Lokmân
   
 

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Fabelverzeichnis



Lokmân
(auch Loqman)

Lokmân war ein arabischer Weiser und eine sagenumwobene Gestalt. Er soll zur Zeit Davids in der Gegend von Elah und Midian gelebt haben. Sein Grab wurde den Interessierten schon auf der östlichen Küste des Sees Tiberias gezeigt, auch im Yemen und manch anderen Orten.
Lokmân wurde auch im Koran, in der 31. Sure erwähnt. Die trägt seinen Namen.
Diese Sure lautet:
Und wir haben doch seinerzeit dem Luqman die Weisheit gegeben indem wir ihn aufforderten: Sei Gott dankbar! Wenn einer Gott dankbar ist, ist er es zu seinem eigenen Vorteil. Und wenn einer ihm undankbar ist tut das Gott keinen Abbruch.
Gott ist auf keinen angewiesen und des Lobes würdig. Und damals als Luqman mahnend zu seinem Sohn sagte "Mein Sohn! Geselle dem einen Gott nicht andere Götter bei! Ihm andere Götter beigesellen ist ein gewaltiger Frevel." (31:12 - 13)
Quelle: Wikipedia

Einige Jahrhunderte nach Mohammed wird von Lokmân als Fabeldichter berichtet. Die ihm zugeschriebenen Fabeln sind in der Art Äsops geschrieben. Sie scheinen jedoch erst im 13. Jhd. unter seinem Namen gesammelt worden zu sein. Diese Fabeln waren im Orient äußerst verbreitet, da sie als arabisches Schulbuch verwendet wurden.

Saadi- gewöhnlich Scheich Muslih-eddin genannt,- der größte volkstümliche Schriftsteller Persiens, erwähnte ihn in seinem Gulistân oder "Rosengarten" folgendermaßen:

Loqman und die Kaufleute

Eine Karawane, die nach Griechenland gezogen war, wurde dort von Wegelagerern überfallen. Wohl noch nie zuvor hatten die Bösewichte so reiche Beute gemacht! Schätze ohne Zahl und Waren für jeden zur Wahl häuften sich vor dem staunenden Blick zu Bergen.
Und deren unglückselige Besitzer, die Kaufleute? Nun, sie rangen in Verzweiflung die Hände, sie jammerten Bände, dass das Herz ihnen breche; sie weinten wie Bäche; und um Hilfe sie flehten zu Gott und dem Propheten. Aber das alles, es half ihnen nichts:

Aus den Klauen des Räubers, des bösen,
kann die Träne dein Gut nicht erlösen.

Nun reiste zufällig mit derselben Karawane auch Loqman, der große Weise, Er besaß freilich keine Schätze, und so kümmerten sich auch die Diebe nicht um ihn, so wenig wie dies vorher die reichen Handelsherren getan hatten. Diese erinnerten sich aber jetzt plötzlich des Philosophen. Sie scharten sich alle um ihn, und ihr Wortführer flehte: "Ermahne doch du diese Räuber und predige ihnen deine Weisheit, damit sie ihre Hände von unserem Hab und Gut lassen! Denn sieh, ein Jammer wäre es doch, solche Schätze an solche Lumpen zu vergeuden!"
"Richtig," gab ihnen Loqman da zur Antwort, "und so werdet ihr auch verstehen, dass es ebenfalls ein Jammer wäre, solche Weisheit an solche Lumpen zu vergeuden …"

Hat der Rost schon ganz zernagt ein Eisen,
kann der Polierer seine Kunst nicht mehr beweisen.
Was hilft es schon, ein schwarzes Herz zu mahnen?
Durch Stein kann keinen Weg der Nagel bahnen.

Auch der deutsche Dichterfürst J.W.von Goethe verewigte Lokmân in seinem
West-östlichen Diwan. Im Buch der Sprüche heißt es:

"Was brachte Lokmân nicht hervor,
Den man den Garst'gen hieß!"
Die Süßigkeit liegt nicht im Rohr,
Der Zucker, der ist süß.
 

Die Hasen bitten die Füchse um Hilfe wider die Adler

Es hatte sich einmal ein Krieg und Streit erhoben zwischen den Adlern und Hasen.
Die Hasen kamen zu den Füchsen gelaufen und baten um Beistand wider die Adler.
Die Füchse aber sagten: "Wir täten es gerne und stritten mit euch wider eure Feinde, wenn wir nicht wüssten, mit welchen Feinden ihr Krieg führt und wenn wir auch euch nicht kennen würden. Wir wissen aber, dass jene zu mächtig sind und ihr selbst zum Streit gar nichts taugt."

Das ist:
Ein Mensch soll wider einen anderen, der mächtiger ist als er, sich nicht empören und wider ihn streiten, er wird sonst den kürzeren ziehen. Auch soll man sich nicht unterstehen, mit den Schwachen am gleichen Strang zu ziehen.

Ein Mohr reibt sich mit Schnee

Ein Mohr zog seine Kleider aus, nahm Schnee und begann seinen schwarzen Leib emsig damit zu reiben. Er wurde gefragt, warum er den Leib so fleißig mit Schnee riebe.
Da antwortete er:
"Vielleicht möchte ich davon weiß werden."
Ein weiser Mann aber, der dazu kam, sprach:
"Ei, Lieber, plage dich nur nicht selbst! Es ist eher möglich, dass deine schwarze Haut den Schnee schwarz machen wird, als dass von deiner Schwärze etwas abgehen wird."

Damit wird angedeutet, dass zwar ein böser Mann wohl einen Frommen verführen und verderben kann, aber einen bösen und nichtsnutzigen Menschen wird niemand leicht ändern können.

Sonne und Wind streiten wegen ihrer Stärke

Die Sonne und der Wind sahen einstmals einen Wandersmann und fingen darauf an zu streiten, wer von ihnen beiden den Wanderer am ehesten veranlassen könnte, seinen Rock abzulegen. Der Wind wollte seine Stärke sehen lassen, blähte sich gewaltig auf und blies mit Ungestüm auf den Menschen los. Der Mensch aber, der die Kälte unangenehm empfand, hüllte sich fest in seinen Rock.
Als es der Wind eine Weile so getrieben, ohne sein Vorhaben ausführen zu können, kam die Sonne und schien lieblich und warm, dass der Mensch, nachdem sich die Hitze vermehrt hatte, den Rock auszog und über die Schulter hing.

Hiermit wird gelehrt, dass einer mit Sanftmut und Freundlichkeit die Leute viel eher als mit Ungestüm gewinnen kann.

Eine Spinne will gern Honig machen

Es kommt einmal eine Spinne zu einer honigtragenden Biene und spricht: "Wenn du mich wolltest mit dir in deinen Stock nehmen, so wollte ich ebenso wie du, ja wohl noch besser, Honig machen."
Die Biene will es mit der Spinne versuchen und führt sie mit sich in den Bienenkorb; da aber die Spinne nichts dergleichen machen kann, verdrießt es die Biene; sie setzt ihren Stachel auf die Biene und sticht sie, dass sie davon stirbt. Als die Spinne sah, was sie mit ihrer Verwegenheit angerichtet hatte, sagte sie zu sich selbst: "Ich habe dieses Unglück und diese Strafe wohl verdient, denn da ich doch nicht einmal Wachs zu machen verstehe, warum unterstand ich mich dann, Honig machen zu wollen?"

Hiermit wird zu verstehen gegeben dass es viele Leute gibt, die sich in anderer Geschäfte mischen und meinen, sie verständen es gar wohl; wenn es aber auf die Probe ankommt, so ist nichts hinter ihnen, und es ist billig, dass sie dafür ihren verdienten Lohn empfangen.

Ein Knabe, der bald ertrunken wäre

Ein Knabe wollte in einem Strome baden, doch da er sich ins Wasser begab, konnte er nicht schwimmen und begann zu sinken, und es hätte nicht viel gefehlt, dass er ertrunken wäre.
Als er aber einen Mann, der zufällig vorüberging, erblickte, rief er ihn um Hilfe an. Der Mann ging hinzu und fing an zu schelten, warum er so unvorsichtig wäre und sich in den Strom begeben hätte. Der Knabe aber sagte: "Ei, Lieber, hilf mir erst und errette mich vom Tode, hernach frage und schelte mich."

Dieses lehrt:
Wenn dein Freund in Unglück und Gefahr gerät, so sollst du ihm nicht deshalb Vorwürfe machen, sondern ihn zuerst erretten helfen und dann erst schelten und strafen, so es nötig ist.

Eine durstige Taube fliegt nach Wasser

Eine Taube, die Durst hatte, flog neben einer Wand herum und suchte Wasser. Als sie an der Wand eine Schale voll Wasser abgemalt stehen sah, war sie begierig, daselbst ihren Durst zu löschen, flog eilend gegen das Gemälde an und stieß sich so hart, dass ihr der Kopf zersprang. Da jammerte sie: "Wehe mir, dass ich allzu eilig nach dem Wasser trachtete und mich dabei also
beschädigt habe!"

Dieses bedeutet, dass in vielen Dingen Vorsicht und Bedächtigkeit oft besser und zuträglicher sind als Eile und Hast.