Fabelverzeichnis
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Fabeln II.

 

Die erst fabel von den fröschen

Er sprach also: Ettwan wonten die frösch fry, on alle sorg in den lachen und wyern,
unbekümert von menglichem, und wurden inselber unnüczlich bewegt, das sie mit
großem geschray kamen für den got Jupiter, und begerten von im, daz er in ainen künig
gäbe, der die mistuonde straufte; do sie des begertent, lachet der got Jupiter und
verachtet ir gebett. Darnach wurden sie aber schryen zuo im, do sy kain zaichen sachen
von im, schryen sie noch baß. Der gütig got Jupiter sendet den ainfältigen unverschulten
fröschen ainen großen blok, und warff in zuo inen in den wyer. Von dem hal des fallens
erschraken sie und flohen all. Darnach reket ainer synen kopf über das waßer, daz er den
nüwen künig möchte erkennen. Do er aber merket, daz es nit dann ain blok waz, beruffet
er alle andern frösch, den künig zu besenhen. Etlich waren voller schreckens und
schwumen hinzuo und grüßten ieren höchsten künig, doch mit erschroken herczen.
Als sie aber merkten, daz kain leben in ierem künig waz, sprangen sie uff in,
und merkten, daz nicht wann ain holcz was, do traten sie in mit den füßen, und wurden
den got Jupiter aber mit großem geschray bitten umb ainen künig. Do gab er inen den
storken, der ward sie töten ainen nach dem andern. Do wurden sie wainend iere stimm
uncz in die himel uff erheben und schryen: O got Jupiter, kom uns ze hilf oder wir
sterben all! Do sprach er zuo in: Do ir ains künigs begerten, do wolt ich nit. Do ir wider
zuo mir ruofften, gab ich üch ainen senfftmütigen künig, der ward von üch verachtet und
under die füß getrett, do gab ich üch umb üwer ungestümes bitten disen künig, den er
iecz habt, den müßen ir behalten, wann ir wolten den guoten nit verdulden.

Die ander fabel von den tuben, wyen nnd den habich

Welcher sich in ains bösen menschen schirm bevilhet oder hilff und raut vоn im suochet,
der verlürt syn hoffnung, als dise fabel ußwyset.

Zuo ainer zyt, als die tuben den wyhen flohen und in ser besorgten, namen sie ze
schirmer und behüter den habich, und vermainten fürbas sicher ze syn. Aber der habich
erzöget sich als ain strauffer um ir mistuon, und aß die tuben alle, aine nach der andern.
Do sprach aine under inen: Die kümernüs des wyen wäre uns lychter gewesen ze tragen,
dann diser schirm. Wann dardurch wir mainten beschirmet werden, müßen wir sterben.
Aber uns beschicht recht, so wir unbedacht unsern großen fynd haben ze schirmer
genomen wider den klainern.

Die III. fabel von dem dieb und dem hund

Von den triegern söll wir dise fabel hören.

Ain nachtdieb gieng ains mais in ain hus ze stelen, und fand ainen hund, der das
bewaret. Der dieb bot dem hund ain brott, daz er in da mit gestillet und nit märet.
Sagt man der hund spräche zuo dem dieb: Gibst mir dicz brott von gnaden wegen,
oder gibst du mir das darumb, daz du mich verfürest und das hin tragest, dar von ich
und der herr des huses und das gancz hus gesind unser narung haben? Sag mir, so du
mir ieczund daz brott bütest, mainst du mir hin für aber ze geben, so du hin trügest,
waz in dem hus ist? oder woltest du ouch mir barmherczig syn, so ich von dem hunger
überwonden würde? Ich will nicht, daz mir das brott myne kelen verstoppe, daz myn
zunge schwygen müß, und mir alle gnad enpfüre. Sonder will ich wider dich bellen,
den herren und das gancz hus gesinde uff ze weken, und bezögen daz ain dieb hie inn
sye. Wann ich will daz gegenwürtig dyn brott verachten und das künftig guot betrachten;
darumb so gee bald hinweg, oder ich würd bellen und dich mären. O wie ain guoter
hund, der weder durch das brot betrogen wolt werden, noch syns herren gnad verlieren.

Dise fabel söllen ouch die fräßigen merken, die von der guoten schlekmal willen vil ieres
guots verzeren.

Die IV. fabel von ainer schwinsmuoter und dent wolf

Der mensch sol syn gemüt also stellen, das er der bösen worte nit gelouben wölle.
Dem ist ain söliche fabel zuo geordnet.

Ain schwinsmuoter waz ser groß und nötiget sie die geburt iunge ze haben, und als sie
süffczend in geberenden schmerczen lage, kam ain wolf zuo ir und sprach: Schwester,
uf dise stund sende uß dyn geburd, die ist sicher und gelükhafft; so will ich dir hilf und
bystand tuon, und daz ampt der hebammen verwesen. Als aber die schwinsmuoter den
untrüwen raut bekennet, schluog sie uß die falschen schmaichwort und verachtet syne
dienst und sprach: Bruoder, myn geburd war sicher, so du hin kemest. Darumb bitt ich,
daz du mir die eer laßest, myne iungen selber an die weit ze bringn, und eere daz
geberen diner muoter, do sie dich gebracht haut; wann alles das in mir ist erschrikt ab
dynen diensten. Und so bald der wolff hin weg kam, ward sie ledig ierer bürdy.
Wa sie aber den worten des bösen geloubet hette, so wäre sie mit ieren iungen
unsäliglich vergangen.

Die V. fabel von dem geberenden berg

Offt beschicht, daz großer sorg würt guoter raut, und große angst würt in schimpff
verwandelt; als dise fabel bezüget.

Ain berg was schwanger, und zuo den zyten, als er geberen solt, schry er über ser und
ließ kläglich süffczen und hület erschrokenlich so vil, daz die gancz gegend den schal
erhöret und dar von betrübet ward. Menglich waz erschroken und in dem gemüt verirret
von dem großen schal. Nach dem über großen süfczen und klagen gebar der berg ain
mus. Die geburd ward ußgebrait in dem land, und die vor erschroken warend, enpfiegen
widerumb iere krafft, und ward nichcz uß dem, dar uff sie große sorg hetten, und ward
die forcht in schimpff verkeret.

Die VI. fabel von dem wolf oder hund und dem lamp

Gütikait machet rechte vätterliche trüw und früntschafft der kind gegen vater und muoter
und nit die geburt. Daz ze erkennen söll wir dise fabel merken.

Ain lamp wonet under den gaissen. Zuo dem kam ain hund und sprach: Was tuost du da,
dyn muoter ist doch nit hie, und zöget im ferr ain feld, do syn muoter wäre by andern
schauffen. Do sprach das lamp: Ich suoch dise muoter nit, die mich enpfangen hat oder
nün monet in ierem lyb getragen und an das liecht diser welt gebracht hat, sonder sag
ich, die gaiß sye myn muoter, die mich erneret, und mir das üter, mich ze sögen, bütet
und ieren aignen kinden gebrechen laust, das ich deß gnüger milch habe. Do sprach der
hund herwider zuo dem lamp: Die ist doch dyn rechte muoter, die dich geboren hat.
Antwürt das lamp: Ja, es ist war, wie du sagst. Aber es ist doch zimlich und von der
natur erloubet, das ain kind in ainen sichern staut bevolhen würt von den rechten
geberern. Nun merket myn muoter, daz iere kind nun dem schäffer ze scheren und ze
melken und dem meczger zestechen nücz werden, darumb hat sie mich her getaun,
da ich in wolnust erzogen wurd, ungeschorn und sicherer by den böken und gaissen
wone, wann dort by den schauffen und myner muoter, die mich getragen und geboren
hat. Darumb gee hin, ich volg dir nit.

Die VII. fabel von dem alten hund und synem herren

Niemand sol das alter verachten noch ußtriben, sonder die werk syner iugend betrachten.
Wann begerest du alt ze werden, so ere daz alter, so würst du in dem alter ouch geeret,
und ob der alt uff die gegenwürtige zyt nit lobliche werk würken mag, so betrachte doch
die guoten getauten syner iugend. Dar von so hör dise nachvolgende fabel.

Ain alter hund hett alle sync zyt dem herren wol gedienet uff dem iagen und heczen.
Und als er mit iaren beschwärt nun von alter träg was und syn zend fürstumpf und
verschlissen den hasen nit heben mochtent, den er begriffen hett, sonder riß er sich von
im on großes leczen und raiczet den hund hin und her in dem feld. Darum der herr über
den hund ser ward erzürnet und straffet in als ain unwißenden und kunstlosen der iägery.
Dem herren gab der hund sölliche antwürt: O herr, myne iar synt fürbas aune krefft,
mine zend synt fürstumpf und verschlissen. Ich bin aber etwan stark gewesen und zuo
allem iagen wolgeschickt, und hast alle myne werk gelobt, die ich gethon hab.
Nun schiltest du myne werk des alters. Ich bit dich das vergangen ze bedenken, so würt
dir das gegenwärtig empfenglicher, das ich iecz vermag.

Diese fabel leret uns, daz der im alter nicht ze verachten noch ze verschmahen.ist, der in
der iugend wol gedienet hat.

Die VIII. fabel von den hasen und fröschen

Wir söllen alles wesen der zyt gedultiglich tragen und der zyt iere stat geben.
Und darumb daz der mensch syne übel tragen müge, so sol er by dem ungefell ander lütt erlernen.
Wann zuo ettlichen zyten wurden die hasen so ser durchächtet, daz sy in verzwyfflung
gedachten, sie wollen sich lieber selber töten, wann also in sorgen leben. Als aber
derselbig raut sich ze ertöten under inen beschloßen ward, lieffent sie an ainer schar für
ainem wyer sich ze ertrenken. Dar by an dem gestad gar vil frösch saßen Do sie aber die
hasen komen sahent, sprangen sie all in das waßer und bargen sich dar under. Do aber
daz die hasen merkten, sprach ainer under in: Ich sich wol, daz ander ouch sint, die sich
besorgen; villycht mer wann wir. Darumb bedüchte mich guot, wir wären gedultig in
unserm wesen als die andern, und trügen daz ioch der natur gedultiglich, die uns
gegeben hat in sorgen ze leben. Wann die zyt würt komen, daz sich unsere sorg verkeret
in guoten frid.

Die IX. fabel von dem wolff und dem kiezi

Es ist houch und groß an den kinden ze loben, daz sie vätterlichen geboten fölgig syent.
Als dise fabel uns under wyset.

Do ain gaiß geseczet hett und uß wolt gaun uf die waid umb iere spys, warnet sy iere
kiczi, niemand uff ze tuond die schloß ierer wonung, wann vil der fraissamen tiere umb
die schauffstell giengent uf ieren tod. Do sie die warnung getett, gieng sie uff die waid
und ließ das kiczi in dem stall verschloßen. Ze band darnach kam ain wolff für die tür des
kiczi und zwang syn stimm ze gelychen dem bleren der gaiß und begeret von dem kiczi,
im die tür uff ze tuond. Aber das kiczi merket durch ain klunsen senhend, daz syn muoter
nit da was, und sprach: Ich hör wol ain stimm myner muoter, aber du bist myn fynd und
begerest mich ze betriegen, und under der erdichten stimm myner muoter begerest du
mynes bluotes. Darum gee hin, ich laß dich her yn nit.

Also welchy der ler volgent ierer eltern, die mügent sicher leben.

Die X. fabel vоп dem armen man und der natern

Welcher den andern geschediget hat, den sol man all zyt in arkwon haben und sich vor
im hüten und nit mer gancz getruwen. Als dise fabel bewyset.

Ain nater hett gewonet in aines armen mannes hus allweg zuo dem tisch ze komen und
ward allda gespyset von den brosamen, die von dem tisch des armen fielent, und die wyl
der arm die natern also spyset, was alles syn tuon und laßen gelüklich, und kam in
rychtung. Nit lang darnach ward der arm über die nater erzürnet und wondet sy hart mit
ainem byhel. In kürcz dar nach kam er wider in syn vorigen armuot. Dar uß er merket,
daz er alles gelük vor gehebt het uß der gütikait, die er der natern miltiglich vor hette
bewisen, und nun wider wäre in armuot komen, darumb daz er die natern hette
gewondet. Darum ward er rüwig und batte die natern im syn mishandeln ze vergeben,
wann im laid wäre, was er unrechts an ir hette begangen. Do antwürt im die nater und
sprach: Darumb das du rüwest, so will ich dir vergeben dyn missetaut. Aber so die wund
hail würt, so last mich doch die maus nit vollen gelouben an dich haben, und so ich wol
mit dir in gnad kom, so vergiß ich doch der untrüw des byhels nit. Also sol allweg in
arkwon belyben, welher ainen andern leczet.

Die XI. fabel von dem hirsch, wolff und schauff

Wie die laicher durch böse list und falsche zügen die lüt veruntrüwen. Dar von hör ain fabel.

Ain hirsch fordert von ainem schauff ain groß meß korens, daz er im schuldig wäre uff
ainen benanten tag ze bezalen in gegenwürtikait aines wolffes, der des selben ain züg
was. Das schauff was erschroken ab dem wolff, und bekennet der schuld vor großen
angsten, doch begeret er lengers zils. Do das ouch vergieng, erfordert der hirsch aber die
schuld. Antwürt das schauff: Far hin und scharre den anger und laß den wolff im land
umblouffen; ich bin dir nichcz schuldig. Das ich aber die schuld bekent habe, das hat die
forcht gemachet des wolffes. Ir synt baide vol laichery und untrüw; ich gib üch nichcz,
wann ich sol üch nichcz.

Die fabel leret fürsich senhen ainen ieden menschen not syn, und zöget zwangen aid nit binden.

Die XII. fabel vоп dem kalen und der fliegen

Der ist nit ze verspotten, der im selber klainen schaden zuo füget, daz er sich mit großem
schaden synes fyndes rechen müge. Als dyse fabel uß wyset.

Ain flieg saß uff das houpt aines kalen mans, und wie offt er nach ir schluog mit syner
hand, so floch sie und kam als bald wider, und raiczet in aber; dann schluog er aber nach
ir, so floch sy aber und ward lachen und syn spotten und raiczet in nit dester minder.
So lang daz der kal erczürnet ward und sprach: Du schalkhaffte, warumb lachst und
verspottest mich, daz ich mich selber schlach umb dyn raiczen? wann du gedächtest,
daz ich lycht mit mir selber verricht würde, und ain ieder schlag, so ich dich triff dyn tod
ist, du verspottest mich nit, wann zehen straich mir selber getoun, mügent mir nit
geschaden, aber ainer dir getoun, töttet dich on alle gnaud.

Dise fabel warnet die mülichen lüt, die mit menglichem hadern wöllent zuo allen zyten und
niemands schouent.

Die XIII. fabel von dem fuchs und dem storken

Was du dir nit wöllest beschenhen, daz tuo ouch kainem andern. Dar von hat uns der
maister ain sölliche fabel geseczet.

Ain fuchs bat ainen storken zuo dem nachtmal. Do er kam, seczet er nit andere spys für
in, dann ain dünnes muos uf ainem braiten teller; daz selb leket der fuchs nach synem
willen, aber der stork kunde des nit genießen, und muost hungriger wider haim gaun.
Darnach in wenig tagen bat der stork den fuchs ouch zuo dem nachtmal und seczet
wolberaitte eßen für in in ainer glesin lägein und fieng vor an ze eßen mit synem langen
hals und schnabel, und manet den fuchs ze eßen. Aber der fuchs merket bald den list des
storken. Do sprach der stork: Wie du mir dyne guote spys gegeben hast, also niem du si
hinwider. Ob dir daz aber nit gefällig wäre, solt du mir verzyhen, wann der lon ist der
arbait gelych, und würt schmach mit schmach vertriben.

Die fabel leret, daz man nieman gefären sol, und das ain ieder gedultiglich lyden sol,
das er ainem andern hat erzöget.

Die XIV. fabel von dem bild und dem wolff

Von dem wenig wysen seczet Esopus ain söliche fabel.

Ain wolff fand uff ainem aker ain wolgeschnittes und schönes bild. Er keret daz offt hin
und her und fand nit an im, daz es kaine sinn oder vernunfft hette. Do sprach er: O wie
gar ain schöne gestalt von ainem bild und hat doch kain hirn.

Dise fabel ist uff die menschen geseczet, die in große eer und glori geseczet sint, und weder
kunst noch wyshait habent Ouch uff die schönen unkündende frowen, von denen man
spricht: Das ist ain bild on gnad.

Die XV. fabel von dem rappen und pfauen

Von fremdem guot sol nieman güden noch ze houchtragend syn, sonder sol sich der
mensch lieber zieren mit dem wenigen, das im die natur gegeben hat, darumb daz er
nit ze spött werde, so im die fremde zierd würt abgezogen. Dar von hör dise fabel des
maisters.

Ain rapp erhuob sich in übermuot und ward so truczig, daz er die gefallen pfauen federn
samnet, und zieret sich selber da mit und ward so übermütig, daz er syn geschlücht der
rappen verschmahet und mischet sich under die pfauen. Als aber die pfauen den
verschmachten und unerkanten rappen ansahen und merkten, daz er sich mit ieren
klaidern höher wolt in eeren uf erheben, wurden sy über in erzürnet und rouften im uß
alle syne fremden federn, bißen und kraczten in so ser, daz er für tod von in ligend
verlaßen ward, hart verwundet. Als er aber ains tails wider erküket, schämet sich der
arm rapp, wider zuo synem geschlücht der rappen ze komen, wann er hette sie
schmachlich gehalten und in übermuot verachtet zuo den zyten, do er mit den pfauwen
federn was geklaidet. Doch als er in sorgen zuo in kam, sprach ainer von den rappen zuo
im: Sag mir, schamst du dich nit umb dynen übermuot, daz du dich hoher wilt erheben,
wann dynem geschlücht zuo gehöret? hettest du die klaider behalten, die dir die natur
hat gegeben, so wärest du von uns nit getriben worden in fremde geselschaft, so wärest
ouch von den pfauwen mit kraczen und byßen uncz uff den tod nicht so übel gehandelt
und verwundet worden. Darum wäre daz best, ieden in synem wysen benügig syn.

Die XVI. fabel von der fliegen und dem mul

Zyt und statt macht offt ain zaghafften und kranken fraidig syn gegen dem größern und
sterkern, und beschicht, das die verzegsten, die niemand schaden mügen, aller maist
tröwen. Dem schrybt Esopus ain söliche fabel.

Ain flieg saß an einem mul by dem lait sail. Sie straffet das mul zorniglich und sprach:
Wie bist du so trüg; gee bald oder ich stupf dir dyne stirnen daz du beider gaust.
Do sprach daz mul: Ich fürchte dyne wort nit, sonder des, der uff dem sattel siezet,
der myn mul mit dem zam regieret und mit dem piß wendet nach synem willen und mich
mit der knellenden gaiseln trybet; derselb ist mir ze fürchten, nit du, wann du bist
unachtbar, und doch ungestüme mit dynen worten, und vermacht doch kainem starken
nichez tuon. Darum laß dyn tröwen, wann es ist on sorg.

Die XVII. fabel von der fliegen und amais

Wer sich selber lobet, der würt offt gescholten und verspotet. Als ainer fliegen geschach
mit ainer amais, die striten mit einander, welhe die beßer und höher ze loben wäre,
und fieng die flieg am ersten an, sich selber hoch ze loben und güden von dem großen
gewalt, den sie hett, und sprach zuo der amais: Mainst du daz dyn lob dem unsern
zeglychen sye? Dyn wonung ist in den houlern, die myn ist künglicher sal. Ich iß
kündliche spys, dich neret ain gersten körnlin; dyn trank sugst du uß der erd, so trink ich
uß gold und silber. Wa man dann die hailigen opffer meczget, so bin ich die erst, die das
yngewaid versuochet. Ich sicz dem künig uff syn houpt. Ich berüre allen rainen wyben,
wie schön und zart sie synt, iere wenglin mit süßem küßen, deren aller du kains magst
gehaben. Darum bist du und dyn geschlacht gegen dem unsern wol ze verachten.
Die amais sprach her wider zuo der fliegen also: Wie gar bist du ain schnöder schantvogel,
so du dyn ungestümikait und lästerliche getauten lobest. Sag mir, wer begeret dyner
zuokunft, wie würdest du von den künigen und rainen frowen, die du meldest, enpfangen,
die du trüczlich wider ieren willen anflogest und sprichst, es stand dir alles ze gewalt,
und sagst nit, wie ain unwerder gast du bist; wa hin du komest, da vertrybt man dich,
man verjagt dich ungestümlich an an allen enden als ainen raiczenden fynd.
Und bist allain in dem summer etwas. Ze winter zyt vergaust on kraft, so bin ich allweg
wol gemuot. Ze winter zyt bin ich sicher in myner wonung, alle zyt bin ich gesund,
ich leb in fröden. Wa du dann bist, so vertrybt man dich mit gaiseln und wedeln, die mit flyß
allain wider dich gemachet synt.

Dise fabel ist wider die ungestümen zanner, haderer und unnücz güder von den dingen,
die schentlich synt.

Die XVIII. fabel von dem wolff und fuchs

Welcher ain fart untrüw erfunden würt, der blybt allweg in argwon, und ob er dar nach wol
ain warhait sagt, so geloubt man im doch dester minder. Als diese fabel Esopi bewyset.

Ain wolff zig ainen fuchs zorniglich ainer diebstal. Der fuchs lögnet und sagt, er wäre
unschuldig. Do saß der aff als ain gerechter richter, ze erkennen, welcher die warhait für
trüge under baiden parthien. Sie brachten für recht ieder tail, was er maint, das im nücz
wäre, und sagt ieder des andern untrüw und schelkery. Da das der gerecht warhafft
richter erhöret, gab er ain urtail und lase die ab ainem libel. Also: Wolff, nach dem als die
antwürt ist über dyn klag, so gloub ich, du habest nichcz verloren; aber du, fuchs, bist nit
ungestoln her komen, das doch iecz ze mal nach dem rechten nit uff dich gebracht würt.
Aber so ir baid vor ouch ungetrüw funden synd, so beliben fründ wie vor, üch ist baiden
wenig ze gelouben.

Die XIX. fabel von der wisel und dem hus herren

Offt beschicht, daz nüczlicher dienst nicht belönet würt, voruß wa er nit uß mainung gat
daz man dienen welle. Als dise fabel bewyset.

Ain wisel fieng in ainem hus gar vil müs. Die selb ward ouch gefangen von dem herren
des huses. Und do sie merket an dem herren, daz er sie töten wolt, sprach sie: Herr, du
solt mir genädig syn, wann ich hab dir dyn hus gerainiget von den mülichen müsen.
Do sprach der herr: Daz selb hast du nit getan mir ze guot, sonder dir zuo ainer spys.
Und ouch darumb, daz du gar eßen möchtest, das sie benagen würden, und villycht
truogst du daz gar hinweg, darum bedarff ich dir der selben dienst nit danken. Wa du
aber sölich dienst von mynen wegen mir bewisen hettest, so wäre billich, daz ich dir
gnädig wäre und dich darumb belönet. Aber also muost du sterben.

Die XX. fabel von dem frosch und dem ochsen

Wa sich die armen in übermuot also erheben, daz sie mainen den mächtigen gelych syn,
die verfallen und zerbrechen von ierem hochmuot. Als dise fabel ußwyset.

Ain frosch sach ainen ochsen gaun uff ainer waid, und gedacht in im selber: Wa du dyn
gerunzelte hut uff bietest, du möchtest ouch wol so groß werden, als diser ochs. Er fieng
sich an ze bleen so kreftiglich er mocht, und fragt syne jungen und sprach zuo inen:
Wie bedunkt üch, bin ich so groß als der ochs? Sie antwürten: Nain. Er bleet sich aber
noch baß und sprach zuo inen: Wie nun? Sie antwurten: Nichcz des gelychen. Er ward
sich zuo dem dritten maul bleen, do zerbrach er und starb.

Uß dem ist das gemain sprichwort entsprungen: Du solt dich nit ze ser bleen, daz du nit
brechest. Daz ist, du solt nit ze hoffärtig und übermütig syn, oder du würdst vernichtet.



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