Heinrich von Mügeln
   
 

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Minnesänger



Heinrich von Mügeln

um 1320 - nach 1371

Über Heinrich von Mügeln ist wenig bekannt. Geboren ist er wohl um 1320. Er nennt sich selbst:
"Ich Hainreich von Müglein, gesessen pey der Elbe in dem land zü Meissen."  Wir wissen nur, dass er ein Zeitgenosse von Kaiser Karl IV war. Ihm widmete er auch sein großes 2590 Verse umfassendes Mariengedicht -Der Meide Kranz-, das auch sein Hauptwerk ist.
Dann war er vielleicht noch ein Berufsdichter bei Ludwig I. von Ungarn, bei Rudolf IV. von Österreich und schließlich bei Hertneid von Pettau, dem Landesmarschall der Steiermark.

Seine an Gelehrsamkeit reichen Werke machen es wahrscheinlich, dass er eine geistliche Ausbildung besaß, aber kein geistliches Amt innehatte.
Stilistisch steht er in der Tradition des "geblümten Stils." Er hinterließ ein umfangreiches Werk von
verschieden großen theologisch-religiösen Werken, einer Chronik –"Die Ungarnchronik"- sowie 407 "Sangspruch"-Strophen.
Mügelns Werk, besonders seine Lyrik hatte eine starke Wirkung, vor allem im Minnesang, wo er zu den zwölf Meistersingern zählte.

Er war auch ein begabter Fabeldichter, wie folgender Text beweist.
 

Ein gans die sprach, si were ein meister aller
kunst. si sorget kleine vor den swêren rüben
dunst, wie das ir muter drin gesoten were.
"bi minem adel ich nimmer bi den gensen ge,
in einem vogelhuse wil ich singen me."
der ackerman erhorte dise mere.
er satzt sie ho in einen bur.
sie sprach, si wold die zisel gar verdringen,
ir kunst wer feste sam ein mur.
"giga" sie schrei und kunde nimmer singen.
da nu der here das ersach,
das er was an der gense gar betrogen,
das tet im leid und ungemach;
er hieng sie zu der wende bi dem kragen.
nicht underslach dich meisterhaft,
der du nicht macht volbrengen,
und hüte dich vor gense tat,
das ist min rat.
der keiser ist unschuldig dran,
wirstu in schanden hengen.
 

Eine Gans sagte, sie wäre ein Meister in allen Künsten.
Der Geruch der sauren Rübensuppe machte ihr keine
Angst, obwohl ihre Mutter darin gesotten worden war.
"Angesichts meines Adels wird es mir nicht wie den
anderen Gänsen ergehen, ich beabsichtige, in einem
Vogelkäfig zu singen." Der Bauer hörte diese Rede.
Er setzte sie hoch in einen Käfig.
Sie sagte, dass sie die Zeisige ausstechen wolle, denn
ihre Kunst sei fest gefügt wie eine Mauer. Sie schrie
aber nur "gaga" und konnte überhaupt nicht singen.
Als ihr Herr merkte,
dass er mit der Gans so gar keinen Erfolg hatte,
ärgerte er sich darüber.
Er hängte sie mit dem Kragen an der Wand auf.
Gib dich nicht als Meister
aus, wenn du dazu nicht imstande bist,
und hüte dich, so zu handeln wie die Gans,
das rate ich dir!
Denn der Kaiser hat keine Schuld,
wenn man dich dann in Schanden aufhängt.
 

1
Ein frouwe sprach: "min falk ist mir entflogen
so wit in fremde lant.
des ich fürcht, den ich lange han gezogen,
den feßt ein fremde hant.
ich han der truwe fessel
im gar zu lang gelan.
des brut die afterruwe sam ein nessel
min herze sunder wan.

2.
Ich hoffe doch, das er mir kumet wider,
wie er nu sweimet wit.
wann er verlüst die schell und das gefider
bricht und die winterzit
im drouwet und die beiße
vergat und rist der hag,
so swinget er dann wider in sinen weiße,
wann er nicht fürbaß mag.

3.
Ach, hett ich einen blafuß für den falken:
ab er nicht wer so risch,
doch blib er stan uf mines herzen balken.
was hilfet mich der fisch,
der in des meres grüfte
wart alles angels fri?
mich stüret klein der vogel in der lüfte,
wie edel das er sí"
 

1.
Eine Dame sagte: "Mein Falke ist mir weit
in fremde Länder entflogen.
Ich fürchte, dass ihn, den ich so lange gezähmt habe,
jetzt eine fremde Hand fassen wird.
Ich habe ihm in der Fessel
seiner Treue zu viel Spielraum gegeben.
Nachträglich brennt mir der Ärger darüber
ganz gewiss wie eine Nessel das Herz.

2.
Aber ich hoffe trotzdem, dass er zurückkommt,
wie weit er jetzt auch herumfliegt.
Wenn er sein Geschell verliert, wenn sein Gefieder
bricht, der Winter ihn bedroht,
die Jagdzeit vorüber ist
und der Wald die Blätter verliert,
dann fliegt er nach Hause zurück,
denn er hat keine andere Möglichkeit mehr.

3.
Ach, hätte ich einen Blaufuß anstelle des Falken:
Er wäre zwar nicht so schnell,
doch blieb er er auf dem Balken meines Herzens sitzen.
Was nützt mir der Fisch,
der in der Tiefe des Meeres
nie von einer Angel erreicht wird?
In der Luft hilft mir der Vogel nichts,
so edel er auch sein mag."
 

1.
Durch minn gein Kriechen quam
Paris: Helen, die schon, er nam,
künig Menelaus wib, die scham
den keiser Agamennon treib,
das er der tochter nach
mit tusent schiffen ilte nach.
im was gein Troi in grimme gach:
das ganze künigrich er zerreib.
künig Priamus, Paris, Hector erslagen,
wib und kint tot in den gassen lagen.
Troie wart, hör ich sagen,
gebrochen und verscharet gar.

2.
Tarquinius genant,
des kaisers sun, zu Rome fant
eine Lucreciam. zuhant
er übte mit ir minne swach.
die edle dem senat
kleite, der darzu nicht entat.
ir unvermeiltes herz ir rat
gab, das sie sich selben erstach.
der sich die Romer all betrubten sere:
vertriben wart Tarquinius der here.
des keisertumes ere
vergieng davon dri hundert jar.

3.
Her Salomon wart bloß
von minne witze und versloß
den tempel; gotes er verkos
und bette die apgöte an;
Sampson geblendet wart.
die minn hat der sirenen art:
dem marner sie so süße zart,
das er entsleft und zücket dann das
schif zu grund. sus manchen minn ertrenket,
dem sie mit seime todes gall inschenket.
tat swacher minne krenket
man unde wib in eren schar.
 
1.
Wegen der Liebe kam Paris nach Griechenland:
Helena, die schöne, die Frau des
Königs Menelaus, entführte er. Die Schande
veranlasste den Kaiser Agamemnon,
dass er mit tausend Schiffen
der Tochter nacheilte.
Sein Zorn trieb ihn nach Troja:
er vernichtete das ganze Königreich.
König Primus, Paris und Hector wurden erschlagen,
Frauen und Kinder lagen tot in den Straßen.
Troja, so hörte ich sagen,
wurde erstürmt und zerstört.

2.
Ein Herr Tarquinius genannt,
der Sohn des Kaisers, traf in Rom
Lucretia alleine an. Ohne Zögern
trieb er mit ihr sündhafte Liebe.
Die Edle erhob vor dem Senat
Anklage, doch dieser unternahm nichts.
Ihr reines Herz gab ihr
den Rat, sich selbst zu erdolchen.
Die Römer beklagten das alle sehr:
Tarquinius; der Adlige, wurde vertrieben.
Das Ansehen des Kaisertums
lag deswegen für dreihundert Jahre danieder.

3.
Herr Salomon verlor aus Liebe
den Verstand und schloss
den Tempel; er vergaß Gott
und betete die Abgötter an;
Samson wurde geblendet.
Die Liebe hat die Art der Sirenen:
Sie schmeichelt dem Seemann so süß,
dass er einschläft, und dann zieht sie das Schiff
auf den Grund. So ertränkt die Liebe viele, denen sie
mit ihrem Honigseim tödliche Galle einschenkt.
Niedere Liebe veranlasst Männer und Frauen,
Dinge zu tun, durch die sie viel Ehre verlieren.
 

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