Fabelverzeichnis

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Heinrich Braun

geb. 17. März 1732 in Trostberg a. d. Alz
gest. 8. November 1792 in München

war ein Bildungs- und Schulreformer in der Zeit der Aufklärung
im Kurfürstentum Bayern.


Quelle der Fabeln:

Heinrich Braun/Versuch in prosaischen Fabeln und Erzählungen.
München 1772

 
Vorrede
ein Auszug

Je nun! — Ich wage es. — Weder der Beifall, noch die scharfe Kritik soll mich zurückhalten.
Diese Fabeln sind dem Drucke zugedacht, und heute noch sollen sie unter die Presse kommen. —
Ich sage es aber ganz redlich. Es haben mich weder meine Freunde gebeten, noch die Verleger
geplaget. Auch Niemand hat sie mir in Geheim aus dem Pult genommen, und in den Druck gegeben.
Und wie viele Vorteile hätte ein Autor nicht noch, womit er sich entschuldigen, und seine Vorrede
anfüllen könnte! — Nein! — (Ich mag Ehre oder Unehre davon haben) mit meinem Wissen und
Willen sind sie gedruckt.

Ich weiß es nur gar zu wohl, daß es eben keine Meisterstücke sind. Ich bekenne es selbst mit
dem demütigen Titel eines Versuches. Wie aber? Soll Niemand Satiren schreiben, als Rabner? —
Niemand Heldengedichte, als Klopstock? — Niemand Idyllen, als Geßner? Niemand Fabeln,
als Gellert und Lessing? — Man darf es doch wagen! — Man darf doch auch in unsern Gegenden
anfangen. Jemand muß doch die Pfade machen. Jemand vorausgehen. Ich wage es, und weiß zu
meiner Entschuldigung nichts anders zu sagen, als daß ich es gewagt habe.

Ich machte mir freilich kein Hauptgeschäfte daraus, und mein Beruf machet mich eben zu einem
Fabeldichter auch nicht. Es sind dies vielmehr die Früchte meiner Nebenstunden. Man liest bei
einem Spaziergange. Man sieht verschiedene Gegenstände, — Gegenstände, die oft Jemanden
einen Gedanken von sich selbst geben. Der Gedanke scheint gut zu sein. Man kann sich nicht
erwehren, man muß ihn niederschreiben. — Es wird eine Fabel daraus. — Es kommt ein Bändchen
Fabeln zusamm. — Sollen diese Stücke nun ewig in dem Pulte liegen bleiben? — Fort in die Welt
damit. Vielleicht nützen sie? Vielleicht gefallen sie gar? Ja! — vielleicht? Vielleicht gefallen sie aber
nicht? Ich wünsche ihnen viel Glücke auf die Reise. Werden sie gut ausgenommen? gut! —
so wird es mir ein Vergnügen sein. — Wo nicht? — So gräme ich mich eben auch nicht zu Tode.

                                                                  Geschrieben München den 1. September 1771

                                                                  Heinrich Braun
                                                                  Kurfürstlicher geistlicher Rat und Kanonikus
                                                                  beim Frauenstifte allhier.