Spervogel
   
 

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Minnesnger

Spervogel



Die berlieferung der beiden "Spervogel" ist kompliziert und umstritten! Denn unter dem Spielmannsnamen "Spervogel" sind die Arbeiten zweier Autoren berliefert.
Man vermutet deshalb zwei unterschiedliche Verfasser: einen lteren, Spervogel I oder Herger benannt,
und einen jngeren Spervogel II.
Die Wirkungszeiten der Snger werden zwischen 1150-1180 (Spervogel I) und dem Ende des 12. Jhd.
(Spervogel II) angesetzt.

Es wird ber die beiden so viel vermutet und geschrieben, da habe ich beschlossen, nur das, was ich in mhd. und den entsprechenden bertrag habe wiederzugeben.
Und das ist leider sehr lckenhaft. Das Wenige ist aber wert gelesen zu werden.
 

 

Spervogel/Herger
 
 
1.
Wan seit ze hove maere,
wie gescheiden waere
Kerlinc unde Gebehart.
sie liegent, sem mir mn bart.
Zwne broder die gezrnent
und underziunent den hof,
si lnt iedoch die stigelen unverdrnet.

2.
Mich met daz alter sre,
wan ez Hrgr
alle sne kraft benam.
ez sol der gransprunge man
Bedenken sich enzte,
swenne er ze hove werde leit,
daz er ze gwissen herbergen rte.

3.
Wie sich der rche betraget!
s dem nthaften waget
dur daz lant der stegereif.
daz sich zu bwe niht engreif,
D mir begonde entspringen
von alrst mn brt,
des muoz ich n mit arbeiten ringen.

4.
Weistu, wie der igel sprach?
"vil guot ist [] eigen gemach."
zimber ein hs, Kerlinc.
dar inne schaffe dniu dinc.
Die hrren sint erarget.
swer d heime niht enht,
wie maneger guoter dinge der darbet.

5.
Swe dz wter tuo,
dr gst sol wesen vruo.
der wirt ht truckenen vuoz
vil dicke, s der gast muoz
Die herberge rmen.
swer in dem alter welle wesen
wirt, der sol sich in der jugent niht smen.
 

1.
Man erzhlt sich bei Hof,
dass Kerling und Gebhart
geschiedene Leute wren.
Sie lgen, bei meinem Bart!
Auch wenn zwei Brder streiten
und den Hof mit einem Zaun trennen,
so lassen sie doch die Verbindungswege offen.

2.
Mich plagt das Alter sehr.
denn es hat den Herger
alle seine Kraft genommen.
Derjenige, dem der Bart erst keimt,
soll beizeiten dafr Vorsorge treffen,
dass er, wenn er bei Hof unbeliebt wird,
in eine sichere Behausung reiten kann.

3.
Wie gut der Reiche doch lebt!
Dem Armen aber wackelt
der Steigbgel beim Reisen.
Weil ich nicht fr ein Haus sorgte,
als mir der Bart
zu sprieen begann,
deswegen muss ich jetzt mit der Not kmpfen.

4.
Weit du, was der Igel gesagt hat?
"Sehr gut ist ein eigenes Dach!"
Darum baue ein Haus, Kerling.
Dort drinnen erledige deine Angelegenheiten.
Die Herren sind geizig geworden.
Wer kein Heim hat,
der muss viele gute Dinge entbehren.

5.
Wie auch das Wetter ist,
der Gast muss frh auf sein.
Der Hausherr bleibt oft trockenen Fues,
wenn der Gast
die Unterkunft rumen muss.
Wer im Alter Hausherr sein will,
der muss sich in der Jugend beeilen.
 

Spervogel/Herger
 
 
1.
Wr sl f Steinsberc
wrken Wernhartes werc?
hei, wie er gap unde lch!
des er dem biderben man verzch,
Des enmht er niht gewinnen.
daz was der wille: kom diu state,
si schieden sich ze jungest mit minnen.

2.
D der guote Wernhart
an dise welt geborn wart,
d begnde er teilen al sn guot.
d gewn er Redegrs muot,
Der saz ze Bechelaere
und pflac der marke menegen tac.
der wart von sner vrumecheit s maere.

3.
Steinsberc die tugende ht,
daz ez sich nieman erben lt
wan ein, der ouch ren pfligt.
dem strte ht ez an gesigt.
N ht ez einen erben:
der werden Oetingaere stam
der wil im snen namen niht verderben.
 

1.
Wer wird auf Steinsberg
Weinharts Tun fortfhren?
Hei, wie freigebig er war und Lehen er verteilte!
Was er dem angesehenen Mann nicht gab,
das besa er selber nicht.
Das war die bereinkunft. War man einig,
schied man in Freundschaft.

2.
Als der vortreffliche Weinhart
in diese Welt geboren wurde,
begann er seinen gesamten Besitz zu verteilen.
Das machte er wie der edle Redeger,
Der in Bechlarn lebte
und das Grenzland lange schtzte.
Er wurde durch seine edle Gesinnung berhmt.

3.
Steinsberg befolgt den Grundsatz,
dass man niemand erben lassen will,
es sei denn, dieser ist auch der Ehre verpflichtet.
Der Wettstreit ist jetzt entschieden.
Nun gibt es einen Erben:
aus dem Geschlecht der geachteten Oetinger;
der wird Steinbergs Ruf nicht verkommen lassen.
 

Spervogel/Herger
 
 
1.
Er ist gewaltic unde starc
der ze when naht gebrn wrt.
daz ist der heilige Krist,
j lobt in allez, daz dir ist,
Niwan der tievel eine.
dur snen grzen bermuot
s wart im diu helle ze teile.

2.
In der helle ist michel unrt.
swer d heimete ht,
diu sunne schnet nie s lieht,
der mne hilfet in nieht
Noch der liehte sterne.
j met in allez, daz er siht.
j waer er d ze himel als gerne!

3.
In himelrch ein hs stt,
ein guldn wec dar in gt,
die siule die sint marmeln,
die zieret unser trhtn
Mit edelem gesteine.
d kmpt neman in,
ern s vor allen snden als reine.

4.
Swer gerne zuo der kirchen gt
unde ne nt stt,
der mac wol vroelchen leben.
dem wirt ze jungest gegeben
der engel gemeine.
wol in, daz er e wrt!
ze himel ist daz leben als reine.

5.
Ich hn gedienet lange
leider einem manne,
der in der helle umbe gt.
der brevet mne missett.
Sn ln der ist boese.
hilf mir, heiliger geist,
daz ich mch von sner vancnisse erloese.
 

1.
Er ist gewaltig und stark,
der zu Weihnachten geboren wurde.
Das ist der heilige Christ.
Ja, lobt ihn fr alles, was es gibt,
auer einzig dem Teufel.
Durch seinen groen Hochmut
wurde ihm die Hlle zugewiesen.

2.
In der Hlle herrscht groes Unheil.
Wer dort seine Heimat hat,
dem leuchtet die Sonne nie hell,
der Mond hilft ihm nicht
noch der Morgenstern.
Ja, es qult ihm alles, was er sieht.
Ja, wie liebend gerne wre er doch im Himmel!

3.
Im Himmelreich steht ein Haus,
in das ein goldener Weg hineinfhrt;
die Sulen sind aus Marmor;
die schmckt unser Herr
mit Edelsteinen aus.
Da kommt niemand hinein,
wenn er nicht ganz rein von Snden ist.

4.
Wer bereitwillig in die Kirche geht
und ohne Neid ist,
der vermag froh zu leben.
Dem wird am Jngsten Tag
die Gesellschaft der Engel zuteil.
Wohl ihm, dass er je geboren wurde!
Im Himmel ist das Leben ganz ohne jeden Makel.

5.
Ich habe nun lange
einem Manne gedient,
der in der Hlle die Macht hat.
Der stiftet mich zu Missetaten an.
Sein Lohn ist schrecklich.
Hilf mir, Heiliger Geist,
dass mir Erlsung von Gefangenschaft gelingt.
 

Spervogel/Herger
 
 
1.
Mich hungerte harte.
ich steic in einen garten.
d was obez innen,
des moht ich niht gewinnen.
Daz kom von unheile.
dicke wgt ch den ast.
mir wart des bezs nie niht ze teile.

2.
Sw ein got bum stt
und zweier hande obez ht,
beide sez unde sr,
s sprichet ein sn nchgebr:
"Wir suln daz obez teilen.
wirt ir einez drunder vl,
ez bringet uns daz ander ze leide."

3.
Swel man ein got wp ht
unde zeiner ander gt,
der bezeichent daz swn.
wie mht ez iemer erger sn?
Ez lt den ltern brunnen
und leit sich in den treben pfuol.
den site ht vil manic man gewunnen.

4.
Ein man sol haben re
und sol iedoch der sle
under wlen wesen guot,
daz in dehein sn bermuot
Verleite niht ze verre,
Swenne er urloubes ger,
daz ez im an dem wege niht enwerre.

5.
Krn ste ein bman,
d enwolte ez niht f gn.
ime erzornte daz.
ein ander jr er sich vermaz,
Daz erz ein egerde lieze.
er solde ez ime getlche geben,
der dem andern umbe sn dienest iht gehieze.
 

1.
Mich hungerte sehr.
Ich stieg in einen Garten.
Dort gab es Obst;
davon konnte ich nichts haben.
Das bereitete mir Unglck.
Oftmals schttelte ich den Ast.
Obst erhielt ich nicht.

2.
Wo immer ein fruchtbarer Baum steht
und zwei Sorten Obst trgt,
ses und saures,
sagt dann der Nachbar:
"Wir sollen das Obst teilen.
Wird eins faul,
steckt es auch noch das andere an."

3.
Wenn ein Mann eine gute Frau hat
und zu einer anderen geht,
so heit man ihn ein Schwein.
Wie konnte es jemals rger kommen?
Er geht weg vom klaren Wasser
und legt sich in den trben Pfuhl.
Viele Mnner verhalten sich so.

4.
Ein Mann soll Ansehen und Achtung genieen;
er soll sich jedoch auch rechtzeitig
um sein Seelenheil kmmern,
damit ihn sein bermut
nicht zu sehr auf Abwege bringt,
wenn er hier auf Erden Abschied nimmt,
damit ihm nicht der rechte Weg versperrt ist.

5.
Ein Bauer ste Korn,
doch es wollte nicht aufgehen.
Das erzrnte ihn.
Im nchsten Jahr hatte er vor,
es brach liegen zu lassen.
Man sollte demjenigen freiwillig geben,
was man ihm fr seinen Dienst versprach.
 

Spervogel II
 
 
2.
Wan sol die jungen hunde lzen zuo dem bern
und den rten habech zem reiger,
welle, ers gern,
und elliu ros zurstun slahen,
mit linden wazzern hende twahen,
mit rehten triuwen minnen got,
und al die werlt wol ren,
und neme ze wsem manne rt
und volge ouch sner lre.

4.
Ez zimt wol helden, daz si vr nch leide sn.
kein ungelcke wart nie s grz, d waere b
ein heil. des suln wir uns versehen.
uns mac wol vrome nch schaden geschehen.
wir haben verlorn ein veigez guot.
vil stolzen helde, enruochet!
dar umbe suln wir niht verzagen.
ez wirt noch baz versuochet.

10.
S w dir, armuot! d benimest dem man
beide witze und ouch den sin,
daz er niht kan.
die vrunt getuont sn lhten rt,
swenne er des guotes niht enht.
sie krent ime den rugge zuo
und grezent in wol trge.
die wle daz er mit vollen lebet,
s ht er []holde mge.

16.
Swer den wolf ze hirten nimt,
der vt sn schaden.
ein wser man der sol sn schif niht berladen.
daz ich iu sage, daz ist wr:
swer snem wbe dur daz jr
volget und er ir richiu kleit
ber rhte mze koufet,
d mac ein hchvart von geschehen,
daz sm ein stiefkint toufet.
 
2.
Man soll die jungen Hunde auf den Bren lassen,
und einen roten Habicht auf den Reiher werfen,
wenn er den Angriff wagt,
und alte Rosse zum Gestt schlagen,
mit lindem Wasser die Hunde waschen,
mit rechtem Herzen lieben Gott
und alle Welt wohl ehren,
man hole bei weisem Manne Rat
und folge dann seiner Lehre.

4.
Es ziemt wohl Helden, nach Leid frohen Muts zu sein.
Kein Missgeschick war je so gro, dass nicht dabei
ein Glck gewesen: das wollen wir bedenken.
Uns mag wohl ein Gewinn auf Schaden folgen.
Wir haben ein zum Untergang bestimmtes Gut
verloren: ihr stolzen Helden, seid unbekmmert.
Deswegen wollen wir nicht verzagen;
es wird nochmals versucht.

10.
Weh dir, Armut! Du nimmst dem Mann
Klugheit und Verstand,
so dass er nichts mehr wei.
Die Freunde kmmern sich nicht um ihn,
wenn er keinen Besitz mehr hat.
Sie drehen ihm den Rcke zu
und gren ihn kaum.
Solange er aber im vollen lebt,
hat er ergebene Verwandte.

16.
Wer den Wolf zum Hirten nimmt,
der holt sich Schaden.
Ein kluger Mann soll sein Schiff nicht berladen.
Was ich euch sage, das ist wahr:
Wenn jemand seiner Frau das Jahr
hindurch nachgibt und ihr
in bertriebener Weise kostbare Kleider kauft,
so kann daraus solche Hoffahrt werden,
dass sie ihm ein uneheliches Kind zur Taufe bringt.
 

Minnesnger