liebe,
das meine Sinne blind gemacht hat.
 
Lied 24
 
1.
Solde ich iemer vrowen leit alder
arc gesprechen, daz ht s verschuldet
wol, diu daz ht von mir geseit, daz ich
singe ow von der ich iemer dienen sol.
Si ist des liehten meien schn
und mn sterlcher tac. swenne
ich s an sihe, s lachet ir daz herze mn.

2.
Mn vrowe ist s genaedic wol, daz si
mich noch tuot von allen mnen sorgen vr.
des bin ich vr reht als ich sol. ich waene,
nieman lebe, der in s ganzen vriden s.
Wol ir hiute unde iemer m!
als sprich ich und wnsche ir des, du mir
ht benomen mit vriden gar mn alt ow.


3.
Swaz ich singe ald swaz ich sage, sne wil
si doch niht troesten mich vil senden man.
des muoz ich ringen mit der klage unde mit
der nt, die ich selbe mir geschaffet hn.
S ist siz doch diu vrowe mn:
ich binz, der ir dienen sol, unde wnsche
ir des, dazs iemer saelic meze sn.
 
1.
Sollte ich jemals mit meinen Liedern Frauen Leid
zufgen oder sie tadeln, dann hat sie es sich
durchaus selbst zuzuschreiben. Sie hat behauptet,
ich snge "o weh" von der, der doch mein stndiger
Dienst gebhre. Sie ist der Glanz des leuchtenden
Mai und mein sterlicher Tag. Immer, wenn ich sie
anschaue, lacht ihr mein Herz enzgegen.

2.
Meine Herrin besitzt so viel freundliches Entgegenkommen,
dass sie mich noch einmal aus allen Nten erlsen wird.
Darber bin ich froh, wie man es ja von mir erwartet. Ich
glaube, es gibt niemanden auf der Welt, dessen Freude so vollkommen ist. Glck und Segen mgen sie begleiten, heute und immerfort! Diesen Wunsch ruf ich ihr zu. Sie hat mir Freude geschenkt und mich damit von meinem alten "o weh" befreit.

3.
Was ich auch singe oder sage, sie will mich liebeskranken
Mann doch nicht trsten und ermuntern.
Ich muss darum mit Leid kmpfen und mit Not,
die ich mir selbst bereitet habe.
Dennoch: Sie ist meine Herrin, mir kommt es zu,
ihr zu dienen, und deshalb wnsche ich ihr,
dass sie stets glcklich sein mge.
 
Lied 25
 
1.
Uns ist zergangen der lieplch summer.
d man brach bluomen, da lt nu der sn.
mich muoz belangen, wenne s mnen kummer
welle volenden, der mir tuot so w
J klage ich niht den kl,
swenne ich gedenke an ir wplchen wangen,
diu man ze vride so gerne ane s.

2.
Seht an ir ougen und merkent ir kinne,
seht an ir kele wz und prevent ir munt.
Si ist ne lougen gestalt sam diu minne.
mir wart von vrouwen so liebez nie kunt.
J ht si mich verwunt
sre in den tt. ich verliuse die sinne.
gende, ein kniginne, du tuo mich gesunt.

3.
Die ich mit gesange hie prse unde kroene,
an die ht got snen wunsch wol geleit.
in gesach nu lange nie bilde als schoene
als ist mn vrowe; des bin ich gemeit.
Mich vrit ir werdekeit
baz danne der meie und alle sn doene,
die die vogel singent; daz s iu geseit.
 
1.
Fr uns ist der liebliche Sommer vorbei. Dort, wo
man Blumen pflckte, liegt nun der Schnee. Die Zeit
muss mir lang werden, und ich frage sehnschtig,
wann sie meiner so schmerzlichen Not ein Ende
setzen will. Frwahr, ich klage nicht wegen des Klees,
wenn ich mir ihre fraulichen Wangen vergegenwrtige,
die anzusehen Freude und Lust bereitet.

2.
Seht ihre Augen und betrachtet ihr Kinn,
seht ihren weien Hals und schaut euch ihren Mund an.
Es lsst sich nicht leugnen, sie gleicht der Liebesgttin.
Niemals habe ich bei Frauen solchen Liebreiz gefunden.
Frwahr, sie hat mich auf den Tod verwundet.
Mir schwinden die Sinne! Erbarmen,
Knigin mach mich gesund.

3.
An dieser Frau, die ich hier in meinem Liede besinge
und erhhe, hat Gott sein Meisterstck vollbracht.
Solange ich auch Ausschau hielt, nie sah ich eine so
schne Erscheinung wie meine Herrin.
Darber bin ich froh. Sie erfreut mich in ihrer
erhabenen Schnheit mehr als der Mai und all
seine Lieder, die die Vgel singen. Das sei euch gesagt.
 
Lied 26
 
1.
Mich wundert harte,
daz ir alse zarte
kan lachen der munt.
ir liehten ougen
diu hnt ne lougen
mich senden verwunt.
Diu brach alse tougen
al in mns herzen grunt.
d wont diu guote
vil sanfte gemuote.
des bin ich ungesunt.

2.
Swenne ich vil tumber
ir tuon mnen kumber
mit sange bekant,
s ist ez ein wunder,
daz s mich tuot under
mit rede zehant.
Swenne ich si hoere sprechen,
s ist mir alse wol,
daz ich gesitze
vil gar ne witze
non weiz, war ich sol.
 
1.
Mich erstaunt es sehr,
dass ihr Mund
so sanft lcheln kann.
Frwahr, ihre strahlenden Augen
haben mich Liebeskranken verwundet.
Ganz heimlich brach sie in
das Innerste meines Herzens.
Dort wohnt sie nun mit all
ihrer Freundlichkeit und all
ihrem Sanftmut.
Davon bin ich krank.

2.
Wenn ich Betrter ihr mit
Gesang meine Sorgen erzhle,
dann grenzt es schon
an ein Wunder,
da sie mich sogleich mit Worten
gefgig macht.
Immer, wenn ich sie sprechen hre,
ist mir so wohl,
dass ich dasitze,
aller Sinne beraubt,
und nicht wei, wohin ich soll.
 
Lied 27
 
1.
Si ht mich verwunt
recht aldurch mn sle
in den vil toetlchen grunt,
d ich ir tet kunt,
daz ich tobte unde qule
umb ir vil getlchen munt.
Den bat ich zeiner stunt,
daz er mich ze dienste ir bevle
und daz er mir stle
von ir ein senftez kssen,
s waer ich iemer gesunt?

2.
Wie wirde ich gehaz
ir vil rsevarwen munde
des ich noch niender vergaz!
doch s met mich daz,
daz si mir zeiner stunde
s mit gewalt vor gesaz.
Des bin ich worden laz,
als daz ich vil schiere wol gesunde
in der helle grunde
verbrunne, ich ir iemer diende,
in wisse umbe waz.
 
1.
Sie hat mich verwundet
im tiefsten Grund meiner Seele
und meinen Lebensnerv getroffen,
als ich ihr offenbarte,
dass ich raste und mich qulte
wegen ihres so vollkommenen Mundes.
Den bat ich einstmals,
er mge mich in ihren Dienst befehlen
und mir von ihr einen
leisen Kuss stehlen.
Dann wre ich fr immer gesund.

2.
Wie kommt es,
dass ich ihren rosenfarbenen Mund
zu hassen beginne, den ich noch
nie vergessen habe. Gleichwohl qult
es mich, dass sie einmal vor mir sa
und ihr Eindruck mich so berwltigte.
Ich bin es mde geworden, so dass
ich lieber sofort bei lebendigem
Leibe in der tiefsten Hlle
verbrennen wrde, als fernerhin
zu dienen, ohne zu wissen, wofr.
 
Lied 28
 
1.
Ich bin keiser ne krne,
sunder lant: daz meinet mir der muot;
der gestuont mir nie s schne.
danc ir liebes, diu mir sanfte tuot.
Daz schaffet mir ein vrowe vruot.
dur die s wil ich staete sn,
wan in gesach nie wp s rehte guot.

2.
"Gerne sol ein rter ziehen
sich ze guoten wben. dst mn rt.
boesiu wp diu sol man vliehen.
er ist tump, swer sich an s verlt,
Wan sne gebent niht hohen muot.
iedoch s weiz ich einen man,
den ouch die selben vrowen dunkent guot.

3.
Mirst daz herze worden swaere.
seht, daz schaffet mir ein sende nt.
ich bin worden dem unmaere,
der mir dicke snen dienest bt.
Ow, war umbe tuot er daz?
und wil er sichs erlouben niht,
s muoz ich im von schulden sn gehaz."
 
1.
Ich bin Kaiser ohne Krone, ohne Land.
Meine Stimmung aber ist es, die mir diese Lage
angenehm macht: Nie war sie so heiter.
Dank sei ihr, die mich so gtig behandelt, fr die Freude!
Das alles ist das Werk einer verstndlichen Dame.
Ihretwegen will ich immerfort treu sein, denn noch nie
habe ich eine Frau von so guter Gesinnung gesehen.

2.
"Gerne und bereitwillig soll ein Ritter
die Gesellschaft guter Frauen suchen.
Das rate ich. Schlechte Frauen soll man meiden.
Tricht ist, wer sich ihnen anvertraut, denn sie
vermitteln nicht edlen Sinn und das rechte Hochgefhl.
Und dennoch kenne ich da einen Mann,
der auch solche Frauen schtzt.

3.
Mir ist das Herz schwer geworden,
seht, der Grund ist Verlangen und Liebesqual.
Ich bin dem Mann fremd und gleichgltig
geworden, der mir so lange gedient hat.
O weh, warum tut er das?
Wird er das nicht lassen,
dann muss ich ihm Feind sein mit gutem Grund."
 
Lied 29
 
1.
Wi sol vridelser tage mir und
sender jre iemer werden rt? s ist daz
aber mn hoehste klage, daz uns beide,an
sange, an vride, missegt. St daz diu werlt
mit sorgen s gar betwungen stt, maniger
swget nu, der doch dicke wol gesungen ht.

2.
Ich was eteswenne vr,
d mn herze wnde nebent der sunnen stn.
dur die wolken sach ich h. n muoz
ich mn ouge nider zer erde ln. Mich triuget
alze sre ein vil minneclcher wn,st daz
ich von ir niht wan leit und herzeswaere hn.

3.
Wil si vrmden mir dur daz, dazs ein
ltzel ist mit valscher diet behuot? dst
ein swacher vriundes haz, daz si mit den
andern mir s leide tuot. Ez hoeret niht ze
liebe ein s kranker vriundes muot. wil aber s
die huote als triegen, dst uns beiden guot.
 
1.
Wie soll ich je fr die Tage ohne Freude und die
Jahre voller Liebesqual entschdigt werden?
Doch am meisten schmerzt es mich, dass uns
Lieder und Freude entgehen. Weil die Welt von
Sorgen tief gedrckt dasteht, schweigt nun
mancher, der oft doch gut gesungen hat.

2.
Ich war einmal froh, damals als mein Herz whnte,
neben der Sonne zu stehen. Durch die Wolken
richtete ich meinen Blick nach oben. Jetzt muss ich
meine Augen zur Erde senken. Mich tuschte
allzusehr die se, aber trgerische Hoffnung, da ich
doch nichts als Schmerz und Herzeleid von ihr habe.

3.
Will sie nur deshalb, weil sie von ein paar bswilligen
Leuten bewacht ist, fern von mir bleiben? Es zeigt die
Lauheit der Geliebten, dass sie andere vorschtzt und mir
damit groes Leid antut. Zur Liebe passt eine so
schwchliche Gesinnung der Freundin nicht. Wird sie aber
ihre Wchter hintergehen, dann ist das fr uns beide gut.
 
Lied 30
 
1.
Ow, -
Sol aber mir iemer m
geliuhten dur die naht
noch wzer danne ein sn
ir lp vil wol geslaht?
Der trouc diu ougen mn.
Ich wnde, ez solde sn
des liehten mnen schn.
D tagte ez.

2.
"Ow, -
Sol aber er iemer m
den morgen hie betagen?
als uns diu naht eng,
daz wir niht durfen klagen:
>Ow, nu ist ez tac,<
als er mit klage pflac,
d er jungest b mir lac.
D tagte ez."

3.
Ow, -
Si kuste ne zal
in dem slfe mich.
D vielen hin ze tal
ir trehene nider sich.
Iedoch getrste ich sie,
daz s ir weinen lie
und mich al umbevie.
D tagte ez.

4.
"Ow, -
Daz er s dicke sich
b mir ersehen ht!
Als er endahte mich,
s wolt er sunder wt
Mn arme schouwen blz.
ez was ein wunder grz,
daz in des nie verdrz.
D tagte ez."
 
1.
Ach,
wird mir denn je wieder
durch die Nacht ihr
wundervoller Leib leuchten,
strahlender noch als Schnee?
Der tuschte meine Augen:
Ich glaubte, es wre der Glanz
des hellen Mondes -
Da brach der Tag an.

2.
"Ach,
wird er je wieder den
Morgen ber hier bleiben?
Mge uns doch die Nacht einmal
so vergehen, dass wir nicht zu klagen
brauchen: >O weh, jetzt ist es Tag.<
So rief er klagend,
als er zuletzt bei mir war.-
Da brach der Tag an."

3.
Ach,
unzhlige Male ksste sie
mich im Schlafe
Da rannen ihre
Trnen nieder.
Ich aber trstete sie,
so dass sie aufhrte zu weinen
und mich ganz umfing -
da brach der Tag an.

4.
"Ach,
dass er sich so oft
in meinem Anblick verloren hat!
Als er die Decke zurckschlug,
da wollte er meine nackten
Arme sehn, ganz nackt.
Es war unerklrlich, dass er
sich daran nicht satt sehen konnte -.
da brach der Tag an."
 
Lied 31
 
1.
Ht man mich gesehen in sorgen,
des ensol niht mr ergn.
wol vriwe ich mich alle morgen,
daz ich die vil lieben hn
Gesehen in ganzen vriden gar.
nu vliuch von mir hin, langez trren!
ich bin aber gesunt ein jr.

2.
S kan durch diu herzen brechen
sam diu sunne dur daz glas.
ich mac wol von schulden sprechen:
"si ganzer tugende ein adamas!"
S ist diu liebiu vrowe mn
ein wunnebernder sezer meije,
ein wolkelser sunnen schn.

3.
Ob si mnre nt, diu guote,
wolde ein liebez ende geben,
mit den vrn in hhem muote
saehe man mich danne leben.
Die wle s daz niht ist beschehen,
s muoz man b der ungemuoten
schar mich in den sorgen sehen.
 
1.
Wenn man mich je bedrckt gesehen hat,
dann soll das hinfort nicht mehr vorkommen.
Wirklich, ich freue mich, jeden Morgen,
dass ich die Liebste in ungetrbter Freude
geschaut habe. Nun flieh von mir, Trbsal.
lange bist du bei mir gewesen.
Ich bin wieder geheilt fr ein Jahr.

2.
Sie vermag durch die Herzen zu dringen
wie die Sonne durch das Glas.
Ich darf gewiss zu Recht behaupten:
"Sie ist in all ihren Eigenschaften vollkommen
wie ein Edelstein." Darum ist meine geliebte
Herrin ein milder Frhlingstag voll Lust und
Freude, ein strahlende Himmel ohne Wolken.

3.
Wollte sie, die Gute,
meiner Liebesqual ein angenehmes
Ende setzen, dann she man
mich hochgestimmt im Kreis der Frohen.
Solange das aber nicht geschehen ist,
wird man mich, von Sorgen bedrckt,
bei denen sehen, die Missmut qult.
 
Lied 32
 
1.
Mir ist geschehen als einem kindelne,
daz sn schoenez bilde in einem glase gesach
unde greif dar nch sn selbes schne
s vil, biz daz ez den spiegel gar zerbrach.
D wart al sn wunne ein leitlich ungemach.
Als dhte ich iemer vr ze sne,
d ich gesach die lieben vrouwen mne,
von der mir b liebe leides vil geschach.

2.
Minne, diu der werelde ir vride mret,
seht, diu brachte in troumes ws die vrouwen
mn, d mn lp an slfen was gekret
und ersach sich an der besten wunne sn.
D sach ich ir liehten tugende ir werden schn,
schoen unde ouch vr alle wp gehret,
niuwen daz ein ltzel was versret
in vil vruden rchez rtez mndeln.

3.
Grz angest hn ich des gewunnen,
daz verblchen sle ir mndeln s rt.
Des hn ich nu niuwer klage begunnen,
st mn herze sich ze slher swaere bt,
daz ich durch mn ouge schouwe slhe nt
sam ein kint, daz wsheit unversunnen
snen schaten ersach in einem brunnen
und den minnen muose unz an snen tt.

4.
Hher wp von tugenden und von sinnen
die enkan der himel niender ummevn
s die guoten, die ich vor ungewinne
vremden muoz und immer doch an ir bestn.
Ow leider, j wnde ich's ein ende hn
ir vil wunnenclchen werden minne. N bin
ich vil kme an dem beginne. Des ist
hin mn wunne und ouch mn gerender wn.
 
1.
Mir ist es ergangen wie einem kleinen Kinde,
das sein reizendes Bild in einem Spiegel erblickte
und so lange nach dem eigenen Widerschein griff,
bis es endlich den Spiegel ganz zerbrach.
Da verwandelte sich all seine Wonne in schmerzliches
Leid. So glaubte auch ich, stets froh zu leben, als
ich meine geliebte Herrin sah, von der ich
Freude, aber auch viel Leid erfuhr.

2.
Die Liebe, die den Menschen ihre Freude mehrt,
seht, die brachte, wie es im Traum geschieht,
meine Herrin dorthin, wo ich im Schlafe lag und
mich im Anblick meiner hchsten Glckseligkeit
verlor. Da schaute ich ihre strahlende Vollkommenheit
und ihren edlen Glanz, schn und erhabener
als alle Frauen, nur ihr rotes Mndchen, sonst
Quelle meines Entzckens, war ein wenig verletzt.

3.
Groe Angst hat mich darum ergriffen, dass ihr
kleiner roter Mund erblassen werde. Daher habe ich
jetzt neue Klage erhoben, da mein Herz sich solchen
Schmerzen darber ausgesetzt hat, dass sich meinen
Augen ein so qualvoller Anblick bot. Mir ging es wie
einem Kind, das -im Denken unerfahren -sein
Spiegelbild in einem Quell erblickte und es bis
zu seinem Tode lieben muss.

4.
Frauen, vollkommener und geistvoller als die Gute,
die ich mir zum Schaden meiden muss, an der ich
aber dennoch immer festhalte, kann es unter dem
Himmel nirgends geben. Ach, dieser Schmerz! Ich
glaubte doch wahrhaftig, ich htte ein Ziel erreicht:
ihre beglckende, herrliche Liebe. Jetzt stehe ich
kaum am Anfang. Darum ist meine Freude zerronnen
und auch meine sehnschtige, doch eitle Hoffnung.
 
Lied 33
 
1.
Ich wil eine reise.
wnschent, daz ich wol gevar.
d wirt manic weise,
diu lant wil ich brennen gar.
Mner vrowen rche,
swaz ich des bestrche,
daz muoz allez werden verlorn,
s enwende mnen zorn.

2.
Helfet singen alle,
mne vriunt, und zieht ir zuo
mit (.....) schalle,
daz si mir gende tuo.
Schret, daz mn smerze
mner vrowen herze
breche und in ir ren g.
s tuot mir ze lange w.

3.
Vrowe, ich wil mit hulden
reden ein wnic wider dich.
daz solt d verdulden.
zrnest d, s swge aber ich.
Wiltu dne jugende
kroenen wol mit tugende,
s wis mir genaedic, seziu vruht,
und troeste mich dur dne zuht.
 
1.
Einen Kriegszug will ich unternehmen.
Wnscht mir, dass ich mein Ziel erreiche.
Dabei wird mancher Waise,
das Land will ich mit Feuer verwsten.
Was auch immer ich von dem
Herrschaftsbereich meiner Herrin erreichen
kann, ist zum Untergang bestimmt
wenn sie nicht meine Wut besnftigt.

2.
Freunde, helft mir alle
singen und rckt heran
mit lautem Ruf,
damit sie mich erhrt.
Schreit, dass mein Schmerz
meiner Herrin Herz erweiche
und in ihre Ohren dringt.
Schon zu lange qult sie mich.

3.
Herrin, ich will deine Zustimmung
vorausgesetzt- ein wenig mit dir plaudern.
Du wirst es hinnehmen.
Erzrnt es dich, dann hre ich auf.
Wenn du deine Jugend mit hchster
Vollkommenheit schmcken willst,
dann erhre mich, ses Geschpf,
wie es deiner feinen Art entspricht.
 
Lied 34
 
Vil seziu senftiu toeterinne,
war umbe welt ir toeten mir den lp,
und ich iuch s herzeclchen minne,
zwre, vrouwe, vr elliu wp?
Waenet ir, ob ir mich toetet,
daz ich iuch iemer mr beschouwe?
nein, iuwer minne ht mich des ernoetet,
daz iuwer sle ist mner sle vrouwe.
sol mir hie niht guot geschehen
von iuwerm werden lbe,
s muoz mn sle iu des verjehen dazs
iuwerre sle dienet dort als einem reinen wbe.
 
Se, sanfte Mrderin,
warum wollt ihr mich nur tten,
wo ich euch doch so recht von Herzen zugetan bin,
glaubt es mir Herrin, mehr als allen Frauen.
Denkt ihr, werde euch niemals mehr anschauend
betrachten, wenn ihr mich ttet?
Nein, meine Liebe zu euch hat mich dazu gezwungen,
dass eure Seele Herrin ber meine Seele ist.
Werde ich hier bei euch, edle Frau, keine Erhrung
finden, dann muss, meine Seele euch versichern,
dass sie eurer Seele dort dienen wird wie einer
Frau ohne jeden Makel.
 
Lied 35
 
Lange bin ich geweset verdht
und unvr von rehter minnen.
n ht men mir maere brht,
der ist vr mn herze inbinnen.
Ich sol trst gewinnen
von der vrowen mn.
wie mht ich danne trric sn?
ob ir rter munt
tuot mir vride kunt,
s getrr ich niemer m.
ez ist qut, was mir w.
 
Lange bin ich in Gedanken
versunken gewesen und dazu ohne Freude
durch wahre Liebe. Nun hat man mir
eine Nachricht gebracht, ber die mein Herz
im Innersten erfreut ist. Ich soll bei meiner
Herrin Erhrung finden. Wie knnte ich
unter diesen Umstnden betrbt sein?
Wenn ihr roter Mund
mir Freude schenkt, dann werde ich
niemals mehr traurig sein.
Es ist vorbei, es hat mir weh getan.
 

Quelle: Reclam 1975 - Heinrich von Morungen/Lieder

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