Liebesgedichte
   
 

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Sappho 600 v. Chr.
      Einsamkeit der Liebenden
     
      Unter gingen der Mond schon
      und die Plejaden; Mitternacht
      ist es, die Stunden verrinnen,
      und ich schlafe allein.
     
     
Catull 84 - 54 v.Chr.
      Carmen
     
      Odi et amo.
      Quare id faciam, fortasse requiris:
      Nescio, sed fieri sentio et excrucior.
      Ich hasse und liebe.
      Vielleicht fragst du, warum ich das tue:
      Ich weiß es nicht, aber ich fühle,
      dass es geschieht und ich quäle mich.

François Villon
1431-1464

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Das will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.
Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mir wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hat's auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart,
für mich so tief im Haar verwahrt...
Ich such ihn schon die lange Nacht
Im Wintertal, im Aschengrund...
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Beerenkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei,
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!
...ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Johann Hermann Schein
1586 - 1630

Als Filli schön vnd from
Einsmals am Elbestrom
Bey klar vnd heissen Sonnenschein
Trenckt ihre durstge Schäffelein
Da kam Amor das Göttlein blind
Gesegelt her mit gutem Wind
Fortun'es comitiret:
Jhr Hertzlein inflammieret:
Jetzt liechterloh für Liebe brandt
Der Liebe vor war unbekannt.

Martin Opitz von Boberfeld
1597 – 1639

Ist Liebe lauter nichts

Sonnet.
Aus dem Italienischen Petrarchae.

Ist Liebe lauter nichts / wie daß sie mich entzündet?
Ist sie dann gleichwol was / wem ist jhr thun bewust?
Ist sie auch recht vnd gut / wie bringt sie böse Lust?
Ist sie nicht gut / wie daß man Freudt auß jhr empfindet?
Lieb ich gar williglich / wie daß ich Schmertzen trage?
Muß ich es thun / was hilffts / daß ich solch trawren führ?
Thue ichs nicht gern / wer ists / der es befihlet mir?
Thue ich es gern / warumb / daß ich mich dann beklage?
Ich wancke / wie das Gras / so von den kühlen Winden
Vmb Vesperzeit bald hin geneiget wirdt / bald her.
Ich walle wie ein Schiff / daß in dem wilden Meer
Von Wellen vmbgejagt nicht kan zu rande finden.
Ich weiß nicht was ich will / ich will nicht was ich weiß /
Im Sommer ist mir kalt / im Winter ist mir heiß.

Liedt

im thon: Ma belle je vous prie

Ach Liebste / laß vns eilen / Wir haben Zeit:
Es schadet das verweilen  Vns beyderseit.
Der schönen Schönheit Gaben Fliehn fuß für fuß:
Das alles/ was wir haben/ Verschwinden muß.
Der Wangen ziehr verbleichet / Das Haar wird greiß /
Der äuglein fewer weichet / Die flamm wird Eiß.
Das Mündlein von Corallen / Wird vngestallt.
Die Händ' als Schnee verfallen / Vnd du wirst Alt.
Drumb laß vns jetzt geniessen / Der Jugend frucht /
Eh' dann wir folgen müssen / der Jahre flucht.
Wo du dich selber liebest / So liebe mich /
Gieb mir / das / wann du gibest / Verlier auch ich.


Angelus Silesius (Johannes Scheffler)
1624 - 1677

Sie schreyet nach dem Kuße seines Mundes

Er küße mich mit seines Mundes Kuß
Und tränke mich mit seiner Brüste Fluß
Denn sie schmekken über Wein;
Und sein Mund
Macht zur Stund
Eine Seel voll Freuden seyn.

Ach ach die Lieb ist strenge wie der Tod!
Er küße mich der süße Liebes-Gott:
Denn mein Hertze flammt und brennt
Dürst und lächtzt
Seufftzt und ächtzt
Und das Leben naht zum End.

Wo ist sein Geist der Himmel-süsse Thaw?
Er lass' jhn doch erkühln meines Hertzens Aw!
Oder nehme vollends hin
Meinen Geist
Der schon meist
Sich verlohren hat in jhn.

O Jesu ists daß ich dir bin vertraut
So komm doch her und küße deine Braut!
Denn dein Kuß der ists allein
Den mein Hertz
Sucht mit Schmertz
Uber Gold und Edelstein.


Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
1646 - 1699

An ihre Augen

Ich bin kein Adler nicht der deiner Sonnen Blincken
Der deiner Wangen Glantz kan schauen unverwandt.
Wann deiner Augen Glutt in meinen widerstralt
Und ihrer Flammen Schein auff meine Wangen mahlt
So müssen sie beschämt zur Erde niedersincken;
Doch aber will ich nicht der scheuen Eule gleichen
Die vor des Tages Zier erwehlt die braune Nacht;
Ich eile nach dem Feur das mich zu Asche macht
Verdirbt die Mücke gleich durch selbst-gesuchten Brand
Der edle Phönix wird doch eben so zur Leichen.


Sie seuffzten beide

Du pflegest Dich gantz laut ich heimlich zu beklagen
Die Seuffzer sind gemein bey dir und mir mein Kind:
Ich weiß, daß meine nur auf dich gerichtet sind
von deinen weiß ich nichts zu sagen.
Ein Ander mag uns Neyd um unsre Seuffzer tragen:
Ich weiß, daß meine nur auf dich gerichtet sind.
Wohin die deinen gehn mein allerliebstes Kind
Da weiß ich nichts und will nichts sagen.

Könnte man für Liebe sterben

Könnte man für Liebe sterben
wär ich längstens kalt und todt
Sollte sie ein Feuer heißen
wär ich längstens Asch und Koth
Doch ist sie kein Tod zu nennen
woher fühl ich solche Schmerzen?
Und ist sie kein brennend Feuer
was kocht so in meinem Herzen?


Jakob Michael Reinhold Lenz
1751 - 1792

Aus ihren Augen lacht die Freude ..

Aus ihren Augen lacht die Freude,
Auf ihren Lippen blüht die Lust,
Und unterm Amazonenkleide
Hebt Mut und Stolz und Drang die Brust;
Doch unter Locken, welche fliegen
Um ihrer Schultern Elfenbein,
Verrät ein Seitenblick beim Siegen
Den schönen Wunsch besiegt zu sein.

Bebe, beb ihr auf zu Füßen
Frühlingserde und ein Flor
Junger Veilchen Sie zu grüßen;
Keim aus deinem Schoß hervor.

Sagt ihr, Veilchen, eure Wonne,
Dass ihr sie zu sehn gekriegt,
Sagt ihr, dass in eurer Sonne,
Fern von ihr, ein Bruder liegt.


Hermann Wilhelm Ueltzen
1759 – 1808

Ihr

Namen nennen dich nicht. Dich bilden
Griffel und Pinsel
Sterblicher Künstler nicht nach.

Lieder singen dich nicht. Sie alle
Reden wie Nachhall
Fernester Zeiten, von dir.

Wie du lebtest und bist, so trag' ich
Einzig im Herzen,
Teuerstes Mädchen, dein Bild.

Wäre Herzens - Empfindung hörbar;
Jeder Gedanke
Würde dann Hymnus von dir.

Lieben kann ich dich nur. Die Lieder,
Wie ich dich liebe,
Spar' ich der Ewigkeit auf..


Anton Delwig
1798 – 1831

Wir

Klägliche wir! Unser Geist:
In Nebeln schwer atmende Fackel.
Boot unseres Lebens: Von Tränen -
Strömen entführt auf ein Meer.
Und unser Glück: Zwischen Trug -
Bilder verstoßen in eine Wüste...
Wie nach der Kerze das Kind,
So greifen wir nach der Liebe.


Charlotte von Ahlefeld
1781 - 1849

Glück der Liebe


Einem Schmetterlinge gleicht die Liebe;
Wie er flatternd über Blumen schwebt,
So entflieht sie oft auf leichten Schwingen,
Und nur selten kehrt sie uns zurück.

Um gewaltsam ihre Flucht zu hemmen,
Strebt das kranke Herz mit leisem Weh;
Möcht' ihr gern die raschen Flügel binden,
Gern sie bannen in der Treue Kreis.

Aber wie des Schmetterlings Farben
Selbst in zarten Händen untergehn,
So vernichten Fesseln auch die Reize,
Die der Liebe freie Regung schmücken.

Darum öffne ihrem kurzen Glücke
Willig und genießend Geist und Herz;
Aber will es wankelmütig weichen
Trauere dann - doch halt es nicht zurück!


Sidonie Grünwald-Zerkowski
1852 – 1907

Wie ich von dir träumte...

Guten Morgen! Dein war, Lieb, die Nacht!
Ich hab' im Traum mit Dir sie verbracht.
Noch hab' ich keinen Tag gesehn
Wie diesen Traum, so himmlisch, so schön!
Ach, dass eine Stunde schlagen mir möchte,
Die solche Wonne wirklich mir brächte!

Der Lenz hat über den Talesgrund
Einen Teppich gebreitet aus Blumen bunt
Und sandte nach uns den Sonnenschein,
Sandt' aus mit Sang die Vögelein,
Das Heer der zirpenden Zikaden
Unsere Liebe zur Flur zu laden.

Wir zogen Hand in Hand hinaus
Ins off'ne große Gotteshaus;
Und als die Vögel ich gewahrt,
In holder Freiheit traut gepaart,
Die Blumen sah den Kelch erschließen
Dem Blütenstaub, sich drein zu gießen:

Da zog es zu Dir mich auf den Grund -
Und nahe rückte Mund an Mund
Und immer näher ... wie war das süß!
Geschah's, weil das Denken mich verließ? ...
Der Gürtel war entzwei mir gerissen
Und mir kam der Mut:
Dich zu küssen ... zu küssen!

Da zieh' ich allein die Wege hin

Da zieh' ich allein die Wege hin,
Wo wir zu Zweien geschlendert,
Als unsrer Liebe die Sonne schien,
Die gelb den Wald berändert.

Jetzt scheint zum Wald der Mai herein,
Bringt Hoffen den Wesen allen;
Nur ich frag' bange: harrt noch mein
Solch' Glück wie im Blätterfallen? ...

Wird eine süße Gegenwart
Mir Seligkeit hier schenken,
Ob nicht an Glückes Statt mein harrt
Nur wehmütig - Seingedenken?


Ludwig Heinrich Christoph Hölty
1748 - 1776

Der Liebende

Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket,
Wenn dein Gesicht
Voll Engellicht
Den Gruß des Friedens winket.

Ein süßer Blick,
Ein Wink, ein Nick,
Glänzt mir wie Frühlingssonnen;
Den ganzen Tag
Sinn' ich ihm nach,
Und schweb' in Himmelswonnen.

Dein holdes Bild
Führt mich so mild
An sanfter Blumenkette;
In meinem Arm
Erwacht es warm,
Und geht mit mir zu Bette.

Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket,
Wem süßer Blick
Und Wink und Nick
Zum süßern Kusse winket.

Der Kuss

Unter Blüten des Mais spielt' ich mit ihrer Hand,
Koste liebend mit ihr, schaute mein schwebendes
Bild im Auge des Mädchens,
Raubt' ihr bebend den ersten Kuss.

Zuckend fliegt nun der Kuss, wie ein versengendes Feuer,
Mir durch Mark und Gebein. Du, die Unsterblichkeit
Durch die Lippen mir sprühte,
Wehe, wehe mir Kühlung zu!

Die Ersehnte

Brächte dich meinem Arm der nächste Frühling!
Tönten Vögel aus Blüten mir das Brautlied,
Dann, dann hätt' ich Seliger
Schon auf Erden Wonne des Himmels.

Wonne! sie wird mir Paradiese zaubern!
Wird lustwandeln mit mir in Gärten Gottes,
Wird in meinen Armen gewiegt
Den Frühlingsabend beflügeln.

Komm, dich rufet die Sehnsuchtsträn' im Auge!
Dich dies wallende Herz voll süßer Ahndung,
Trübe floss' mein Leben,
O Himmelsbotin, komm, es zu heitern.


Christian Morgenstern
1871 - 1914

Abschied

Weißt, was mir träumte?
Wir nahmen Abschied
fürs Leben.
Deine Arme
umschlangen mich
und deine Lippen brannten
und bebten...
Brannten und bebten Verheißung
Einer Nacht,
einer chaotischen Nacht...
Irgendwo ...
Irgendwann ...
Vielleicht nicht einmal
auf dieser Erde ...
Auf einem Stern viel
da Unschuld noch
in innerster Freiheit
nimmt und gibt
wie es sie drängt.

Und ich zog dich
enger an mich
und küsste dich inniger.
Dann endlich
löstest du langsam
die lieben Arme
und schürztest dein Haar
in den strengen Knoten zurück
Ich legte den Mantel dir
um die Schultern.
Die Tür fiel zu.
Und drunten im Schnee
lief eine schmale Spur
magdlicher Stapfen
hinaus,
weit, weit
in die mondhelle,
einsame Nacht.

An die Geliebte

Sternengold entreiß ich dem nächtlichen All,
schmiede draus ein leuchtendes Diadem,
und um deine züchtige Stirne
flecht ich mit zitternder Hand es, Geliebte!

Sonnengold entwend ich dem Tagesgestirn,
winde draus einen siebenfach strahlenden Ring,
und an deine Hand, die reine,
füg ich in sprachlosem Glück ihn, Geliebte!

Blütenduft erhasch ich und Mondenglanz,
webe draus einen schimmernden Schleier dir,
und um deine Gestalt, die keusche,
lege ich zärtlich und leis ihn, Geliebte!

Was mir etwa entfiel beim wonnigen Werk,
raff ich auf und spinne mir Saiten draus,
süße, selige Weisen tönend -
alle für dich nur, für dich nur.

Bezauberung

Ich ging einmal des Abends, den du kennst, den Weg,
mit einem Freund, der mir von seinen Plänen sprach.
Da ward mir seltsam: wie ich schweigend neben ihm
und halb ihm lauschend ging im Dämmerlicht, geschah's
dass ich mich selbst als Dich empfand, als gingest Du
in mir und lauschtest, wie ich seinem, meinem Wort ...
Und leise nickt' und murmelt' ich ihm zu,
mein Augenaufschlag war der Deine, Dein mein Leib
in jeglicher Bewegung bis ins Innerste ...
Und deine scheue Jungfraunseele liebte mich aus mir ...

Melancholie, 1906

Deine Rosen an der Brust

Deine Rosen an der Brust
sitz ich unter fremden Menschen,
lass sie reden, lass sie lärmen,
jung Geheimnis tief im Herzen.

Wenn ich einstimm in ihr Lachen
ist's das Lachen meiner Liebe;
wenn ich ernst dem Nachbar lausche,
lausch ich selig still nach innen.

Einen ganzen langen Abend
muss ich fern dir, Liebster, weilen,
küssend heimlich, ohne Ende,
Deine Rosen an der Brust.

Ich liebe dich...


Ich liebe dich, du Seele, die da irrt
im Tal des Lebens nach dem rechten Glücke,
ich lieb dich, die manch ein Wahn verwirrt,
der manch ein Traum zerbrach in Staub und Stücke.

Ich liebe deine armen wunden Schwingen,
die ungestoßen in mir möchten wohnen;
ich möchte dich mit Güte ganz durchdringen,
ich möchte dich in allen Tiefen schonen.

Mein Herz ist leer


ich liebe dich
nicht mehr.

Erfülle mich!
Ich rufe bitterlich
nach dir.

Im Traume zeig
dich mir
und neig
dich zu mir her!

Erfülle mich
mit dir
auf ewiglich!

Ich trag's nicht mehr, -
ich liebe dich
zu sehr.

Der Morgen war von dir erfüllt ...


Der Morgen war von dir erfüllt ...
Dein Bild, von Tränen oft verhüllt,
umfloss mich wie ein lichter Schein;
du warst mein Morgenlicht allein.
Die Sonne schien mir ins Gesicht,
ich sah vor dir die Sonne nicht,
erblindet lag der Augen Au
von dir, als meinem Himmelstau.

O traure nicht!


Aus roten Morgenwolken blüht,
der blaue Tag in blasser Seligkeit ...
Und über Raum und Zeit
erhebt sich mein Gemüt
zu dir.

O traure nicht!
Und bist du nicht bei mir -:
Ein Licht sind wir
und ist von mir zu dir.

Aus roten Morgenwolken blüht
der blaue Tag in blasser Seligkeit ...
Und über Raum und Zeit
erhebt sich dein Gemüt.

War das die Liebe?

War das die Liebe, die mich gestern streifte,
wie eines seidenen Gewandes Atem
im Dunkel, wie ein windvertragner Duft,
wie Harmonien aus der blauen Nacht,
woher, du weißt es nicht, doch stockt dein Blut
und horcht in die Geheimnisse der Dinge ...
und all dein Wesen flutet zögernd aus,
du fühlst dich wie ein Strom die Welt durchrinnen
und ahnst doch noch ein Mehr-als-diese-Welt,
wie hinter feiner Schleier Wehr noch wartend,
ein Himmelreich voll Blüten, Früchten, Sonnen,
und lächelnd winkt, die dich so sehr gerührt.

Weiße Tauben


Weiße Tauben
fliegen durch blaue Morgenluft ...
grüßet, weiße Tauben,
mein Mädchen von mir!
Fliegt meinen Namen
vor ihrem Fenster
ins Morgenblau -
wie wird sie sich freuen! -:
»Oh ihr süßen, weißen Tauben
im blauen Morgen,
grüßt ihn,
grüßt ihn mir wieder!
Ihr weißen Tauben!«

Wo bist du?


Wo bist du, süße Blume meiner Tage?
Ich strecke müde, glückverlangende Hände
nach deinem holden Kelche aus?
Wo bist du -
dass ich das keusche, sammetweiche Haupt
dir küsse?
Wo bist du -
dass der Falter meiner Seele
an deiner Blüte Staub
sich neu vergolde?
Ich dürste, hungere nach deinem Duft!
Wo birgst du deine Schönheit?
Welcher Garten des Paradieses
umfriedet deine Pracht?
Wo bist du - bist du -
süße Blume meiner Tage?

Begegnung


Wir saßen an zwei Tischen - wo? - im All ...
Was Schenke, Stadt, Land, Stern - was tut' s dazu!
Wir saßen irgendwo im Reich des Lebens ...
Wir saßen an zwei Tischen, hier und dort.

Und meine Seele brannte: Fremdes Mädchen,
wenn ich in deine Augen dichten dürfte -
wenn dieser königliche Mund mich lohnte -
und diese königliche Hand mich krönte! -

Und deine Seele brannte: Fremder Jüngling,
wer bist du, dass du mich so tief erregtest -
dass ich die Knie dir umfassen möchte -
und sagen nichts als: Liebster, Liebster, Liebster! -

Und unsre Seelen schlugen fast zusammen.
Doch jeder blieb an seinem starren Tisch -
und stand zuletzt mit denen um ihn auf -
und ging hinaus - und sahn uns nimmermehr.

Eins und alles


Meine Liebe ist groß
wie die weite Welt,
und nichts ist außer ihr,
wie die Sonne alles
erwärmt, erhellt,
so tut sie der Welt von mir!

Da ist kein Gras,
da ist kein Stein,
darin meine Liebe nicht wär,
da ist kein Lüftlein
noch Wässerlein,
darin sie nicht zög einher!

Da ist kein Tier
vom Mücklein an
bis zu uns Menschen empor,
darin mein Herze
nicht wohnen kann,
daran ich es nicht verlor!

Meine Liebe ist weit
wie die Seele mein,
alle Dinge ruhen in ihr,
sie alle, alle,
bin ich allein,
und nichts ist außer mir!

Es ist Nacht

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält's nicht aus,
hält's nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

Gleich einer versunkenen Melodie...

Gleich einer versunkenen Melodie
hör ich vergangene Tage
mich umklingen.
Heiß von Tränen
wird mir die Wange,
und von wehmütigen Seufzern
schluchzt mir die Brust,
an der du -
ach Du!
einst dein blondes,
erglühendes Köpfchen bargst,
o Geliebte!

Der Traum

Es war ein süßer Traum
von Dir,
was, weiß ich kaum.
Doch seine Süßigkeit
blieb mir
den ganzen Tag, -
dass, als mein Schlittengleis
zur Abendzeit
die Straße lief,
da deine Wohnung lag,
der Heide, ich,
ein leis
»Gott segne dich«
als jenes süßen
Traumes letzten Grüßen
reif.

Ein Sommer, 1900

Wo bist du?

Wo bist du, süße Blume meiner Tage?
Ich strecke müde, glückverlangende Hände
nach deinem holden Kelche aus?
Wo bist du -
dass ich das keusche, sammetweiche Haupt
dir küsse
Wo bist du -
dass der Falter meiner Seele
an deiner Blüte Staub
sich neu vergolde?
Ich dürste, hungere nach deinem Duft!
Wo birgst du deine Schönheit?
Welcher Garten des Paradieses
umfriedet deine Pracht?
Wo bist du - bist du -
süße Blume meiner Tage?