Ignatios Diakonos
   
 

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Fabelverzeichnis



Ignatios Diakonos
Metropolit von Nikaia, Literat ca. 775 - kurz nach 847.

Als Quelle seiner Biographie sind die eigenen Schriften, allen voran seine Briefe,
anzusehen.
Geboren ist er wahrscheinlich in Paphlagonien?  Er kam als junger Mann nach Konstantinopel, wo er Theologie, Grammatik und Literatur studierte.

Er war Diakon in Konstantinopel und später Metropolit von Nikäa in Kleinasien.
Dieser Hierarch betätigte sich als vielseitiger Literat. Er verfasste Biographien zeitgenössischer Partriarchen, asketische Schriften, ein versifiziertes Gespräch über den biblischen Sündenfall, erbauliche Sentenzen, literarische Briefe und eben auch eine Paraphrase äsopischer Fabeln in pedantischen, oftmals ohne das Original kaum verständlichen Tetrasticha (Vierzeilern).

Diese Fabeln des byzantinischen Autors, Ignatios gründeten sich im beginnenden 9.Jhd.
auf denen des Babrios.

 


Fab.1
Der Mann und der Löwe

Fußtritte gab ein Mann dem Löwen, der aus Stein. Spricht einer zu dem Löwen:
»Erkennst du seine Stärke?« Darauf der Leu: »Wenn wir, die Leuen, Bildhauerkunst
beherrschen, dann würdest viele Menschen du versteinert sehen.«

Fab.2
Der gefangene Storch

Die Kraniche zu fangen, stellt ein Bauer eine Falle. Mit jenen fing er einen Storch, der
klagte laut. Darauf der Bauer: »Dass ein Freund du bist, bestreite ich nicht. Jedoch die
Falle, die dich fing, hält fest dich mit den Bösen.«

Fab.3
Der Wolf und der Hund

Der Wolf erblickte einen fetten Hund mit einem Halsband. »Wer hat denn den«, so
fragt er, »fett gemacht und so gekettet?« Die Antwort war: »Der Jäger.« - »Nun kein
Wolf könnte das ertragen; denn lieber ist der Hunger mir als eines Bandes Last.«

Fab.4
Der schreckhafte Löwe

Der Löwe schlief, da lief die Maus ihm über den Hals. Flugs sprang der Löwe auf. Da
lacht der Fuchs, jedoch der Leu erwidert: »Ich fürchte nicht die Maus, den Weg nur
ändere ich.«

Fab.5
Der Löwe und der Eber

Der Löwe kämpfte mit dem Eber um die Tränke. Die Geier sahen den Streit der wilden
Tiere, ob nicht der Unterlegene ihre Beute werden könnte. Sie Freund zu sehen hätte
ihre Hoffnungen enttäuscht.

Fab.6
Die Grille und die Ameise

Kalt war's, da bat die Grille die Ameise um Speise. Die fragt die Grille: »Warum hast du
nichts?« »Als Sommer war«, entgegnete jene, »hatte ich viel zu singen.« »So sollst du
jetzt im Winter«, war die Antwort, »tanzen, nicht nach Speise gieren.«

Fab.7
Der Bock und der Weinstock

Zum Bock der Weinstock sprach: »Du tust mir Schaden, indem du meine Blätter frisst;
gibt's denn kein frisches Grün? Wie sehr du mir auch schaden tust, ich werde Wege
finden, bei deiner Opferung den Göttern Wein zu spenden.«

Fab.8
Die Maus in der Schmiede

Die Maus trug eine andere, die verhungert war. Das sahen die Schmiede und verbargen
nicht ihr Lachen. Jedoch die Maus, die lebte, sagte unter Tränen: »Nicht einmal ein
Mäuslein, ach! vermögt ihr zu ernähren!«

Fab.9
Der gierige Hund

Ein Hund trug Fleisch ganz nahe bei einem Bache; als er sich beugte, sah im Wasser
er einen zweiten Hund. So öffnet er das Maul, damit er noch das andere Fleisch
bekomme; dabei verlor er auch das erste Stück, das er besessen.

Fab.10
Kypris und die Dienerin

Die Liebe eines Mannes lenkte Kypris auf die eigene Dienerin. Und die erbot der Göttin
Ehre jeden Tag, bis sie im Traum ihr sagte: »Mich verehre nicht! Der Mann, der tut mir leid; dich aber mag ich nicht!«

Fab.11
Der Löwe und die drei Rinder

Einträchtig gingen einst drei Rinder auf die Weide, und auch der wilde Löwe konnte
ihnen nicht zu schaffen machen. Da aber brachte er durch seine Reden sie in
Feindschaft und in Widerstreit und fraß zu ihrem Unglück eines nach dem anderen auf.

Fab.12
Die Frösche und das Hochzeitsfest des Helios

An Helios' Hochzeitsfest erfreuten sich die Frösche. Doch einer wandte sich an sie: »Was seid ihr dumm! Denn da wir zittern müssen vor des einen Helios' Strahlen, wer wird dann wenn er einen Sohn zeugt, den ertragen?«

Fab.13
Das törichte Kamel

Um Hörner flehentlich bat das Kamel den Gott, der es darum der Torheit zeiht. Doch
krümmt er ihm die Ohren und den Kopf, dass allen das Kamel zum Abscheu wird.

Fab.14
Der eitle Hirsch

Ein Hirsch, der in dem Quell sein Spiegelbild erblickte, schalt seine dünnen Läufe
und freute sich an dem Geweih. Doch als er vor dem Löwen aus des Waldes Dickicht
floh, da musste sterben er durch das Geweih, worüber er vergeblich sich gefreut.

Fab.15
Der Fuchs und der Rabe

In einen Käse biss der Rabe, und der Fuchs betrog ihn darum: »Wenn Stimme du
besäßest, wärst du Jovis großer Vogel.« Der Dummkopf krächzte, und der Fuchs erhielt
den Käse. »Ja, alles hast du Rabe«, sprach er, »und Verstand schaffe dir noch an!«

Fab.16
Die kranke Henne und die Katze

Die Henne, die erkrankt war, kam der Katze vor die Augen. »Wie geht es dir in deiner
Krankheit?« fragte die. Darauf das Huhn mit Zittern: »Wenn du dich entferntest, dann
hätte ich ein Leben, besser als die Rehe.«

Fab.17
Der Bauer und die Schlange

Ein Bauer wärmte eine Schlange unter seinem Rock zur kalten Jahreszeit. Doch als sie
dann die Wärme spürte, da biss sie den zu Tode, der sie warm gemacht.
Also verfahren die Bösen gegen die, die ihnen Gutes tun.

Fab.18
Der Junge und der Skorpion

Ein Junge, der Heuschrecken fing, streckte seine Hand nach einem Skorpion. Der sagte
nur: »Fass mich nicht an! Denn wenn du mich berührst, wirst stöhnen du aus tiefer Brust und auch die echten Heuschrecken verlieren.«

Fab.19
Der Esel in der Löwenhaut

Ein Esel, der ein Löwenfell um seine Schultern trug, vermeinte nun, ein Leu zu sein, weil er die Hirten scheuchte. Doch als man ohne Löwenhaut ihn fand, erinnerte das
Mühlenhaus ihn seiner Ungebührlichkeit.

Fab.20
Der Löwe im Kampf mit dem Bogenschützen

Der Löwe ließ sich in einen Kampf mit einem Bogenschützen ein. Jedoch getroffen vom
Geschoss, sprach er im Kreis der Tiere: »Wenn jener viele solcher Boten senden kann,
wie muss es dann erst sein, wenn in Person er auftritt?«

Fab.21
Der Wolf und der Esel

Der Wolf mit seinen Zähnen zog dem Esel einen Dorn heraus. Doch als den Lohn er
fordert, schlägt ihm jener mit dem Fuße ins Gesicht. Da spricht der Wolf: »Wie konnte
ich, Schlächter von Beruf, so dumm ins ärztliche Metier hinübergehen?«

Fab.22
Der gefangene Strauß

Es war ein Kampf der Vögel mit dem Landgetier. Da nahm gefangen man den Strauß; er
täuschte nämlich vor, er sei ein Vogel, doch zugleich ein Landtier auch: den Vögeln
zeigte er den Kopf, den anderen seine Füße.

Fab.23
Der Fuchs und die Trauben

Ein Fuchs, der an dem großen Weinstock Trauben sah, sprang in die Höhe, und als er
vielmals sich bemüht, gab den Versuch er auf und sprach zu sich zum Trost: »Lass ab!
Die Trauben sind zu sauer.«

Fab.24
Der Reiter und der Bauersmann

Um einen Hasen bat ein Reiter einen Bauersmann und fragte nach dem Preis, als er ihn
in den Händen hielt. Gleichzeitig trieb sein Pferd er an. Der Bauer sprach: »Beeile dich
nicht! Ich gebe ihn dir umsonst.«

Fab.25
Der getroffene Adler

Getroffen an der Brust war einst ein Adler, und voller Tränen saß er da, beklagend seinen Schmerz. Als nun den Federpfeil er sah, da sprach er: »O weh! Die Feder bringt ihrem Träger, mir, den Tod.«

Fab.26
Der feige Jägersmann

Es sprach der feige Jägersmann zu einem Hirten: »Wenn irgendwo des Löwen Spur du
siehst, dann sage es mir!« »Ich kann ihn selbst dir«, war die Antwort, »wenn du willst,
von nahem zeigen.« »Ich suche bloß die Fährte«, sprach der Jäger, »und nicht mehr.«

Fab.27
Der gefräßige Fuchs

Ein Fuchs drang in die tiefe Höhlung eines Eichenbaumes ein, wo er das Frühstück eines Hirten fand. Das fraß er auf, so dass vor Fett er nicht sich strecken konnte. Sagte einer: »Du willst heraus? Dann werde so, wie du hineingegangen bist!«

Fab.28
Der speiende Knabe

Ein Knabe, der beim Fest des Rindes Innereien verschlang, erbrach sich und rief laut:
»Die Eingeweide, Mutter, spei ich aus!« Die aber sagte lachend: Keine Furcht, mein
Sohn; denn das ist nicht von dir, nur Fremdes speist du aus!«

Fab.29
Die Dohle mit den fremden Federn

Mit fremden Federn ausgestattet, rühmte sich die Dohle ihrer Überlegenheit vor anderen Vögeln. Als erste pflückt die Schwalbe ihre angemaßte Gabe, darauf die anderen alle; schließlich stand die Dohle nackend da.

Fab.30
Der Wolf und der Kranich

Ein Knochen war im Schlund des Wolfes stecken geblieben. Der Kranich, der heraus ihn
zog, verlangte Lohn für seinen Dienst. Darauf der Wolf: »Ganz unversehrt kam jetzt dein Hals aus meinem Schlund. Auf einen anderen Lohn als diesen rechne nicht!«

Fab.31
Das Schaf auf dem Turm und der Wolf

Von einem Turm herunterschauend, schalt ein Schaf den Wolf als hässlich und sehr bös, als voller Missgunst. Hinauf sah da der Wolf und sprach: »Nicht du bist's, der mich
schmäht; der Turm ist's, der dich erst zu solcher Kühnheit wappnet.«

Fab.32
Der vertriebene Stier

Von seinem Lager trieb den Stier ein Bock, der vor dem wilden Löwen floh. Und seufzend sprach der Stier: »Wenn nicht die Furcht vorm Löwen mich in Schrecken setzte, du würdest bald erkennen, was ein Stier und was ein Bock vermag.«

Fab.33
Der Wolf und das Lamm

Es spricht ein Wolf zum Lamm: »Hast neulich du mir nicht getrübt das Wasser?« -
»Damals war ich doch noch gar nicht auf der Welt. Wie ich das Wasser hätte trüben
können, weiß ich nicht.« »Und selbst wenn du die Wahrheit sagst, so bist du doch
ganz schlecht.«

Fab.34
Der Krebs und seine Mutter

»Gehe aufrecht«, sagte zum Krebse seine Mutter, »und weiche nicht schräg vom Wege
ab!« »Gehe Mutter du voran, und führe dein Kind! Ich will dann sehen und deinen
Spuren folgen.«

Fab.35
Das zerschlagene Ziegenhorn

Mit seinem Stab zerschlug der Hirt ein Ziegenhorn. Da fiel er nieder, bat mit lautem
Wehgeschrei: »Ach sag, ich bitte dich, nichts davon dem Herrn!« Darauf die Ziege: »Um so lauter wird das Horn sich nur vernehmen lassen!«

Fab.36
Der eingebildete Esel und das Götterbild

Auf seinen Schultern trug ein Esel Phoibos' silbern Bild, vor dem ein jeder, anzubeten,
auf die Erde fiel. Erfasst vom Dünkel, wollte da der Esel nicht mehr Esel sein; doch
musste er hören: »Kein Gott bist du, du trägst nur einen Gott.«

Fab.37
Das Huhn mit den Goldeiern

Es war ein Huhn, das pflegte Goldeier zu legen. Von Gier nach Gold ließ sich sein Herr
verblenden und schlachtete das Huhn, auf mehr an Gold noch rechnend. Die Gier nach
mehr doch machte das Glücksgeschenk zunichte.

Fab.38
Der wahnsinnige Löwe

Den Löwen einst erblickte der Hirsch im Wahn. »O großes Unheil für uns Tiere!« rief er
da. »Wenn bei Gesundheit schon der Löwe schwer erträglich ist, wie sollte er, wenn er
rast, Leidbringendes vermeiden?«

Fab.39
Die Katze als Braut

Ein Mann führte eine Katze als Gemahlin in sein Haus, und Kypris selber nahm am
Hochzeitsfeste teil. Doch als die Braut bei Tische eine Maus erblickte, war sie gleich
hinterher; ihr Wesen konnte sie nicht ändern.

Fab.40
Die Schildkröte und der Adler

Die träge Schildkröte hatte mit den Vögeln wollen gehen. Da packte sie der Adler, trug
sie in die Höhe und ließ sie fallen auf den Felsen, dass sie barst. Da sprach das Tier:
»Mehr nützen mein Gewicht mir als der Flügel Schnelle!«

Fab.41
Der Beuteanteil des Löwen

Die Beute teilte der Löwe mit dem Esel und dem Fuchs. »Das erste Stück«, sprach er,
»gebührt mir als dem Teiler. Das zweite muss ich haben, weil ich König bin. Und wer
das dritte anrührt, soll mich kennen lernen!«

Fab.42
Die Mutter des zertrampelten Frosches

Vom Huf des Ochsen ward der kleine Frosch zertrampelt. Da sprach im Zorn die Mutter:
»War er, aufgebläht, so groß?« Ein anderes Junges ihr erwiderte: »Selbst wenn du birst, ihm wirst du, Mutter, trotzdem niemals ähnlich sein.«

Fab.43
Der Vater und die Schlange

Ein Mann, der für den Tod des Kindes an der Schlange Rache nahm, beschädigte ihren
Felsen und begehrte dann Freundschaft. Jedoch die Schlange sprach: »Wie könnte es
einen Ausgleich geben, solange du des Kindes Grab und ich den Felsen sehen muss?«

Fab.44
Die mutlosen Hasen

Zu sterben nahmen sich die Hasen vor, statt fortzuleben, weil schwach sie seien und
nichts nütze. Und als nun in den Teich sie sich schon stürzen wollten, erfasste sie neuer Mut, als dort die Frösche Reißaus nahmen.

Fab.45
Der Eichbaum, das Rohr und die Weiden

Den Eichbaum, der vom Sturm geschlagen, führte die Flut davon. Da fragte er die
Weiden und das Rohr, wodurch sie aufrecht stünden. »Nun, wir beugen uns den Winden. Wo sie dich brechen, stehen wir fest.«

Fab.46
Der Schützenwettstreit zwischen Apoll und Zeus

Zum Schützenwettstreit forderte Apoll den Vater und richtete vom Osten bis zum Westen sein Geschoss. Doch Zeus kam ihm mit einem großen Schritt zuvor und wandte sich um: »Mein Sohn, so sage, wohin soll ich nun schießen?«

Fab.47
Der Nordwind und der Sonnengott

Der Nordwind stritt sich, als es kalt war, mit dem Sonnengott, wer einen Mann zuerst
wohl zum Entkleiden brächte. Der Nordwind blies, und fester knüpfte nur der Arme
seine Lumpen; doch als erwärmt er war, gab er der Sonne, was er trug.

Fab.48
Der Löwe, der Esel und der Fuchs

Der Löwe, der Esel und der Fuchs, die gingen auf die Jagd, und als der Esel dann die
Beute in drei Stücke teilte, zerfleischte ihn der Löwe. Der Fuchs gab ihm darauf das
größte Stück; des Esels Schicksal hatte ihn belehrt.

Fab.49
Der Fuchs und der Strauch

Der Fuchs, der einen Pferch wohl übersteigen wollte, glitt dabei aus und hielt an einem
Strauch sich fest. Des Fußes Sohle ward verletzt, darum schalt der Fuchs den Strauch: »Dich selber«, sprach der, »und nicht meine Eigenart hast du zu schelten!«

Fab.50
Die Mücke und der Stier

Die Mücke saß einst auf dem Horn des Stieres; er müsste nur sagen, meinte sie, wenn
fort sie fliegen solle. Doch sie vernahm: »Da ich es nicht gemerkt, als du dich
niedersetztest, so werde ich auch kein Empfinden haben, wenn du weg dich machst.«

Fab.51
Der Hirsch und das Weingebüsch

Den Hirsch, der sich im dichten Weingebüsch verborgen hielt, verfolgten seine Jäger.
Weil er den Stöcken ihre Blätter abgenagt, ward er zu Recht zur Beute für die Jäger.

Fab.52
Der Astronom im Brunnen

Ein Astronom, der nach den Sternen Ausschau hält, in einen Brunnen unversehens fällt.
Und einer, der vorüberkam und ihn so stöhnen hörte, spricht: »Weil du, mein Freund,
den Sinn nach oben richtest, siehst du nicht, was unten auf der Erde ist.«

Fab.53
Das Pferd im Streit mit dem Wildschwein

Im Streite lag das Pferd mit einem bösen Wildschwein, und weil es seinen Angriff zu
begegnen außerstande war, so lieferte es sich aus und suchte die Freundschaft eines
Mannes mit viel Erfahrung, um die Bestie zu töten.

Fab.54
Der Mann mit den zwei Geliebten

Ein Mann, dessen Haare schwarz und weiß gesprenkelt waren, hatte zwei Geliebte. Mit
der Zeit auf alle Art trug die die schwarzen, jene ihm die weißen Haare davon. So ward
er kahl und allen zum Gespött.

Fab.55
Die größenwahnsinnige Krähe

Mit dem geraubten Lamm erhob zum Himmel sich der Aar; das sah die Krähe und versuchte sich gleichermaßen an dem Bock. Der Hirt ergriff sie, und ein Junge sagte
nur dies: »Für mich die Krähe; denn der Adler ist sich selbst genug!«

Fab.56
Das Schwalbennest am Dache des Gerichtes

Am Dache des Gerichtes baute die Schwalbe ihr Nest, und ihre Jungen tötete die
Schlange. Da sprach die Schwalbe: »Welche Not! Dort, wo Vergeltung ist, erlitt allein
ich Schaden.«

Fab.57
Der betrogene Esel

Ein Esel, überquerend einen Fluss, trug eine Ladung Salz: indem er hinfiel, fand er
Erleichterung er von seiner Last. Doch als er später eine Menge Schwämme trug, da
ward, als er sich wieder fallen ließ, zu seinem Unheil er erstickt.


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