Romulus
   
 

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Fabelverzeichnis

zu den Fabeln 1-49
zu den Fabeln 50-98


Aesopus Latinus Romulus oder kurz Romulus

Ist der Titel einer lateinischen Fabelsammlung in Prosa, die um das Jahr 400 nach einer
Ausgabe der Fabeln in Versen des Phaedrus geschaffen wurde. Der Name der
Sammlung rührt von dem Einleitungsbrief her, der von einem Romulus stammt, über den
sonst nichts bekannt ist.


Epistel des Romulus

Romulus grüßt seinen Sohn Tiberinus.
Von Attika her lehrt ein gewisser Äsop, ein genialer Grieche, durch seine Fabeln,
was die Leute beachten müssen. Um Leben und Gewohnheiten der Menschen zu
zeigen, führte er Vögel, Bäume, wilde Tiere und Haustiere ein, welche aussprechen,
was eine jede Fabel besagt. Zur Unterrichtung der Leute hat er kurz und ohne
Umschweife dargelegt, warum die Literaturgattung Fabel erfunden wurde. Sie nennt
das Böse mit seinem wahren Namen, verbindet das Reine mit dem Guten, notiert die
Umtriebe der Schurken und die Argumente der Schufte; sie lehrt, dass die Niedrigen
ohnmächtig sind, fordert auf, sich vor glatten Worten in acht zu nehmen, und zeigt
außer Misslichkeiten vieles andere noch in den von ihr gebrachten Beispielen.

Ich, Romulus, habe das vom Griechischen ins Lateinische übersetzt. Wenn du es liest,
mein Sohn Tiberinus, und aufmerksam darauf achtest, so wirst du nebenher manchen
Witz finden, der dein Lachen vervielfacht und deinen Verstand hinreichend schärft.


Epistel des Äsop

Äsop an Magister Rufus.
(eine fingierte Person)

Ich werde dir, liebster Rufus, meine Aufzeichnungen übergeben. Nimm sie, auf
Pergament geschrieben und in solcher Pracht, die du von meiner Seite verdienst.
Empfange das Geschenk wie ein kostbares Gefäß, das mit verschieden-farbigen Steinen
geschmückt ist. Mögest du dich deines Lebens freuen und mit ungebrochener Kraft den
Jahren des Alters entgegengehen. Der Gattin mögest du dich mit Erfüllung hingeben,
den Sklaven Zucht beibringen. Die Wünsche der Deinen sollst du recht erfüllen und
aufmerksam die Fabeln lesen. Und damit du beim Lesen nicht meinst, ich hätte eine
Dummheit begangen, so achte auf deine Sklaven: da wirst du die Erzählweisen finden!

Früher gab es nämlich nur ein paar alte Fabeln, doch damit die Sammlung etwas größer
werde, habe ich noch meine eigenen, Neuverfassten hinzugefügt, die kurz und bündig
sind. Das Böse habe ich mit seinem wahren Namen genannt, das Reine mit dem Guten
verbunden. Die Wege der schlechten Menschen habe ich aufgezeigt, die der Guten
unterstrichen. Ein jeder möge dem folgen, der ihm gefällt. Nach alldem war es auch für
mich als Sachverständigen keine geringe Arbeit – jeder, der mit dem Wesen der Fabel
vertraut ist, weiß es -; indem ich das Leben der Leute so, wie es ist, und ihre
Gewohnheiten aufzeigte, habe ich die unterwiesen, die zu lesen wünschen.