Fabelverzeichnis
zurck


Kreuzlieder
 

                                                                   Lieder 16-31
 
   
Siu jehent, der sumer der s hie Ich hn varender friden vil
Ich was fr und bin daz unz an mnen tt Ich gehabe mich wol und enruochte iedoch
Mir ist ein nt vor allem mnem leide Aller slde ein slic wp
Ich wil allez ghen Sage, daz ich dirs iemer lne
Niemen seneder suoche an mich deheinen rt Lieber bote, nu wirbe als
Lze ich mnen dienest s Als ich werbe unde mir mn herze st
Als ich mich versinnen kan Ein lieplch triuten und ein friuntlch umbevhen
Ich spriche iemer, swenne ich mac und ouch getar Langez swgen ht ich mir gedht

 

Anmerkung zu Lied 16

Auf Grund der Namensnennung in Strophe1 kann man die literarhistorische Fixierung des Lebens Reinmars
feststellen, und die Stellung eines Hofsngers am Wiener Hof wird besttigt.
Es wird als gesichert angenommen, dass mit dem genannten Luitpolt der sterr. Herzog Leopold V. gemeint ist.
Jener starb am 31.12.1194 an den Folgen eines Wundbrandes nach einem Sturz vom Pferd.

Das Lied scheint sich um eine Auftragsarbeit oder zumindest im Sinne der Herzoginwitwe Helena verfasst worden sein,
da in diesem Lied keine persnliche Betroffenheit des Dichters aufscheint.
 
Lied 16
Die sogenannte Witwenklage
 

1.
ꞋSiu jehent, der sumer der s hie,
diu wunne, diu s komen,
und daz ich mich wol gehabe als .
N rtent unde sprechent wie?
der tt ht mir benomen,
daz ich niemer berwinde m.
Waz bedarf ich wunneclcher zt,
st aller friden herre Liutpolt in der erde lt,
den ich nie tac getrren sach?
ez ht diu werlt an ime verlorn,
daz ir an einem manne nie s jmerlcher schade geschach.

2.
Mir armen wbe was ze wol,
d ich gedhte an in,
und wie mn teil an snem lbe lac.
Daz ich des n niht haben sol,
des gt mit sorgen hin,
swaz ich iemerm geleben mac.
Mner wunnen spiegel der ist verlorn:
den ich mir hete ze sumerlcher ougenweide erkorn,
des muoz ich leider nic sn.
d man mir seite, er wre tt,
ze hant viel mir der muot von dem herzen f die sle mn.

3.
Die fride mir verboten ht
mns lieben herren tt,
als daz ich ir mr enbern sol.
St des nu niht mac werden rt,
in ringe mit der nt,
daz mir mn klagendez herze ist jmers vol.
Diu in iemer weinet daz bin ich,
wan er vil slic man, j trste er wol ze lebende mich,
der ist nu hin. waz tohte ich hie?
wis ime gndic, herre got,
wan tugenthafter gast kam in dn gesinde nie.Ꞌ
 

1.
ꞋSie sagen, der Sommer, der sei da,
die Freude, die sei gekommen,
und da ich mich wohl fhlen solle wie ehemals.
Nun ratet mir und sagt wie?
Der Tod hat mich beraubt,
was ich niemals mehr verwinde.
Was bedarf ich freudenreicher Zeit,
nachdem der Herr aller Freuden, Leopold, in der Erde liegt,
den ich nie einen Tag trauern sah?
Es hat die Welt so viel an ihm verloren,
da ihr niemals mit einem Manne ein so bejammernswerter Verlust widerfuhr.

2.
Mir armer Frau war zu wohl,
wenn ich an ihn dachte
und wie von seinem Leben mein Lebens-Anteil abhing.
Da ich dies nun nicht mehr haben soll,
deshalb geht mit Sorgen dahin,
was immer ich frderhin zu leben habe.
Meiner Freuden Spiegel, der ist verloren:
Den ich mir zur sommerlichen Augenweide erwhlt htte,
den mu ich zu meinem Leid entbehren.
Als man mir sagte, er sei tot,
sogleich fiel mir der Lebensmut vom Herzen auf meine Seele.

3.
Die Freude hat mir versagt
meines geliebten Herren Tod,
so da ich auf sie fortan verzichten mu.
Seitdem kann es nun dafr keine Abhilfe geben,
als da ich mit dem Leid ringe,
so da mir mein klagendes Herz voll Jammer ist.
Die ihn immer beweint, das bin ich;
denn dieser so gesegnete Mann ja, er trstete mich wohl, lebte er,
der ist nun dahin. Was tauge ich noch hier?
Sei ihm gndig, Herr Gott,
denn ein tugendreicherer Gast kam noch nie in deine Gefolgschaft.Ꞌ
 


Was sind Trutzstrophen?

Die Trutzstrophen enthalten Antworten auf die Lieder, mit denen zusammen sie berliefert wurden.
Sie sind drohende, spttische oder scheltende Retourkutschen im gleichen Ton und knpfen meist punktuell an eine bestimmte Stelle
des betreffenden Liedes an.
 

Lied 17
Ein sogenanntes Trutzlied
 

1.
Ich was fr und bin daz unz an mnen tt,
mich enwende es got aleine.
Mich enbeswre ein rehte herzeclche nt,
mn sorge ist anders kleine.
S daz danne an mir zergt,
s kumet aber hher muot, der mich niht trren lt.

2.
S singe ich zewre durch mich selben niht,
wan durch der liute frge,
die da jehent, des mir, ob got wil, niht geschiht,
daz friden mich betrge:
Si ist mir liep und wert als ,
obe ez ir etelchem tte in den ougen w.

3.
Ich wil aller der enbern, die min enberent,
und daz tuot ne schulde.
Vinde ich die iender, die des an mich gerent,
den diene ich umbe ir hulde.
Ich hn iemer einen sin:
er wirt mir niemer liep, deme ich unmre bin.

4.
Ich wil fr ze liebe mnen friunden sn
und allen den ze leide,
die mir ne schulde tuont ir nden schn
und wnent balde, wie ich scheide
den muot von friden umbe ir haz.
Sterben si von leide, s enwart mir nie baz.
 

1.
Ich war froh und bin es bis zu meinem Tod,
wofern mich nicht Gott allein daran hindert.
Beschwert mich nicht eine wirkliche Herzensnot,
ist meine Sorge sonst gering.
Wenn das dann an mir vorbergeht,
dann kommt wieder ein Hochgefhl, das mich nicht trauern lt.

2.
Dann singe ich wahrlich nicht um meiner selbst willen,
als vielmehr der Frage der Leute wegen,
die da sagen was mir, so Gott will, nicht geschieht,
da Freuden mich wohl langweilen.
Sie ist mir lieb und wert wie ehedem,
wenn es auch manchem von ihnen in den Augen weh tut.

3.
Ich will auf alle die verzichten, die auf mich verzichten,
und das ohne Grund tun.
Finde ich aber diejenigen irgendwo, die das von mir begehren,
denen diene ich um ihre Gunst.
Ich habe immer eine Meinung:
der wird mir niemals teuer, dem ich gleichgltig bin.

4.
Ich will meinen Freunden zuliebe froh sein
und all denen zum Verdru,
die mir ohne Grund ihre Migunst zu erkennen geben
und dreist hoffen, da ich abwende
den Sinn von Freuden ihres Hasses wegen.
Mgen sie aus rger sterben, so war es mir zu keiner Zeit wohler!
 

Lied 18
Minne und Gesellschaftsklage
 
1.
Mir ist ein nt vor allem mnem leide,
doch durch disen winter niht.
Waz darumbe, valwet greniu heide,
solher dinge vil geschiht,
der ich aller muoz gedagen.
Ich hn m ze tuonne danne bluomen klagen!

2.
Swie vil ich gesage guoter mre,
s ist nieman, der mir sage,
wenne ein ende werde mner swre,
dar zuo maniger grzen klage,
diu mir an daz herze gt.
Wohl bedrfte ich wser liute an mnen rt.

3.
Niender vinde ich triuwe, daz ist ein ende,
da ich si doch gedienet hn.
Guoten liuten leit ich mne hende,
wolten siu f mir selben gn,
des wre ich vil willig in.
ow, daz mir nieman ist als ich im bin.

4.
Wol den ougen, die s welen kunden,
und dem herzen, daz mir riet
an ein wp, diu ht sich underwunden
guoter dinge und anders niet.
Swaz ich durch si lden sol,
daz ist kummer, den ich harte gerne dol.

5.
Daz ein man, der ie mit bsem muote
sne zt gelebet ht,
nimmer gelachen wil mn ze guote,
des wirt mn vil schne rt:
Swenne ich in erliegen sol,
s gedenke ich: >Ow, wie getuon ich wol.<
 
1.
Fr mich gibt es eine Not vor all meinem Leid,
jedoch nicht wegen diesem Winter.
Was soll es, wenn die grne Heide fahl wird
viele solcher Dinge geschehen,
von denen allen ich schweigen mu.
Ich habe mehr zu tun als Blumen zu beklagen!

2.
Wie viel ich auch von angenehmen Neuigkeiten spreche,
so gibt es niemand, der mir sagt,
wann ein Ende komme fr meine Beschwernis
und berdies fr manch groe Klage,
die mir an das Herz greift.
Wohl htte ich weise Leute zu meiner Beratung ntig.

3.
Nirgends finde ich Treue das ist eben so,
wo ich sie doch verdient habe.
Edlen Menschen legte ich meine Hnde unter,
wollten sie auf mir selbst gehen:
dazu wre ich ihnen ganz willfhrig.
Ach, da niemand zu mir ist wie ich zu ihm!

4.
Wohl den Augen, die so whlen konnten,
und dem Herzen, das mir riet
zu einer Frau, die sich geweiht hat
dem Guten und nichts anderem!
Was immer ich ihretwegen leiden mu,
das ist ein Kummer, den ich sehr gerne erdulde.

5.
Da ein Mann, der immer in bler Laune
seine Zeit hingelebt hat,
niemals mir zum Wohle lachen will
dafr gibt es fr mich recht gute Abhilfe:
Wenn ich ihn durch Lgen gewinnen mu,
dann denke ich: >Ach, wie handle ich richtig!<
 
Lied 19
Minneklage
 

1.
Ich wil allez ghen
zuo der liebe, die ich hn.
s ist ez niender nhen,
daz sich ende noch mn wn.
Doch versuoche ich ez alle tage
und gediene ir s, daz si ne ir danc
mit friden muoz erwenden kumber, den ich trage.

2.
Mich betwanc ein mre,
daz ich von ir hrte sagen,
wie si ein frouwe wre,
diu sich schne kunde tragen.
Daz versuoche ich und ist wr:
ir kunde nie dehein wp geschaden,
daz ist wol kleine s grz alse umbe ein hr.

3.
Swaz in allen landen
mir ze liebe mac geschehen,
daz stt in ir handen,
anders nieman wil ich sn jehen.
Si ist mn sterlcher tac,
und hn si in mnem herzen liep.
daz weiz er wol, dem man niht geliegen mac.

4.
Si ht leider selten
mne klagende rede vernomen.
Des muoz ich engelten:
nie kunde ich ir nher komen.
Maniger zuo den frouwen gt
und swget allen einen tac
und anders niemen snen willen reden lt.

5.
Niemen ime ez vervienge
ze einer grzen missett,
ob er dannen gienge,
d er niht ze tuonne ht.
Sprche als ein gewizzen man:
>Gebietet ir an mne stat,<
daz wre ein zuht und stende im lobelchen an.
 

1.
Ich will allzeit eilen
zu der Liebe, die ich habe.
Jedoch liegt es keineswegs nahe,
da meine vergebliche Hoffnung noch einmal ein Ende nehme.
Dennoch versuche ich es alle Tage
und diene ihr so, da sie auch gegen ihre Absicht
durch Freuden den Kummer abwenden mu, den ich leide.

2.
Mich fesselte eine Kunde,
die ich von ihr sagen hrte,
da sie eine Frau sei,
die sich hfisch betragen knne.
Das erprobe ich, und es ist wahr:
Ihr knnte nie irgendeine andere Frau schaden,
nicht einmal und das ist ja wenig um Haaresbreite.

3.
Was auch immer in allen Lndern
mir an Freude zuteil werden kann,
das liegt in ihren Hnden,
sonst niemandem will ich das zubilligen.
Sie ist mein sterlicher Tag,
und ich habe sie in meinem Herzen lieb.
Das wei der wohl, dem man nichts vorlgen kann.

4.
Sie hat zu meinem Leid niemals
mein klagendes Lied vernommen.
Dafr mu ich ben:
nie konnte ich ihr nherkommen.
Manch einer geht zu den Damen
und schweigt den ganzen Tag ber
und lt sonst niemand von seinen Wnschen sprechen.

5.
Niemand rechnete es ihm an
als eine groe beltat,
wenn er von dannen ginge,
wo er nichts zu tun hat.
Sprche er wie ein verstndiger Mann:
>Erlaubt mir, mich zu entfernen,<
das wre ein Anstand und stnde ihm lblich an.
 

Lied 20
Minne und Gesellschaftsklage
 
1.
Niemen seneder suoche an mich deheinen rt:
ich mac mn selbes leit erwenden niht.
Nu wne ich iemen grzer ungelcke ht,
und man mich doch s fr darunder siht.
D merkent doch ein wunder an!
Ich solte iuch klagen die meisten nt
niuwan daz ich von wben niht bel reden kan.

2.
Sprche ich n des ich si selten hn gewent,
dar an begienge ich grze unsttekeit.
Ich hn lange wle unsanfte mich gesent
und bin doch in der selben arebeit.
Bezzer ist ein herzesre,
danne ich von wben misserede.
Ich tuon sn niht, si sint von allem rehte hre.

3.
In ist liep daz man siu stteclchen bite,
und tuot in doch s wol, daz siu versagent.
Hei, wie manigen muot und wunderlche site
siu tougenlche in ir herze tragent!
Swer ir hulde welle hn,
der wese in b und spreche in wol.
Daz tet ich ie, nu kann ez mich leider niht vervn.

4.
D ist doch mn schulde entriuwen niht s grz
als rehte unslic ich ze lne bin.
Ich stn aller friden reht als ein hant blz,
und gt mn dienste wunderlche hin.
Daz geschach nie manne m.
Volende ich eine senede nt
si getuot mir niemer, mag ichz beheten, wol noch w.

5.
Ich bin tump, daz ich s grzen kumber klage
und ir des wil deheine schulde geben.
St ich si ne ir danc in mnem herzen trage,
waz mac si des, wil ich unsanfte leben?
Daz wirt ir iedoch lhte leit.
Nu muoz ichz doch als lzen sn: mir
machet niemen schaden, wan mn sttekeit.
 
1.
Kein Sehnschtiger suche bei mir irgend einen Rat:
ich kann mein eignes Leid nicht abwenden.
Nun glaube ich, da niemand greres Unglck hat,
obwohl man mich doch bisweilen so froh sieht.
Da nehmt doch ein Wunder wahr!
Ich sollte euch die grte Not klagen
nur da ich ber Frauen nicht schlecht sprechen kann.

2.
Sagte ich nun das, woran ich sie nie gewhnt habe,
damit beginge ich groe Untreue.
Ich habe lange Zeit schmerzlich mich gesehnt
und bin dennoch in derselben Not.
Besser ist ein Herzeleid,
als da ich ber Frauen schlecht rede.
Ich tue das nicht. Sie sind mit vollem Recht verehrungswrdig.

3.
Ihnen ist es lieb, da man sie beharrlich bitte,
und es tut ihnen doch so wohl, da sie sich versagen.
Ei, wie manche Laune und wunderliche Sitte
sie heimlich in ihrem Herzen hegen!
Wer ihre Huld gewinnen will,
der bleibe in ihrer Nhe und spreche gut ber sie.
Das tat ich immer. Nun kann es mir zu meinem Leid nichts helfen.

4.
Hier ist doch, meiner Treu, meine Schuld nicht so gro
wie wahrhaft glcklos ich in der Hoffnung auf Lohn bin.
Ich bin von allen Freuden gerade wie eine Hand entblt,
und mein Dienst zieht sich seltsam hin.
Das widerfuhr sonst keinem Mann!
Bringe ich eine gewisse sehnsuchtsvolle Not zu einem Ende,
dann wird sie mir, kann ich es verhten, niemals mehr weder wohl- noch wehtun.

5.
Ich bin tricht, da ich so groen Kummer beklage
und ihr daran irgendeine Schuld geben will.
Nachdem ich sie gegen ihren Willen in meinem Herzen trage
was kann sie dafr, will ich mhevoll leben?
Das wird ihr jedoch vielleicht leid tun.
Nun mu ich es doch so geschehen lassen:
mir fgt niemand Schaden zu auer meine Bestndigkeit.
 
Lied 21
Minneklage. Erweiterter Wechsel
 
1.
Lze ich mnen dienest s,
dem ich nu lange her gevolget hn,
s wirde ich niemer fr.
Si muoz gewaltes m an mir begn,
danne an manne ie wp begie,
daz ich mich sn geloube, ich kunde doch gesagen wie.

2.
zer hse und wider dar n
bin ich beroubet alles des ich hn:
Friden und aller der sinne mn.
Daz ht mir ander niemen wan si getn.
Daz berede ich alse ich sol.
Wil sis lougen s getriuwe ich mnem rehte wol.

3.
Ich bin s harte niht verzaget,
daz er mir s harte solte drun.
Ich wart noch nie von im gejaget,
er mohte sis ze mze frun.
Niemer wirde ich ne wer.
Bestt er mich, in bedunket mn eines lbes ein ganzez her.

4.
Ich hn ir vil manic jr
gelebet und si mir selten einen tac.
D von gewinne ich noch daz hr,
daz man in wzer varwe sehen mac.
Ir gewaltes wirde ich gr.
Si mohte sich sn gelouben unde zurnde andersw.

5.
Wnet si daz, daz ich den muot
von ir gescheide umbe alse lhten zorn?
Obe si mir ein leit getuot,
s bin ich doch f anders niht geborn,
wan daz ich des trstes lebe, wie ich ir
gediene und si mir swre ein ende gebe.
 
1.
Lasse ich meinen Dienst in dieser Art,
dem ich nun seit langem nachgekommen bin,
dann werde ich nie mehr froh.
Sie mu mehr an Gewalt mir gegenber ausben,
als je gegenber einem Manne eine Frau ausbte,
ehe ich darauf verzichte; ich knnte aber sagen, wie!

2.
Auerhalb des Hauses und auch darin
bin ich alles dessen beraubt, was ich habe:
der Freuden und aller meiner Sinne.
Das hat mir niemand anders als sie angetan.
Das beeide ich, sobald ich mu.
Will sie es leugnen, dann vertraue ich ganz auf mein Recht.

3.
Ich bin nicht so sehr mutlos,
da er mir so streng drohen mte.
Ich wurde noch nie von ihm verfolgt,
er konnte sich dessen wirklich noch kaum erfreuen.
Niemals werde ich schutzlos:
Greift er mich an, wird ihm meine eine Person wie ein ganzes Heer vorkommen!

4.
Ich habe fr sie gar manches Jahr
gelebt und sie fr mich nie einen Tag.
Dadurch bekomme ich noch Haar,
das man in weier Farbe sehen kann:
Ihrer Gewaltttigkeit wegen werde ich noch grau!
Sie knnte darauf verzichten und anderswo ihren Zorn auslassen.

5.
Glaubt sie, da ich den Sinn
von ihr abwende wegen so leichtem Zorn?
Wenn sie mir ein Leid antut,
so bin ich doch zu nichts anderem geboren,
als da ich auf die Hoffnung hin lebe,
wie ich ihr diene und wie sie meiner Not ein Ende bereite.
 
Lied 22
Welt- und Minneklage
 
1.
Als ich mich versinnen kan,
s gestuont diu werlt nie s trrig m.
Ich wne, iender lebe ein man,
des dinc nch sn selbes willen g.
Wan daz ist und was ouch ie,
anders s gestuont ez nie,
wan daz beidiu liep und leit zergie.

2.
Swer dienet, d man sn niht verstt,
der verliuset al sn arebeit.
Wan ez ime anders niht ergt,
d von wahset niuwan herzeleit.
Als hat ez mir getn,
der ich vil wol getriuwen hn:
Diu ht mich gar ne fride geln.

3.
Stte hilfet, d si mac,
daz ist mir ein spil: si gehalf mich nie.
Mit guoten triuwen ich ir pflac
st der zt, daz ich ir knde alrrst gevie.
Ich wne, mich sn gelouben wil.
Nein, s verlre ich ze vil!
Ist daz als, seht welch ein kindes spil!
 
1.
Soweit ich mich besinnen kann,
so stand es um die Welt niemals so traurig.
Ich glaube, nirgends lebt ein Mann,
dessen Leben sich nach seinem eigenen Willen entwickelte.
Denn das ist so und war es auch immer,
anders verhielt es sich nie,
auer da beides Liebe und Leid verging.

2.
Wer dient, wo man es nicht schtzt,
der verliert alle seine Mhe.
Wenn es ihm nicht anders ergeht,
erwchst daraus nichts als Herzeleid.
Gerade so hat es mir zugefgt
diejenige, der ich voll vertraut habe:
Die hat mich gnzlich ohne Freude gelassen.

3.
Bestndigkeit hilft, wo sie will,
das ist fr mich wie ein Glcksspiel: sie ntzte mir nie.
In wahrer Treue bte ich sie
seit der Zeit, seit der ich erstmals Kunde von ihr erhielt.
Ich frchte, ich werde darauf verzichten.
Nein, dann verlre ich zu viel!
Ist das so seht, welch ein kindisches Treiben!
 
Lied 23
Minneklage
 
1.
Ich spriche iemer, swenne ich mac und ouch getar:
>frouwe, wis gendic mir!<
Si nimet mner swachen bet vil kleine war.
Doch s wil ich dienen ir
mit den triuwen und ich meine daz.
Und alse ich ir nie vergaz,
s gestn diu ougen mn und niemer baz.

2.
Swenne ich si mit mner valschen rede betrge,
s het ich si unrehte erkant.
Und gevhe si mich iemer an deheiner lge,
s s schupfe mich ze hant
und geloube niemer mner klage,
dar zuo niht, des ich sage.
D vor meze mich got beheten alle tage.

3.
Wart ie guotes und getriuwes mannes rt,
s kum ich mit friden hin.
Si weiz wol, swie lange si mich bitten lt,
daz ich es doch der bittende bin.
Ich hn ir gelobet ze dienen vil,
dar zuo, daz ich ez gerne hil
und ir iemer umbe ein wort geliegen wil.

4.
Wart ie manne ein wp s liep als si mir ist,
s meze ich verteilet sn.
Maniger sprichet, >si ist mir lieber<, daz ist eine list.
Got weiz wol den willen mn,
wie hhe ez mir umbe ir hulde stt
und wie nhe ez mir ze herzen gt
ir lop, daz si umbe alle die welt verdienet ht.

5.
Swie mn ln und ouch mn ende an ir gest,
daz ist mn aller meistiu nt.
Ze allen zten frhte ich, daz si mich verg,
s wre ich an friden tt.
Daz sol si bedenken allez :
Tuot si mir ze lange w,
s gedinge ich f die sle niemer m.
 
1.
Ich sage jederzeit, wann immer ich kann und mich auch getraue:
>Herrin, sei mir gndig!<
Sie nimmt meine bescheidene Bitte fast gar nicht wahr.
Dennoch will ich ihr dienen
in Treue und ich meine das so.
Und so, wie ich sie nie verga,
so mgen dies meine Augen gestehen und niemals anderes.

2.
Wenn ich sie jemals mit einer falschen Rede betrgen wrde,
dann htte ich sie unrichtig eingeschtzt.
Und fate sie mich jemals bei irgendeiner Lge,
dann bestrafe sie mich sofort
und glaube nie mehr meiner Klage,
und berdies nichts, was ich sage.
Davor mge mich Gott alle Tage behten.

3.
Wurde je einem guten und getreuen Manne geholfen,
dann komme ich mit Freuden voran.
Sie wei wohl, wie lange sie mich bitten lt,
damit ich trotz dessen der Bittende bleibe.
Ich habe ihr gelobt, ausdauernd zu dienen,
dazuhin, da ich es gerne verhehle
und sie niemals auch nur mit einem Wort anlgen will.

4.
Wurde je einem Mann eine Frau so lieb, wie sie mir ist,
dann mge ich verdammt sein.
Manch einer sagt: >Sie ist mir lieber< - das ist eine Finte.
Gott kennt meinen Willen wohl,
und wie ernst es mir um ihre Gnade ist
und wie nahe mir zu Herzen geht
ihr Lob, das sie um alle Welt verdient hat.

5.
Wie mein Lohn und auch mein Ende bei ihr stehen,
das ist meine allergrte Not.
Zu allen Zeiten frchte ich, da sie mich meide
dann wre ich, was Freude betrifft, tot.
Das alles soll sie vorher bedenken:
Tut sie mir zu lange weh,
so habe ich fr meine Seele keine Hoffnung mehr.
 
Lied 24
Minneklage
 
1.
Ich hn varender friden vil,
und der rehten eine niht, die d lange wer.
Iemer als ich lachen wil,
s seit mir daz herze mn, daz ichs enber.
Mn muot stuont mir eteswenne als,
daz ich was mit den anderen fr.
Des enist nu niht, daz was allez d.

2.
Lde ich nt und arebeit,
die hn ich mir selben ne alle schult genomen.
Dicke ht si mir geseit,
daz ich ez lieze, ich enmhte es niemer ze ende komen,
und tuot noch hiute, swanne si mich siht
und mir leit d von geschiht.
Daz s mn und gebe des niemen niht.

3.
Daz ich ir gedienete ie tac,
des wil si gelouben niht, ow!
Und swaz ich gesingen mac,
daz engihet si niht, daz si daz iht best.
Daz ist mir ein jmerlch gewin.
Sus s gt mir mn leben hin:
Seht, wie slic ich ze lne bin!

4.
Nie wart grzer ungemach,
danne ez ist, der mit gedanken umbe gt.
St daz si mn ouge ane sach,
diu mich vil unstten man betwungen ht,
der mac ich vergezzen niemer m.
Daz tuot mir n vil lhte w.
W, wan hate ichs d verlzen !

5.
Ich hn iemer teil an ir,
den gib ich niemen, swie frmed er mir iemer s.
Ow, wan wurde er mir,
daz ich einen tac belbe von sorgen fr!
Got weiz wol, daz ich ir nie vergaz,
und daz wp mir geviel nie baz.
Wirt mir sn anders niht, doch s hn ich daz.
 
1.
Ich habe vergnglicher Freuden viel,
aber von den wahren nicht eine, die da lange whrte.
Immer wenn ich lachen will,
dann sagt mir mein Herz, da ich sie nicht habe.
Mein Sinn stand mir vormals so,
da ich mit den andern froh war.
Dies ist nun nicht mehr das war alles damals.

2.
Leide ich Not und Drangsal
die habe ich mir selbst ohne jegliche Schuld zugezogen.
Oft hat sie mir gesagt,
da ich es lassen solle, ich knne damit niemals zum Ziel kommen,
und sie sagt es noch heute, wann immer sie mich sieht
und mir Leid dadurch zuteil wird.
Das sei mein, und ich mag niemanden davon etwas abgeben.

3.
Da ich ihr jeden Tag diente,
das will sie nicht glauben, ach!
Und was immer ich auch singen mag
von dem gibt sie nicht zu, da sie das etwas angehe.
Das ist fr mich ein jmmerliches Ergebnis.
So geht mir mein Leben hin:
Seht, wie geschaffen ich fr Lohn bin!

4.
Nie gab es greres Ungemach
als das, wenn einer mit Gedanken umgeht.
Seit sie mein Auge erblickte,
sie, die mich so unsteten Mann bezwungen hat
sie kann ich niemals mehr vergessen.
Das tut mir jetzt sicherlich weh.
Ach, warum hatte ich sie damals nicht frher verlassen!

5.
Ich habe immer Anteil an ihr,
den gebe ich niemandem, wie fern mir dieser auch immer sein mag.
Ach, wenn er mir doch voll zuteil wrde,
damit ich wenigstens einen Tag lang von Sorgen frei bliebe!
Gott wei wohl, da ich sie nie verga,
und da mir nie eine Frau besser gefiel.
Wird mir dafr nichts anderes zuteil, so habe ich doch dies.
 
Lied 25
Minneklage
 
1.
Ich gehabe mich wol und enruochte iedoch,
obe mir ein vil ltzel wre baz.
Ich bin alles in den sorgen noch.
Wirt mir sanfter iht, ich rede ouch daz.
Zuo den sorgen, die ich hn,
ist mn klage, ich enhabe der tage die volle niht,
daz mir swre iht muge ze herzen gn.

2.
Ez erbarmet mich, daz siu alle jehent,
daz ich anders niht wan knne klagen.
Mugent ir michel wunder an mir sehen?
Waz solte ich nu singen oder sagen?
Solte ich swern, ich enwisse waz?
Geshe ich wider abent einen kleinen boten,
s gesang nieman von friden baz.

3.
Ich bin aller dinge ein slic man,
wan des einen, d man lnen sol.
Obe ich diese unslde erwenden kan,
s vert ez nch ungenden wol.
Mir ist ungelche deme,
der sich eteswenne wider den morgen frit.
Als tte ouch ich, wiste ich mit weme.

4.
Treit mir iemen tougenlchen haz,
waz der sner fride an mir nu siht!
W warumbe tte aber iemen daz,
wan got weiz wol, ich entuon doch niemen niht!
Wan sol mir gendic sn.
Mich beginnet noch nch mnem tde klagen
maniger, der nu lhte enbre mn.

5.
Die ich mir ze frouwen hate erkorn,
d vant ich niht wan ungemach.
Waz ich guoter rede hn verlorn!
J die besten, die ie man gesprach.
Si was endelchen guot.
Nieman konde si von lge gesprochen hn,
ern heze als ich getriuwen muot.

6.
Ich wil iemer gerner umbe sehen:
ich was mner fride ein teil ze fr.
Mir ist von einer kleinen rede geschehen,
daz ich wil wizzen, wer d b mir s.
Ungefeger liute ist vil.
Sprche ich wider abent lhte ein schne wort,
waz mac ichs, der mirz verkren wil.
 
1.
Ich befinde mich wohl, und dennoch wrde es mich nicht beschweren,
wenn mir ein klein wenig wohler wre.
Ich bin durchaus noch in Sorgen.
Wird mir etwas leichter, erzhle ich euch das.
Zu den Sorgen, die ich habe,
gehrt meine Klage, da ich der Tage nicht im berflu habe,
an denen mir Leid nicht ans Herz greifen kann.

2.
Es erbarmt mich, da alle behaupten,
da ich nichts anderes knne als klagen.
Knnt ihr groe Wunder an mir sehen?
Was sollte ich denn singen oder sagen?
Sollte ich schwren, ich wisse nicht, was?
Erblickte ich gegen Abend einen kleinen Boten,
so wrde niemand besser von Freuden singen.

3.
Ich bin in allen Dingen ein glckhafter Mann,
auer in dem einen, wo man Lohn empfangen soll.
Wenn ich dies Unheil abwenden kann,
dann geht es nach trostloser Zeit gut.
Ich gleiche nicht dem,
der sich zuweilen auf den Morgen freut.
Das tte auch ich, wte ich, mit wem.

4.
Hegt jemand mir gegenber heimlichen Ha
was er nun zu seiner Freude an mir sieht!
Ach, warum sollte aber dies jemand tun,
denn Gott wei wohl ich tue doch niemand etwas!
Man soll mir wohlgesonnen sein.
Mich wird noch nach meinem Tode
mancher zu beklagen anheben, der jetzt leichthin meiner entbehrte.

5.
Bei der, die ich mir zur Herrin erkoren hatte,
da fand ich nichts als Drangsal.
Was habe ich an wohlgesetzter Rede an sie verschwendet!
Frwahr die beste, die je ein Mann vortrug.
Sie war rundweg gut.
Kein anderer knnte sie ohne Falsch gesprochen haben,
er htte den wie ich treue Gesinnung.

6.
Ich will lieber immer Umschau halten:
ich war in meiner Freude ein wenig zu unbekmmert.
Mir wird durch eine kleine uerung nahegelegt,
da ich wissen will, wer um mich sei.
Ungehobelter Leute gibt es viel.
Sprche ich gegen Abend vielleicht ein freundliches Wort
was vermag ich gegen einen, der mir es verdrehen will.
 
Lied 26
Minnelied
 
1.
Aller slde ein slic wp,
tuo mir s,
daz mn herze hhe gest,
obe ich ie durch dnen lp
wurde fr,
daz des iht an mir zerg.
Ich was ie der dienest dn.
N bist du ez, diu fride mn!
Sol ich iemer lieben tac oder naht gesehen?
Daz l, frouwe, an mir geschehen.

2.
Frouwe, ich hn durch dich erliten,
daz nie man
durch sn liep s vil erleit.
Ich getar dich niht gebiten,
noch enkan,
tuoz durch dne slikeit!
Ich bin dn, du solt mich nern
und gewaltes in allen wern.
Ich hn iemer eine bet, daz du wol gevarst,
und dich baz an mir bewarst.

3.
Frouwe, ich hn noch nie getn,
dunket mich,
danne diu liebe mir gebt.
Ich enkund ez nie verln,
hrte ich dich
nennen, ich enwurde rt.
Swer d nhe b mir stuont,
s di merkre tuont,
der sach herzeliebe wol an der varwe mn.
Sol ich d von schuldig sn?

4.
Ich verdient den kumber nie,
den ich hn,
wan s vil, ob daz geschach,
daz ich underwlent gie
fr dich stn
und ich dich vil gerne sach.
Liez ich d daz ouge mn,
tougenlchen an daz dn,
daz brhte ich unsanfte dan und lhte dar.
Frouwe, nam des iemen war?
 
1.
Mit allen Glcksgtern gesegnete Frau,
handle an mir so,
da mein Herz hochauf schlgt,
und wenn ich um deinetwillen
froh wurde -
da davon nichts bei mir vergeht.
Ich war stets dein Dienstmann.
Nun bist du dies meine Freude!
Soll ich jemals einen freundlichen Tag oder eine solche Nacht erleben?
Das la, Herrin, mir zuteil werden.

2.
Herrin, ich habe deinetwegen gelitten,
so viel, wie kein Mann
seiner Liebe wegen je erlitt.
Ich wage nicht, dich zu bitten,
noch kann ich dies
tue es um deiner Herrlichkeit willen!
Ich bin dein, du sollst mich schtzen
und sie alle von Gewalt abhalten.
Ich habe immer eine Bitte: da du dich wohl befindest
und dich besser um mich sorgst.

3.
Herrin, ich habe noch nie etwas getan,
dnkt mich,
als was die Liebe mir gebot.
Ich konnte es nie verhindern
hrte ich dich
nennen, da ich rot wurde.
Wer dann nahe bei mir stand,
wie die Aufpasser es tun,
der sah Herzensliebe wohl an meiner Gesichtsfarbe.
Soll ich deshalb schuldig sein?

4.
Ich verdiente den Kummer nie,
den ich leide,
nur insoweit wenn das vorkam,
als ich bisweilen hinging,
um vor dich hinzustehen,
und als ich dich so gerne ansah.
Lie ich dann mein Auge
heimlich zu deinen wandern
das brachte ich schwer davon weg und leicht hin.
Herrin, nahm das jemand wahr?
 
Lied 27
Dialoglied
 
1.
>Sage, daz ich dirs iemer lne:
hst du den vil lieben man gesehen?
Ist ez wr und lebet er schne,
alse siu sagent und ich dich hre jehen?<
Frouwe, ich sach in, er ist fr.
sn herze stt, obe irz gebietent, iemer h.

2.
>Ich verbiute ime fride niemer.
lze eht eine rede, s tuot er wol,
des bite ich in hiut und iemer.
Deme ist als, daz manz versagen sol.<
Frouwe, nu verredent iuch niht.
er sprichet: allez daz geschehen sol, daz geschiht.

3.
>Ht aber er gelopt, geselle,
daz er niemer m gesinge liet,
ez ens, ob ich ins biten welle?<
Frouwe, ez was sn muot, d ich von ime schiet.
Ouch mugent irz wol hn vernomen.
>Ow, gebiute ichz n, daz mac ze schaden komen.<

4.
>Ist aber, daz ichz niene gebiute,
s verliuse ich mne slde an ime,
und verfluochent mich die liute,
daz ich al werlte ir fride nime.
Alrrst gt mir sorge zuo.
Ow, nu enweiz ich, obe ichz lze oder ob ichz tuo<

5.
>Daz wir wp niht mugen gewinnen
friunt mit rede, siu enwellent dannoch m,
daz met mich, ich enwil niht minnen!
Stten wben tuot unstte w.
Wr ich, des ich niene bin,
unstte, liez er danne mich, s liez ich in.<
 
1.
>Sage, damit ich dir es immer vergelte:
Hast du den viellieben Mann gesehen?
Ist es wahr, da er auf hfische Weise lebt,
wie sie sagen und wie ich dich berichten hre?<
Herrin, ich sah ihn, er ist frohgemut.
Sein Herz ist, wenn Ihr es gebietet, immer hochgestimmt.

2.
>Ich verbiete ihm Freude niemals.
Meidet er nur ein Thema, dann handelt er richtig,
darum bitte ich ihn heute und alle Zeit.
Damit ist es so bewandt, da man es versagen mu.<
Herrin, nun redet Euch nicht ins Unrecht.
Er sagt: Alles, was geschehen soll, das geschieht.

3.
>Hat er aber gelobt, mein Freund,
da er niemals mehr ein Lied singe,
es sei denn, da ich ihn darum bitten wolle?<
Herrin, es war seine Absicht, als ich von ihm schied.
Auch mgt ihr es wohl vernommen haben.
>Ach, gebiete ich es nun, das kann Schaden bringen.<

4.
>Kommt es aber so weit, da ich es nicht gebiete,
dann verliere ich meinen guten Einflu auf ihn,
und mich verfluchen die Leute,
weil ich der ganzen Welt ihre Freude raube,
Zunchst einmal fllt mir Sorge zu!
Ach, nun wei ich nicht ob ich's lasse oder ob ich's tue:<

5.
>Da wir Frauen nicht gewinnen knnen einen Freund
durch freundliche Worte, ohne da sie mehr wollen,
das bekmmert mich; ich will nicht minnen!
Treuen Frauen tut Untreue weh.
Wre ich was ich keineswegs bin untreu:
Verliee er mich dann, so liee ich ihn ziehen.<
 
Lied 28
Botenauftrag Frauenlied
 
1.
Lieber bote, nu wirbe als,
sihe in schiere und sage ime daz:
Vert er wol und ist er fr,
ich lebe iemer deste baz.
Sage ime durch den willen mn,
daz er iemer solhes iht getuo,
davon wir gescheiden sn.

2.
Des er gert, daz ist der tt
und verderbet manigen lp.
Bleich und eteswenne rt,
alse verwet ez diu wp.
Minne heizent ez die man,
unde mohte baz unminne sn.
w ime, ders alrrst began!

3.
daz du iemer ime verjehest,
daz ich ime holdez herze trage,
s sihe, daz du alrrst besehest,
und vernime, waz ich dir sage:
Mein er wol mit triuwen mich,
swaz ime danne mge ze fride komen,
daz mn re s, daz sprich!

4.
Spreche er, daz er welle her
daz ichs iemer lne dir,
s bite in, daz ers verber,
die rede, dier jungest sprach zuo mir,
daz ich in an gesehe.
Wes wil er da mit beswren mich,
daz niemer doch an mir geschehe?

5.
Frge er, wie ich mich gehabe,
gihe, daz ich mit friden lebe.
Sw du mugest, d leit in abe,
daz er mich der rede vergebe.
Ich bin im von Herzen holt
und she in gerner denne den liehten tac.
daz aber du verswgen solt!

6.
Daz ich als vil d von
gerede, daz ist mir leit,
wenne ich was vil ungewon
s getner arebeit,
als ich tougenlche trage.
Dune solt im niemer niht verjehen
alles, des ich dir gesage!
 
1.
Lieber Bote, nun mache es so,
suche ihn alsbald auf und sage ihm das:
Geht es ihm gut und ist er frohgemut,
dann befinde ich mich immer um so besser.
Sage ihm, da er um meinetwillen
stets solches unterlassen mge,
wodurch wir getrennt wrden.

2.
Was er begehrt, das ist der Tod
und richtet manch einen zugrunde.
Bleich und bisweilen rot
so lt es die Frauen aussehen.
Minne nennen es die Mnner,
und knnte doch eher Un-Minne sein.
Weh dem, der zuerst damit anfing!

3.
Ehe du ihm jemals gestehst,
da ich ihm von Herzen gut bin,
so sieh zu, da du dich zuerst vorsiehst,
und vernimm, was ich dir sage:
Gedenkt er meiner wohl in Treue
was immer ihm dann zur Freude gereichen knnte
und was meine Ehre erlaubt, das sage!

4.
Sagt er, da er herkommen wolle
da ich dir dies immer lohnen knnte!
dann bitte ihn, da er sie unterlasse,
die Worte, die er neulich zu mir sagte,
bevor ich ihn empfange.
Weshalb will er mich mit dem beschweren,
was doch niemals bei mir geschehen wird?

5.
Fragt er, wie ich mich befinde,
sage, da ich in Freuden lebe.
Wo immer du kannst, bringe ihn dazu,
da er mich mit diesen Worten verschone.
Ich bin ihm von Herzen zugetan
und she ihn lieber als den hellen Tag.
Das aber sollst du verschweigen!

6.
Da ich so viel davon
rede, das ist mir leid,
denn ich war nicht sehr gewohnt
an so geartete Mhsal,
wie ich sie heimlich ertrage.
Du sollst ihm niemals irgend etwas verraten
von all dem, was ich dir gesagt habe!
 
Lied 29
Minneklage
 
1.
Als ich werbe unde mir mn herze st,
als meze mir an friden noch beschehen.
Mir ist vil unsanfter n dan :
mner ougen wunne lt mich nieman sehen.
Die sint mir verboten gar.
nu verbieten als dar
und heten,
daz siu sich erweten.
W, wes nement siu war?

2.
Mich gendet niemer slic man
umbe die liebe, die si an mir erzuget ht.
Frid noch trst ich nie von ir gewan,
wan s vil, daz mir der muot des hhe stt,
daz ich sis ie getorste biten,
ein wp mit als reinen siten.
mir wre
lp und guot unmre,
het ich si vermiten.

3.
Ich wne ieman lebe, er hab ein leit,
daz vor allem leide im an sn herze gt.
Ow, war umbe versprach ich tumber arebeit,
diu mir liebet und doch lobelchen stt!
Die versprich ich niemer tac.
ich muoz leben als ich mac.
waz darumbe
tuot got lht ein wunder,
daz si mir werden mac.

4.
Mir ist lieber, daz sie mich verber,
und als, daz si mir doch gendic s,
danne si mich und jenen und disen gewer.
seht, s wurde ich niemer m vor leide fr.
Nieman sol des gerende sn,
daz er spreche >mn und dn
gemeine<.
Ich wil ez haben einde:
Schade und frume s mn.

5.
Ich was mnes muotes ie s hr,
daz ich in gedanken dicke schne lac.
Daz wart mir und wart ouch mir niht mr.
swer daz ne rede niht gelzen mac,
der tuot bel und sndet sich.
ndet er mich, waz ruoch ich.
In guote
s lebe ich in hhem muote.
swer nu werbe, der minne als ich.

6.
Ich bin als ein wilder valk erzogen,
der durch snen wilden muot als hhe gert.
Der ist als hh ber mich geflogen
unde muotet, des er kume wirt gewert.
Und fliuget als von mir hin
und dienet f ungewin.
ich tumber
lde ich senden kumber
des ich gar schuldig bin?

7.
J, engiene ir nie, daz ich gesprach,
s nhen, daz ez wre ihtes wert.
Sol mich daz verjagen, daz ich sie sach
und ich ouch ihtes dar under hn gegert,
daz ich solte hn verswigen?
Ow, wie ist daz gedigen:
unschne!
Nch s kleinem lne
hn ich selten noch genigen.
 
1.
So, wie ich mich bemhe und wie es mir ums Herz ist,
so mge mir noch Freude zuteil werden.
Mir ist nun viel schmerzlicher zumute als ehedem:
meiner Augen Wonnen lt mich niemand sehen,
Diese sind mir gnzlich verboten.
Nun mgen sie sie also dort verbieten
und aufpassen,
da sie nicht in Wut geraten.
Ach, was nehmen sie wahr?

2.
Mich beneidet niemals ein glcklicher Mann
um das Wohlgefallen, das sie mir bezeigt hat.
Weder Freude noch Trost erhielt ich je von ihr,
auer so viel, da mir mein Herz deshalb erhoben war,
weil ich sie je darum zu bitten wagte,
sie, eine Frau mit so reinen Sitten.
Mir wren
Leben und Gut zuwider,
htte ich sie unbehelligt gelassen.

3.
Ich glaube, niemand lebt, der nicht ein Leid htte,
das ihm vor allem anderen Leid zu Herzen geht.
Ach, warum verschmhte ich Trichter Mhsal,
die mir angenehm ist und auch zum Lobe ansteht!
Die lehne ich niemals mehr auch nur einen Tag lang ab.
Ich mu nun leben, wie ich kann.
Was soll's
vielleicht tut Gott ein Wunder,
da mir zufallen kann.

4.
Mir ist lieber, da sie mich bergeht
jedoch so, da sie mir dennoch gewogen ist
als da sie mich und jenen und diesen erhrt.
Seht, dann wrde ich nie mehr frei von Leid.
Niemand sollte das begehren,
da er sprechen drfe >mein und dein
gemeinsam<.
Ich will es allein besitzen:
Schaden und Gewinn seien mein.

5.
Ich war in meinem Herzen immer so hochgestimmt,
da ich in Gedanken oft angenehm gebettet war.
Das wurde mir zuteil, aber es wurde mir auch nicht m e h r zuteil.
Wer dies nicht ohne Spottrede lassen kann,
der handelt bel und versndigt sich.
Beneidet er mich, was kmmert es mich.
In gutem
so lebe ich hochgemut.
Wer immer nun wirbt, der minne wie ich.

6.
Ich bin wie ein wilder Falke erzogen,
der in seinem wilden Sinn so hoch hinaufstrebt.
Der ist so hoch ber mich hinausgeflogen
und begehrt, was ihm kaum gewhrt wird,
und fliegt so von mir weg
und dient auf Verlust.
Ich Trichter,
leide ich sehnsuchtsvolle Not,
die ich ganz selbst verschuldet habe?

7.
Frwahr, es ging ihr nie, was ich sagte,
so nahe, da es etwas wert gewesen wre.
Soll mich das vertreiben, da ich sie sah
und ich auch etwas dabei begehrt habe,
das ich verschwiegen haben sollte?
Ach, wie ist das ausgegangen:
unschn!
Wegen so geringem Lohn
habe ich mich noch selten verneigt.
 
Lied 30
Minnestrophe
 
Ein lieplch triuten und ein friuntlch umbevhen,
solt mir daz von ir geschehen
ein kssen und d mite niht ghen
lieplch in ir ougen sehen!
Seze minne wolte ich prsen,
km ir lp mir alse nhen.
al mn trren wr gelegen.
 
Ein zrtliches Liebkosen und ein liebevolles Umarmen,
sollte mir das durch sie zuteil werden
und Kssen und bei all dem ohne Eile
und zrtliches In-ihre-Augen-Blicken!
Se Minne wollte ich preisen,
kme ihr Leib mir so nahe.
All mein Leiden wre begraben.
 
Lied 31
Minnesatire
 
1.
Langez swgen ht ich mir gedht,
nu muoz ich singen aber als .
Dar zuo hnt mich schne frouwen brht,
siu mohten mir gebieten m.
Swaz ich singe oder in gesagen,
iedoch s bite ichs alle sament gemeine,
daz siu den mnen kumber klagen.

2.
Mich nimt wunder, wie mir s beschehen,
n mn selbes arebeit,
umbe ein wp, diu wil mich niht ansehen;
die brht ich an ir werdekeit.
St alle ir muot s hhe stt,
s enweiz ich, wenne ouch mich mn singen lt,
und als ir hhstez lop zergt.

3.
Bin ich in ir dienste worden alt,
d b s junget si niht vil.
Lht ist mir mn hr als gestalt,
daz si einen jungen haben wil.
N helf iuch got, her junge man,
daz ir mich rechent an der alten brt,
und slaht mit sumer latten dran!
 
1.
Lange zu schweigen hatte ich mir vorgenommen,
nun mu ich wieder singen wie ehemals.
Dazu haben mich schne Damen gebracht;
sie knnten mir noch mehr abverlangen.
Was immer ich singe oder ihnen sage,
so bitte ich sie nur allesamt,
da sie meinen Kummer beklagen.

2.
Mich verwundert, wie mir geschehen ist
ohne mein eigenes Zutun
wegen einer Frau: die will mich nicht beachten;
diese brachte ich zu ihrem Ansehen.
Obgleich ihr ganzer Sinn so hoch steht,
so wei ich nicht wenn je meine Gesangskunst mich im Stich lt,
ob nicht ebenso ihr hchster Ruhm vergeht.

3.
Bin ich in ihrem Dienst alt geworden,
so wurde sie dabei nicht viel jnger.
Vielleicht ist mein Haar derart,
da sie einen Jungen haben will.
Dann helf Euch Gott, Herr junger Mann,
damit Ihr mich rcht an der alten Braut,
und schlagt mit frischen Gerten drein!
 


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